Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Cattilara öffnete die Hände. Von den Spitzen ihrer gebogenen, straff und schmerzhaft angespannten Finger spann sich ein Faden weißen Feuers. »So. Das sollte lang genug halten.« Sie erhob sich von dem quietschenden Bett und schlug das Gewand wieder zusammen. Zog die Decke empor, ganz behutsam, und senkte sie auf Illvins Brust hinunter. Ihre Hand blieb dicht über der weißen Linie und berührte sie nicht, während sie um den Fuß des Bettes herumschlüpfte. Ista tauchte rasch in eine kauernde Stellung unter, und versteckte ihr Gesicht und ihr Haar unter dem weiten schwarzen Ärmel. Sie hörte, wie die Tür sich öffnete und wieder schloss, wie ein Riegel zuschnappte. Schritte, die auf Zehenspitzen davoneilten.
Ista spähte über das Geländer herab. Catti floss förmlich übers Pflaster unten; Seide flatterte hinter ihr her, während sie rannte und der ununterbrochenen Linie aus Licht folgte. Licht, das keinen Schatten warf und sich nirgendwo spiegelte. Sie und die Linie aus Feuer verschwanden unter dem Säulengang.
Was ist das für eine Zauberei, Cattilara? Ista schüttelte verblüfft den Kopf.
Ich sollte meinen schmachtenden Augen Nahrung geben. Vielleicht, wenn sie genug bekommen, werden sie mir … irgendetwas verraten.
Und wenn nicht, habe ich immerhin noch einen Krümel erhascht.
Die Angeln der Tür zu Illvins Schlafgemach waren gut geölt, wie Ista feststellte. Die reich geschnitzte Tür ließ sich leicht bewegen. Von hier aus konnte sie ein leises Schnarchen aus dem Nebenraum vernehmen, jenseits einer Innentür. Goram oder irgendein anderer Pfleger, der in Rufweite schlief, für den Fall, dass ein Wunder geschah und Illvin aufwachte und rufen konnte. Ista achtete sorgsam darauf, die dahintreibende Lichtlinie nicht zu berühren. Vorsichtig schlich sie um eine Truhe herum und huschte über die Teppiche an Illvins Bettkante. Nicht an dieselbe Seite wie Cattilara, sondern an die gegenüberliegende. Sie schob sanft die Decke nach unten, öffnete sein Gewand, wie Catti es getan hatte, und musterte ihn von oben nach unten.
Sie ignorierte erst einmal das Offensichtliche und betrachtete stattdessen das wirbelnde Licht, versuchte, irgendein Muster oder eine Botschaft darin zu erkennen. Am hellsten loderte es an seinen Lenden, im Augenblick zumindest, doch weitere Ansatzpunkte schimmerten über seinem Nabel, den Lippen, der Stirn und über dem Herzen, wobei Lippen und Stirn nur sehr schwach schimmerten.
Er war dünner als in ihrem ersten Traum, hohlwangiger, und die Rippen … sie hatte seine Rippen damals nicht gesehen, aber inzwischen traten sie deutlich hervor. Sie konnte die Linien seines Beckenknochens unter der Haut ausmachen. Sie fuhr mit dem Finger daran entlang, hielt inne.
Er bewegte sich, andeutungsweise: schwache, aber deutlich erkennbare lustvolle Zuckungen … oder womöglich nur der Widerhall einer solchen Bewegung, der durch die zitternde Linie aus weißem Feuer zurückfloss, wie eine Welle von einem entfernten Strand? Die Minuten vergingen. Sie konnte ihre Herzschläge zählen. Und die seinen, die schneller gingen. Zum ersten Mal bewegte er auch die Lippen und ließ ein leises Stöhnen hören.
Anspannung, ein Erzittern, ein helleres Auflodern von Licht, dann war es vorbei. Das kalte Feuer züngelte ungezügelt über seinen Leib, entströmte dann am stärksten dem Verband über seinem Herzen und pulsierte. Pumpte … was heraus?
Sein Fleisch wirkte wieder beunruhigend tot.
»Ist das nicht … merkwürdig?«, hauchte Ista.
Wissen oder gar Weisheit hatte sie noch immer nicht gewonnen. Doch in mancher Hinsicht war das, was sie soeben erlebt hatte, leicht zu verstehen. In anderer Hinsicht aber nicht.
Sanft schloss sie sein Gewand wieder und zog den Gürtel fest. Sie richtete seine Decke so, wie sie gewesen war. Musterte die dahintreibende Linie aus Licht. Erinnerte sich an ihren Traum.
Soll ich es wagen?
Ganz sicher erreichte sie nichts, wenn sie die Linie einfach nur anstarrte. Sie hob einen Arm, wölbte ihre Hand um die Lichtlinie. Hielt inne.
