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Kerker und Ketten

Электронная книга - «Kerker und Ketten». Краткое содержание книги:

Der Pfeifer und seine Freunde quälen sich in den Steinbrüchen von El Mengub. Schon haben sie den sicheren Tod vor Augen, da dürfen sie neue Hoffnung schöpfen: die Piratin Marina, in schmerzlicher Haßliebe an Michel Baum gekettet, versucht, die Gefangenen zu befreien. Doch bald wird sie selbst von Sklavenhändlern verschleppt, und nun ist es an Michel, sie zu suchen. Aber der Bej von Tunis hält ihn fest, und erst eine Palastrevolution schafft ganz neue Verhältnisse. Doch Marina bleibt verschwunden.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Istanbul«, Ojo seufzte schwer, »Istanbul, also Konstantinopel, wie weit mag das noch sein?« »Mehrere tausend Kilometer, amigo.«

»Por Dios, mehrere tausend Kilometer! Da reiten wir ja monatelang! Und bis wir hinkommen, ist sie vielleicht schon weiterverkauft. Und so viel Mühe wegen einer solchen Frau!« »Reiten wir weiter«, sagte Michel Baum und drückte seinem Pferd die Hacken in die Weichen. Dort, wo der Karthagische Aquädukt seine tiefste Schleife nach Süden zog, gab eine Lichtung den Blick auf Tunis frei. Über den vielen weißen Häusern glänzte die Kuppel der im Jahre 1223 erbauten Moschee des Ölbaums, Dschana el-Situm, die die Gräber der Landesherrscher beherbergt.

»So«, sagte Michel Baum befriedigt, »in fünf Minuten haben wir es geschafft, Freund Diaz.

Diese Minuten will ich ausnützen, um dir zu erklären, weshalb wir die spanische Gräfin suchen und wenn möglich finden müssen.«

»Ich weiß es ohnedies, Senor Doktor«, schmunzelte Ojo.

Michel sah ihn erstaunt an.

»Du weißt es? Das ist mehr, als ich vermutete. Dann hat also die Zeit unseres Zusammenseins doch schon ihre Früchte getragen. Deine Denkweise hat sich geändert.«

Ojo sah ein wenig unglücklich drein. Er konnte sich nicht recht vorstellen, weshalb sich gleich seine ganze Denkweise geändert haben sollte, wenn er mit offenen Augen durch die Welt ritt. »Das alles ist doch ganz einfach, Senor Doktor, Ihr liebt die tolle Gräfin. Deshalb wollt Ihr sie retten.«

Michel schaute ihn betroffen an. Dann lachte er laut auf.

»Du machst dir alles sehr einfach, Diaz. Vielleicht ist es in deinen Augen logisch, daß ein Mann Tausende von Kilometern durch einen fremden Kontinent reitet, um die Frau zu befreien, die er liebt. Aber es gibt auch noch andere Beweggründe, schwerer wiegende.« »Schwerer wiegende als die Liebe?« lachte Ojo ungläubig.

»Ja, ich würde jeden Menschen vor einem Unglück zu retten versuchen, wenn es irgendwie in meiner Macht stünde. Man tut so etwas überhaupt nicht, weil man einen Grund im herkömmlichen Sinne hätte, sondern weil es eine innere Stimme gibt, die einem befiehlt, so zu handeln, wie wir es jetzt tun. Jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit. Was die Menschenhändler mit Marina tun, ist nach abendländischem Denken unmenschlich. Freilich mißt man im Orient mit anderen Maßen. Solange sie es mit ihren eigenen Frauen und Mädchen tun, tut es nicht weh; denn diese sind an solche Methoden gewöhnt. Aber ein so freiheitsdürstender Mensch wie Marina muß körperlich und seelisch in dieser goldenen Gefangenschaft zerbrechen. Ich werde nie dulden, daß ein Mensch zugrunde geht, wenn es in meiner Macht steht, ihn davor zu bewahren.«

Ojo schwieg für einen Moment. Dann meinte er:

»Hat auch sie immer so gehandelt? War sie nicht eine Teufelin? Hat sie nicht viele ins Unglück gebracht?«

»Das will nicht besagen, daß wir sie nun im Unglück steckenlassen dürfen.« »Warum nicht?«

»Wir sind nicht Richter über die Taten anderer. Die Menschlichkeit gebietet, niemandem seine Hilfe zu versagen, und hätte er vorher auch noch so schlecht gehandelt. Ist es nicht denkbar, daß er sich später bessert, daß er im Lauf seiner eigenen Entwicklung die Schlacken abwirft und doch noch ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft wird?«

»Hm«, brummte Ojo nur. Er dachte an den langen Weg, den sie noch vor sich hatten, und zog unwillkürlich Vergleiche mit dem herrlichen Aufenthalt in der Kneipe des spanischen Wirtes in Fes.

