Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
»Wenn du diese Metapher vorziehst, ja.« Die kupferroten Brauen des Gottes zuckten, doch die Augen darunter funkelten in düsterer Belustigung. Der Wolf und die Leopardin saßen nun auf beiden Seiten der schlanken, bestiefelten Beine und musterten Ingrey stumm aus starren Augen.
Ingrey schluckte. »Wie?«
»Ruf sie heraus.«
»Ich … verstehe nicht.«
»Tu, was deine Ahnen füreinander getan haben, in den reinigenden Sterberiten des Alten Weald. Wusstest du das nicht? Während sie noch jeden Leichnam zur Bestattung gewaschen und verhüllten, haben die Schamanen der alten Sippen sich um die Seelen der Ihren gekümmert. Ein jeder half seinem Kampfgefährten am Ende seines Lebens durch Unsere Tore, ob es nun ein einfacher Totemkrieger war oder ein mächtiger Magier; und nahm selbst auch am Ende seines Lebens diese Dienste in Anspruch. Eine Kette von Hand zu Hand, von Stimme zu Stimme, geläuterte Seelen in einem endlosen Strom.« Der Stimme des Gottes wurde sanfter. »Ruf meine unglücklichen Geschöpfe heraus, Ingrey von Wolfengrund. Singe sie zur ihrer letzten Ruhe.«
Ingrey stand Boleso gegenüber. Die Augen des Prinzen waren weit und flehentlich aufgerissen. Ijadas Augen waren wohl auch weit und flehentlich aufgerissen in jener Nacht. Wie viel Mitleid hat sie von Euch empfangen, mein ruchloser Prinz?
Außerdem kann ich gar nicht singen.
Ijadas Blicke waren nun auf ihn gerichtet, wie Ingrey erkannte. Sie strahlten Hoffnung und Vertrauen aus.
Ich habe kein Erbarmen in mir, verehrte Dame. Also werde ich mir welches von Euch borgen.
Er holte tief Luft und griff tiefer in sein Innerstes als je zuvor. Halte es so einfach wie möglich. Er wählte mit dem Auge einen der Wirbel aus, streckte die Hand vor und befahclass="underline" »Komm.«
Der erste Tiergeist wirbelte durch seine Finger hindurch aus Boleso hervor, verwirrt und scheu, und huschte davon. Ingrey blickte den Gott an. »Wo …?«
Eine Geste dieser strahlenden Finger bestätigte ihn. »Es ist gut. Mach weiter.«
»Komm.«
Einer nach dem anderen strömten die dunklen Wirbel aus Boleso hervor und verschwanden in der Nacht. Dem Morgen. Was immer das hier war. Sie alle flossen in ein Jetzt irgendwo jenseits der Zeit. Und schließlich stand Boleso vor ihm, immer noch schweigend, doch von allen finsteren Schlieren befreit. Der rothaarige Gott schien nun auf dem kastanienbraunen Hengstfohlen zu reiten. Er streckte dem Prinzen die Hand entgegen. Boleso zuckte zusammen, blickte in Zweifel und Furcht empor, und Ijada hielt den Atem an. Dann aber saß er still hinten auf. Sein Gesicht zeigte tiefes Erstaunen, wenn auch wenig Freude.
»Ich denke, seine Seele ist noch immer verwundet, Herr«, stellte Ingrey fest, der mit einem Anflug von Verstehen zuschaute.
»Ah. Aber dort, wo wir hingehen, kenne ich einen hervorragenden Heilkundigen für ihn«, erwiderte der Gott mit sinnverwirrendem Lachen.
»Herr …«, setzte Ingrey an, als der Gott sich anschickte, das ungezäumte Pferd zu wenden.
»Ja?«
»Wenn ein jeder Schamane der Sippen den vorangegangenen hinausgeleitet hat, und vom nächsten geleitet wurde …« Er schluckte. »Was geschieht dann mit dem letzten aller Schamanen?«
Der Herr des Herbstes blickte mit einem rätselhaften Ausdruck auf ihn herab. Er streckte einen seiner strahlenden Finger aus und ließ ihn dicht vor Ingreys Stirn verharren. Einen Augenblick lang glaubte Ingrey, er würde nicht antworten, dann aber flüsterte er: »Das müssen wir erst noch herausfinden.«
Er drückte die Fersen in die Flanken des jungen, kastanienbraunen Hengstes und war fort.
Ingrey blinzelte.
Er lag auf dem harten Pflaster, den Körper halb ausgestreckt, und starrte zu der Kuppel über dem Schrein des Sohnes empor — auf einen Ring erschrockener Gesichter, die ihrerseits zu ihm herunterstarrten: Gesca, eine besorgte Lady Hetwar, einige Männer, die er nicht kannte.
»Was ist geschehen?«, fragte Ingrey.
