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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Mit ruhiger Stimme beschrieb sie auch die anderen Ereignisse — im Großen und Ganzen so, wie Ingrey sie erlebt hatte, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel. Ihre Stimme zitterte leicht, als sie die Worte des Gottes zitierte. Wortgetreu, so weit Ingrey sich daran erinnerte. Offenbar hatte sie dasselbe empfunden wie er: Worte, die sich in Lettern aus immerwährendem Feuer direkt in den Verstand einbrannten. Verlegen blickte er zur Seite und biss die Zähne zusammen, als er auch seine eigenen schamlosen Äußerungen zitiert hörte.

Tränen schimmerten in ihren Augenwinkeln, als sie schließlich zum Ende kam: »… und Ingrey fragte ihn, was denn mit dem letzten verbliebenen Schamanen geschehen würde, wenn es niemanden mehr gäbe, der ihn läutern könne. Aber der Gott verriet es ihm nicht. Fast schien es so, als ob er es selbst nicht wusste.« Sie schluckte.

Lewko stützte die Ellbogen auf den Tisch und wischte sich mit dem Handballen die Augen. »Schwierigkeiten«, murmelte er widerwillig. »Jetzt weiß ich wieder, warum ich mich stets fürchte, Hallanas Briefe zu öffnen.«

»Könnte das Ijadas Fall beeinflussen?«, fragte Ingrey. »Was meint Ihr? Falls es zur Aussage kommen sollte? Wie stehen die Vorbereitungen für den Prozess? Ich nehme an, Ihr kommt rasch an solche Neuigkeiten …?« Zumindest wenn Lewkos leichte Ähnlichkeiten zu Hetwar sich nicht nur auf Alter und Ausdrucksweise beschränkten.

»Oh, in der Tat. Der Klatsch im Tempel ist schlimmer als bei Hofe, das kann ich Euch versichern.« Lewko biss sich auf die Unterlippe. »Ich glaube, die Kirche des Vaters hat fünf Richter für die Anhörung eingesetzt, die dem Prozess vorausgeht.«

Für sich genommen war das keine großartige Neuigkeit. Unbedeutende Fälle, oder Fälle, die als unbedeutend behandelt werden sollten, bekamen nur drei Richter zugewiesen, manchmal auch nur einen, oder — wenn der Angeklagte besonderes Pech hatte — sogar nur einen jungen Akolythen in Ausbildung. »Wisst Ihr etwas über die Richter?« Oder gegen sie?

Bei dieser Frage runzelte Lewko die Stirn. »Hochgeborene Männer, ernsthaft und erfahren in Schwerverbrechen. Vermutlich werden sie schon morgen mit den Zeugenbefragungen anfangen.«

»Oh«, warf Ingrey ein. »Ich habe gesehen, dass Ritter Ulkra hier ist. Prinz Bolesos gesamtes Gefolge von Burg Keilerkopf dürfte mit ihm eingetroffen sein. Es gibt also keinen Grund, noch länger mit der Anhörung zu warten. Werde ich ebenfalls aussagen müssen?«

»Da Ihr zum Zeitpunkt der Tat nicht zugegen wart, möglicherweise nicht. Wollt Ihr denn aussagen?«

»Ich weiß es nicht genau. Wie erfahren sind diese ernsthaften Männer denn in Fragen des Übernatürlichen?«

Lewko ächzte und lehnte sich zurück. »Nun, das ist immer ein Problem.«

Ijada fragte mit einem Stirnrunzeln: »Wieso?«

Lewko bedachte sie mit einem abwägendem Blick. »Zu viel des Übernatürlichen — und des Heiligen — beruht auf rein innerem Erleben. Jede Aussage darüber könnte allzu persönlich gefärbt sein. Leute lügen. Leute täuschen sich selbst oder andere. Sie sind beeinflusst, eingeschüchtert oder davon überzeugt, Dinge gesehen zu haben, die sie eben nicht gesehen haben. Und manche Leute sind einfach nur verrückt. Jeder junge Richter des Vaters lernt früh, dass er sich viel Zeit und Ärger ersparen kann, wenn er solche Aussagen von Anfang an zurückweist, und dass er damit in neun von zehn Fällen richtig liegt. Die Bedingungen also, unter denen solche Behauptungen vor Gericht angehört werden, sind sehr streng geworden. Als eine Regel gilt, dass drei in der Wahrnehmung des Göttlichen erfahrene Angehörige der Kirche von einwandfreiem Leumund sich füreinander und für die Aussage verbürgen müssen.«

»Und Ihr seid ein solcher Angehöriger der Kirche, nicht wahr?«, stellte sie fest.

