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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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Aber es gab Zeiten, wenn weder die Kinder noch die Erwachsenen, ja, nicht einmal ARISTOTELES wussten, was wahr war. Es gab offenbar ein kontinuierliches Spektrum, das mit beliebig feiner Abstufung von wilder Phantasie bis zu harten historischen Tatsachen reichte. An diesem letzteren Ende befanden sich Gestalten wie Columbus, Leonardo da Vinci, Einstein, Lenin, Newton und Washington, deren äußere Erscheinung aufgezeichnet war, in einigen Fällen sogar ihre Stimme. Am anderen Ende standen Figuren wie Zeus, Dornröschen, King Kong, Gulliver, Siegfried und Merlin, die unmöglich existiert haben konnten. Aber was fing man mit Robin Hood und Tarzan, Christus und Sherlock Holmes, Odysseus und Frankenstein an? Wenn man in Betracht zog, dass ihre Eigenschaften und Fähigkeiten durch Übertreibung verzerrt worden waren, dann mochte es sich sehr wohl um historische Persönlichkeiten handeln.

Der Elefantenthron hatte sich in dreitausend Jahren sehr wenig geändert; noch nie aber hatte auf ihm das Gewicht eines derart fremdartigen Besuchers gelastet. Das Wesen von Starholm blickte südwärts und verglich die schimmernde, fünfhundert Meter breite Säule, die sich dort vom Gipfel des Berges erhob, mit Ingenieurbauten, die Es auf anderen Welten gesehen hatte. In Anbetracht des Umstands, dass die menschliche Rasse noch jung war, handelte es sich hier um eine beeindruckende Leistung. Obwohl er stets so wirkte, als werde er im nächsten Augenblick umfallen, stand der Turm nun schon seit fünfzehnhundert Jahren fest auf seinen Füßen.

Natürlich nicht in seiner gegenwärtigen Form. Die ersten hundert Kilometer waren jetzt eine Stadt — auf einigen ihrer weit auseinanderliegenden Ebenen bis auf den heutigen Tag bewohnt — durch die sechzehn Spurenpaare an manchen Tagen mehr als eine Million Fahrgäste befördert hatten. Nur zwei Spuren waren derzeit noch in Betrieb. In wenigen Stunden würden das Wesen von Starholm und Seine Begleiter eine davon hinauffahren, zur Ringstadt, die den Planeten umspannte.

Das Geschöpf von Starholm stellte seine Augen auf teleskopische Sicht um und blickte den Himmel entlang. Ja — dort war sie, am Tag schwer zu erkennen, umso leichter dafür in der Nacht, wenn sie das an der Erde vorbeiströmende Sonnenlicht erstrahlen ließ. Das dünne, schimmernde Band, das den Himmel in zwei Halbkugeln teilte, war eine Welt für sich, Heimat für eine halbe Milliarde Menschen, die ihr Leben in ewiger Schwerelosigkeit verbrachten.

Und in unmittelbarer Nachbarschaft der Ringstadt schwebte das Raumschiff, mit dem der Abgesandte und all die anderen Komponenten der Vielheit die interstellaren Abgründe überbrückt hatten. Es wurde dieser Tage zur Abfahrt vorbereitet — nicht etwa mit großer Eile, sondern etliche Jahre vor dem Abflugtermin — zum nächsten, sechshundert Jahre dauernden Abschnitt der langen Reise. Für das Wesen von Starholm bedeutete diese Zeitspanne wenig, denn Es würde sich erst am Ende des Fahrtabschnitts rekonjugieren. Dann aber stand Es womöglich der größten Herausforderung Seiner langen Karriere gegenüber. Zum ersten Mal war eine Sternensonde, kurz nachdem sie in ein Sonnensystem eingeflogen war, zerstört oder doch mindestens zum Schweigen gebracht worden. Womöglich war es auf die geheimnisvollen Jäger der Morgendämmerung gestoßen, die in ferner Vergangenheit, nahe dem Anfang aller Zeiten, ihre Spuren auf so vielen Welten hinterlassen hatten. Wäre das Wesen von Starholm solcher Gefühle fähig gewesen, so hätte es jetzt, während es seine Zukunft sechshundert Jahre vom heutigen Tag bedachte, Sorge und Furcht empfinden müssen.

Jetzt aber stand Es auf dem schneebestaubten Gipfel des Jakkagala und betrachtete des Menschen Fahrstuhl zu den Sternen. Es winkte den Kindern (sie wussten stets genau, wenn Es wirklich Wert darauf legte, dass man Ihm gehorchte) und deutete auf den Berg im Süden.

