Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
So schnell es der unablässig zitternde Boden zuließ, durchquerten sie den völlig zerstörten Raum und machten sich zum zweitenmal auf den Weg nach oben. Indiana verzichtete diesmal bewußt darauf, noch einmal zurückzublicken.
Als sie die Leiter hinaufstiegen, begann das Schiff wieder stärker zu beben. Das Dröhnen der Motoren wurde immer lauter und lauter, und auch das unheimliche Mahlen und Knirschen des Rumpfes nahm wieder zu. Offensichtlich versuchte Lestrade erneut, die Wolkendecke zu durchstoßen, um die Dragon über das Gewitter zu bekommen. Möglicherweise die einzige Methode, diesen Höllensturm zu überstehen — aber zumindest nach Indianas Auffassung auch eine ziemlich selbstmörderische Methode.
Er verscheuchte den Gedanken und verwandte statt dessen lieber jedes bißchen Kraft, das er hatte, darauf, dicht hinter Doktor Rosenfeld Hand über Hand die Leiter hinaufzuklettern.
Auch das Innere des eigentlichen Luftschiffes hatte sich in eine Hölle aus Lärm, Bewegung und Kälte verwandelt, als er die Klappe aufstieß. Die Hülle der Dragon war an zahllosen Stellen gerissen, so daß Regen und Hagel eindringen konnten, und Indiana sah voller Schreck, daß auch ein zweiter der riesigen Gassäcke gerissen war und schlaff von seinen Haltetauen hing. Hastig stemmte er sich neben Doktor Rosenfeld aus der Luke, richtete sich in eine halbwegs sichere Stellung auf und half ihr, ebenfalls auf die Füße zu kommen. Der Sturm heulte hier oben so laut, daß eine Verständigung völlig unmöglich war. So deutete er nur heftig gestikulierend auf die Tür, hinter der Quinns Kabine lag, ergriff sie am Arm und zerrte sie einfach mit sich. Er verzichtete darauf zu klopfen, sondern riß die Tür einfach auf, taumelte hindurch und zog Doktor Rosenfeld mit sich.
Im Inneren des Laderaums herrschte ein heilloses Chaos. Ein Teil der Ladung hatte sich losgerissen, und Indiana sah voller Entsetzen, daß sie einen der Hunde unter sich begraben hatte. Das Tier lebte noch, schien aber schwer verletzt zu sein, und Quinn bemühte sich trotz seiner riesigen Kräfte vergeblich, es unter dem Berg von Kisten und Ballen hervorzuzerren, unter dem es eingeklemmt war.
Indiana ließ Dr. Rosenfeld los, trat wortlos neben Quinn und versuchte, ihm zu helfen. Aber selbst ihre vereinten Kräfte reichten nicht aus. Und hinzu kam, daß die anderen Hunde sich wie wahnsinnig gebärdeten: Quinn hatte sie festgebunden, und das war wahrscheinlich der einzige Grund, warum sie nicht längst übereinander oder auch über Quinn hergefallen waren. Sie kläfften und jaulten wie wild, bissen wie von Sinnen um sich und versuchten, mit den Pfoten den Boden aufzureißen. Offensichtlich machte das Heulen des Sturms und das Zittern und Beben des Bodens die Tiere völlig verrückt.
«Was ist passiert?«schrie Indiana über das ungeheure Brüllen der Sturmböen hinweg.
Quinn deutete auf den eingeklemmten Hund.»Er hat sich losgerissen! Wollte wohl raus. Wir müssen ihm helfen!«
Sie versuchten es. Nach einer Weile gesellte sich sogar Doktor Rosenfeld zu ihnen und zog und zerrte mit aller Kraft an den ineinander verkeilten Kisten und Kartons und Ballen, aber auch zu dritt gelang es ihnen nicht, das Tier zu befreien. Schließlich richtete Quinn sich auf, sah Indiana und Doktor Rosenfeld sehr ernst und sehr traurig an und machte eine Handbewegung; sie sollten zurücktreten.
Indiana ahnte, was der Eskimo vorhatte, und wollte die Hand heben, aber ein einziger Blick aus Quinns Augen ließ ihn innehalten.
Außerdem hatte der Eskimo recht. Das Tier mußte schwer verletzt sein. Mit Sicherheit hatte es mehrere Knochenbrüche und mit großer Wahrscheinlichkeit auch innere Verletzungen. Und sie hatten weder die nötigen Instrumente noch die Zeit oder Gelegenheit, ihm zu helfen. Wortlos wandte er sich ab, während Quinn unter seinen Mantel griff und ein Messer zog.
«Was hat er vor?«fragte Doktor Rosenfeld entsetzt.
