Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Gawyns Gefühle ritterlicher Minne für Eliwys hindern ihn anscheinend nicht an Liebeleien mit dem Dienstpersonal. Ich ging mit Agnes hinaus zum Stall, um ihr Pony zu besuchen, weil ich hoffte, daß Gawyn dort sein würde. Das war er auch, mit Maisry in einer der Pferdeboxen, wo er ganz unritterlich grunzende Geräusche machte, während er sie mit kräftigen Stößen von hinten nahm. Maisry sah nicht ängstlicher als sonst aus. Sie hielt ihre gerafften Röcke in einem Knäuel vor der Brust und reckte ihm ihren nackten Hintern entgegen. Es war also ganz offensichtlich keine Vergewaltigung. Aber es war auch nicht ritterliche Minne.
Ich mußte Agnes schnell ablenken und aus dem Stall bugsieren, also sagte ich ihr, ich wolle über den Dorfanger gehen und den Glockenturm anschauen. Wir gingen hinein und betrachteten das dicke Seil.
»Pater Roche läutet die Glocke, wenn jemand stirbt«, sagte Agnes. »Wenn er nicht läutet, kommt der Teufel und nimmt die Seele mit, und dann kann sie nicht in den Himmel kommen.« Das wird auch zu dem abergläubischen Geschwätz gehören, das Frau Imeyne irritiert.
Agnes wollte die Glocke läuten, aber ich überredete sie, statt dessen in die Kirche zu gehen und Pater Roche aufzusuchen.
Er war nicht da. Agnes meinte, er sei wahrscheinlich noch bei dem kranken Häusler, »der nicht stirbt, obwohl er die letzte Ölung bekommen hat«, oder anderswohin gegangen sei, um zu beten. »Pater Roche hat die Gewohnheit, im Wald zu beten«, sagte sie, als wir durch den Lettner zum Altar spähten.
Die Kirche ist normannisch, mit drei Schiffen und Sandsteinsäulen und einem mit Steinplatten belegten Boden. Die Fenster sind sehr schmal und klein, bunt gefärbt und lassen kaum Licht ein. Im vorderen Teil des Mittelschiffs und noch vor dem Lettner ist ein Sarkophag, der vielleicht derselbe ist, an dem ich draußen bei der Ausgrabung arbeitete. Auf der Deckplatte befindet sich die Darstellung eines Ritters in voller Rüstung, die Arme mit den Panzerhandschuhen auf der Brust gekreuzt, das Schwert an der Seite. Die seitlich umlaufende Inschrift lautet »Requiescat cum Sanctis tuis in aeternam«. Möge er in Ewigkeit mit Deinen Heiligen ruhen. Der Sarkophag in der Ausgrabung hatte eine Inschrift, die mit »Requiescat« begann, aber das war alles, was davon ausgegraben war, als ich ihn sah.
Agnes erzählte mir, es sei das Grabmal ihres Großvaters, der »vor langer Zeit« an einem Fieber gestorben sei, aber der Sarkophag sieht beinahe neu aus, und darum sehr verschieden von dem der Ausgrabung. Er ist auch mit einer Anzahl von Schmuckornamenten verziert, die der andere nicht hatte, aber vielleicht sind sie nur abgebrochen oder durch die Einwirkung der Elemente verwittert und abgetragen.
Bis auf den Sarkophag, den geschnitzten Lettner und eine wenig kunstvoll gearbeitete Statue ist das Kirchenschiff vollständig leer. Die Zeitgenossen standen oder knieten während des Gottesdienstes, so daß es keine Kirchenbänke gibt, und reichen Figurenschmuck, wie man ihn zu dieser Zeit in größeren Kirchen findet, konnte sich die kleine und arme Gemeinde wahrscheinlich nicht leisten.
Ein geschnitzter Lettner, 12. Jahrhundert, trennt das Kirchenschiff von der halbdunklen Apsis mit Chor und Altar. Darüber, zu beiden Seiten des Kruzifixes, sind zwei primitive Wandfresken, die das Jüngste Gericht darstellen. Eines zeigt die Seligen beim Einzug in den Himmel, das andere den Höllensturz der Sünder, aber beide sehen ziemlich ähnlich aus, sind in grellen roten und blauen Tönen gehalten, und die Mienen der Seligen wie der Verdammten zeigen den gleichen Schrecken.
Der Altar ist einfach, bedeckt mit einem weißen Leinentuch und zwei versilberten Leuchtern auf beiden Seiten. Die Statue stellt nicht, wie ich angenommen hatte, die Jungfrau Maria dar, sondern die heilige Katharina von Alexandria. Sie hat den verkürzten Körper und den großen Kopf provinzieller romanischer Bildhauerkunst und eine seltsam eckige Haube, die bis knapp unter die Ohren reicht. Sie hat einen Arm um ein Kind von Puppengröße gelegt und hält mit der anderen Hand ein Rad. Zu ihren Füßen stehen ein gelblicher Kerzenstummel und zwei Öllampen am Boden.
