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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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Niemand antwortete.

»Verity?« fragte ich und zog die Doppeltüren auf. Sie saß zusammengekauert hinten im Schrank, die Knie ans Kinn gezogen. »Verity?«

»Er wollte sie gar nicht ersäufen«, sagte sie und schaute zu mir hoch. »Dunworthy sagte, ich hätte nachdenken sollen, bevor ich handelte. Baine wäre zurückgekommen und hätte die Katze gerettet, wenn ich mich nicht eingemischt hätte.«

»Aber das sind doch gute Neuigkeiten. Es bedeutet, daß sie kein unwichtiger Zwischenfall war und daß die Tatsache, daß ich sie zurückgebracht habe, keine Inkonsequenz erzeugt hat.«

Verity nickte, aber ohne Überzeugung. »Schon möglich. Aber wenn Baine sie gerettet hätte, wäre sie nicht vier Tage verschwunden gewesen. Sie wären nicht zu Madame Iritosky gefahren, und Tossie hätte Terence nie kennengelernt.« Sie kroch aus dem Schrank und ging zur Tür. »Ich muß es Dunworthy sofort sagen. Ich komme so schnell ich kann, wieder zurück und gebe Ihnen Bescheid.«

Sie legte die Hand auf den Türknauf. »Ich klopfe nicht an«, flüsterte sie. »Wenn Mrs. Mering es klopfen hört, meint sie vielleicht, es seien Geister. Ich kratze an der Tür.« Sie machte es vor. »Ich werde bald wieder da sein.« Damit öffnete sie die Tür.

»Einen Moment noch«, sagte ich, holte Mrs. Merings Stiefel unter der Matratze hervor und warf ihn Verity zu. »Bitte, stellen Sie ihn vor Mrs. Merings Tür.«

Sie fing den Stiefel auf. »Ich erspare Ihnen nähere Fragen«, sagte sie süffisant lächelnd und schlüpfte aus der Tür.

Ich hörte weder umstürzende Statuen noch den Schrei: »Geister!« aus Mrs. Merings Zimmer. Nach einer Minute setzte mich in den Sessel und wartete. Und machte mir Gedanken.

Also, ich sollte die Katze eigentlich nicht zurückbringen. Jetzt erinnerte ich mich, daß Dunworthy gesagt hatte: »Warten Sie hier!«, aber ich hatte gedacht, er wolle mich davon abhalten, das Labor zu verlassen.

Und damit hätte nicht zum ersten Mal ein Fehler in der Kommunikation den Lauf der Geschichte beeinflußt. Wenn man auf die unzähligen Male schaute, wo eine Nachricht falsch verstanden wurde oder nicht durchgegeben werden konnte oder in die falschen Hände geriet und dadurch der Ausgang einer Schlacht entschieden wurde! General Lees Pläne für Antietam, die er zufällig fallenließ, oder das Telegramm von Zimmerman oder Napoleons unverständliche Befehle an General Ney bei Waterloo. Oder Hitlers Migräne am Tag, als die Alliierten in der Normandie landeten.

Ich wünschte, mir würde eine Begebenheit einfallen, wo ein Kommunikationsbruch etwas anderes als katastrophale Folgen gehabt hatte, war mir aber nicht sicher, ob es überhaupt eine solche gab. Nehme man bloß den Angriff der leichten Brigade!

Lord Raglan hatte von einem Hügel aus gesehen, wie sich die Russen mit erbeuteter türkischer Artillerie zurückziehen wollten und Lord Lucan befohlen, sie zu stoppen. Lord Lucan, der nicht auf einem Hügel stand und vielleicht unter Schwierigkeiten, Laute zu unterscheiden, litt, konnte keine andere Artillerie sehen als die russische, deren Kanonen geradewegs auf ihn gerichtet waren und befahl Lord Cardigan und seinen Männern, diese geradewegs anzugreifen. Mit voraussehbarem Resultat.

»›Hinein ins Tal des Todes ritten die sechshundert‹«,[52] murmelte ich und hörte ein leises Kratzen an der Tür.

Konnte es Verity sein? Ich bezweifelte es. Sie war doch kaum lange genug fort, um zum Gartenpavillon hin und zurückzulaufen, geschweige denn in die Zukunft zu springen.

»Wer ist da?« flüsterte ich.

»Verity«, flüsterte es zurück.

»Ich sagte doch, ich würde an der Tür kratzen«, sagte sie, als ich sie hereinließ. Sie trug ein in braunes Papier gewickeltes Päckchen in der Hand.

