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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Ich weiß es nicht«, sagte er leise als Antwort auf meine unausgesprochenen Fragen. Er kletterte in das Boot und reichte mir die Hand.

Er schwieg, während wir auf den Fluss hinausfuhren. Es war eine dunkle, mondlose Nacht, doch das Spiegelbild der Sterne auf der Wasseroberfläche spendete so viel Licht, dass ich genug sehen konnte, nachdem meine Augen sich einmal an das Wechselspiel von glitzerndem Wasser und Baumschatten gewöhnt hatten.

»Willst du nichts dazu sagen?«, fragte er schließlich abrupt.

»Es ist nicht meine Entscheidung«, sagte ich und spürte eine Enge in meiner Brust, die von keinem Korsett herrührte.

»Nicht?«

»Nein. Sie ist deine Tante. Es ist dein Leben. Du musst dich entscheiden.«

»Und du willst einfach nur zusehen?« Ächzend tauchte er die Ruder ein, um flussaufwärts zu fahren. »Ist es nicht auch dein Leben? Oder willst du jetzt doch nicht bei mir bleiben?«

»Was meinst du damit, nicht bleiben?« Erschreckt setzte ich mich auf.

»Vielleicht wird es dir zu viel.« Sein Kopf war über die Ruder gebeugt, so dass ich sein Gesicht nicht sehen konnte.

»Wenn du den Zwischenfall bei der Sägemühle meinst –«

»Nein, das nicht.« Er zog die Ruder zurück. Seine Schultern spannten sich an, und er lächelte schief. »Tod und Katastrophen würden dich doch kaum stören, Sassenach. Aber die kleinen Dinge des Alltags … Ich sehe doch, wie du zusammenzuckst, wenn das schwarze Dienstmädchen dir die Haare kämmt oder wenn der schwarze Page deine Schuhe zum Putzen mitnimmt. Und die Sklaven bei der Terpentinanlage. Das macht dir Kummer, oder?«

»Ja. Das stimmt. Ich bin – ich kann keine Sklaven besitzen. Ich habe dir gesagt –«

»Aye, das hast du.« Er ließ für einen Augenblick die Ruder ruhen und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Er sah mich offen an.

»Und wenn ich beschließe, es zu tun, Sassenach … könntest du bei mir bleiben und zusehen und nichts tun – denn wir könnten nichts tun, bis meine Tante stirbt. Vielleicht nicht einmal dann.«

»Was meinst du damit?«

»Sie wird ihre Sklaven kaum freilassen wollen – wie könnte sie auch? Also könnte ich es auch nicht, solange sie noch am Leben ist.«

»Aber wenn du die Plantage erst einmal geerbt hättest …« Ich zögerte. Abgesehen davon, dass es makaber war, so über Jocastas Tod zu sprechen, musste man schließlich bedenken, dass dieses Ereignis kaum in absehbarer Zeit eintreten würde: Jocasta war knapp über sechzig und, von ihrer Blindheit einmal abgesehen, bei bester Gesundheit.

Plötzlich verstand ich, was er meinte: Konnte ich mich dazu durchringen, Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr als Sklavenhalterin zu leben? Ich würde mir nichts vormachen können, würde mich nicht in das Bewusstsein flüchten können, dass ich hier nur ein Gast war, eine Außenseiterin.

Ich biss mir auf die Lippe, um seine Frage nicht spontan und laut zu verneinen.

»Auch dann noch«, beantwortete er meinen halb angefangenen Einwand. »Hast du nicht gewusst, dass ein Sklavenbesitzer seine Sklaven ohne schriftliche Erlaubnis der Versammlung nicht freilassen darf?«

»Er darf was?« Ich starrte ihn verständnislos an. »Warum in aller Welt darf er das nicht?«

»Die Plantagenbesitzer leben in ständiger Furcht vor einem bewaffneten Aufstand der Neger«, sagte er. »Und kannst du es ihnen zum Vorwurf machen?«, fügte er sardonisch hinzu. »Sklaven dürfen keine Waffen tragen mit Ausnahme von Werkzeugen wie den Rindenmessern, und das Gesetz des Blutvergießens soll verhindern, dass sie sie einsetzen.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, das Letzte, was die Versammlung erlauben würde, wäre, einen Haufen freigelassener Schwarzer auf die Gegend loszulassen. Und selbst wenn jemand einen seiner Sklaven freilassen will und man es ihm gestattet, muss der entlassene Sklave die Kolonie innerhalb kurzer Zeit verlassen – sonst darf er vom Erstbesten gefangen und erneut versklavt werden.«

»Du hast es dir durch den Kopf gehen lassen«, sagte ich langsam.

»Du nicht?«

Ich antwortete nicht. Ich ließ meine Hand ins Wasser hängen, und eine kleine Welle kräuselte sich um mein Handgelenk. Nein, ich hatte nicht über diese Möglichkeit nachgedacht. Nicht bewusst, denn ich hatte mich nicht mit der Entscheidung befassen wollen, die mir jetzt vorgelegt wurde.

