Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Ob es so ist, wie sie es sich vorgestellt hat? dachte er, dann kam ihm zu Bewußtsein, daß dort nicht Heiligabend war. Wo sie sich befand, war Weihnachten noch zwei Wochen entfernt. Wenn sie wirklich dort war.
»›…Maria aber bewahrte alle diese Begebenheiten und überdachte sie in ihrem Herzen‹«, endete Dunworthy und kehrte zu seinem Platz zurück.
Der Imam gab die Zeiten der Weihnachtsgottesdienste in allen Kirchen bekannt und verlas die Bekanntmachung der Gesundheitsbehörde über die Vermeidung von Kontakten mit infizierten Personen. Der Vikar begann mit seiner Predigt.
»Es gibt jene«, sagte er mit einem scharfen Blick zum Priester der Heiligen Reformierten Kirche, »die Krankheiten für eine Strafe Gottes halten, doch verbrachte Christus sein Leben damit, die Kranken zu heilen, und wäre er hier, so würde er sicherlich auch die Menschen heilen, welche von diesem Virus befallen wurden, geradeso wie er den leprakranken Samariter heilte«, und ließ einen zehnminütigen Vortrag über vorbeugende Maßnahmen zum Schutz gegen Influenza folgen. Er zählte die Symptome auf und wies auf die Tröpfcheninfektion hin.
»Nehmen Sie viel Flüssigkeit zu sich und ruhen Sie«, sagte er und breitete die Hände über der Kanzelbrüstung aus, als wäre es eine Segnung, »und rufen Sie beim ersten Anzeichen dieser Symptome Ihren Arzt an.«
Die Schellenläuter zogen wieder ihre weißen Handschuhe an und begleiteten die Orgel in »Engel aus dem Reich der Herrlichkeit«, was ihnen tatsächlich bis zur Kenntlichkeit gelang.
Der Geistliche der Bekehrten Unitarier bestieg die Kanzel. »An diesem selben Abend vor mehr als zweitausend Jahren sandte Gott Seinen Sohn, Sein kostbares Kind, in unsere Welt. Können Sie sich vorstellen, welche unglaubliche Liebe erforderlich gewesen sein mußte, um das zu tun? In dieser Nacht verließ Jesus sein himmlisches Heim und ging in eine Welt voller Gefahren und Krankheiten. Er ging als ein hilfloser Neugeborener, der nichts von dem Übel, von dem Verrat wußte, dem er begegnen sollte. Wie konnte Gott Seinen einzigen Sohn in solche Gefahr geschickt haben? Die Antwort ist Liebe. Liebe.«
»Oder Fahrlässigkeit«, murmelte Dunworthy.
Colin blickte von der Untersuchung seines Kaubonbons auf und starrte ihn an.
Und nachdem Er ihn ausgesandt hatte, sorgte Er sich jede Minute um ihn, dachte Dunworthy. Ich frage mich, ob Er dagegen ankämpfte.
»Es war Liebe, die Christus in die Welt sandte, und Liebe, die Christus bereitwillig, nein, voll Verlangen zu uns kommen ließ.«
Es hat alles geklappt, dachte er bei sich. Die Koordinaten waren richtig. Es gab nur vier Stunden Verschiebung. Sie war dem Influenzaerreger nicht ausgesetzt. Sie ist sicher in Skendgate, der Rückholtermin steht fest, und ihr Datenspeicher muß schon zur Hälfte mit Beobachtungen gefüllt sein. Sie wird gesund und voller Elan und Aufnahmebereitschaft sein und ist allem, was uns hier Kopfschmerzen bereitet, selig entrückt.
»Er wurde in die Welt geschickt, um uns in unseren Prüfungen und Leiden zu helfen«, sagte der Geistliche.
Der Vikar signalisierte Dunworthy, der sich erhob und zu ihm kam. »Ich habe soeben Nachricht erhalten, daß Mr. Latimer erkrankt ist«, flüsterte der Vikar. Er steckte Dunworthy ein gefaltetes Blatt Papier in die Hand. »Können Sie das Dankgebet lesen?«
»…ein Bote Gottes, ein Abgesandter der Liebe«, sagte der Geistliche und verließ die Kanzel.
Dunworthy ging zum Lesepult. »Wollen Sie sich bitte zum Dankgebet erheben?« sagte er, entfaltete das Papier und überflog es mit einem Blick. Es war eher ein Bittgebet, denn es begann: »O Herr, gebiete Einhalt Deinem gerechten Zorn…«
Dunworthy hängte noch eine Bitte daran. »Barmherziger Vater«, sagte er, »beschütze jene, die von uns getrennt sind und geleite sie sicher heim.«
20. Dezember 1320. Ich bin beinahe ganz wiederhergestellt. Meine vermehrten T-Zellen oder die antiviralen Schutzimpfungen müssen endlich ihre Wirkung entfaltet haben. Ich kann einatmen, ohne daß es schmerzt, mein Husten ist vergangen, und ich habe das Gefühl, als könnte ich die ganze Strecke bis zum Absetzort gehen, wenn ich wüßte, wo er ist.
