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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Er schien einen Augenblick über ihre Worte nachzudenken; dann nickte er und schlurfte rückwärts in den Raum, damit Ista eintreten konnte.

Lord Illvin lag auf dem Bett. Er trug das Leinengewand, und seine Haare waren nicht mehr geflochten, sondern zurückgekämmt, wie sie es zuerst in ihrem Traum gesehen hatte. Er lag so reglos da wie ein Toter, doch er war nicht ohne Seelensubstanz. Allerdings ruhte seine Seele nicht im Zentrum seines Körpers und besaß auch nicht dieselbe Gestalt, wie es bei Liss der Fall war oder selbst bei Gorams zerfetzter Seele. Vielmehr sah es so aus, als würde ihm die Seele gewaltsam aus dem Herzen gerissen, um entlang des inzwischen vertrauten weißlichen Loderns davonzutreiben. Nur ein schwacher Hauch davon blieb in den Umrissen seines stofflichen Leibes zurück.

Ista ließ sich auf einer Truhe an der Wand zu Illvins Rechten nieder und musterte ihn. »Wird er bald erwachen?«

»Wird er wohl.«

»Dann mach einfach so weiter wie sonst.«

Goram nickte und zog einen Hocker sowie ein kleines Tischchen zur anderen Seite des Bettes. Auf ein Pochen an der Tür hin sprang er auf. Ista lehnte sich zurück und außer Sicht. Goram nahm ein schweres Tablett entgegen, abgedeckt mit einem Leintuch, und schickte den Mann fort, der es gebracht hatte. Der Kammerdiener klang erleichtert, als er entlassen wurde. Goram setzte sich auf den Hocker, verschränkte die Hände und schaute Lord Illvin an. Schwer lastete das Schweigen im Gemach.

Illvins Lippen öffneten sich. Abrupt sog er die Luft ein, stieß sie dann wieder aus. Seine Augen sprangen auf und starrten wirr zur Decke. Ruckartig richtete er sich auf und schlug die Hände vors Gesicht.

»Goram? Goram!« Seine Stimme klang schrill vor panischem Schrecken.

»Ich bin hier, Herr!«, erwiderte Goram besorgt.

»Ah. Da bist du …« Illvin sprach undeutlich. Seine Schultern sanken herab. Er rieb sich das Gesicht, ließ die Hände auf die Bettdecke fallen und starrte auf seine Füße. Die Furchen auf seiner hohen Stirn wurden tiefer. »Ich hatte letzte Nacht wieder diesen quälenden Traum. Die schimmernde Frau. Bei den fünf Göttern, diesmal war er unglaublich intensiv! Ich habe ihre Haare berührt …«

Goram schaute zu Ista hinüber. Illvin wandte den Kopf und folgte seinem Blick.

Seine dunklen Augen wurden groß. »Ihr! Wer seid Ihr? Träume ich noch immer?«

»Nein. Diesmal nicht.« Sie zögerte. »Mein Name ist … Ista. Ich bin aus einem bestimmten Grund hier, aber ich kenne ihn nicht.«

Er stieß ein gequältes Lachen hervor. »So geht es mir auch.«

Goram richtete ihm eiligst die Kissen. Illvin ließ sich zurücksinken, als hätte diese kleine Anstrengung ihn bereits völlig erschöpft. Sofort schob Goram einen Löffel gekochtes Fleisch hinterher. Es duftete stark nach Kräutern und Knoblauch. »Hier, esst einen Bissen Fleisch, Herr. Esst, esst, rasch.«

Illvin hatte den Bissen im Mund, ehe er auch nur an Widerspruch denken konnte. Er schluckte ihn herunter und wehrte den nächsten Bissen ab, wandte den Kopf stattdessen wieder Ista zu. »Ihr … leuchtet gar nicht mehr im Dunkeln. Habe ich von Euch geträumt?«

»Ja.«

»Oh.« Verwirrt runzelt er die Stirn. »Woher wisst Ihr das?« Diesmal schaffte er es nicht, dem beharrlichen Löffel auszuweichen, und notgedrungen verstummte er wieder.

»Lord Illvin, woran erinnert Ihr Euch noch von der Nacht, als Ihr niedergestochen wurdet? In den Gemächern der Prinzessin Umerue?«

»Niedergestochen? Ich? Niemand hat mich …« Er tastete mit der Hand unter sein Gewand nach dem Verband um seinen Oberkörper. »Goram! Warum wickelst du immer diese elenden Fetzen um mich? Ich habe dir doch gesagt …« Er zerrte die Bandagen herunter, wickelte sie ab und warf sie zum Fuß des Bettes. Die Haut auf seiner Brust war unberührt.

Ista stand auf, trat an die Bettkante und drehte die weißen Leinenbinden herum. Das Wundpolster war von einem matten, rotbraunen Blutfleck durchtränkt. Sie hielt es so, dass Illvin es sehen konnte, und hob die Brauen. Zornig starrte er auf den Verband und schüttelte den Kopf.

