Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Sehr wohl, Sir«, sagte Baine, der vergebens probiert hatte, gleichzeitig Brandy einzugießen, eine Laterne zu holen und die Hälfte der Anwesenden frisch einzukleiden, rasch und wollte das Zimmer verlassen.
»Und bringen Sie ihr Gepäck herein«, rief der Colonel hinterher.
»Ich fürchte, wir haben kein Gepäck«, sagte Terence. »Als unser Boot kenterte, konnten wir uns glücklich schätzen, unser Leben zu retten.«
»Verlor eine wunderbare Albinobrasse«, sagte Professor Peddick. »Hatte außergewöhnliche Rückenflossen.«
»Werden eine neue für Sie fangen«, sagte Colonel Mering. »Baine, gehen Sie und schauen Sie nach, ob Sie noch etwas von dem Boot und den Habseligkeiten darin bergen können. Wo ist die Laterne?«
Es war ein Wunder, daß Baine nicht Marx las, so unterdrückt wie er war. Nein, Marx arbeitete ja noch an seiner Theorie. Im Lesesaal des Britischen Museums.
»Ich werde eine holen, Sir.«
»Nein, das werden Sie nicht«, sagte Mrs. Mering. »Es ist zu spät für Teichexkursionen. Ich bin sicher, daß die Herren…« — die Temperatur fiel wie ein Senkblei — »nach ihrem Abenteuer müde sind. Bootfahren! Mitten in der Nacht! Es ist ein Wunder, daß Sie nicht über ein Wehr geschwemmt wurden und allesamt ertranken.« Sie blickte uns an, als wünschte sie sich genau das. »Ich bin sicher, diese Gentlemen sind erschöpft.«
»Ganz richtig«, sagte der Kurator. »Ich werde mich auch empfehlen. Gute Nacht, Mrs. Mering.«
Mrs. Mering streckte die Hand aus. »Oh, Reverend, es tut mir so leid, daß es heute keine Manifestationen gab.«
»Sicher werden wir nächstes Mal erfolgreicher sein«, sagte der Reverend zu Mrs. Mering, aber sein Blick hing an Tossie. »Ich freue mich schon auf unseren nächsten Ausflug ins Metaphysische. Und natürlich darauf, Sie beide übermorgen zu sehen. Ich bin überzeugt, daß es mit Ihrer Hilfe und der Ihrer liebreizenden Tochter ein überwältigendes Ereignis wird.«
Er schaute schmachtend auf Tossie, und ich überlegte, ob er der geheimnisvolle Mr. C. sein könnte.
»Wir freuen uns, in irgendeiner Weise helfen zu können«, sagte Mrs. Mering.
»Tischtücher sind recht knapp.«
»Baine, holen Sie sofort ein Dutzend Tischtücher aus dem Wäscheschrank«, sagte Mrs. Mering.
Kein Wunder, daß Baine in seiner knapp bemessenen Freizeit zum Haustiermörder geworden war. Totschlag unter mildernden Umständen.
»Ich freue mich, Ihrer aller Bekanntschaft gemacht zu haben«, sagte der Kurator, der den Blick nicht von Tossie losreißen konnte. »Und falls die Herren übermorgen noch in der Gegend sind, würde ich meine Einladung auch…«
»Ich befürchte, die Herren werden nicht so lange bleiben«, sagte Mrs. Mering.
»Aha. Nun dann, gute Nacht.«
Baine reichte ihm seinen Hut, und der Kurator verließ das Zimmer.
»Du hättest Reverend Arbitage ebenfalls gute Nacht wünschen sollen«, sagte Mrs. Mering zu Tossie, und aus war’s mit meiner Theorie.
»Professor Peddick, Sie müssen sich heute nacht wenigstens noch meinen kugeläugigen perlmuttfarbenenen Ryunkin ansehen«, sagte Colonel Mering. »Baine, wo bleibt die Laterne? Eine unglaubliche Farbe…«
»Iiigiitt!« rief Mrs. Mering.
»Was ist?« sagte Terence, und alle drehten sich um und schauten zur Verandatür, als erwarteten sie einen weiteren Geist, aber es war niemand dort.
»Was ist denn?« Verity griff nach dem Riechsalz.
»Dort!« Mrs. Mering zeigte aufgeregt auf Cyril, der sich am Feuer wärmte. »Wer hat dieses gräßliche Geschöpf hereingelassen?«
Cyril erhob sich mit beleidigter Miene.
»Ich… ich war’s«, sagte Terence und beeilte sich, Cyril am Halsband zu packen.