»Ihr wisst genau«, sagte Es, »dass Erdhafen-Eins zweitausend Jahre nach diesem Palast hier erbaut wurde.« Die Kinder nickten schweigend Zustimmung. »Warum also«, fragte das Wesen von Starholm und bewegte dabei den zeigenden Finger vom Zenit bis zur Kuppe des Berges, »warum nennt ihr die Säule dort — Kalidasas Turm?«

Nachwort

Quellenangaben

Der Verfasser historischer Romane hat seinen Lesern gegenüber eine besondere Verantwortung, besonders wenn er über nicht weithin bekannte Zeiten und Orte schreibt. Er sollte Tatsachen und Ereignisse nicht verdrehen, wenn sie bekannt sind, und wenn er sie erfindet, wie er es oftmals tun muss, dann ist er gehalten, die Trennlinie zwischen Phantasie und Wirklichkeit deutlich zu markieren.

Der Verfasser von Science-Fiction-Romanen hat dieselbe Verantwortung, nur in noch höherem Maß. Mit den folgenden Angaben will ich mich nicht nur dieser meiner Verpflichtung entledigen, sondern auch dem Leser zusätzliche Unterhaltung bieten.

Taprobane und Ceylon

Aus handlungstechnischen Gründen habe ich drei mindere Veränderungen an der Geografie von Ceylon (heute Sri Lanka) vorgenommen. Ich schob die Insel achthundert Kilometer südwärts, bis sie auf dem Äquator saß — wie sie es tatsächlich vor zwanzig Millionen Jahren getan hat und eines Tages womöglich wieder tun wird. Im Augenblick dagegen befindet sie sich zwischen sechs und zehn Grad nördlicher Breite.

Weiterhin habe ich die Höhe des Heiligen Berges verdoppelt und ihn näher an »Jakkagala« herangesetzt. Beide Orte gibt es nämlich fast so, wie ich sie beschrieben habe.

Sri Pada, oder Adams Peak, ist ein beeindruckender, kegelförmiger Berg, der den Buddhisten, Moslems, Hindus und Christen in gleicher Weise heilig ist und auf seinem Gipfel einen kleinen Tempel trägt. Im Innern des Tempels befindet sich ein Steinblock mit einer Vertiefung, die, obwohl zwei Meter lang, als Fußabdruck Buddhas gilt.

Seit vielen Jahrhunderten unternehmen jedes Jahr Tausende von Pilgern den langen Aufstieg zum 2240 Meter hohen Gipfel. Die Kletterei ist nicht mehr gefährlich, seitdem man zwei Treppen angelegt hat (gewiss die längsten der Welt), die bis zur Spitze führen. Ich bin dort einmal auf Anregung Jeremy Bernsteins vom New Yorker hinaufgestiegen, und meine Beine waren etliche Tage danach noch gelähmt. Aber es war die Mühe wert, denn wir bekamen das einmalige und beeindruckende Schauspiel des Bergschattens bei Sonnenaufgang zu sehen, eines vollendet symmetrischen Kegels, der nur wenige Minuten unmittelbar nach dem Aufgang der Sonne sichtbar ist und sich auf den Wolken tief drunten fast bis zum Horizont erstreckt.

Ich habe seitdem den Berg mit weitaus weniger Mühe an Bord eines Hubschraubers der Luftwaffe von Sri Lanka erforscht und bin dabei dem Tempel nahe genug gekommen, um die resignierten Mienen der Mönche zu sehen, die sich inzwischen an solch lärmende Eindringlinge gewöhnt haben.

Die Felsenfestung Jakkagala ist in Wirklichkeit Sigirija (oder Sigiri, »Löwenfelsen«), die von Natur aus so atemberaubend ist, dass ich daran nichts habe zu ändern brauchen. Die einzige Freiheit, die ich mir damit erlaubt habe, ist chronologischer Art, denn der Palast auf dem Gipfel wurde gemäß der singhalesischen Chronik »Culavamsa« während der Regierung des königlichen Vatermörders Kasjapa gebaut (478–495 n. Chr.). Es erscheint jedoch unglaublich, dass ein derart gewaltiges Unterfangen in nur achtzehn Jahren von einem Usurpator, der ständig damit rechnen musste angegriffen zu werden, hätte durchgeführt werden können, und es ist durchaus denkbar, dass die wahre Geschichte Sirigijas weit über die genannten Daten hinaus in die Vergangenheit reicht.

Charakter, Motivierung und das tatsächliche Schicksal Kasjapas sind seit langem umstritten, und dieser Streit hat vor kurzem durch die posthume Veröffentlichung »The Story of Sigiri« (Lake House, Colombo) des singhelesischen Gelehrten Professor Senerat Paranavitana neue Nahrung erhalten. Ebenso bin ich seiner zweibändigen Monumentalstudie der Inschriften auf der Spiegelwand, »Sigiri Graffiti« (Oxford University Press, 1956), zu Dank verpflichtet. Einige der voranstehend zitierten Verse sind echt; andere habe ich erfunden.

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