»Ich weiß«, sagte ich. »Aber Sie waren erst fünf Minuten fort.«

»Ausgezeichnet. Das heißt, es gab überhaupt keinen Schlupfverlust. Ein gutes Zeichen.« Sie setzte sich mit zufriedener Miene aufs Bett. Offenbar hatte sie gute Neuigkeiten.

»Was sagte Dunworthy?« fragte ich.

»Er war nicht da«, erwiderte sie fröhlich. »Er ist nach Coventry gefahren, um Elizabeth Bittner zu treffen.«

»Mrs. Bittner? Die Frau des letzten Bischofs von Coventry?«

Verity nickte. »Er wollte sie aber nicht deswegen aufsuchen. Sie hat offenbar in der Anfangszeit des Netzes darin mitgearbeitet. Kennen Sie sie?« fragte sie neugierig.

»Lady Schrapnell schickte mich zu ihr. Ich sollte sie wegen des Bischofs Vogeltränke befragen.«

»Wußte sie etwas darüber?«

»Nein.«

»Aha. Kann ich Ihre Biskuits haben?« Sie schaute hungrig zum Nachttisch, wo das Tablett stand. »Ich sterbe vor Hunger.« Sie nahm eins und biß hinein.

»Wie lange waren Sie fort?« fragte ich.

»Stunden. Miss Warder wollte mir nicht sagen, wo T. J. ist. Er versteckte sich gerade vor Lady Schrapnell und hatte Miss Warder gebeten, niemandem zu sagen, wo er sich aufhält. Ich brauchte Stunden, um ihn ausfindig zu machen.«

»Fragten Sie wegen Terence und daß ich es verhindert habe, daß Terence Maud trifft?«

»Ja«, sagte sie. »Kann ich Ihre Schokolade haben?«

»Ja. Was sagte er dazu?«

»Er sagte, seiner Meinung nach sei es unwichtig, daß Terence eigentlich Maud treffen sollte oder falls er es getan hätte, wäre die Begegnung unbedeutend gewesen, denn wäre es anders, hätte sich das Netz nicht geöffnet.«

»Und wenn ich mit dem Zurückbringen der Katze eine Inkonsequenz erzeugt habe?«

Verity schüttelte den Kopf. »T. J. glaubt nicht daran. Er denkt, ich habe sie verursacht.«

»Wegen dem, was Baine uns erzählt hat.«

Sie nickte. »Und wegen des exzessiven Schlupfverlustes.«

»Aber ich dachte, die hingen damit zusammen, daß Coventry ein Krisenpunkt ist.«

Wieder schüttelte sie den Kopf. »Nicht das Gebiet um Coventry. Das Gebiet um Oxford im April 2018.«

»2018? Welcher Krisenpunkt ist das?«

»Das weiß keiner«, sagte Verity. »Deshalb wollte Dunworthy ja mit Mrs. Bittner sprechen, um zu erfahren, ob sie sich an etwas Ungewöhnliches in jenem Jahr oder aus der damaligen Zeitreiseforschung erinnert, das Licht in die Sache bringen könnte, aber es war ergebnislos. Wenn ich also die Inkonsequenz erzeugt habe, dann können Sie mit dem Zurückbringen der Katze keine erzeugt haben. Ihre Handlung würde meine korrigiert und damit die Dinge zum Positiven statt zum Negativen gewendet haben. Und Terence davon abgehalten zu haben, jemanden zu begegnen, würde die Dinge schwerlich verbessern, besonders wenn diese Begegnung bedeutet hätte, daß er nicht rechtzeitig in Iffley gewesen wäre, um Tossie zu treffen. Was heißt, daß Terence Maud gar nicht treffen sollte und daß wir uns keine Sorgen zu machen bräuchten, daß es hier um ein Symptom weiter um sich greifender Inkonsequenz handele.«

»Ein Symptom? Was meinen Sie damit?«

»Laut Fujisaki besteht die erste Verteidigung des Kontinuums gegen Inkonsequenzen in exzessivem Schlupfverlust. Wenn das nicht hilft, treten vermehrt Zufälligkeiten auf, und wenn das auch nicht hilft, kommt es zu Diskrepanzen.«

»Diskrepanzen? Sie meinen, der Lauf der Geschichte verändert sich?«

»Nicht gleich. Aber das System wird instabil. So wie es T. J. erklärte, wird aus einer festgelegten einzigen Linie von Ereignissen ein Nebeneinander von Wahrscheinlichkeiten.«

»Wie in Schrödingers Kiste«, sagte ich und dachte an das berühmte Experiment mit dem Geigerzähler und der Flasche Zyanidgas. Und der Katze.

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52

Aus: Alfred Lord Tennyson, The Charge of the Light Brigade. — Anm. d. Ü.

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