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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Dieser Körper war. Weder gut noch schlecht, er war einfach. Er war mir jetzt vertraut; er war mein.

Sie waren alle mein: der bewusstlose Körper unter meinen Händen, der seine Geheimnisse preisgab, die Männer, die ihn hielten und ihre Augen auf mich gerichtet hatten. Es geschah nicht immer, doch wenn es dazu kam, war es ein unvergessliches Gefühl, diese Synthese von Individuen, die sich zu einem einzigen Organismus verbanden. Und indem ich die Kontrolle über diesen Organismus übernahm, wurde ich selbst Teil davon und verlor mich darin.

Die Zeit stand still. Ich war mir jeder Bewegung genau bewusst, jedes Atemzuges, des Widerstandes der Catgutfäden, während ich den Leistenring zusammenzog, doch meine Hände gehörten nicht mir. Meine Stimme war hell und klar, sie gab Anweisungen, die unverzüglich befolgt wurden, und irgendwo in weiter Ferne verfolgte ein kleiner Beobachter in meinem Hirn den Vorgang mit distanziertem Interesse.

Dann war es vorbei, und die Zeit setzte wieder ein. Ich trat einen Schritt zurück und löste damit die Verbindung. Mir wurde ein bisschen schwindelig, als ich so unvermittelt allein dastand.

»Fertig«, sagte ich, und das Gemurmel der Zuschauer schwoll zu lautem Beifall an. Immer noch berauscht – hatte sich Myers’ Trunkenheit per Osmose auf mich übertragen? –, drehte ich mich auf dem Absatz um und sank zu einem besonders tiefen Hofknicks vor den Gästen nieder.

Eine Stunde später hatte ich mir meinen eigenen Rausch angetrunken, denn ich war das Opfer diverser Trinksprüche geworden. Unter dem Vorwand, nach meinem Patienten sehen zu wollen, gelang es mir, kurz zu entfliehen, und ich stolperte nach oben in das Gästezimmer, in dem er lag.

Auf der Empore blieb ich stehen und hielt mich am Geländer fest, um die Balance wiederzufinden. Gespräche und Gelächter klangen als lautes Summen von unten herauf; die Abendgesellschaft war immer noch in vollem Gange, hatte sich aber in kleine Grüppchen aufgelöst, die sich über das Parkett der Halle und des Salons verteilten. Von meinem Standort aus betrachtet, wirkte es wie eine Bienenwabe: Bauschige Perückenköpfe und gazebeflügelte Kleider taumelten auf den sechseckigen Fliesen hin und her und summten geschäftig über Gläsern, die mit dem Nektar Brandy und Portwein gefüllt waren.

Wenn Jamie ein Ablenkungsmanöver wollte, dachte ich benommen, dann hätte er sich nichts Besseres wünschen können. Was auch immer hätte geschehen sollen, war erfolgreich verhindert worden. Doch was war es – und wie lange konnte es aufgeschoben werden? Ich schüttelte den Kopf, um ihn klar zu bekommen – mit mäßigem Erfolg –, und begab mich zu meinem Patienten.

Myers schlief immer noch selig und tief und atmete in langen Zügen, die das baumwollene Bettzeug erzittern ließen. Die Sklavin Betty nickte mir lächelnd zu.

»Es geht ihm gut, Mrs. Claire«, flüsterte sie. »Man könnte den Mann nicht mal mit ’nem Schießeisen aufwecken, glaube ich.«

Ich brauchte seinen Puls nicht zu fühlen; sein Kopf war zur Seite gedreht, und ich konnte die dicke Vene an seinem Hals sehen, in der der Puls langsam und schwer wie ein Hammer schlug. Ich berührte ihn, und seine Haut fühlte sich kühl und feucht an. Kein Fieber, kein Anzeichen eines Schocks. Seine ganze enorme Person strahlte Frieden und Wohlbehagen aus.

»Wie geht es ihm?« Wäre ich weniger betrunken gewesen, hätte ich mich erschrocken. So aber drehte ich mich nur um die eigene Achse. Jamie stand hinter mir.

»Gut«, sagte ich. »Man könnte ihn nicht einmal mit einer Kanone umbringen. Er ist wie du«, sagte ich und lehnte plötzlich an ihm, die Arme um seine Taille geschlungen, mein erhitztes Gesicht in den kühlen Leinenfalten seines Hemdes vergraben. »Unverwüstlich.«

Er küsste mich auf den Scheitel und strich ein paar Locken zurück, die sich während der Operation selbständig gemacht hatten.

»Gut gemacht, Sassenach«, flüsterte er. »Sehr gut, Liebste.«

Er roch nach Wein und Bienenwachs, nach Kräutern und Highlandwolle. Ich ließ meine Hand tiefer gleiten und spürte die Rundungen seines Hinterns, glatt und frei unter dem Kilt. Er bewegte sich sacht und drückte seinen Oberschenkel an den meinen.

