Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er lebte noch; seine Brust bewegte sich in kurzen, ruckartigen Stößen. Der Haken hatte den Bauch durchbohrt, war durch den unteren Brustkorb gedrungen und ungefähr in Nierenhöhe hinten ausgetreten. Die Haut des Mannes war von einem unirdischen, dunklen Blaugrau, und seine Lippen waren bleich wie Lehm.
»Psst«, sagte ich leise, obwohl der Sklave bis auf sein röchelndes Atmen kein Geräusch machte. In seinen Augen stand Unverständnis, seine Pupillen waren erweitert und von Dunkelheit überschwemmt.
Es lief ihm kein Blut aus dem Mund, also waren die Lungen nicht verletzt. Sein Atem ging flach, aber rhythmisch; das Zwerchfell war nicht durchstochen. Meine Hände bewegten sich sanft über ihn hinweg, während mein inneres Auge versuchte, den Pfad der Zerstörung zu verfolgen. Aus beiden Wunden sickerte Blut, es floss schwarz über die Bauch- und Rückenmuskeln und leuchtete rubinrot auf dem polierten Stahl. Es spritzte nicht hervor; irgendwie hatten seine Henker sowohl die Bauch- als auch die Nierenschlagader verfehlt.
Hinter mir war ein hitziger Streit ausgebrochen, und ich registrierte ganz am Rande, dass Byrnes’ Kameraden, die Aufseher zweier Nachbarplantagen, gegenwärtig von Farquard Campbell kräftig zurechtgewiesen wurden.
»… offene Missachtung des Gesetzes. Dafür werdet Ihr Euch vor Gericht verantworten, meine Herren, dessen könnt Ihr Euch sicher sein!«
»Was macht das schon?«, brummte einer von ihnen schmollend. »Hier geht’s doch um Blutvergießen – und Verstümmelung. Byrnes hat seine Rechte!«
»Rechte, über die Leute wie Ihr nichts zu sagen haben«, fiel MacNeill tief grollend ein. »Abschaum seid Ihr, nicht besser als die –«
»Und was habt Ihr zu melden, Alter? Steckt Eure lange, schottische Nase nicht in Sachen, die Euch nichts angehen!«
»Was brauchst du, Sassenach?«
Ich hatte ihn nicht kommen hören, doch er war da. Jamie hockte an meiner Seite, und meine Kiste stand geöffnet auf den Planken neben ihm. Er hielt immer noch eine geladene Pistole in der Hand und konzentrierte sich vorwiegend auf die Gruppe hinter mir.
»Ich weiß es nicht«, sagte ich. Ich hörte, wie der Streit im Hintergrund weiterging, doch die Worte verschwammen zur Bedeutungslosigkeit. Wirklichkeit existierte nur unter meinen Händen.
Es dämmerte mir langsam, dass der Mann vor mir trotz seiner verheerenden Wunde möglicherweise nicht tödlich verletzt war. Nach allem, was ich sehen und fühlen konnte, war der gekrümmte Haken aufwärts durch die Leber gedrungen. Wahrscheinlich war die rechte Niere beschädigt und das Jejunum oder die Gallenblase verletzt – aber nichts davon würde ihn unmittelbar umbringen.
Falls er schnell starb, dann höchstens durch den Schock. Doch ich sah den Puls in seinem schweißglatten Abdomen schlagen, genau über der Eintrittsstelle des Hakens. Er ging schnell, aber so regelmäßig wie der Schlag einer Trommel; ich konnte das Echo in den Fingerspitzen spüren, wenn ich die Hand darauflegte. Er hatte Blut verloren – der Geruch war stark und überlagerte die Gerüche nach Schweiß und Angst –, doch nicht so viel, dass er nicht zu retten war.
Mir kam ein beunruhigender Gedanke – möglicherweise war ich in der Lage, diesen Mann am Leben zu erhalten. Wahrscheinlich ja; mit dem Gedanken fiel mir eine Flut möglicher Komplikationen ein, angefangen mit heftigen Blutungen beim Entfernen des Hakens. Innere Blutungen, verzögerter Schock, ein perforierter Darm, Peritonitis – und dennoch.
Bei der Schlacht von Prestonpans hatte ich einen Mann gesehen, der ungefähr an derselben Stelle von einem Schwert durchbohrt worden war. Seine einzige Behandlung war ein Verband um den Körper gewesen – und doch war er gesund geworden.