»Ich habe keine Verletzung! Ich habe kein Fieber. Ich übergebe mich nicht. Warum schlafe ich so viel? Ich werde immer schwächer … schwanke wie ein neu geborenes Kalb … kann nicht mehr klar denken … Bei den fünf Göttern, nur kein Schlaganfall, nur nicht sabbernd und gelähmt!« Seine Stimme drohte sich zu überschlagen. »Arhys, ich habe gesehen, wie Arhys zu meinen Füßen zusammenbrach. Blut … Wo ist mein Bruder?«

Gorams Stimme klang übertrieben beschwichtigend: »Beruhigt Euch, Herr. Dem Grafen geht es gut. Ich hab es Euch wohl schon hundertmal gesagt. Ich sehe ihn jeden Tag.«

»Warum kommt er dann nicht und schaut nach mir?« Seine unsichere Stimme nahm nun einen quengeligen Tonfall an, weinerlich wie ein übermüdetes Kind.

»Das tut er doch. Aber Ihr schlaft immer. Regt Euch nicht so auf!« Goram warf Ista einen finsteren Blick zu. »Hier. Esst Fleisch.«

Arhys war in dieser Nacht ebenfalls in Umerues Gemächern gewesen? Schon zeigten sich Abweichungen von Cattilaras glatter Version der Geschichte. »Hat Lord Pechma Euch niedergestochen?«, fragte Ista.

Illvin blinzelte verwirrt, schluckte den letzten Bissen hinunter, den Goram ihm in den Mund geschoben hatte, und meinte: »Pechma? Der wertlose Schwachkopf? Ist er immer noch auf Porifors? Was hat Pechma mit der Sache zu tun?«

Geduldig fragte Ista: »War Lord Pechma überhaupt da?«

»Wo?«

»In Prinzessin Umerues Gemächern.«

»Nein! Warum sollte er? Das goldfarbene Flittchen hat ihn behandelt wie einen Sklaven, genau wie alle anderen. Falsches Spiel … falsch …«

Ista ließ ihre Stimme schärfer klingen: »Goldfarbenes Flittchen? Umerue?«

»Mutter und Tochter. Grausam schön war sie! Aber wenn sie vergaß, auf mich zu achten, wirkte sie wieder unscheinbar. So, wie ich sie zum ersten Mal gesehen hatte, in Jokona. Aber wenn sie ihre Bernsteinaugen auf mich richtete, hätte ich für sie den Sklaven gespielt. Nein — ich wäre ihr Sklave gewesen! Aber sie hat sich dem armen Arhys zugewandt. Alle Frauen tun das …«

Nun ja …

»Sie hat ihn gesehen. Sie wollte ihn. Und sie nahm ihn, so einfach, wie man einen … irgendetwas aufhebt. Ich habe es herausgefunden. Ich kam hinterher. Sie hatte ihn im Bett, drückte ihren Mund auf den seinen …«

»Fleisch«, sagte Goram und schob ihm einen weiteren Bissen in den Mund.

Eine exotische Frau, ein kräftiger Mann, ein mitternächtliches Stelldichein, ein verschmähter Verehrer … dieselben Rollen, doch die Darsteller waren andere als in Cattilaras Geschichte? Es passte alles zusammen. Man konnte sich leicht vorstellen, wie Umerue ausgeschickt worden war, um Illvin zu umwerben, um einer Allianz mit Jokona willen, und wie sie sich dann aus persönlichen oder politischen Gründen seinem älteren und mächtigeren Bruder zuwandte. Cattilara wäre dann ein Hindernis gewesen, sicher, aber genau die Art von Hindernis, für die es raffinierte Gifte gab.

Schwerer vorstellbar war da schon, wie eine solche Verführerin überhaupt erst an Cattilara vorbei zu Lord Arhys hatte vorstoßen können. Cattilara betrachtete Ista offensichtlich eher als ältere Tante — eine Tante mit einer wundervoll tragischen und romantischen Vorgeschichte. Trotzdem hatte die Gräfin keine Gelegenheit verstreichen lassen, ihren Anspruch auf Arhys vor Istas Augen deutlich zu bekunden. War ihre besitzergreifende Art nur Gewohnheit oder die Folge einer nicht lange zurückliegenden Furcht?

Für die veränderte Version der Geschichte sprach der Anschein von Wahrscheinlichkeit. Der verachtete Bastard, der bislang beinahe leer ausgegangen war, bekam eine wunderschöne Prinzessin in greifbare Nähe gerückt, nur damit sie ihm plötzlich vom älteren Bruder weggeschnappt wurde — einem Bruder, der bereits alles besaß, einschließlich einer wunderschönen Frau, und der nichts mehr benötigte. Der Reiche, der den Armen beraubte … Grund genug also, um in rasender Eifersucht einen Brudermord zu versuchen. Solche Taten kamen überall vor, unter weniger bedeutsamen Männern, unter Quintariern sowie unter den Angehörigen des vierfältigen Glaubens, bei jedem Volk und in jedem Landstrich.

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