Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
»Es ist spät«, sagte sie. »Zeit zum Abendessen. Die Jungs sind hungrig …«
Die schwachsinnige Evie stieß ein letztes, sinnloses Kichern aus, und dann war auch sie still.
Em sagte, alle sollten jetzt heimgehen und später wiederkommen. Ish beobachtete Charlie und sah, daß Ezra ihn ebenfalls beobachtete. Charlies Augen blickten auf Em, vielleicht einen Augenblick zu lange. Dann glitt sein Blick zu Evies blondem Haar hinüber; es war, als schätze er das Mädchen ab. Dann standen alle auf und schickten sich zum Aufbruch an.
Dick nahm Charlie zum Essen mit in Ezras Haus.
Als das Essen auf dem Tische stand und alle sich hingesetzt hatten, gab es eine Fülle von Fragen. Ish überließ es Em, sich mit Bob zu unterhalten. Sie mußte doch ihre mütterlichen Besorgnisse beschwichtigen. Waren sie krank gewesen? Hatten sie genug zu essen gehabt? Warm geschlafen?
Die Aussprache über die eigentliche Reise sollte erst stattfinden, wenn die andern nach dem Abendessen wiedergekommen waren, und Ish hatte die Empfindung, es sei besser, wenn er aus Bob nichts über Charlie herauspumpe. Aber ganz konnte er der Versuchung nicht widerstehen, und Bob zeigte sich durchaus nicht zurückhaltend.
»Oh«, sagte er, »Charlie? Ja, den haben wir vor ungefähr zehn Tagen aufgelesen, in der Nähe von Los Angeles. Da herum leben, glaube ich, nur ein paar Menschen. Sie sind beinahe so wie wir; nur wohnen sie ein bißchen weiter auseinander. Charlie lebte ganz für sich allein.«
»Habt ihr ihn gebeten, er solle mitkommen, oder hat er es von sich aus getan?«
Ish beobachtete den Sohn gespannt. Er merkte, daß diese Frage Bob überraschte, aber nicht eben verstörte.
»Ach, das weiß ich nicht mehr. Ich weiß nicht, ob ich ihn gefragt habe. Vielleicht hat Dick es getan. Er kann einen Haufen komischer Geschichten erzählen, dieser Charlie. Er ist ein feiner Kerl.« Komische Geschichten, ja, und man konnte sich unschwer vorstellen, welcher Art sie waren. Sie alle waren damals ziemlich offenherzig und frei in ihrer Ausdrucksweise; der Begriff des Unanständigen, so konnte man sagen, war hingeschwunden, zum guten Teil, weil es in ihrem Wortschatz jeweils nur ein einziges Wort für jedes Ding gab, wenigstens was die Jüngeren betraf. Das Unanständige und Schlüpfrige schien eines natürlichen Todes verblichen zu sein, vielleicht als Widerspiel zum Hinsterben der romantischen Liebe. Aber Charlie — der war wohl noch imstande, schmutzige und schlüpfrige Geschichten erzählen. Obschon er, wenn es um dergleichen Geschichten ging, niemals prüde gewesen war, merkte Ish, wie seine ursprüngliche Abneigung sich fast in Widerwillen verwandelte, obwohl er sich unablässig uergegenwärtigte, daß er ja im Grunde nicht das mindeste von Charlie wisse, außer der Meinung der Jungs, Charlie sei ein feiner Kerl. In Ish stieg der Wunsch auf, die Wasserversorgung möchte nie zu funktionieren aufgehört und sie zu dem Verlangen getrieben haben, etwas für die Zukunft zu tun; denn eben dadurch war dieser fremde Mann zu ihnen gekommen.
Nach dem Abendessen wurde am Hügelhang ein großes Freudenfeuer entfacht, um das sich alle versammelten. Die Jungens sangen und trieben dummes Zeug. Es war eine ausgelassene Feierstunde.
Alle waren gespannt; aber die Jungs rückten erst nach und nach mit ihrem Bericht heraus … Auf der großen Staatsstraße nach Los Angeles waren sie nur durch ein paar unbedeutende Unterspülungen und Erdrutsche behindert worden; der Jeep mit seinem Vierrad-Antrieb hatte sie ohne weiteres gemeistert. Die Schar der religiösen Fanatiker, die sich als das Volk Gottes bezeichneten, lebte in Los Angeles.
Von Los Angeles aus hatten die Jungs die nach Osten führende 66 eingeschlagen. Die große Straße quer durch die Wüste war offen und leicht zu bewältigen gewesen, abgesehen von einer sandüberwehten Stelle. Auf der Weiterfahrt hatten ihnen lediglich dann und wann Reifenpannen zu schaffen gemacht. Die Brücke über den Colorado-Strom war zwar wackelig, aber noch passierbar gewesen.
