Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Kein großer Verlust«, sagte einer der Gäste, doch die anderen brachten den Spötter zischend zum Schweigen.
»Was für eine Schande, so viel Brandy zu verschwenden«, sagte jemand unter allgemeinem Gelächter. Es war Phillip Wylie; ich sah sein gepudertes Gesicht hinter Jamies Schulter. Er lächelte frech.
»Wir haben viel von Eurem Können gehört, Mistress Fraser. Jetzt ist die Gelegenheit, es unter Beweis zu stellen – vor Zeugen!« Er deutete elegant auf die Gäste, die sich um uns drängten.
»Ach, fort mit Euch«, sagte ich schroff.
»Ooh, hört, hört!«, murmelte jemand hinter mir, nicht ohne Bewunderung. Wylie blinzelte verblüfft, grinste dann aber noch breiter als zuvor.
»Euer Wunsch ist mir Befehl, Ma’am«, murmelte er und verschwand mit einer Verbeugung wieder im Publikum.
Ich erhob mich, von Zweifeln geplagt. Es konnte gutgehen. Technisch gesehen, war die Operation einfach und sollte nicht mehr als ein paar Minuten in Anspruch nehmen – falls ich nicht auf Komplikationen stieß. Nur ein kleiner Einschnitt – doch er ging durch das Bauchfell, und das Infektionsrisiko war beträchtlich.
Dennoch konnte ich wohl kaum bessere Bedingungen antreffen als hier – reichlich Alkohol zur Desinfektion und jede Menge bereitwillige Assistenten. Andere Betäubungsmittel standen nicht zur Verfügung, und ich konnte es unter keinen Umständen tun, wenn der Patient bei Bewusstsein war. Und außerdem hatte Myers mich darum gebeten.
Ich suchte Jamies Gesicht, weil ich seinen Rat wollte. Er stand da, direkt neben mir, und sah die Frage in meinen Augen. Verdammt, er hatte doch ein Ablenkungsmanöver gewollt.
»Tu’s lieber, Sassenach.« Jamie betrachtete die hingestreckte Gestalt. »Vielleicht hat er nie wieder den Mut oder das Geld, sich so zu betrinken.« Ich bückte mich und prüfte noch einmal seinen Puls – er ging kräftig und regelmäßig.
Jocastas stattlicher Kopf erschien zwischen den neugierigen Gesichtern und blickte über MacNeills Schulter.
»Bringt ihn in den Salon«, sagte sie kurz. Sie zog sich zurück, und die Entscheidung war mir abgenommen.
Ich operierte nicht zum ersten Mal unter merkwürdigen Bedingungen, dachte ich, während ich hastig meine Hände in dem Essig abspülte, den man mir aus der Küche gebracht hatte, doch so merkwürdig waren sie noch nie gewesen.
Seiner Unterbekleidung entledigt, lag Myers, geschmackvoll auf dem Mahagonitisch ausgebreitet, reglos wie ein gegrillter Fasan und fast ebenso dekorativ. Statt auf einer Platte lag er auf einer Pferdedecke, und mit seinem mit Stachelschweinborsten verzierten Hemd und seiner Bärenkrallenkette gab er einen prachtvollen Hauptgang ab, garniert mit einer Ansammlung von Flaschen, Tüchern und Verbandsmaterial.
Ich hatte keine Zeit, mich umzuziehen; aus dem Räucherhaus wurde eine lederne Metzgerschürze geholt, um mein Kleid abzudecken, und Phaedre steckte mir die langen Rüschenärmel hoch, um meine Unterarme freizulegen.
Man hatte zusätzliche Kerzen herbeigeholt und bestückte Kandelaber und Kronleuchter; damit ich genug Licht hatte, wurde nicht gespart an wohlriechendem Bienenwachs. Allerdings nicht annähernd so duftend wie Myers; ohne Zögern nahm ich die Karaffe von der Anrichte und schüttete ihm besten Brandy im Wert von mehreren Schillingen über sein dunkles, lockiges Schamhaar.
»Eine teure Art, Läuse umzubringen«, bemerkte jemand kritisch hinter mir, als er den hastigen Exodus diverser Kleinstlebewesen vor der Flut beobachtete.
»Ah, aber sie sterben glücklich«, sagte eine Stimme, die ich als Ians erkannte. »Ich habe dir deine Kiste gebracht, Tante Claire.« Er stellte meine chirurgische Ausrüstung neben mir ab und öffnete sie für mich.
Ich griff nach meiner kostbaren blauen Flasche mit destilliertem Alkohol und dem Skalpell mit der geraden Klinge. Ich goss Alkohol über die Klinge, die ich dabei über eine Schale hielt, und suchte derweil unter den Zuschauern nach geeigneten Assistenten. Es würde nicht an Freiwilligen mangeln, denn im Publikum brodelte es vor unterdrücktem Gelächter und leisen Kommentaren. Das unterbrochene Abendessen war in der allgemeinen Aufregung vergessen.