Auch die Verletzung an meiner Schläfe ist ausgeheilt. Eliwys untersuchte sie heute früh, dann ging sie, holte Imeyne und ließ sie von ihr untersuchen. »Es ist ein Wunder«, sagte Eliwys erfreut, aber Imeyne machte nur ein mißtrauisches Gesicht. Als nächstes wird sie zu dem Schluß kommen, daß ich eine Hexe bin.
Nun, da ich nicht mehr krank und invalide bin, ist sofort deutlich geworden, daß ich ein Problem bin. Abgesehen davon, daß Imeyne glaubt, ich spioniere oder stehle die Löffel, besteht die Schwierigkeit meiner Identität — wer ich bin, welches mein Status ist und wie ich behandelt werden sollte -, und Eliwys hat weder die Zeit noch die Energie, sich damit zu befassen.
Sie hat genug Probleme. Ihr Gemahl ist noch immer nicht gekommen, sein Gefolgsmann und Vertrauter liebt sie, bedrängt sie womöglich, und Weihnachten steht vor der Tür. Sie hat das halbe Dorf, dessen Einwohnerschaft anscheinend aus Hörigen besteht, zu Dienstleistungen herangezogen, und es fehlt an Vorräten wichtiger Lebensmittel, die Imeyne aus Oxford oder Courcy holen lassen will. Agnes, die sich ständig Maisrys Aufsicht entzieht und ihrer Mutter im Weg ist, macht es ihr nicht leichter.
»Du mußt zu Sir Bloet schicken und ihn um eine Kammerfrau bitten«, sagte Imeyne, als sie Agnes nach längerer Suche auf dem Heuboden entdeckt hatten, wo sie spielte. »Und um Gewürze, Pökelsalz und weißes Mehl. Wir haben nichts für die Verfeinerung der Speisen und für die Honigkuchen.«
Eliwys seufzte mit deutlichem Überdruß. »Mein Gemahl hieß uns…«
»Ich werde auf Agnes achtgeben«, sagte ich mit der Hoffnung, daß der Dolmetscher »Kammerfrau« richtig übersetzt hatte und daß die Geschichtsdarstellungen stimmten und die Stellung einer Kinderfrau manchmal auch von Standespersonen eingenommen wurde. Anscheinend verhält es sich so. Eliwys sah sogleich erleichtert und dankbar aus, und Imeyne blickte nicht finsterer als sonst. Also habe ich Agnes zu beaufsichtigen. Und anscheinend Rosemund, die mich heute morgen um Hilfe bei ihrer Stickerei bat.
Der Vorteil, ihre Kinderfrau zu sein, besteht darin, daß ich sie alles über ihren Vater und das Dorf fragen, in den Stall hinaus und zur Kirche gehen kann, um mit Gawyn und dem Pfarrer zu sprechen. Der Nachteil ist, daß den Kindern vieles vorenthalten wird. Einmal unterbrach Eliwys ihr Gespräch mit Imeyne, als ich mit Agnes in die Diele kam, und als ich Rosemund fragte, warum sie hierher gekommen seien, um zu bleiben, sagte sie: »Mein Vater meint, die Luft in Ashencote sei gesünder.«
Dies ist das erste Mal, daß jemand den Namen des Dorfes erwähnt hat. Auf der Karte oder im Doomsday Book gibt es kein Ashencote. Ich vermute, daß es sich um ein weiteres »verlorenes Dorf« handeln könnte. Mit einer Bevölkerung von nur vierzig Seelen könnte es in der Zeit des Schwarzen Todes leicht ausgestorben oder von einer der benachbarten Ortschaften aufgesogen worden sein, aber ich glaube noch immer, daß es Skendgate ist.
Ich fragte die Mädchen, ob sie von einem Dorf namens Skendgate wüßten, und Rosemund antwortete, sie habe nie davon gehört, was freilich nichts beweist, weil sie nicht aus dieser Gegend sind, aber Agnes erkundigte sich anscheinend bei Maisry, und auch sie hat nie davon gehört. Der erste schriftliche Hinweis auf Skendgate stammt erst aus dem Jahre 1360, und viele der alten angelsächsischen Orts- und Flurnamen waren um diese Zeit schon durch normannisierte Namen ersetzt oder nach ihren neuen Eigentümern benannt worden. Das bedeutet nichts Gutes für Guillaume d’Iverie und für die Gerichtsverhandlung, von der er noch immer nicht zurückgekehrt ist. Es sei denn, dies wäre ein völlig anderes Dorf. Was nichts Gutes für mich bedeuten würde.