»Kivrin, Pater Roche sagt, du bist eine Heilige«, sagte Agnes, als wir wieder hinausgingen.
Es war leicht zu sehen, wie es diesmal zu der Begriffsverwirrung gekommen war, und ich fragte mich, ob es sich mit der Glocke und dem Teufel auf dem schwarzen Pferd ähnlich verhalten mochte.
»Ich bin nach der heiligen Katharina von Alexandria benannt«, sagte ich, »genauso wie du nach der heiligen Agnes benannt bist, aber wir selbst sind keine Heiligen.«
Sie schüttelte den Kopf. »Er sagt, in den letzten Tagen wird Gott seine Heiligen zu den sündigen Menschen schicken. Er sagt, wenn du betest, sprichst du mit Gottes eigener Zunge.«
Ich habe mich bemüht, vorsichtig zu sein, wenn ich in das Aufnahmegerät spreche, um meine Beobachtungen festzuhalten. Ich tue es nur, wenn ich allein im Raum bin, weiß aber nicht, wie es in der Zeit meiner Krankheit war. Ich erinnere mich, daß ich ihn immer wieder bat, mir zu helfen, und Sie bat, zu kommen und mich herauszuholen. Und wenn Pater Roche mich in der Sprache meiner Zeit sprechen hörte, konnte er ohne weiteres geglaubt haben, ich spräche in Zungen. Wenigstens hält er mich für eine Heilige und nicht für eine Hexe, aber Frau Imeyne war auch oft im Krankenzimmer. Ich werde noch vorsichtiger sein müssen.
Ich ging wieder zum Stall hinüber (nachdem ich mich vergewissert hatte, daß Maisry in der Küche war), aber Gawyn war nicht da, und Gringolet auch nicht. Im halb offenen Geräteschuppen daneben fand ich jedoch meine Kisten und Körbe und die auseinandergenommenen Reste des Fuhrwerks. Gawyn mußte mehrere Fahrten gemacht haben, um alles hierher zu schaffen. Ich sah die Gegenstände durch, konnte aber den kleinen messingbeschlagenen Kasten nicht finden. Ich hoffe, daß er ihn übersehen hat und daß er noch am Straßenrand liegt, wo ich ihn zurückließ. In diesem Fall ist er jetzt wahrscheinlich im Schnee begraben, aber heute ist die Sonne herausgekommen, und es beginnt ein wenig zu tauen.
15
Kivrins Erholung kam so plötzlich, daß sie überzeugt war, etwas sei geschehen, was ihr Immunsystem endlich aktiviert habe. Der Schmerz in ihrer Brust verging, sie hörte auf zu husten, und ihre Schläfenverletzung heilte vollständig aus.
Imeyne untersuchte sie argwöhnisch, als verdächtigte sie Kivrin, die Verletzung vorgetäuscht zu haben, und Kivrin war unendlich froh, daß die Wunde nicht mit kosmetischen Mitteln nachgeahmt worden war. »Du mußt Gott danken, daß er dich geheilt hat«, sagte Imeyne mißbilligend und kniete neben dem Bett nieder, um mit ihr zu beten.
Sie war zur Messe gewesen und trug ihr silbernes Reliquienkästchen. Sie legte es zwischen die gefalteten Hände und betete das Vaterunser, dann zog sie sich mühsam in die Höhe.
»Ich wünschte, ich hätte mit dir zur Messe gehen können«, sagte Kivrin.
Imeyne rümpfte die Nase. »Ich hielt dich für zu krank«, sagte sie mit einer vielsagenden Betonung auf dem Wort »krank«, »und es war bloß eine armselige Messe.«
Und sie begann mit einer Aufzählung von Pater Roches Sünden: er habe die Epistel vor dem Kyrie gelesen, sein Chorhemd sei mit Kerzenwachs befleckt, er habe einen Teil des Confiteor vergessen. Die Beschäftigung mit seinen Sünden schien sie in bessere Stimmung zu versetzen, und als sie fertig war, tätschelte sie Kivrins Hand und sagte: »Du bist noch nicht ganz geheilt. Bleib noch einen Tag im Bett.«
Kivrin tat es und nutzte die Zeit, um ihre Beobachtungen in das Aufnahmegerät zu sprechen. Sie beschrieb das Herrenhaus und das Dorf und alle Personen, denen sie bisher begegnet war. Der Verwalter kam mit einer Schale des bitteren Tees, den seine Frau bereitet hatte, ein dunkler, stämmiger Mann, der sich in seinem Sonntagswams und dem zu feinen silberbeschlagenen Gürtel unwohl zu fühlen schien, und ein Junge etwa in Rosemunds Alter kam herein, um Eliwys zu sagen, daß an ihrem Pferd eines der vorderen Hufeisen fehle. Aber der Pfarrer kam nicht wieder. »Er ist gegangen, dem Häusler die Ölung zu geben«, erzählte Agnes ihr.