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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Colin war weder am Tor noch im Speisesaal, wo Finch das Schwinden der Vorräte von Zucker und Butter beklagte. »Wo ist Dr. Ahrens’ Neffe?« fragte Dunworthy ihn.

»Er wartete den ganzen Vormittag beim Pförtnerhaus«, sagte Finch. »Die Post kam erst nach eins, und dann ging er hinüber zur Wohnung seiner Großtante, um zu sehen, ob die Pakete dorthin geschickt worden waren. Anscheinend war das nicht der Fall, denn er kam sehr mißmutig zurück, und dann, vor vielleicht einer halben Stunde, sagte er plötzlich ›Gerade fällt mir was ein‹, und schoß hinaus. Vielleicht war ihm ein anderer Ort eingefallen, wo das Paket angekommen sein könnte.«

Aber nicht angekommen ist, dachte Dunworthy. »Um welche Zeit schließen die Geschäfte heute?« fragte er Finch.

»Heiligabend? Oh, sie sind schon geschlossen, Sir. Am Heiligabend schließen sie immer frühzeitig, die meisten schon mittags, denn später geht kein Geschäft mehr. Ich habe eine Anzahl von Botschaften, Sir…«

»Die werden warten müssen«, sagte Dunworthy, nahm seinen Schirm und ging wieder hinaus. Wie sich zeigte, hatte Finch recht: Die Läden waren alle geschlossen. Er ging hinunter zu Blackwells, weil er dachte, dort würde man sicherlich länger geöffnet haben, aber es war ebenfalls geschlossen. Immerhin hatte man bereits die verkaufsfördernden Aspekte der Situation erkannt. Im Schaufenster waren inmitten der schneebedeckten Häuser der viktorianischen Spielzeugstadt medizinische Ratgeber zur Selbsthilfe, Arzneimittelverzeichnisse und ein buntes Taschenbuch mit dem Titel Lachen Sie sich zur vollkommenen Gesundheit ausgelegt.

Schließlich fand er einen geöffneten Kiosk in einer Nebenstraße der High Street, aber dort gab es nur Zigaretten, billige Süßigkeiten, Zeitungen und ein Gestell mit Weihnachtskarten, aber keine geeigneten Geschenke für zwölfjährige Jungen. Er ging hinaus, ohne etwas zu kaufen, dann ging er wieder hinein und kaufte für ein Pfund Karamelbonbons, ein Kaubonbon von der Größe eines Asteroiden, und mehrere Päckchen einer Süßigkeit, die wie Seifentabletten aussahen. Es war nicht viel, aber Mary hatte gesagt, sie habe einige andere Dinge für den Jungen gekauft.

Die anderen Dinge erwiesen sich als ein Paar graue Wollsocken, noch nüchterner als der Schal, und eine Videokassette zur Erweiterung des Vokabulars. Wenigstens gab es noch Knallbonbons und er hatte ein paar Bogen Weihnachtspapier, aber ein Paar Socken, ein grauer Wollschal und eine Handvoll Süßigkeiten konnten kaum ein Weihnachten ergeben. Er hielt in seinem Arbeitszimmer Umschau und überlegte, was er an geeigneten Dingen hatte.

Colin hatte »apokalyptisch« gesagt, als Dunworthy ihm von Kivrins Aufenthalt im Mittelalter erzählt hatte. Nun nahm Dunworthy Das Zeitalter des Rittertums aus dem Regal. Das Buch hatte nur Illustrationen, keine Holos, aber es war das Beste, was er kurzfristig tun konnte. Er wickelte das Buch und die übrigen Geschenke hastig in Weihnachtspapier, zog sich um und eilte hinüber nach St. Mary; im plötzlich zunehmenden Regen lief er über den verlassenen Hof der Bodleian-Bibliothek und suchte die überfließenden Rinnsteine zu umgehen.

Kein vernünftiger Mensch würde bei diesem Wetter hinausgehen. Voriges Jahr war die Kirche bei trockener Witterung nur halb voll gewesen. Kivrin hatte ihn begleitet. Sie war über die Ferien dageblieben, um ihre Studien fortzusetzen, und er hatte sie in der Boldeian gefunden und darauf bestanden, daß sie zu seinem Sherry-Empfang komme und dann mit ihm in die Kirche gehe. »Ich sollte das nicht tun«, hatte sie ihm unterwegs anvertraut. »Ich sollte an meiner Arbeit sitzen.«

»Das können Sie in St. Mary tun. 1139 erbaut und alles noch genauso wie es im Mittelalter war, einschließlich der Heizungsanlagen.«

»Der ökumenische Gottesdienst ist auch authentisch, nehme ich an«, hatte sie gesagt.

»Ich zweifle nicht daran, daß er im Geist so wohlmeinend und mit Torheit befrachtet ist wie jede mittelalterliche Messe«, hatte er gesagt.