»Es wäre sicher eine großartige Chance für dich«, sagte ich, und meine Stimme hörte sich angestrengt und unnatürlich an. »Du hättest alles in der Hand …«

»Meine Tante ist keine Närrin«, sagte er, und eine leichte Schärfe lag in seiner Stimme. »Sie würde mich zu ihrem Erben machen, aber nicht zum Eigentümer an ihrer statt. Sie würde mich benutzen, um Dinge zu regeln, die sie selbst nicht erledigen kann – aber ich wäre nicht mehr als ihr Handlanger. Sicher, sie würde mich nach meiner Meinung fragen und auf meinen Rat hören, aber sie würde nichts geschehen lassen, was sie nicht will.«

Er schüttelte den Kopf.

»Ihr Mann ist tot. Ob sie ihn nun geliebt hat oder nicht, sie ist jetzt die Herrin hier, und sie ist niemandem Rechenschaft schuldig. Und die Macht schmeckt ihr viel zu gut, als dass sie darauf verzichten würde.«

Er hatte völlig recht mit seiner Einschätzung von Jocasta Cameron, und darin lag der Schlüssel zu ihrem Plan. Sie brauchte einen Mann, jemanden, der die Orte aufsuchte, an die sie nicht gelangen konnte, der mit der Marine verhandeln konnte, der die auf dem großen Anwesen anfallenden Aufgaben erledigte, die jene wegen ihrer Blindheit nicht selbst übernehmen konnte.

Gleichzeitig konnte jeder sehen, dass sie nicht auf der Suche nach einem Ehemann war; jemandem, der ihre Macht für sich beanspruchen und ihr Vorschriften machen würde. Wäre er kein Sklave gewesen, hätte Ulysses in ihrem Auftrag handeln können – doch er konnte ihr zwar seine Augen und Ohren leihen, aber nicht ihre Hände ersetzen.

Nein, Jamie war die perfekte Wahl; ein starker, kompetenter Mann, der sich den Respekt Gleichgestellter und den Gehorsam seiner Untergebenen zu verschaffen wusste. Einer, der wusste, wie man Land und Menschen verwaltete. Ein Mann, der darüber hinaus durch Verwandtschaft und Verpflichtung an sie gebunden war, der täte, was sie befahl – und im Grunde machtlos war. Angewiesen auf ihre Großzügigkeit, bestochen von der Aussicht auf River Run, wäre Jamie wenig mehr als Jocastas Zwangsarbeiter, und der Preis dafür würde erst fällig, wenn Jocasta keine weltlichen Sorgen mehr hatte.

Ich hatte einen Kloß im Hals, als ich nach Worten suchte. Ich konnte es nicht, dachte ich. Ich brachte es nicht fertig. Doch der Alternative konnte ich ebenfalls nicht ins Auge sehen; ich konnte ihn nicht drängen, Jocastas Angebot abzulehnen, denn ich wusste, dass ich ihn damit nach Schottland schickte, wo ihn ein unbekannter Tod ereilen würde.

»Ich kann dir nicht sagen, was du tun sollst«, sagte ich schließlich. Meine Stimme war kaum lauter als das regelmäßige Plätschern der Ruder.

Ein hoher Baum war ins Wasser gefallen; in seinen Ästen verfing sich das Treibgut. Dort hatte sich ein kleines Becken gebildet, das Jamie nun ansteuerte. Zielsicher ließ er das Ruderboot in das ruhige Gewässer gleiten. Er zog die Ruder ein und wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht. Er atmete schwer vor Anstrengung.

Die Nacht um uns herum war still; es gab kaum Geräusche außer dem Plätschern des Wassers und dem gelegentlichen Kratzen versunkener Zweige an der Bootswand. Schließlich streckte er die Hand aus und berührte mein Kinn.

»Dein Gesicht ist mein Herz, Sassenach«, sagte er leise, »und meine Liebe zu dir ist meine Seele. Aber du hast recht, du kannst nicht mein Gewissen sein.«

Trotz allem wurde mir leichter ums Herz, als wäre eine unbeschreibliche Bürde von mir abgefallen.

»Ach, ich bin so froh«, sagte ich und fügte impulsiv hinzu: »Es wäre eine furchtbare Verantwortung.«

»Oh, aye?« Er machte ein etwas erschrockenes Gesicht. »Findest du mich denn so schlimm?«

»Du bist der wunderbarste Mann, dem ich je begegnet bin«, sagte ich. »Ich habe nur gemeint … es ist eine so schwere Verantwortung, wenn man versucht, für zwei Menschen zu leben. Zu versuchen, einen anderen Menschen den eigenen Vorstellungen von Gut und Böse anzupassen … natürlich tut man das für ein Kind, das muss man ja, aber selbst da ist es eine furchtbare Belastung. Ich könnte es nicht für dich tun … es wäre falsch, das auch nur zu versuchen.«

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