Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Da die Zeit knapp und kein geeigneter Stoff vorhanden war, beschloss Jocasta schließlich, eins ihrer eigenen Kleider für mich ändern zu lassen.
»Wie sieht es aus, Phaedre?« Jocasta runzelte die Stirn und wies in meine Richtung, als könnte sie mein Bild durch pure Willenskraft heraufbeschwören. »Passt es?«
»Gut«, sagte das Dienstmädchen, den Mund voller Stecknadeln. Sie steckte drei davon schnell nacheinander in den Stoff, blinzelte mich an, raffte an der Taille eine Falte zusammen und stach noch zweimal zu.
»Passt genau«, führte sie aus, diesmal mit leerem Mund. »Sie ist kleiner als Ihr, Miss Jo, und ein bisschen schlanker um die Taille. Hat aber ’nen größeren Busen«, fügte sie leise hinzu und grinste mich an.
»Ja, das weiß ich.« Jocastas Tonfall war scharf – die geflüsterte Bemerkung war ihr nicht entgangen. »Schneide das Mieder auf; wir können Valenciennespitze einsetzen und sie mit grüner Seide unterlegen – schneide ein Stück aus dem alten Morgenrock meines Mannes; die Farbe sollte hierzu passen.« Sie berührte den leuchtend grün gestreiften Ärmel. »Fass die Einschnitte auch mit grüner Seide ein, das bringt ihr Dekolleté zur Geltung.« Ihre langen, bleichen Finger deuteten die Änderung an und wanderten fast abwesend über meine Brüste. Die Berührung war kühl und unpersönlich, und ich spürte sie kaum, doch ich konnte mich nur mit Mühe davon abhalten zurückzufahren.
»Ihr habt ein bemerkenswertes Gedächtnis für Farben«, sagte ich überrascht und etwas aus der Fassung gebracht.
»Oh, an dieses Kleid kann ich mich sehr gut erinnern«, sagte sie. Sie berührte sachte den weiten Ärmel. »Ein Herr hat mir einmal gesagt, dass ich ihn darin an Persephone erinnere – der Frühling in Person, hat er gesagt.« Diese Erinnerung zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht, das wieder verschwand, als sie den Kopf in meine Richtung hob.
»Welche Farbe hat Euer Haar, meine Liebe? Ich habe vergessen, danach zu fragen. Ihr hört Euch irgendwie blond an, aber ich habe keine Ahnung, ob das wirklich stimmt. Bitte sagt jetzt nicht, dass Ihr schwarzhaarig und blass seid!« Sie lächelte, doch irgendwie klang ihr Scherz wie ein Befehl.
»Es ist mehr oder weniger braun«, sagte ich und berührte befangen mein Haar. »Aber ein bisschen verblichen; ein paar Strähnen sind schon grau geworden.«
Sie runzelte die Stirn und schien zu überlegen, ob sie Braun passend fand oder nicht. Da sie nicht in der Lage war, die Frage selbst zu beantworten, wandte sie sich an das Dienstmädchen.
»Wie sieht sie aus, Phaedre?«
Die Frau trat einen Schritt zurück und blinzelte mich an. Wie alle anderen Haussklaven war sie es wohl gewohnt, ihrer Herrin sorgfältige Beschreibungen zu liefern. Ihre dunklen Augen überflogen mich hurtig und ruhten einen langen Augenblick abschätzend auf meinem Gesicht. Sie nahm zwei Nadeln aus dem Mund, bevor sie antwortete.
»Genau richtig, Miss Jo«, sagte Phaedre. Sie nickte einmal langsam. »Genau richtig«, sagte sie noch einmal. »Sie hat weiße Haut, weiß wie abgeschöpfte Milch; passt wirklich gut zu dem hellen Grün.«
»Hm. Aber der Unterrock ist elfenbeinfarben – sieht sie da bei ihrer blassen Haut nicht blutleer aus?«
Es passte mir überhaupt nicht, erörtert zu werden, als wäre ich ein Kunstobjekt – und noch dazu möglicherweise ein unvollkommenes –, doch ich schluckte meine Einwände hinunter.
Phaedre schüttelte entschieden den Kopf.
»O nein, Ma’am«, sagte sie, »gar nicht. Ihre Knochen werfen Schatten. Und sie hat gelbbraune Augen, aber jetzt nicht an Lehm denken. Ihr habt doch dieses Buch, in dem lauter komische Tiere abgebildet sind.«
»Meinst du Berichte von einer Erkundung des indischen Subkontinents?«, fragte Jocasta. »Ich erinnere mich. Ulysses hat es mir letzten Monat noch vorgelesen. Du meinst, Mrs. Fraser erinnert dich an eine der Illustrationen?« Sie lachte amüsiert.
