Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Einen Moment lang sah ich ihn wie an dem Morgen, an dem ich ihn geheiratet hatte. Das Muster seines Tartans sah fast genauso aus wie damals: schwarzes Karo auf karminrotem Grund; das Plaid, mit einer Silberbrosche an der Schulter zusammengehalten, fiel bis zu seiner elegant bestrumpften Wade herab.
Leinenhemd und Rock waren heute feiner als damals, und der Dolch an seiner Taille war am Heft mit Goldbändern verziert. Duine uasal, so sah er aus, ein Mann von Wert.
Doch das kühne Gesicht über den Spitzen war dasselbe, älter, doch dafür auch weiser – und dennoch, seine Kopfhaltung, der energische Zug um seinen breiten Mund, die klaren, schrägen Katzenaugen, die in die meinen blickten, das alles hatte sich nicht verändert. Hier stand ein Mann, der seinen Wert immer gekannt hatte.
»Euer Diener, Ma’am«, sagte er – und grinste übers ganze Gesicht, während er die letzten Stufen herunterkam.
»Du siehst großartig aus«, sagte ich und bekam den Kloß in meinem Hals kaum hinunter.
»Ist gar nicht so übel«, stimmte er ohne eine Spur falscher Bescheidenheit zu. Sorgfältig arrangierte er eine Falte auf seiner Schulter. »Das ist natürlich der Vorteil bei einem Plaid – es gibt keine Probleme mit der Passform.«
»Ist es von Hector Cameron?« Ich hatte lächerliche Hemmungen, ihn in seiner festlichen Aufmachung zu berühren. Stattdessen berührte ich den goldenen Knauf seines Dolches, die stilisierte Darstellung eines fliegenden Vogels.
Jamie holte tief Luft.
»Jetzt gehört es mir. Ulysses hat es mir gebracht – mit den besten Wünschen meiner Tante.« Ich hörte einen seltsamen Unterton in seiner Stimme und sah zu ihm hoch. Obwohl es ihm offensichtlich größte Freude bereitete, wieder einen Kilt zu tragen, beunruhigte ihn etwas. Ich berührte seine Hand.
»Stimmt etwas nicht?«
Er lächelte halbherzig, doch seine Brauen waren sorgenvoll zusammengezogen.
»Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass etwas nicht stimmt. Nur –«
Er wurde durch Schritte auf der Treppe unterbrochen, und er zog mich aus der Bahn eines Sklaven, der mit einem Berg Tischwäsche vorbeieilte. Das Haus erinnerte an einen Bienenstock: Überall wurden letzte Vorbereitungen getroffen, am Hintereingang hörte ich Räder auf dem Kies knirschen, und die Platten, die im Galopp aus der Küche getragen wurden, erfüllten die Luft mit herzhaften Düften.
»Wir können hier nicht reden«, murmelte er. »Sassenach, kannst du beim Abendessen aufpassen? Falls ich dir ein Zeichen gebe« – er zupfte an seinem Ohrläppchen –, »kannst du dann sofort ein Ablenkungsmanöver starten? Egal, was – wirf dein Weinglas um, fall in Ohnmacht, stich mit der Gabel auf deinen Tischgenossen ein –« Er grinste mich an, und das machte mir Mut – es ging bei seinem Problem also nicht um Leben und Tod.
»Kann ich«, versicherte ich ihm. »Aber was –«
Oben auf der Empore öffnete sich eine Tür, und Jocastas Stimme drang zu uns herab, als sie Phaedre letzte Anweisungen gab. Als Jamie das hörte, beugte er sich schnell zu mir herab und küsste mich. Dann machte er sich mit schwingendem Plaid davon und verschwand zielsicher zwischen zwei Sklaven, die Tabletts mit Kristallgläsern in den Salon trugen. Ich starrte ihm verwundert nach und trat gerade noch rechtzeitig zur Seite, um nicht von den Dienstboten umgerannt zu werden.
»Bist du das, liebste Claire?« Jocasta hielt auf der unteren Stufe inne. Ihr Kopf war mir zugewandt, und sie schien direkt auf meine Schultern zu blicken. Es war unheimlich.
»Ja«, sagte ich und berührte ihren Arm, um ihr genau zu zeigen, wo ich war.
»Ich habe den Kampfer in deinem Kleid gerochen«, sagte sie als Antwort auf meine unausgesprochene Frage und schob ihre Hand in meine Armbeuge. »Ich dachte, ich hätte Jamie gehört. Ist er hier?«
»Nein«, sagte ich völlig wahrheitsgemäß. »Ich glaube, er ist nach draußen gegangen, um die Gäste zu begrüßen.«
»Ah.« Ihre Hand schloss sich fester um meinen Arm, und sie seufzte halb beruhigt, halb ungeduldig. »Ich will nicht über Dinge jammern, die nicht zu ändern sind, aber ich würde ein Auge hergeben, wenn ich dafür mit dem anderen den Jungen heute Abend in seinem Plaid sehen könnte.«
Mit einem Kopfschütteln, bei dem ihre Diamantohrringe aufblitzten, verscheuchte sie den Gedanken. Ihr weißes Haar hob sich leuchtend von der dunkelblauen Seide ihres Kleides ab. Der Stoff war mit Libellen bestickt, die zwischen den Falten hin- und herzuschwirren schienen, wenn sie sich im Licht der Wandleuchten und der schweren Kerzenleuchter bewegte.