»Du brauchst ein bisschen frische Luft, Sassenach – und ich muss mit dir reden. Kannst du ihn ein Weilchen allein lassen?«

Ich blickte auf das Bett und seinen schnarchenden Bewohner.

»Ja. Wenn Betty bei ihm sitzen bleibt und darauf achtet, dass er sich nicht im Schlaf übergibt und erstickt?« Ich sah die Sklavin an, die überrascht schien, dass ich überhaupt fragte, aber bereitwillig nickte.

»Wir treffen uns im Kräutergarten – und pass auf, dass du nicht die Treppe runterfällst und dir den Hals brichst, aye?« Er hob mein Kinn an und küsste mich kurz und intensiv. Ich blieb benommen zurück, und fühlte mich zugleich betrunkener und nüchterner als zuvor.

Kapitel 13

Eine Gewissensprüfung

Etwas Dunkles landete mit einem leisen Plop! vor uns auf dem Weg, und ich blieb abrupt stehen und klammerte mich an seinen Arm.

»Ein Frosch«, sagte Jamie seelenruhig. »Hörst du sie singen?«

»Singen« war nicht das Wort, das mir zu dem Quak- und Grunzkonzert eingefallen wäre, das aus dem Schilf am Fluss erklang. Aber Jamie hatte kein musikalisches Gehör und machte kein Hehl aus dieser Tatsache.

Er streckte die Fußspitze vor und stieß das am Boden hockende Tier sanft an.

»›Brekekekex, quak, quak‹«, zitierte er. »›Brekekekex, quak!‹« Das Tier hüpfte davon und verschwand unter den feuchten Pflanzen am Wegrand.

»Ich habe ja schon immer gewusst, dass du ein Talent für Sprachen hast«, sagte ich amüsiert, »aber ich hatte keine Ahnung, dass du Fröschisch kannst.«

»Na ja, nicht gerade fließend«, sagte er bescheiden. »Aber meine Aussprache ist gut, wenn ich das sagen darf.«

Ich lachte, und er drückte mir die Hand und ließ sie dann los. Der kurze Funke des Witzes erlosch, ohne eine Unterhaltung zu entzünden, und wir gingen weiter, körperlich zusammen, doch in Gedanken meilenweit voneinander entfernt.

Ich hätte erschöpft sein sollen, doch durch meine Adern strömte immer noch Adrenalin. Ich verspürte die Hochstimmung, die sich nach einer erfolgreichen Operation einstellt, ganz zu schweigen von einem ordinären kleinen Alkoholrausch. Infolge dieser Kombination stand ich etwas wackelig auf den Beinen, nahm jedoch gleichzeitig die Dinge um mich herum intensiv wahr.

Unter den Bäumen bei der Anlegestelle stand eine dekorative Bank, zu der Jamie mich jetzt führte, tiefer ins Dunkel hinein. Mit einem langen Seufzer sank er auf die Marmorbank, was mich daran erinnerte, dass auch er einen ereignisreichen Abend hinter sich hatte.

Ich sah mich mit übertriebener Aufmerksamkeit um und setzte mich dann neben ihn.

»Wir sind allein und unbeobachtet«, sagte ich. »Willst du mir jetzt vielleicht sagen, was zum Teufel hier vorgeht?«

»Oh, aye.« Er richtete sich auf und streckte seinen Rücken. »Ich hätte dir eher etwas sagen sollen, aber ich hatte ja keine Ahnung, dass sie so etwas tun würde.« Er tastete nach mir und fand im Dunklen meine Hand.

»Nichts Schlimmes, wie ich dir schon gesagt habe. Nur – als Ulysses mir das Plaid und den Dolch und die Brosche gebracht hat, hat er mir gesagt, Jocasta hätte vor, heute Abend beim Essen zu verkünden – aller Welt mitzuteilen, dass sie mich zum Erben machen wollte von – dem hier.«

Seine Geste umfasste das Haus und die Felder hinter uns – und alles andere: die Anlegestelle am Fluss, den Obstgarten, die Gärten, die Stallungen, die endlosen, harzduftenden Kiefernwälder, die Sägemühle und die Terpentinanlage – und die vierzig Sklaven, die dort arbeiteten.

Ich sah das Ganze vor mir, wie es zweifellos Jocastas Vision gewesen sein musste: Jamie, der am Tisch präsidierte, in Hector Camerons Tartan gehüllt, angetan mit dessen Dolch und Brosche – jene Brosche mit der nicht gerade subtilen Beschwörungsformel der Camerons. »Eint Euch!« –, inmitten von Hectors alten Kollegen und Freunden, die alle nur darauf brennen würden, den jüngeren Verwandten ihres Freundes an seiner statt willkommen zu heißen.

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