Er eilte den schmalen Weg entlang und öffnete die Tür zu St. Mary, wo ihm warme Luft entgegenschlug. Sofort beschlug sich seine Brille. Er blieb in der Vorhalle stehen und wischte die Gläser mit dem Schal trocken, aber sie waren kalt und beschlugen sich gleich wieder.

»Der Vikar sucht Sie«, sagte Colin. Er trug ein Hemd und eine Jacke, und sein Haar war gekämmt. Von einem Stoß, den er in den Händen hielt, gab er Dunworthy eine Gottesdienstordnung.

»Ich dachte, du wolltest zu Haus bleiben«, sagte Dunworthy.

»Mit Mrs. Gaddson? Was für ein nekrotischer Gedanke! Da ist sogar die Kirche besser, deshalb sagte ich Mrs. Taylor, daß ich ihr helfen würde, die Glocken herüberzutragen.«

»Und der Vikar gab dir Arbeit«, sagte Dunworthy, noch bemüht, seine Brillengläser zu putzen. »Bist du schon welche von den Dingern losgeworden?«

»Machen Sie Witze? Die Kirche ist gerammelt voll.«

Dunworthy spähte ins Kirchenschiff. Tatsächlich waren die Bänke bereits voll besetzt. Dahinter und an den Seiten wurden für die Stehenden Klappstühle aufgestellt.

Der Vikar kam geschäftig mit einem Armvoll Gesangbüchern herbeigeeilt. »Ach wie gut, daß Sie da sind. Leider ist es etwas heiß hier. Das liegt an der Heizungsanlage. Das Amt für Denkmalpflege läßt nicht zu, daß wir eine neue Warmluftheizung einbauen, dabei ist es fast unmöglich, Ersatzteile für eine Heizungsanlage aufzutreiben, die mit fossilen Brennstoffen arbeitet. Im Moment ist es der Thermostat, der defekt ist. Die Heizung ist entweder an, und dann voll, oder aus.« Er zog zwei Zettel aus seiner Soutane und warf einen prüfenden Blick darauf. »Sie haben Mr. Latimer noch nicht gesehen, oder? Er sollte das Dankgebet lesen.«

»Nein«, sagte Dunworthy. »Aber ich erinnerte ihn an die Zeit.«

»Ja, nun, letztes Jahr brachte er die Dinge durcheinander und kam eine Stunde zu früh.« Er händigte Dunworthy einen der Zettel aus. »Das ist Ihr Text. Er ist dieses Jahr dem Buch der Könige entnommen. Die Kirche des Tausendjährigen Reiches bestand darauf, aber wenigstens ist es nicht aus dem anglikanischen Gebetbuch wie letztes Jahr. Das Buch der Könige mag archaisch sein, aber wenigstens ist es nicht kriminell.«

Die äußere Tür wurde geöffnet, und eine Gruppe von Leuten, alle damit beschäftigt, Schirme zusammenzuklappen und Hüte abzuschütteln, kam herein, wurde von Colin versorgt und ging weiter ins Kirchenschiff.

»Ich dachte mir gleich, daß wir hätten die Christ Church nehmen sollen«, sagte der Vikar.

»Was wollen sie alle hier?« fragte Dunworthy. »Begreifen sie nicht, daß wir uns mitten in einer Epidemie befinden?«

»Es ist immer so«, sagte der Vikar. »Ich erinnere mich an den Beginn der letzten großen Epidemie. Die größte Kollekte, die wir jemals eingenommen haben. Später bringen Sie die Leute nicht mehr aus ihren Häusern, aber jetzt suchen sie Trost in der Gemeinschaft.«

»Und es ist aufregend«, sagte der eben hinzugekommene Priester der Heiligen Reformierten. Er trug einen schwarzen Rollkragenpullover, Hosen und ein Chorhemd aus rotem und grünem Plaid. »In Kriegszeiten sieht man die gleiche Erscheinung. Gefahr und Angst stärken den Glauben, und die Leute flüchten sich in die Gemeinschaft. Aber sie kommen auch wegen der Dramatik des Geschehens.«

»Und verbreiten die Infektion doppelt so schnell, sollte ich meinen«, sagte Dunworthy. »Hat ihnen niemand gesagt, daß das Virus ansteckend ist?«

»Ich habe die Absicht, es zu tun«, sagte der Vikar. »Ihre Lesung folgt unmittelbar auf die Schellenläuter. Der Text ist geändert worden. Wieder die Kirche des Tausendjährigen Reiches. Lukas 2.1 bis 19.« Er ging weiter, seine Gesangbücher zu verteilen.

»Wo ist Ihre Studentin, Kivrin Engle?« fragte der Priester. »Ich vermißte sie in der lateinischen Messe.«

»Sie ist im Jahr 1320, hoffentlich im Dorf Skendgate und hoffentlich nicht draußen im Regen.«

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