»Gesetzlosigkeit!«, hörte ich Campbell sagen, als seine Stimme einmal die Auseinandersetzung übertönte. »So etwas kann nicht geduldet werden, egal, wodurch es provoziert wurde. Ich werde Euch alle zur Verantwortung ziehen, darauf könnt Ihr Gift nehmen!«
Niemand schenkte dem eigentlichen Gegenstand der Diskussion auch nur die geringste Beachtung. Es waren nur Sekunden vergangen, doch mir blieben auch nur noch Sekunden. Ich legte meine Hand auf Jamies Arm, um ihn von der Debatte abzulenken.
»Wenn ich ihn rette, werden sie ihn leben lassen?«
Abschätzend betrachtete er die Männer in meinem Rücken.
»Nein«, sagte er leise. Sein Blick traf den meinen, dunkel und voller Verständnis. Er straffte die Schultern und legte sich die Pistole über den Oberschenkel. Ich konnte ihm bei seiner Entscheidung nicht helfen und er mir nicht bei der meinen, aber er würde mich in Schutz nehmen, egal, welche Wahl ich traf.
»Gib mir die dritte Flasche von links in der oberen Reihe«, sagte ich und deutete mit einem Nicken auf den Deckel der Kiste, in dem sich drei Reihen durchsichtiger, fest verkorkter Glasflaschen mit Arzneimitteln befanden.
Ich hatte zwei Flaschen mit reinem Alkohol und eine mit Brandy. Ich schüttete eine kräftige Dosis der bräunlichen, zu Pulver zerstoßenen Wurzel in den Brandy und schüttelte das Ganze kräftig. Dann kroch ich zum Kopf des Mannes und setzte ihm die Mischung an die Lippen.
Seine Augen waren glasig; ich versuchte, hineinzusehen, ihn dazu zu bringen, dass er mich wahrnahm. Warum?, fragte ich mich, während ich mich noch über ihn beugte und ihn beim Namen rief. Ich konnte ihn nicht fragen, ob er diese Wahl treffen würde – ich hatte es für ihn getan. Und ich konnte ihn weder um seine Zustimmung noch um Vergebung dafür bitten.
Er schluckte. Einmal. Zweimal. Die Muskeln um seinen bleichen Mund zuckten; Weinbrandtropfen liefen ihm über die Haut. Noch ein tiefer, krampfhafter Schluck, dann entspannte sich sein Hals, und sein Kopf lag schwer auf meinem Arm.
Ich saß mit geschlossenen Augen da und stützte seinen Kopf, meine Finger auf dem Puls unter seinem Ohr. Er ging unregelmäßig, setzte einen Schlag aus und begann von neuem. Ein Zittern überlief seinen Körper, seine fleckige Haut zuckte, als liefen tausend Ameisen darüber.
Die Beschreibung aus dem Lehrbuch kam mir in den Sinn:
Taubheitsgefühl. Kribbeln. Ein Kitzeln wie von tausend Ameisen. Übelkeit, Bauchschmerzen. Atembeschwerden, Haut kalt und klamm, Gesicht blutleer. Puls schwach und unregelmäßig, doch der Verstand bleibt klar.
Keins der sichtbaren Symptome unterschied sich von denen, die er sowieso zeigte. Bauchschmerzen, und wie!
Ein fünfzigstel Gran tötet einen Sperling in wenigen Sekunden. Ein zehntel Gran ein Kaninchen in fünf Minuten. Akonitin, so sagt man, war das Gift in dem Becher, den Medea für Theseus bereitete.
Ich versuchte, nichts zu hören, nichts zu fühlen, nichts wahrzunehmen außer dem ruckartigen Pochen unter meinen Fingern. Ich bemühte mich mit aller Kraft, die Stimmen über mir auszusperren, die Hitze, den Staub, den Blutgestank, zu vergessen, wo ich war und was ich tat.
Doch der Verstand bleibt klar.
O Gott, dachte ich. In der Tat.
Kapitel 12
Die Rückkehr des
John Quincy Myers
Obwohl sie von den Geschehnissen bei der Sägemühle tief erschüttert war, erklärte Jocasta dennoch, dass sie die geplante Abendgesellschaft stattfinden lassen wolle.
»Das wird uns von unserem Kummer ablenken«, sagte sie bestimmt. Sie wandte sich mir zu und streckte die Hand aus, um den Musselinstoff meines Ärmels kritisch zu befühlen.
»Ich rufe Phaedre, damit sie ein neues Kleid für Euch anfängt«, sagte sie. »Das Mädchen ist eine wunderbare Schneiderin.«
Ich war fest davon überzeugt, dass ein neues Kleid und ein festliches Abendessen nicht reichen würden, um mich abzulenken, doch ich fing einen warnenden Blick von Jamie auf und schloss fest den Mund, um die Worte nicht entschlüpfen zu lassen.