»Sehr begeistert scheinst du diesmal nicht mit mir zu gehen?!«

»Doch, Senor Doktor«, meinte Ojo eifrig, »macht Euch nichts draus, wenn ich manchmal ein wenig brummig bin. Ich verdanke Euch so vieles. An Eurer Seite ist es mir klar geworden, daß es viele Dinge gibt, die ich von selbst nie erkannt oder gefunden hätte. Ich gehe mit Euch bis in die Hölle, wenn es sein muß.«

»Vielleicht sind wir ihr näher, als wir jetzt ahnen«, erwiderte der Pfeifer ernst. »Wenn wir jetzt in die Stadt kommen, dann wollen wir wieder nach unserem alten Rezept verfahren, amigo. Ich bin ein Araber, und du bist stumm und taub. Unsere Barte sind lang genug geworden, um uns echt erscheinen zu lassen.«

»Bueno, Senor Doktor, ich klappe jetzt meinen Mund zu und tue ihn erst wieder auf, wenn Ihr es für richtig haltet.« Michel nickte lachend.

48

Sie hatten die ersten Häuser mit den niedrigen, kuppelartigen Dächern erreicht. Im Innern erwies sich die Stadt als ein Labyrinth von engen, schmutzigen Gassen. Es gab viele kleine Moscheen, und zahlreich waren die Basare, in denen lebhaft gehandelt und gefeilscht wurde. Gekrönt wurde das Häusermeer mit seinem bunten Treiben von dem Palast des Bej, einem imposanten, weitläufigen Bau im maurischen Stil.

»Da sind wir nun«, sagte Michel Baum, während er vor einem Basar vom Pferd stieg. »Kaufen wir uns erst einmal etwas zu essen, etwas Handfestes. Ich bin die ewigen Datteln leid.« Ojo ließ sich das nicht zweimal sagen. Mit einem Satz stand er auf der Straße. Aus einem der Tausenden von Läden, die alle vorn offen waren, drang der würzige Duft von in Olivenöl gebackenen Pfannkuchen. Eigentlich roch mehr oder weniger alles nach Olivenöl. Tunis ist auch heute noch die Stadt der großen Olivenhaine.

Die beiden betraten den Laden. Weisungsgemäß fiel Ojo prompt in die Rolle eines etwas blöden Taubstummen. Michel hingegen trat auf, als gehöre ihm die Welt. »Barra«, schrie er trotz seiner immer noch nicht vollkommenen Aussprache den dicken, speckigen Ladenbesitzer an und ließ eine verwirrende Flut arabischer Flüche auf ihn herniederprasseln. Dabei klopfte er auf seinen Beutel, daß die goldenen Piasterstücke klapperten. Trotzdem ließ sich der Händler nicht aus der Fassung bringen, sondern fragte sehr geruhsam: »Was willst du, Cous-Cous, Oliven, Datteln, Feigen, türkischen Honig, Brot oder vielleicht alles zusammen? Du bist so dürr, und der Inhalt deines Beutels klingt so vielversprechend, daß du eine gute Mahlzeit zu dir nehmen solltest. Auch ein wenig Haschisch würde dir nicht schaden; denn es steigert die Genüsse, die Allah seinen Gläubigen gewährt, und die Welt sieht rosenfarbener aus nach seinem Genuß. Auch kann ich dir einen neuen Turban und einen neuen Burnus sehr empfehlen. Dein Habit sieht aus, als seiest du monatelang durch Dreck und Regen geritten. In vornehmer Gesellschaft kannst du dich damit nicht mehr sehen lassen. Des weiteren kann ich dir wunderbare Marokko-Ledersandalen empfehlen, die deinem Fuß einen weichen Gang verleihen und dein Äußeres wie das eines Pascha erscheinen lassen. Dann habe ich noch ... «

»Halt ein«, unterbrach der Pfeifer den orientalischenRedestrom, »bin ich auf einem Jahrmarkt oder befinde ich mich in einem Basar, in dem ich für mich und meinen Begleiter einen Ölkuchen und frische Oliven kaufen kann?«

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Сюжет
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Главный герой
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