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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Orte, an denen tagsüber viel los ist, machen bei Nacht immer einen besonders gruseligen Eindruck«, sagte ich in dem Bemühen, das Schweigen der Sägemühle zu brechen.

»Ja?« Jamie klang geistesabwesend. »Der hier war mir schon bei Tageslicht nicht besonders sympathisch.«

Ich schauderte bei der Erinnerung.

»Mir auch nicht. Ich habe nur gemeint –«

»Byrnes ist tot.« Er sah mich nicht an; sein Gesicht war der Mühle zugewandt, die durch die Weide halb verborgen war.

Ich ließ das Ende des Taus fallen.

»Der Aufseher? Wann?«, fragte ich, mehr von der Plötzlichkeit der Übermittlung als von der Nachricht selbst schockiert. »Und wie?«

»Heute Nachmittag. Campbells jüngster Sohn hat die Nachricht kurz vor Sonnenuntergang überbracht.«

»Wie?«, fragte ich erstaunt. Ich umklammerte meine Knie und zerknautschte dabei zwei Hände voll elfenbeinfarbener Seide zwischen meinen Fingern.

»Es war Wundstarrkrampf.« Seine Stimme klang beiläufig und teilnahmslos. »Eine ziemlich unangenehme Art zu sterben.«

Damit hatte er recht. Ich hatte noch nie selbst gesehen, wie jemand an Tetanus starb, doch ich kannte die Symptome sehr gut: Rastlosigkeit und Schluckbeschwerden, die in zunehmende Steifheit übergehen, dazu Muskelkrämpfe in Armen, Beinen und Hals. Die Krämpfe nehmen an Stärke und Dauer zu, bis der Körper des Patienten so hart ist wie ein Brett und sich in Agonie krümmt. Die Krämpfe kommen, lassen nach, schwellen an, hören auf und werden schließlich immer stärker. Den letzten Starrkrampf kann nur der Tod wieder lösen.

»Er ist grinsend gestorben, hat Ronnie Campbell gesagt. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass es ein glücklicher Tod war.« Es war ein makaberer Witz, doch es lag nicht viel Humor in seiner Stimme.

Ich setzte mich kerzengerade auf, und trotz der warmen Nacht kroch mir die Kälte die Wirbelsäule hinunter.

»Es ist auch kein schneller Tod«, sagte ich. Argwohn breitete seine kalten Tentakel in meinen Gedanken aus. »Es dauert Tage, bis man an Tetanus stirbt.«

»Davie Byrnes hat von Anfang bis Ende fünf Tage gebraucht.« Falls überhaupt eine Spur von Humor in seiner Stimme gelegen hatte, war sie jetzt verschwunden.

»Du bist bei ihm gewesen«, sagte ich, und ein kurzes Aufflackern von Wut begann, meine innere Kälte aufzutauen. »Du bist bei ihm gewesen! Und du hast es mir nicht gesagt?«

Ich hatte Byrnes’ Wunde verbunden – sie war grässlich, aber nicht lebensbedrohend – und mir sagen lassen, dass man ihn an einen »sicheren« Ort bringen würde, bis die Unruhe über den Lynchmord nachgelassen hatte. Aufgewühlt, wie ich war, hatte ich mir nicht die Mühe gemacht, mich weiter nach dem Aufenthaltsort oder Befinden des Aufsehers zu erkundigen; es war meine eigene Schuld an dieser Nachlässigkeit, die mich wütend machte, und ich wusste das – aber dieses Wissen half nichts.

»Hättest du denn etwas tun können? Ich dachte, du hättest mir gesagt, dass Wundstarrkrampf eine der Krankheiten ist, gegen die man nichts tun kann, nicht einmal zu deiner Zeit.« Er sah mich nicht an; sein Profil war der Sägemühle zugewandt. Sein Kopf zeichnete sich schwarz vor den helleren Schatten des bleichen Laubes ab.

Ich zwang mich, meinen Rock loszulassen, denn ich dachte vage daran, dass Phaedre furchtbare Arbeit damit haben würde, ihn zu bügeln.

»Nein«, sagte ich etwas bemüht. »Nein, ich hätte ihn nicht retten können. Aber ich hätte nach ihm sehen sollen, ich hätte es ihm leichter machen können.«

Jetzt blickte er mich an; ich sah, wie er den Kopf wandte, und spürte, wie er sein Gewicht im Boot verlagerte.

»Hättest du«, sagte er gleichmütig.