Zwei kräftige Kutscher wurden aus der Küche gerufen, um die Beine des Patienten festzuhalten, Andrew MacNeill und Farquard Campbell erklärten sich bereit, die Arme zu übernehmen, und Ian wurde an meine Seite dirigiert, um mit einem großen Kerzenleuchter für mehr Licht zu sorgen. Jamie bezog am Kopf des Patienten als Chefanästhesist Posten – er hielt ein Glas Whisky neben dem schlaffen, schnarchenden Mund bereit.
Ich überprüfte, ob meine Vorräte und chirurgischen Nadeln bereitlagen, holte tief Luft und nickte meinen Truppen zu.
»Na, dann los.«
Verlegen über so viel Aufmerksamkeit, hatte sich Myers’ Penis bereits zurückgezogen und linste schüchtern aus dem Gebüsch. Als die langen Beine des Patienten angehoben und gespreizt waren und Ulysses mit Bedacht den Hodensack zur Seite hielt, war der Leistenbruch klar zu sehen, eine glatte Schwellung von der Größe eines Hühnereis, die sich dunkelrot gegen die gespannte Leistenhaut drückte.
»Lieber Himmel!«, sagte einer der Kutscher, dem bei dem Anblick fast die Augen aus dem Kopf fielen. »Es stimmt – er hat drei Eier!«
Das Publikum hielt vor Erstaunen die Luft an und kicherte dann, doch ich war zu beschäftigt, um den falschen Eindruck geradezurücken. Ich wischte sorgfältig das Perineum mit reinem Alkohol ab, tauchte mein Skalpell in die Flüssigkeit, zog die Klinge als letzte Sterilisationsmaßnahme vorwärts und rückwärts durch eine Kerzenflamme und machte einen raschen Einschnitt.
Nicht groß, nicht tief. Gerade genug, um die Haut zu öffnen und die rötlich grau glänzende Darmschlinge zu sehen, die sich durch den Riss im Muskelgewebe vorwölbte. Blut quoll in einem dünnen Rinnsal heraus und tropfte dann auf die Decke.
Ich erweiterte den Einschnitt, tauchte meine Finger gründlich in die Desinfektionsschale, legte dann zwei Finger auf die Schlinge und schob sie sanft hoch. Myers verkrampfte sich plötzlich und schüttelte mich fast ab, dann entspannte er sich genauso plötzlich. Er verspannte sich wieder, sein Hintern hob sich, und meine Helfer ließen fast seine Beine los.
»Er wacht auf!«, rief ich Jamie im allgemeinen Alarmgeschrei zu. »Gib ihm mehr, schnell!« All meine Zweifel über den Nutzen von Alkohol als Betäubungsmittel erwiesen sich als richtig, doch jetzt war es zu spät, um es mir anders zu überlegen.
Jamie packte den Mann am Kinn, öffnete ihm den Mund und flößte ihm Whisky ein. Myers hustete und spuckte und machte Geräusche wie ein ertrinkender Büffel, doch eine ausreichende Menge Alkohol schaffte es durch seine Kehle – der hünenhafte Körper entspannte sich. Der Bergläufer verfiel in murmelnde Reglosigkeit und begann zu schnarchen.
Es war mir gelungen, meine Finger in Position zu halten; er blutete stärker, als es mir lieb war, doch seine Bewegungen hatten die durchgebrochene Darmschlinge nicht wieder hinausbefördert. Mit einem sauberen, brandygetränkten Tuch betupfte ich die Stelle; ja, ich konnte den Rand der Muskelschicht sehen. Obwohl Myers so dürr war, lag unter seiner Haut eine dünne, gelbe Fettschicht, die die Oberfläche von den darunterliegenden dunkelroten Fasern trennte.
Wenn er atmete, konnte ich spüren, wie sich sein Darm bewegte, und die dunkle, feuchte Wärme seines Körpers umgab meine nackten Finger in jener seltsamen, einseitigen Intimität, die das Reich des Chirurgen ist. Ich schloss die Augen, ließ jede Eile von mir abfallen und vergaß die Zuschauer ringsum.
Ich atmete langsam ein und passte meinen Rhythmus dem deutlich hörbaren Schnarchen an. Durch den Brandyduft und den etwas abstoßenden Essensgeruch hindurch nahm ich die erdigen Gerüche seines Körpers wahr; abgestandenen Schweiß, schmuddelige Haut, einen Hauch Urin und den Kupfergeruch des Blutes. Jedem anderen wären sie unangenehm gewesen, doch mir nicht, zumindest nicht jetzt.