»Ihr seid umgekippt«, stellte Gesca mit einem Stirnrunzeln fest.
»Nein — was geschah an der Bahre? Gerade eben?«
»Der Herr des Herbstes hat Prinz Boleso aufgenommen«, erklärte Lady Hetwar mit einem Blick über die Schulter. »Dieses hübsche rote Hengstfohlen hat ihn von oben bis unten mit der Schnauze liebkost. Es war sehr eindeutig, zu jedermanns Erleichterung.«
»Ja. Die Hälfte meiner Bekannten haben darauf gewettet, dass er zum Bastard gehen würde.« Ein schiefes Grinsen erschien auf Gescas Gesicht.
Lady Hetwar warf ihm einen missbilligenden Blick zu. »Das ist kein schicklicher Anlass für Wetten, Gesca.«
»Nein, Herrin«, stimmte Gesca zu und verkniff sich pflichtschuldigst sein Grinsen.
Ingrey schob sich hoch, bis er mit dem Rücken gegen die Wand dasaß. Nach dieser Anstrengung drehte sich ihm der Raum erneut vor Augen. Er presste die Lider zusammen und öffnete sie wieder. Während seiner Vision hatte er sich körperlos gefühlt und jegliches Empfinden verloren; jetzt aber lief ein Schaudern durch seinen Leib, obwohl ihm nicht kalt war. Es war, als hätte sein Körper einen Schock erlitten, nicht aber sein Geist.
Lady Hetwar beugte sich vor und drückte fürsorglich die Hand gegen seine feuchte Stirn. »Seid Ihr krank, Lord Ingrey? Eure Haut fühlt sich sehr warm an.«
»Ich …« Er wollte gerade jede Schwäche entschieden abstreiten, besann sich dann aber eines Besseren. Er wünschte sich nichts mehr, als diesem überladenen Ort so rasch wie möglich zu entfliehen. »Ich fürchte ja, Herrin. Wenn Ihr mich bitte entschuldigen wollt, auch bei Eurem Herrn Gemahl.« Ich muss Ijada aufsuchen. Unsicher erhob er sich und ertastete sich den Weg die Wand entlang. »Ich will nur ungern hier im Tempel mein Frühstück wieder hervorwürgen und inmitten dieser Zeremonie.«
»Allerdings nicht«, pflichtete sie inbrünstig bei. »Geht, rasch. Gesca, helft ihm.« Sie wartete gerade lang genug, um sich zu vergewissern, dass Gesca nach seinem Arm griff. Dann wandte sie sich wieder ihrem Sohn zu.
Drüben am Altar hatte der Chor seinen Gesang wieder aufgenommen. Er formierte sich erneut, um die Prozession nach draußen anzuführen, und die Leute nahmen raschelnd ihre Plätze ein. Ingrey war dankbar, dass er in dieser Geräuschkulisse untertauchen konnte. Er vermeinte, auf der anderen Seite der Menge den Gelehrten Lewko zu erkennen, der den Hals reckte und versuchte, die Ursache der Störung auszumachen, doch er wich dem Blick des Geistlichen aus. Dicht an der Wand entlang — halb zur Stütze, halb um dem Gedränge auszuweichen — floh er aus der Halle. Als er den Säulengang verließ, zog er Gesca schon hinter sich her.
»Lasst mich allein«, keuchte er und schüttelte Gescas Hand ab.
»Aber Ingrey, Lady Hetwar meinte …«
Es bedurfte nicht einmal der Zauberstimme: Sein finsterer Blick reichte aus, um Gesca zurückweichen zu lassen. Verwirrt blieb er stehen, während Ingrey sich über den belebten Platz schlängelte.
Als Ingrey die Treppen zur Königsstadt erreichte, bewegte er sich beinahe im Laufschritt. Er stürmte die endlosen Stufen hinunter, nahm immer zwei oder drei auf einmal, auch auf die Gefahr hin, kopfüber in die Tiefe zu stürzen. Als er den übermauerten Bach erreicht hatte, rannte er. Sein langer Mantel flatterte ihm um die Fersen. Als er an die Tür des schmalen Hauses hämmerte, die Hände auf die Knie gestützt und keuchend, hatte er die Lüge gegenüber Lady Hetwar fast zur Wahrheit gemacht: Sein Atem ging schwer, und ihn quälte eine würgende Übelkeit. Er stolperte durch die Tür, als der überraschte Pförtner sie öffnete.
»Lady Ijada … wo ist sie?«
Bevor der Pförtner etwas sagen konnte, beantwortete ein Poltern auf der Treppe seine Frage. Ijada eilte zu ihnen herab, und die Zofe hinter ihr rief: »Herrin, Ihr solltet nicht … kommt zurück und legt Euch wieder hin!«