»Und du wolltest es nicht …« Ich hielt inne und erinnerte mich, dass er im Lauf der letzten Woche öfter fort gewesen war, und an seine ausweichenden Antworten, wenn ich ihn fragte, wo er gewesen war. Ich konnte mir die Szene nur zu gut vorstellen: die winzige Dachkammer in Farquard Campbells Haus, in der ich Byrnes’ Verletzung verbunden hatte. Den schmerzgepeinigten Körper auf dem Bett, der langsam unter den kalten Blicken der Männer starb, die durch das Gesetz zu seinen widerwilligen Verbündeten geworden waren. Und er wusste, dass er verhasst starb. Die Kälte kehrte zurück und überzog meine Arme mit einer Gänsehaut.

»Nein, ich wollte nicht, dass Campbell nach dir schickt«, sagte er leise. »Es gibt das Gesetz, Sassenach – und es gibt die Gerechtigkeit. Ich kenne den Unterschied nur zu gut.«

»Es gibt auch so etwas wie Barmherzigkeit.« Und wenn mich jemand gefragt hätte, hätte ich Jamie Fraser einen barmherzigen Mann genannt. Er war einmal einer gewesen. Doch die Jahre, die seitdem vergangen waren, waren hart gewesen – und Mitleid war ein Gefühl, das widrigen Umständen oft zum Opfer fiel. Ich hatte dennoch gedacht, dass ihm seine Güte geblieben war, und der Gedanke an ihren Verlust schmerzte mich. Nein, ich glaube nicht. War er einfach nur ehrlich gewesen?

Das Boot hatte sich halb um sich selbst gedreht, so dass der Ast jetzt zwischen uns hing. Aus der Dunkelheit hinter den Blättern erklang ein leises Schnauben.

»Selig sind die Barmherzigen«, sagte er, »denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Byrnes war nicht barmherzig, also hat er keine Barmherzigkeit erlangt. Und was mich betrifft, so hielt ich es nicht für richtig einzugreifen, nachdem Gott einmal seine Meinung über den Mann kundgetan hatte.«

»Du glaubst, dass Gott ihm Tetanus geschickt hat?«

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand anders auf so etwas kommen würde. Außerdem«, fuhr er in aller Logik fort, »wo sollte man denn sonst nach Gerechtigkeit suchen?«

Ich rang nach Worten, und mir fielen keine ein. Ich gab es auf und kehrte zum eigentlichen Streitpunkt zurück. Mir war ein bisschen übel.

»Du hättest es mir sagen sollen. Auch wenn du der Meinung warst, dass ich ihm nicht helfen könnte, war es nicht deine Sache zu entscheiden –«

»Ich wollte nicht, dass du zu ihm gehst.« Seine Stimme war immer noch ruhig, doch es lag jetzt ein Hauch von Stahl darin.

»Ich weiß, dass du das nicht wolltest! Aber es spielt keine Rolle, ob du gemeint hast, dass Byrnes es verdiente zu leiden, oder –«

»Es ging nicht um ihn!« Das Boot schaukelte heftig, als er sich bewegte, und ich hielt mich an den Seitenwänden fest, um das Gleichgewicht zu behalten. Er sprach ungestüm.

»Es hat mich einen feuchten Dreck gekümmert, ob Byrnes einen leichten oder einen schweren Tod hatte, aber ich bin kein grausames Monster! Ich habe dich nicht von ihm ferngehalten, um ihn leiden zu sehen, ich habe dich von ihm ferngehalten, um dich zu schützen.«

Ich war erleichtert, das zu hören, wurde aber zunehmend wütend, als mir dämmerte, was er eigentlich getan hatte.

»Es war nicht deine Sache, das zu entscheiden. Wenn ich nicht dein Gewissen bin, dann hast du auch kein Recht, das meine zu sein!« Ich fegte die Weidenzweige zwischen uns beiseite, denn ich wollte ihn sehen.

Plötzlich schoss eine Hand zwischen den Blättern hervor und ergriff mein Handgelenk.

»Es ist meine Sache, für deine Sicherheit zu sorgen.«

Ich versuchte, meine Hand wegzureißen, doch er hatte mich fest im Griff und ließ nicht los.

»Ich bin kein kleines Mädchen, das man beschützen muss, und eine Idiotin bin ich auch nicht. Wenn es einen Grund gibt, warum ich etwas nicht tun soll, dann sag ihn mir, und ich höre zu. Aber du kannst nicht entscheiden, was ich tun und wohin ich gehen soll, ohne mich auch nur zu fragen … das lasse ich mir nicht bieten, und das weißt du verdammt gut.«

Das Boot tat einen Ruck. Unter lautem Blättergeraschel steckte er den Kopf durch den Weidenvorhang und starrte mich wütend an.

»Ich versuche überhaupt nicht, dir vorzuschreiben, wohin du gehen sollst.«

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