»Nun gut. Wo ist Ulysses?«
»Hier, Madame.« Er war so leise zurückgekehrt, dass ich ihn nicht gehört hatte, und war an ihrer anderen Seite erschienen.
»Dann komm«, sagte sie und nahm seinen Arm. Ich wusste nicht, ob die Aufforderung ihm oder mir galt, doch ich folgte gehorsam in ihrem glitzernden Kielwasser. Dabei musste ich zwei Küchenjungen ausweichen, die das Hauptgericht hereintrugen – einen am Stück gegrillten Keiler samt Kopf und Stoßzähnen, dessen fetttriefender Hinterschinken nur darauf wartete, dass man ihn anschnitt. Es roch göttlich.
Ich strich mir über das Haar und bereitete mich innerlich darauf vor, Jocastas Gästen gegenüberzutreten. Irgendwie kam ich mir so vor, als sollte auch ich auf einer silbernen Platte präsentiert werden – mit einem Apfel im Mund.
Die Gästeliste hätte sich wie ein Who’s Who der feinen Gesellschaft von Cape Fear gelesen, hätte ein solches Buch existiert. Campbell, Maxwell, Buchanan, MacNeill, MacEachern … Namen aus den Highlands, Namen von den Inseln, MacNeill von Barra Meadows, MacLeod von Islay … viele der Plantagennamen zeugten ebenso von der Herkunft ihrer Eigentümer wie deren Sprache; von der hohen Stuckdecke hallten melodiöse, gälische Klänge wider.
Einige der Männer kamen im Kilt oder hatten Plaids über ihre Röcke und Seidenkniehosen geschlungen, doch ich sah keinen, der so umwerfend aussah wie Jamie – der durch Abwesenheit auffiel. Ich hörte, wie Jocasta Ulysses etwas zuflüsterte; dieser klatschte in die Hände und rief so ein kleines Serviermädchen herbei, das er in das laternenbeschienene Halbdunkel des Gartens schickte, wahrscheinlich, um ihn zu suchen.
Fast genauso auffällig waren die wenigen Gäste, die keine Schotten waren; ein breitschultriger, sanft lächelnder Quäker, der Hermon Husband hieß; ein hochgewachsener, grobknochiger Herr namens Hunter und – zu meiner großen Überraschung – Phillip Wylie, makellos gepudert in Anzug und Perücke.
»So treffen wir uns also wieder, Mrs. Fraser«, bemerkte er, während er meine Hand viel länger in der seinen hielt, als gesellschaftlich korrekt war. »Ich gestehe, dass mich das Glück, Euch wiederzusehen, schier überwältigt!«
»Was macht Ihr denn hier?«, sagte ich ziemlich rüde.
Er grinste unverschämt.
»Mein Gastgeber hat mich mitgenommen, der edle und einflussreiche Mr. MacNeill von Barra Meadows, von dem ich just ein Paar ausgezeichnete Grauschimmel erwarb. Apropos, zehn Pferde hätten mich nicht daran hindern können, an diesem feierlichen Anlass teilzunehmen, nachdem ich erfuhr, dass die Gesellschaft zu Euren Ehren stattfindet.« Genüsslich betrachtete er mich von Kopf bis Fuß, wobei er sich so unnahbar gab wie ein Kenner, der sich an einem seltenen Kunstwerk erfreut.
»Darf ich anmerken, Ma’am, wie überaus gut Euch dieser Grünton steht?«
»Daran kann ich Euch wohl nicht hindern.«
»Ganz zu schweigen von der Wirkung des Kerzenlichtes auf Eurer Haut. ›Dein Hals ist wie ein elfenbeinerner Turm‹«, zitierte er und ließ den Daumen anzüglich über meine Handfläche gleiten, »›deine Augen sind wie die Teiche zu Hesbon.‹«
»›Deine Nase ist wie der Turm auf dem Libanon, der gen Damaskus steht‹«, sagte ich mit einem vielsagenden Blick auf seinen ausgeprägten Aristokratenrüssel.
Er brach in Gelächter aus, ließ meine Hand aber nicht los. Ich warf einen verstohlenen Blick auf Jocasta, die in der Nähe stand; sie schien in die Unterhaltung mit einem Neuankömmling vertieft zu sein, doch die Erfahrung hatte mich gelehrt, wie scharf ihre Ohren waren.