»Ja.«

»In diesem Gemach sind drei versammelt.«

»Hm … vielleicht, was die Wahrnehmung betrifft. Aber was die anderen Qualifikationen angeht, Kirche und guter Leumund, hapert es ein wenig, fürchte ich.« Er bedachte Ingrey und Ijada mit einem trockenen Blick.

Hallana, so kam es Ingrey in den Sinn, mochte eine weitere zulässige Zeugin abgeben. Allerdings würde es im Augenblick schwierig sein, sie zwecks einer Aussage hierher zu bekommen.

Andererseits … wenn er je eine Verzögerungstaktik benötigt hatte, wäre jetzt die Zeit dafür. Doch er schob den Gedanken erst einmal in einen Winkel seines Verstandes.

Ijada rieb sich die Stirn und fragte traurig: »Glaubt Ihr uns nicht, Hochwürden?«

Lewko presste die Lippen zusammen. »Doch. Doch, ich schon, der Bastard sei mein Zeuge. Aber eine hinreichende persönliche Überzeugung, um tätig zu werden, und ein ausreichender Beweis, der vor einem Gerichtshof standhalten kann, das sind zweierlei Dinge.«

»Persönlich tätig werden?«, fragte Ingrey. »Ihr sprecht nicht für die Kirche, Hochwürden?«

Er machte eine vieldeutige Handbewegung. »Ich unterstehe und wahre gleichermaßen die Regeln des Tempels. Außerdem bin ich in nur geringem Maße von den Göttern berührt, jedoch genug, um nicht nach mehr zu verlangen. Ich bin mir nie ganz sicher, ob meine schwankenden Fähigkeiten auf mein Unvermögen zurückzuführen sind, zu empfangen, oder auf Seinen Unwillen, mir mehr zu geben.« Er seufzte. »Euer Dienstherr Hetwar hat sich stets geweigert, das zu verstehen. Ständig ersucht er mich um Hilfe in unpassenden Angelegenheiten, und er mag es überhaupt nicht, wenn ich Nein sage. Die Zauberer meines Ordens stehen ihm zur Verfügung, die Götter aber nicht.«

»Und Ihr sagt ihm Nein?«, fragte Ingrey beeindruckt.

»Sehr oft.« Lewko verzog das Gesicht. »Was die großen Heiligen betrifft … denen erteilt niemand Befehle. Der kluge Diener der Kirche läuft bloß hinter ihnen her und wartet ab, was geschieht.«

Lewkos Blick richtete sich für einen Moment nach innen. Ingrey fragte sich, was für Erfahrungen er in dieser Hinsicht gemacht hatte. »Ich bin kein Heiliger, gleich welcher Art«, stellte er fest.

»So wenig wie ich«, fügte Ijada inbrünstig hinzu. »Und doch …«

Lewko blickte zu ihnen auf. »Genau damit habt Ihr Recht. Und doch. Ihr beide wurdet stärker von den Göttern berührt, als es jemandem mit so starkem Willen widerfahren sollte. Es ist gerade die Entsagung des eigenen Willens, die den Göttern Raum lässt, damit Sie durch die Heiligen in die Welt treten können. Es heißt, dass die Krieger des Alten Weald über ihre Geistertiere leichter mit den Göttern in Kontakt treten konnten. Die Tierseelen sollen eine Verbindung hergestellt haben, ähnlich den heiligen Tieren bei einer Bestattung. Diese Gerüchte kommen mir mit einem Mal bedeutend glaubwürdiger vor.«

Ist mein Dispens so sehr in Gefahr, wie Wenzel behauptet? Ingrey beschloss, diese Frage nur verdeckt anzusprechen: »Ijada ist nicht mehr für die Umstände verantwortlich, wie sie zu ihrem Leoparden gekommen ist, so wie ich es bei meinem Wolf war. Jemand anders hat ihr die Tierseele aufgenötigt. Kann ihr nicht ebenso ein Dispens gewährt werden wie mir? Es wäre nicht sinnvoll, sie vor der einen Anklage zu retten, nur um sie an die andere zu verlieren.«

»Das ist eine interessante Frage«, erwiderte Lewko. »Was meint denn Siegelbewahrer Hetwar dazu?«

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