Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
Das Problem war Cyril. »Im Stall! Er hat noch nie draußen geschlafen«, sagte Terence, der offenbar die vergangene Nacht vergessen hatte. »Armer Cyril!« Seine Miene war verzweifelt. »Ins Dunkle hinaus gejagt! Zu Pferden!« Er durchmaß das Zimmer mit langen Schritten. »Es ist barbarisch, von ihm zu verlangen, draußen zu schlafen, nachdem er in den Fluß gefallen ist. Bei seiner Konstitution!«
»Konstitution?« fragte ich.
»Cyril ist empfindlich auf der Brust«, erklärte Terence. »Ein Hang zu Katarrhen.« Er hielt inne, um durch die Vorhänge zu spähen. »Wahrscheinlich hat er sich bereits eine Erkältung geholt. Wir müssen ihn ins Haus bringen.« Er ließ die Vorhänge zufallen. »Ich hätte gern, daß du ihn unbemerkt in dein Zimmer schmuggelst.«
»Ich?« fragte ich. »Warum kannst du ihn nicht in dein Zimmer bringen?«
»Mrs. Mering wird wegen mir auf der Lauer liegen. Ich hörte, wie sie dem Butler sagte, er solle aufpassen, daß dieses Vieh draußen schläft. —Vieh!«
»Und wie soll ich das bewerkstelligen?«
»Der Butler wird mich beobachten, nicht dich. Du hättest Cyrils Gesicht sehen sollen, als ich ihm sagte, er müsse im Stall bleiben. Als sei der Himmel für ihn eingestürzt. ›Et tu, Brute!‹«
»Na schön«, sagte ich. »Trotzdem weiß ich immer noch nicht, wie ich ihn an Baine vorbeischmuggeln könnte.«
»Ich werde nach Baine klingeln und nach einer heißen Schokolade verlangen. Dadurch ist er dir aus dem Weg. Du wärest wirklich ein Prachtkerl, wenn du mir hülfest, o bester Freund, unverhoffter Quell, der zwischen ödem Stein entspringt!«
Er öffnete die Tür, um nach beiden Seiten den Korridor entlangzuspähen. »Die Luft ist rein. Ich warte fünf Minuten ab, damit du deine Stiefel anziehen kannst, dann klingle ich nach der Schokolade. Falls Baine dich erwischt, kannst du ja einfach sagen, du seiest nach draußen gegangen, um zu rauchen.«
»Und wenn er mich beim Reinkommen erwischt, mit Cyril im Schlepptau?«
»Wird er nicht. Ich werde ihn noch um ein Glas Bordeaux bitten. Chateau Margaux, Jahrgang 75. Häuser wie dieses haben nie einen anständigen Weinkeller.«
Wieder schaute er nach rechts und links und schob sich dann seitwärts zur Tür hinaus, die er leise hinter sich schloß. Ich ging zum Bett zurück und betrachtete meine Socken.
Es ist nicht einfach, einen feuchten Socken anzuziehen, noch weniger einen durchweichten Stiefel darüber, zumal man dabei unwillkürlich etwas zögert. Ich brauchte über fünf Minuten zu beidem. Als ich losmarschierte, hoffte ich nur, daß der Weinkeller der Merings am entfernten Ende des Hauses lag.
Ich öffnete die Tür, die leise quietschte und lugte den Korridor hinunter, wo ich niemanden oder vielmehr nichts sah. Ich wünschte, ich hätte mehr darauf geachtet, wo die Möbel und Statuen standen.
Es war so finster, daß ich erwog, die Lampe mit dem Kristallgehänge mitzunehmen. Was war wohl schlimmer: von Mrs. Mering ertappt zu werden, wenn sie Licht sah oder nachdem ich die Laokoongruppe zerschmettert hatte?
Ich entschied mich fürs letztere. Falls die Dienstboten noch wach waren, wozu ich allen Grund sah, bei der Menge Tischtücher, die zu waschen und zu stärken waren, würden sie das Licht sehen und herauseilen, um mich zu fragen, ob Sir noch etwas wünsche. Außerdem gewöhnten sich meine Augen allmählich an die Dunkelheit, genug jedenfalls, daß ich die Umrisse des Korridors erkennen konnte. Wenn ich mich genau in der Mitte hielt, würde ich es schaffen.
Ich tastete mich zum Treppenabsatz, wobei ich über den großen Farn stolperte, der heftig auf seinem Podest schaukelte, bis ich ihn endlich wieder gerade gerichtet hatte, und über etwas, das sich als Paar Schuhe erwies.