«Das, was er tun muß«, antwortete Indiana so leise, daß sie die Worte kaum verstehen konnte. Aber sie sagte nichts mehr, sondern wandte sich ebenfalls mit einem Ruck ab und suchte nach einem freien Platz, an dem sie sich setzen konnte. Es gab keinen. Der größte Teil der Ladung hatte sich losgerissen und bildete ein heilloses Durcheinander auf dem Boden, und dazwischen waren die Hunde, die an ihren Leinen zerrten und rissen und in blinder Panik nach allem schnappten, was sich bewegte.
«Wir müssen hier raus«, sagte Indiana entschlossen.»Quinn! Wie weit bist du?«
Er drehte sich nicht zu dem Eskimo um, und Quinn antwortete auch nicht; aber er wußte, daß der Eskimo ihm folgen würde. Sobald er getan hatte, was er tun mußte.
Sein Blick suchte das Bullauge. Draußen vor der Dragon herrschte jetzt graues Zwielicht, für Indiana ein Beweis, daß sie sich wieder der Wolkendecke näherten, das Zittern des Bodens hatte ein ganz klein wenig nachgelassen, und das Heulen des Sturms schien nicht mehr ganz so ungeheuerlich wie noch vor Augenblicken. Vielleicht hatten sie noch einmal Glück gehabt. Vielleicht ließ der Sturm nach, oder Lestrade hatte einen Weg gefunden, irgendwie damit fertig zu werden. Er betete, daß es so sein möge.
«Quinn!«rief er noch einmal.»Beeil dich!«
Der Eskimo antwortete auch jetzt nicht, aber nach ein paar Sekunden trat er neben ihn und Doktor Rosenfeld. Sein Gesicht war wie aus Stein. Seine Miene war völlig ausdruckslos, aber in seinen Augen lag ein Schmerz, als hätte er eines seiner Kinder getötet.
Als sie den Laderaum verließen, hörte der Boden auf zu zittern. Und nur ein paar Sekunden später verstummte das Heulen des Sturms, und durch die zahllosen Risse und Löcher in der Außenhaut der Dragon drang plötzlich wieder klares, goldenes Sonnenlicht.
Indiana blickte fassungslos nach oben.»Was ist denn jetzt los?«fragte er. Das Wenige, das er vom Inneren der Dragon sehen konnte, bot einen völlig chaotischen Anblick. Das Schiff war zerstört. Einen anderen Ausdruck dafür gab es nicht. Es schwebte zwar noch, und es würde wahrscheinlich auch nicht abstürzen, aber wenn es irgendwann und irgendwo einen Flugplatz erreichen und landen würde, so würde es nie wieder starten. Drei der acht riesigen Gastanks waren zerrissen, und das Gewirr von Leitern und Stegen, das sie miteinander verband, zum größten Teil zerbrochen. Selbst die gewaltigen metallenen Spanten, die das Außengerüst bildeten, waren verbogen. Die Dragon sah aus, als hätte ein Ungetüm die Hand danach ausgestreckt und sie kurz zusammengepreßt, aber heftig genug, um diesen Flug zu ihrem letzten zu machen.
«Kommt«, sagte er.»Gehen wir hinunter. Sie werden unsere Hilfe brauchen.«
Doktor Rosenfeld nickte wortlos, aber Quinn schüttelte den Kopf.»Ich bleibe bei den Tieren«, widersprach er.
Indiana sagte nichts darauf. Er ahnte, was in dem Eskimo vor sich ging. Die Huskys waren mehr als Tiere für ihn. Sie waren mehr als seine Freunde. Sie waren alles, was er hatte. Quinn hätte eher sein eigenes Leben geopfert, als sie im Stich gelassen.
Vorsichtig, um nicht über eines der herumliegenden Trümmerstücke zu stolpern oder abzurutschen, gingen sie zur Luke zurück und stiegen wieder in die Gondel hinab.
Die Passagiersektion der Dragon bot einen noch schlimmeren Eindruck, als er befürchtet hatte. Überall lagen Verletzte herum, und viele rührten sich überhaupt nicht mehr. Die Männer, die das Chaos halbwegs unverletzt überstanden hatten, versuchten mit aller Kraft, sich um ihre Kameraden zu bemühen, aber es gab nicht viel, was sie tun konnten.
Einer der Motoren lief ungleichmäßig und stotternd. Als Indiana die Passagierkabine durchquerte und einen Blick aus dem zerborstenen Fenster warf, sah er, daß einer der Propeller sich kaum noch drehte.
Fettiger, schwarzer Qualm quoll aus dem Motor.
Er mußte durch knöcheltiefes Wasser waten, um den Raum zu durchqueren. Auch hier gab es zahlreiche Verletzte, und Indiana befürchtete zu recht, daß Loben nicht der einzige Tote war. Als er die Tür öffnete und den Weg zur Steuerkanzel einschlug, fiel ihm mit jähem Schrecken wieder ein, daß das Ruderhaus der Dragon noch eine Etage tiefer lag — und das bedeutete nichts anderes, als daß es fünf oder sechs Meter weiter unter Wasser gelegen hatte als der Aufenthaltsraum.