Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Er gehört Mrs. Mering«, rief ich und hielt den Stiefel anklagend hoch.
Cyril beantwortete das, indem er sich aufmerksam und spielbereit auf die Hinterläufe setzte.
»Das ist kein Spaß!« sagte ich. »Guck dir den Stiefel an!«
Im Grunde jedoch hatte dieser, bis auf eine beträchtliche Ladung Speichel, die an ihm herabtroff, keinen größeren Schaden davongetragen. Ich wischte ihn an meinem Hosenbein ab, dann öffnete ich die Tür. »Platz!« befahl ich Cyril und machte mich auf, den Stiefel zurückzubringen.
Ich hatte keine Ahnung, welches Mrs. Merings Zimmertür war und keine Möglichkeit zu erkennen, wo ein Schuh fehlte, geblendet wie ich war, als ich aus meinem Zimmer trat. Und keine Zeit, meine Augen an die Finsternis zu gewöhnen. Und kein Verlangen, von Mrs. Mering erwischt zu werden, während ich auf allen vieren den Korridor entlangkroch.
Ich ging ins Zimmer zurück, holte die Lampe und leuchtete damit den Korridor aus, bis ich eine Zimmertür sah, vor der nur ein Stiefel stand. Die zweite ganz hinten. Und dazwischen stand die Laokoonstatue, Darwin und ein Pappmache-Tisch mit einem großen Farn darauf.
Ich duckte mich ins Zimmer zurück und stellte die Lampe wieder an ihren Platz. Dann nahm ich den Stiefel und öffnete wieder die Tür.
»… und ich sage dir, da war ein Licht«, sagte eine Stimme, die nur zu Mrs. Mering gehören konnte. »Ein gespenstisches, schwebendes, ätherisches Licht. Ein Geisterlicht, Mesiel! Steh auf!«
Ich schloß die Tür, blies die Lampe aus und kroch zum Bett. Cyril lag darin, bequem zwischen die Kissen gebettet. »Das ist alles deine Schuld«, flüsterte ich. Dann merkte ich, daß ich immer noch Mrs. Merings Schuh in der Hand hielt.
Ich stopfte ihn unter die Decke, entschied dann aber, daß das wirklich belastend wirken würde, wollte ihn gerade unters Bett schieben, aber dann fiel mir etwas Besseres ein, und ich steckte ihn zwischen die Sprungfedern und die Federmatratze. Im Dunkeln sitzend versuchte ich herauszufinden, was vor sich ging. Cyrils Schnarchen übertönte alle anderen Geräusche, und ich hörte keine Türen gehen und sah auch kein Licht unter meiner Türritze.
Ich wartete noch ein paar Minuten, zog dann meine Stiefel aus und schlich auf Zehenspitzen zur Tür, um sie einen Spalt zu öffnen. Dunkelheit und Stille. Ich tappte zum Bett zurück, wobei ich mir den großen Zeh am Spiegel anstieß und mein Schienbein am Nachttisch, zündete die Lampe wieder an und machte mich bereit, ins Bett zu gehen.
Die letzten Minuten schienen das letzte, was mir noch an Kraft verblieben war, aufgebraucht zu haben, aber trotzdem zog ich mich langsam und sorgfältig aus, prägte mir ein, wie Kragen und Hosenträger befestigt waren und betrachtete die Krawatte, während ich sie auszog, im Spiegel, so daß ich sie am nächsten Morgen mehr oder weniger genauso gut wieder binden konnte. Nicht, daß das noch nötig sein würde. Ich würde mir sowieso beim Rasieren die Kehle durchschneiden. Oder vorher als Dieb und Fußfetischist entlarvt werden.
Ich zog meine immer noch feuchten Socken aus, legte sie auf den Nachttisch und stieg ins Bett. Die Sprungfedern gaben nach, die mit Federn gefüllte Matratze sackte ein, die Laken waren kalt, und Cyril hatte sämtliche Decken. Es war ein herrliches Gefühl.
Schlaf, Mutter Naturs sanfte Heilerin, honigsüßer Tau heiliger Ruhe, Linderer alles Leidens, süßer, gesegneter entwirrender Schlaf.
Es klopfte an der Tür.
Mrs. Mering, dachte ich, die nach ihrem Stiefel sucht. Oder Geister. Oder der Colonel, den sie aus dem Bett hochgescheucht hat.
Aber unter der Türritze schimmerte kein Licht, und das Klopfen, das sich wiederholte, war zu leise. Terence, dachte ich, der Cyril holen will, jetzt, nachdem die ganze Arbeit getan ist.