»Mm-hm.« Phaedre hatte mich nicht aus den Augen gelassen. »Sie sieht aus wie die große Katze«, sagte sie leise und starrte mich an. »Dieser Tiger, der aus dem Busch guckt.«
Jocasta wirkte einen Augenblick erschrocken.
»Soso«, sagte sie und lachte. Doch sie fasste mich nicht mehr an.
Ich stand unten in der Halle und strich die grüngestreifte Seide über meinem Busen glatt. Phaedre hatte ihren Ruf als Schneiderin völlig zu Recht; das Kleid passte wie angegossen, und die breiten Einfassungen aus smaragdfarbenem Satin hoben sich leuchtend von den blasseren Elfenbein- und Blattgrüntönen ab.
Da sie auf ihr dichtes Haar stolz war, trug Jocasta keine Perücken, und so gab es auch keine Versuche, mir eine solche zu verpassen. Phaedre hatte mir das Haar stattdessen mit Reismehl pudern wollen, doch ich hatte ihr entschlossen Widerstand geleistet. Sie hatte sich damit begnügt, meine Lockenpracht mit einem weißen Seidenband zu bändigen und am Hinterkopf aufzustecken und dabei ihre Meinung über meinen Mangel an modischem Instinkt mühsam unterdrückt.
Ich war mir nicht ganz sicher, warum ich den restlichen Flitterkram abgelehnt hatte, mit dem sie mich weiter verunstalten wollte – vielleicht war es schlichte Abneigung gegen Übertreibungen jeder Art. Oder vielleicht war es auch ein tiefer liegendes Unbehagen, zum Objekt degradiert zu werden, für Jocastas Zwecke herausgeputzt und zur Schau gestellt zu werden. Wie auch immer, ich hatte es abgelehnt. Ich trug keinen Schmuck außer meinem Ehering, einem Paar kleiner Perlenohrringe und einem grünen Samtband um den Hals.
Ulysses kam die Treppe herunter, makellos in seiner Livree. Ich bewegte mich, und er wandte den Kopf, als er das Rascheln meiner Röcke wahrnahm.
Seine Augen weiteten sich zu einem Blick offener Anerkennung, als er mich sah, und ich blickte zu Boden und lächelte zurückhaltend, wie üblich, wenn man bewundert wird. Dann hörte ich ihn nach Luft schnappen und fuhr auf. Seine Augen waren immer noch geweitet, doch diesmal vor Furcht; seine Hand war so fest um das Geländer geschlossen, dass die Knöchel hervortraten.
»Verzeihung, Madame«, sagte er mit erstickter Stimme und hastete mit gesenktem Kopf die Treppe herunter an mir vorbei. Die Tür des Durchgangs zum Küchenhaus schwang hinter ihm zu.
»Was zum Kuckuck …?«, sagte ich laut, und dann fiel mir ein, wo – und in welcher Zeit – wir uns befanden.
Er hatte so viel Zeit nur mit einer blinden Herrin und ohne Herrn in diesem Haus verbracht, dass er unvorsichtig geworden war. Für den Augenblick hatte er den grundlegendsten Schutz vergessen, den einzigen wirklichen Schutz, den ein Sklave hatte: das unbeteiligte, reglose Gesicht, hinter dem alle Gedanken verborgen blieben.
Kein Wunder, dass er einen Mordsschrecken bekommen hatte, als ihm klarwurde, was er getan hatte. Wenn eine andere Frau diesen unvorsichtigen Blick aufgefangen hätte … meine Hände wurden kalt und feucht, und ich schluckte, denn plötzlich hatte ich den Geruch von Blut und Terpentin in der Nase.
Doch es war nur ich gewesen, besann ich mich, und niemand sonst hatte es gesehen. Auch wenn der Butler Angst hatte, er war in Sicherheit. Ich würde mich verhalten, als wäre nichts geschehen – es war ja auch nichts geschehen – und die Situation … nun, die war eben, wie sie war. Das Geräusch von Schritten auf der Empore über mir unterbrach meinen Gedankengang. Ich blickte nach oben, holte tief Luft, und alle anderen Gedanken verblassten augenblicklich.
Ein Highlander in voller Montur ist ein eindrucksvoller Anblick – jeder Highlander, und sei er noch so alt, unansehnlich oder übelgelaunt. Ein hochgewachsener, aufrechter und nicht im Geringsten unansehnlicher Highlander in den besten Jahren wirkt atemberaubend.
Er hatte seit Culloden keinen Kilt mehr getragen, doch er hatte nicht verlernt, wie man sich darin hielt.
»Oh!«, sagte ich.
Da sah er mich, und seine weißen Zähne blitzten auf, während er sich elegant verbeugte. Die Silberschnallen an seinen Schuhen glänzten. Er richtete sich auf und drehte sich einmal auf dem Absatz um sich selbst, um das Plaid in Schwung zu versetzen, dann kam er langsam herunter, die Augen gebannt auf mein Gesicht gerichtet.