Goram, das widme ich dir!
Sie stützte eine Hüfte aufs Bett und beugte sich vor. Berührte mit ihren Lippen die Illvins, küsste ihn leidenschaftlicher. Schloss ihre Hand.
Funken sprühend erlosch das Licht.
Er riss die Augen auf, sog den Atem aus ihrem Mund. Ista stützte sich auf eine Hand und blickte in seine Augen, die so dunkel waren, wie sie es aus ihrer ersten Vision in Erinnerung hatte. Seine Hand griff um ihren Kopf, seine Finger fassten nach ihrem Haar.
»Oh. Dieser Traum ist schon besser.« Seine Stimme war so rauchig wie alter Honig, mit einem leichten Nordprovinz-Akzent, angereichert um eine Spur Roknari — bei weitem klangvoller, als Ista es in ihren Traumvisionen von ihm erlebt hatte. Er erwiderte ihren Kuss, zuerst vorsichtig, dann mit größerer Kühnheit — nicht so, als würde er seinen Sinnen trauen, sondern eher in träumerischen Verzicht auf die Wirklichkeit.
Ista öffnete die Hand. Die feurige Linie entstand wieder, wirbelte von ihm auf, zog davon. Mit einem gequälten Seufzer verlor er wieder die Besinnung, doch seine Augenlider fielen nicht ganz zu. Der Glanz in dem schmalen Spalt zwischen den Lidern war umso beunruhigender, da er keinerlei Regung aufwies.
Sanft drückte Ista ihm die Augen zu. Sie war sich ganz und gar nicht sicher, was sie gerade getan hatte, aber das Licht war verschwunden gewesen, soweit sie seinem Verlauf hatte folgen können. Auch am anderen Ende der Linie? Und wenn es so war … war dann ein anderer an der Reihe gewesen, in Ohnmacht zu fallen? Arhys? In Cattis Armen?
Einst hatte sie in Unwissenheit, Ungeduld und panischer Furcht eine Katastrophe herbeigeführt. Die Nacht, da Arvol dy Lutez in den Kerkern des Zangres gestorben war, war mit Zauberwerk wie diesem übersättigt gewesen. Durchzogen von feurigen Visionen, so wie hier.
Doch die Ista, die das alles in Bewegung gesetzt hatte, war eine andere gewesen.
An dem Schrecken, der nun dumpf in ihrem Kopf pochte, konnte sie wenig ändern, konnte ihn nur erdulden. Zumindest im Erdulden habe ich es inzwischen zur Meisterschaft gebracht. Und die Ungeduld konnte sie mittlerweile herunterschlucken wie das bittere Gebräu eines Heilkundigen. Und der Unwissenheit … der konnte sie entgegentreten. Ob wie ein Heer mit fliegenden Bannern oder auf verlorenem Posten, vermochte sie jedoch nicht zu sagen. Und Ista war nicht bereit, sich auf eine weitere nächtliche Unternehmung wie damals einzulassen, ohne vorher genau zu wissen, ob sie ein Wunder oder einen Mord bewirkte.
Rasch und bedauernd erhob sie sich von Lord Illvins Bettkante. Sie strich die Decke glatt, straffte ihr schwarzes Überkleid und schlüpfte zur Tür hinaus. Auf Zehenspitzen lief sie die Galerie entlang, hob das Gitter vor ihrem Fenster an, schob sich nach drinnen, ließ den Riegel einschnappen und schloss die inneren Fensterläden. Setzte sich auf ihr Bett und beobachtete den Spalt.
Einen Augenblick später sah sie das ferne rötliche Glühen einer Kerze vorbeihuschen und hörte beschuhte Füße, die rasch die Galerie entlang eilten. Nach einigen Minuten kehrten die Schritte auf demselben Weg zurück — langsamer diesmal, nachdenklich. Verwirrt? Leise huschten die Schritte wieder die Treppe hinunter.
Für diese undurchschaubare Aufgabe bin ich schlecht gerüstet. Der Bastard war nicht einmal der richtige Gott für sie. Ista hatte keine Zweifel, wer ihre Eltern waren, und sie wusste auch genau, in welche Richtung ihre unbeholfenen, verkümmerten und aussichtslosen Begierden gingen. Obwohl ich gewiss ein Unglück bin. Aber welche besser gerüsteten Boten der Gott auch ausgesandt hatte, anscheinend war sie diejenige, die tatsächlich hier eingetroffen war.
Also.
Sie war entschlossen, am nächsten Morgen Lord Illvin aufzusuchen, wenn er wach war, auf die eine oder andere Weise. Was anderen wie Unvernunft erscheinen mochte, konnte für die Ohren einer Verrückten so klar wie das Licht der Götter sein.