Den Rest des Weges zur Treppe grübelte ich über sie nach und wäre dabei beinahe über ein weiteres Paar gefallen, Tossies zierliche weiße Schnürstiefel. Da erinnerte ich mich daran, daß die Sublimationskassetten etwas von Menschen erzählt hatten, die ihre Schuhe nachts vor die Zimmertür stellten, damit die Bediensteten sie säubern konnten. Zweifellos nachdem diese das Tischtücherwaschen, Schokolade zubereiten und Tauchen in der Themse, um Strohhüte herauszufischen, hinter sich hatten.
Hier an der Treppe war es heller. Vorsichtig stieg ich die Stufen hinab. Die vierte Stufe knirschte laut, und als ich besorgt hinter mich schaute, sah ich Lady Schrapnell, die mich oben vom Treppenabsatz herab anstarrte.
Mein Herz setzte aus.
Als es wieder zu pochen begann, bemerkte ich ihre Halskrause und die lange betonte Taille, und mir fiel ein, daß Lady Schrapnell immer noch sicher auf der Anderen Seite war und dies hier eine der elisabethanischen Vorfahren der Merings sein mußte. Kein Wunder, daß man victorianischen Häuser nachsagte, daß es in ihnen spuke.
Der übrige Weg gestaltete sich einfach, bis auf den Moment an der Eingangstür, als ich befürchtete, sie sei verschlossen und ich müsse durch das Labyrinth im Wohnzimmer zu den Verandatüren schleichen. Die Tür war jedoch nur verriegelt und quietschte kaum, als ich den Riegel zurückschob. Draußen schien der Mond.
Ich hatte keine Ahnung, welches der Gebäude, die weiß im Mondlicht schimmerten, der Pferdestall war. Ich versuchte es in einem Geräteschuppen und bei etwas, das sich als Hühnerstall herausstellte, bis mir schließlich das Wiehern der Pferde, die ohne Zweifel vom Gegacker der Hühner geweckt worden waren, die Richtung wies.
Cyril schaute mich so überwältigt vor Glück an, daß mich die Flüche reuten, die ich bereits im Stillen für Terence geübt hatte. »Komm, alter Bursche«, sagte ich. »Du mußt aber mucksmäuschenstill sein. Wie Flush, als Elizabeth Browning mit ihm vor ihrem Ehemann türmte.«
Was sich ungefähr zu dieser Zeit abgespielt haben mußte. Ich fragte mich, wie sie es bewerkstelligt hatte, die Treppe hinunter aus einem stockfinsteren Haus zu schleichen, ohne sich dabei umzubringen. Und dabei noch einen Koffer und einen Cockerspaniel zu tragen. Langsam bekam ich einen Heidenrespekt vor den Victorianern.
Cyrils Version von Schweigen bestand in schwerem, von gelegentlichem Schnauben unterbrochenem Atmen. Auf halbem Weg die Stufen hoch blieb er wie angewurzelt stehen und starrte nach oben.
»Alles in Ordnung«, sagte ich und drängte ihn weiter. »Es ist nur ein Gemälde. Nichts, vor dem man sich fürchten müßte. Paß auf den Farn auf.«
Wir schafften es, ohne Zwischenfall den Korridor entlang und in mein Zimmer zu kommen. Ich schloß die Tür und lehnte mich dankbar dagegen. »Braver Junge. Flush wäre stolz auf dich«, sagte ich und sah, daß er einen schwarzen Stiefel im Maul trug, den er offenbar im Korridor aufgelesen hatte. »Nein!« riefich und wollte den Stiefel packen. »Gib her!«
Bulldoggen wurden eigentlich dazu gezüchtet, eine Stiernase zu packen und sich darin zu verbeißen, als ginge es ums liebe Leben. Dieser Instinkt hatte sich erhalten. Mein Ziehen und Zerren blieb ohne Erfolg. Ich ließ den Stiefel los. »Laß den Stiefel fallen«, befahl ich, »oder ich bringe dich schnurstracks in den Stall zurück.«
Er schaute mich bedächtig an, den Stiefel mitsamt baumelnden Schnürsenkeln im Maul hängend.
»Ich meine es ernst«, sagte ich. »Von mir aus kannst du dir einen Katarrh holen. Oder eine Lungenentzündung.«
Cyril überlegte noch einen Moment, dann ließ er den Stiefel fallen. Er legte sich so auf den Boden, daß seine platte Nase das Leder gerade noch berührte. Ich schnappte den Stiefel und hoffte, er gehörte Professor Peddick, der die Zahnabdrücke daran nie im Leben bemerken oder Terence, dem es recht geschehen würde. Es war ein Frauenschuh. Und er gehörte nicht Verity. Sie hatte weiße Stiefel getragen wie Tossie.