Für den Fall, daß er es doch nicht war, entzündete ich die Lampe, zog den Morgenmantel an und warf die Überdecke über Cyril. Dann ging ich zur Tür und öffnete sie. Verity stand davor. Im Nachthemd.
»Was machen Sie hier?« flüsterte ich. »Wir sind im victorianischen Zeitalter.«
»Weiß ich«, flüsterte sie zurück und drückte sich an mir vorbei ins Zimmer. »Aber ich muß unbedingt mit Ihnen sprechen, bevor ich Dunworthy morgen Bericht erstatte.«
»Und wenn jemand hereinkommt?« Ich schaute auf ihr weißes Nachthemd. Es war schicklich, mit langen Ärmeln und hochgeschlossenem Kragen, der hinten geknöpft war, aber ich nahm nicht an, daß Terence das überzeugen würde. Oder den Butler. Oder Mrs. Mering.
»Es kommt keiner herein«, erwiderte Verity und setzte sich aufs Bett. »Alle sind zu Bett gegangen. Und die Wände in diesen alten Häusern sind zu dick, als daß uns jemand hören könnte.«
»Terence war bereits da«, sagte ich. »Und Baine auch.«
»Was wollte der denn?«
»Mir sagen, daß er das Gepäck nicht hatte retten können. Und Terence wollte, daß ich Cyril aus dem Pferdestall herausschmuggle.«
Bei der Erwähnung seines Namens schob sich Cyril aus den Decken und blinzelte schläfrig.
»Hallo, Cyril«, sagte Verity und tätschelte ihn. Er legte den Kopf in ihren Schoß.
»Und wenn Terence kommt, um nach ihm zu sehen?« fragte ich.
»Dann verstecke ich mich«, sagte sie gelassen. »Sie ahnen ja nicht, wie froh ich bin, Sie zu sehen, Ned.« Sie lächelte zu mir hoch. »Als wir von Madame Iritosky zurückkamen, merkte ich, daß Prinzessin Arjumand immer noch nicht hier war, und als ich letzte Nacht versuchte, Dunworthy Bescheid zu sagen, erwischte mich Mrs. Mering auf meinem Weg zum Pavillon. Ich überzeugte sie davon, daß ich einen Geist gesehen hätte und ihm nachjagte, worauf sie das ganze Haus alarmierte und das Grundstück absuchen ließ. Also konnte ich nicht springen und habe keine Ahnung, was nun eigentlich passiert ist.«
Es war wirklich Pech. Die Naiade saß im Nachthemd auf meinem Bett, das prärafaelitische nußbraune Haar offen über ihren Rücken fallend. Sie war hier, lächelte zu mir auf, und mir blieb nichts anderes übrig, als alles zu ruinieren. Je eher ich es hinter mich brachte, um so besser.
»Und heute morgen«, sagte sie gerade, »mußte ich Tossie in die Kirche begleiten und dann…«
»Ich habe die Katze mitgebracht«, sagte ich. »Sie war in meinem Gepäck. Dunworthy hat mir sicher davon erzählt, aber ich war zu erschöpft, um es zu verstehen. Sie war die ganze Zeit über bei mir.«
»Ich weiß«, sagte Verity.
»Was?« Ich fragte mich, ob ich wieder Hörschwierigkeiten hatte.
»Ich weiß. Ich war heute nachmittag bei Dunworthy, und er sagte es mir.«
»Aber…« Ich versuchte, zwei und zwei zusammenzuzählen. Wenn sie heute nachmittag im Jahre 2057 gewesen war, dann war dieses strahlende Lächeln…
»Ich hätte es wissen müssen, als ich Sie in Iffley sah«, sagte sie. »Historiker in Urlaub zu schicken, ist nicht Dunworthys Stil, besonders nicht mit Lady Schrapnell im Nacken, zwei Wochen vor der Einweihung.«
»Ich wußte nicht, daß ich die Katze bei mir hatte«, antwortete ich. »Kurz nach Iffley suchte ich nach einem Büchsenöffner. Sie sagten zwar, ich sollte Terence von Muchings End fernhalten, aber es erschien mir wichtiger, die Katze zurückzubringen. Ich hatte vor, in Streatley in einem Gasthof Station zu machen und mich nachts mit der Katze heimlich wegzuschleichen, aber Terence bestand darauf, hierher zu rudern. Dann fing die Katze an zu miauen, und Cyril schnupperte an dem Korb, und dann fiel er ins Wasser und das Boot kenterte und… den Rest wissen Sie ja selbst«, schloß ich lahm. »Ich hoffe, ich tat das Richtige.«