»Das ist Cyril«, erklärte Verity. »Der Hund von Mr. St. Trewes.«
Unglücklicherweise brach sich gerade in diesem Augenblick Cyrils Hundenatur freie Bahn. Vielleicht fühlte er sich auch nur, wie wir anderen auch, durch Mrs. Mering genervt. Er schüttelte sich so heftig, daß seine Lefzen schlackerten.
»Oh, was für ein fürchterlicher Hund!« rief Mrs. Mering und warf die Hände hoch, obwohl Cyril auf der anderen Seite des Zimmers war. »Baine, bringen Sie ihn sofort hinaus!«
Baine näherte sich dem Hund, und mir kam der Gedanke, daß er eine Art Serienmörder von Haustieren sein könnte. »Ich bringe ihn hinaus«, erbot ich mich.
»Nein, ich«, sagte Terence. »Komm, Cyril.«
Cyril blickte ihn fassungslos an.
»Tut mir furchtbar leid.« Terence zog an Cyrils Halsband. »Er war im Boot, als es umschlug und…«
»Baine, zeigen Sie Mr. St. Trewes den Stall. Hinaus!« sagte Mrs. Mering zu Cyril, und er schoß wie eine Kanonenkugel zur Verandatür, Terence, der das Halsband hielt, hinter sich herziehend.
»Siehst du? Böses Wauwauchen ist jetzt fort. Miezmiez muß keine Angst mehr haben«, zirpte Tossie.
»Oh, das ist alles zu viel für mich!« Mit dramatischer Gebärde legte Mrs. Mering die Hand auf die Stirn.
»Hier«, sagte Verity und hielt ihr das Riechsalz unter die Nase. »Ich werde Mr. Henry jetzt am besten sein Zimmer zeigen.«
»Verity!« Mrs. Merings Stimme ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß sie mit Lady Schrapnell verwandt war. »Das ist vollkommenüberflüssig. Das Mädchen kann Mr. Henry zu seinem Zimmer bringen.«
»Ja, Ma’am«, sagte Verity gehorsam. Sie raffte ihre Röcke so geschickt, daß sie weder die krummen Füße der Tische noch den verschnörkelten Blumenständer mit der Apidistra streiften, als sie quer durch das Zimmer zur Klingel ging. »Ich bin froh, daß Sie da sind«, murmelte sie und zog an der Quaste. »Ich war schon halb krank vor Sorge.«
»Ich…« begann ich.
»Bring mich auf mein Zimmer«, sagte Mrs. Mering zu Tossie. »Ich kann nicht mehr. Verity, sag Baine, er soll mir eine Tasse Kamillentee bringen. Mesiel, belästige Professor Peddick nicht weiter mit deinen dämlichen Fischen.«
Colleen erschien inmitten dieser Befehlsausgabe und bekam die Anweisung, sie solle mir mein Zimmer zeigen.
»Ja, Ma’am«, sagte sie mit einem Knicks und führte mich zur Treppe, vor der sie einen Moment lang stehen blieb, um eine Lampe zu entzünden.
Die Auffassung, daß bei der Innenausstattung oft weniger mehr ist, hatte sich 1888 offenbar noch nicht durchgesetzt. Unzählige goldgerahmte Porträts von Ahnen in Kniehosen, Rüstungen oder in goldglänzender Spitze schmückten die Wände des Treppenaufgangs, und im Flur oben standen ein Schirmständer, eine Büste von Darwin, ein großer Farn und eine Laokoonstatue,[51] die von einer riesigen Schlange umringelt wurde, aufgereiht.
In der Mitte des Flures machte Colleen vor einer bemalten Tür halt und hielt sie mit einem Knicks für mich auf. »Ihr Zimmer, Sir«, sagte sie. Durch ihren irischen Akzent klang es wie Sorrr.
Dieser Raum war nicht ganz so vollgestopft wie das Wohnzimmer. Er enthielt nur ein Bett, einen Waschtisch, einen Nachttisch, einen Nachtstuhl aus einem dunklen Holz, einen mit Chintz bezogenen Stuhl, eine Kommode, einen Spiegel und einen wuchtigen Schrank, der eine ganze Wand des Zimmers ausfüllte — ein Segen, denn das Tapetenmuster zeigte Spaliere, an denen sich monströs große Prunkwinden hochrankten.
51
Laokoon war der Legende zufolge ein Priester des Apoll, der das Geheimnis des Trojanischen Pferdes an die Trojaner verriet und deshalb mit seinen beiden Söhnen durch zwei Schlangen, die ihm Athene und Apoll schickten, getötet wurde. — Anm. d. Ü.