Die nächste Gemeinschaft, auf die sie gestoßen waren, befand sich, wie es schien, in einem der alten Indianer-Pueblos bei Albuquerque. Soweit er aus den Schilderungen der Jungs klug wurde, kam Ish zu der Meinung, daß die paar Dutzend Menschen jener Gemeinschaft nicht von völlig dunkler Hautfarbe waren und daß es sich zum überwiegenden Teil wohl um Indianer handelte, weil ihre Lebensform auf dem Anbau von Mais und Bohnen beruhte, wie es die Pueblo-Indianer seit vielen Hunderten von Jahren gehalten hatten. Nur ein paar der älteren Leute hatten Englisch gesprochen. Auch diese Gemeinschaft beschränkte sich auf sich selbst und blickte voller Argwohn auf die Fremden. Die Menschen dort hatten Pferde. Autos benutzten sie nicht, und sie zogen nur selten in eine Stadt.
Von dort aus waren die Jungs nordwärts nach Denver abgebogen, und dann waren sie gen Osten durch das Flachland gefahren.
»Überall Haufen von Vieh!« Jetzt griff Dick den Faden des Berichts auf. »Überall Vieh, nichts als Viehherden sieht man da.«
»Habt ihr auch die großen braunen Rinder mit den Buckeln über den Schultern gesehen?« fragte Ish.
»Ja, ein paar solche haben wir gesehen«, sagte Dick.
Dann waren sie weitergefahren, und nun waren die Straßen häufiger blockiert gewesen; denn nun waren sie in eine feuchtere Gegend mit üppigerem und schnellerem Pflanzenwuchs und schwereren Regengüssen gekommen, die im Winter von harten Frösten abgelöst wurden. Die Landstraßen waren durch die Einwirkung des Frostes in große Stücke und Blöcke zerrissen, und in allen Ritzen und Sprüngen der Oberfläche wuchsen Gras und Unkraut, und selbst Gestrüpp und junge Bäume hinderten die Fahrt.
»Dann kamen wir an den breiten Fluß«, erzählte Bob. »Er ist der breiteste von allen, aber die Brücke war gut.«
Sie waren nach Chicago gelangt; doch das war nur eine aus öden, leeren Straßen bestehende Wüste gewesen.
Bei der Ausfahrt aus Chicago hatten die Jungs sich in der Unzahl der Straßen, der Umleitungen und Zufahrten verfahren, sie waren, da der Tag wolkig und trübe gewesen war, von ihrer Richtung abgekommen und nach Süden anstatt nach Osten gefahren.
»Daraufhin«, sagte Bob, »holten wir uns aus einem Laden eins von den Dingern, die die Richtung anzeigen …« Er suchte nach der Bezeichnung dafür und sah Ish an.
»Ja, einen Kompaß«, sagte Ish.
»Vorher hatten wir keinen gebraucht; aber jetzt benutzten wir ihn und fuhren wieder ostwärts, bis wir an den Fluß kamen, über den wir nicht hinüber konnten.«
Ish überlegte schnell, daß das der Wabash gewesen sein könne. Zweiundzwanzig Jahre Hochwasser, oder, was wahrscheinlicher war, ein einziges großes Hochwasser hatte die Brücken hinweggeschwemmt. Nachdem sie weiter nach Süden gefahren waren und keinen Übergang gefunden hatten, hatten die Jungs sich wieder nordwärts wenden und auf die Staatsstraße 6 zurückkehren müssen, die zum überwiegenden Teil auf höher gelegenem Gelände verlief.
Es war immer mühseliger geworden, nach Osten vorzudringen.
»Und dann kam ein kalter Tag mit Nordwind«, bekannte Dick, »und wir bekamen Angst. Wir mußten daran denken, was du uns über den Schnee erzählt hattest, und wir glaubten, wir kämen nie wieder nach Haus.«
Irgendwo, wahrscheinlich in der Nähe von Toledo, hatten sie kehrtgemacht. Nachdem sie gewendet hatten, war eine Art Panik über sie gekommen. Gleichzeitig begannen heftige Regengüsse zu fallen, und die Straßen waren oftmals überflutet. Sie fürchteten, einige der Brücken über die größeren Flüsse würden hinweggeschwemmt sein, so daß sie von ihrer Gemeinschaft abgeschnitten wären. Sie hatten es gar nicht erst versucht, Ishs Wunsch entsprechend nach Süden auszuweichen, sondern waren auf dem gleichen Weg zurückgefahren, den sie auf der Hinfahrt benutzt hatten. Deshalb hatten sie bei der Heimreise wenig kennengelernt, was sie nicht schon auf ihrer Fahrt nach Osten wahrgenommen hatten.