Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Lestrades Gesicht verlor alle Farbe. Er trat auf Bates zu, aber der Marineflieger wich nicht zurück, sondern starrte ihn sogar herausfordernd an und verschränkte kampflustig die Arme vor der Brust.
Das stumme Duell dauerte nur wenige Sekunden, aber es war ganz eindeutig Lestrade, der es verlor.
Schließlich wandte er sich mit einer zornigen Bewegung ab, trat ans Ruder und starrte auf den Eisberg hinab. Er sagte nichts.
Indianas Blick wanderte verwirrt zwischen ihm, Bates und Doktor Browning hin und her. Die Reaktionen der drei verwirrten ihn. Ihm war, als wären das gar nicht mehr die Männer, die er bisher gekannt hatte. Er hatte Bates als stets fröhlichen, lebenslustigen jungen Mann kennengelernt, der das Wort Angst nicht einmal zu kennen schien, und Lestrade als einen herrischen, stahlharten Kommandanten, der seinen Männern nicht einmal die kleinste Nachlässigkeit durchgehen ließ. Und jetzt das! Auch Doktor Browning hatte sich verändert. Der Mann, dem er jetzt gegenüberstand, bebte innerlich vor Angst, und während des Streits zwischen Bates und Lestrade hatte er sich instinktiv in eine Ecke des Steuerhauses zurückgezogen, wie ein verängstigtes Tier, das sich verkroch.
Und er selbst? Indiana Jones scheute beinahe davor zurück, sich diese Frage ehrlich zu beantworten. Aber auch in ihm ging diese unheimliche Veränderung vor. Und er wußte mit einem Mal, daß Mor-ton recht hatte. Irgend etwas geschah mit ihnen, und es geschah nicht einfach, es wurde getan. Es war dieser Eisberg. Es war Odinsland, von dem etwas Unheimliches, Beängstigendes ausging.
Und es wurde schlimmer.
Während der nächsten zwanzig Minuten breitete sich ein fast lähmendes Schweigen in der Steuerkanzel aus. Mit Ausnahme Lestra-des, der dem Mann am Steuer dann und wann einen halblauten Befehl gab, sprach niemand ein Wort, und der Eisberg kam allmählich näher.
Aber auch die Gewitterwolken: Sie kamen nicht allmählich näher — sie näherten sich mit rasender Geschwindigkeit, wie es schien. Aus dem sanften Gleiten der Dragon wurde bald wieder ein Schütteln und Bocken, und auch als Lestrade den Befehl gab, die vier riesigen Propellermotoren mit voller Kraft laufen zu lassen, wurde es eher schlimmer als besser. Das Luftschiff begann sich wie ein Boot auf stürmischer See hin und her zu bewegen, und immer häufiger mußte der Mann am Ruder den Kurs korrigieren, damit sie wenigstens noch halbwegs auf Odinsland zuhielten. Es war, dachte Indiana, als würden sie von einer unsichtbaren, aber ungeheuer starken Hand zur Seite geschoben, zu Anfang vielleicht eher sanft, wie eine Warnung, nicht weiterzufliegen, aber als sie sie ignorierten, wurde der Druck stärker, und aus dem sachten Widerstand wurde ein Trommelfeuer unsichtbarer Hammerschläge, unter denen der Zeppelin zu erzittern begann.
Es wurde dunkler. Die Wolken schoben sich näher, glitten über den Eisberg und schließlich auch über die Dragon. Da die Sonne bereits tief stand, blieb es unter ihnen noch ein wenig länger hell, aber vielleicht war es gerade das, was den Anblick so unheimlich machte. Über ihnen befand sich eine kompakte schwarzbraune Masse, in der es unentwegt brodelte und zuckte und aufblitzte, während das Meer unter ihnen noch für Momente in hellgoldenem Sonnenlicht dalag, ehe es von einer rasch näher kommenden, wie mit einem Lineal gezogenen Schattenfront verschlungen wurde.
Dann traf die erste richtige Sturmbö die Dragon.
Es war wie ein Hieb mit Thors Hammer. Das gigantische Luftschiff dröhnte wie eine Glocke. Indiana konnte hören, wie die Metallspanten des Rumpfes hoch über ihnen unter der Belastung ächzten. Das Schiff legte sich fast auf die Seite, so daß sie alle, eingeschlossen der Mann am Ruder, den Halt verloren und gegen die Wand stürzten, richtete sich mit einer mühsamen, schwerfälligen Bewegung wieder auf und kippte gleich darauf wieder, ehe Lestrade selbst ans Ruder springen und das Schiff wieder halbwegs in seine Gewalt bringen konnte. Aus dem Geräusch des Sturms wurde ein ungeheuerliches Heulen, ein Wimmern und Schreien wie von hunderttausend losgelassenen Wölfen, die aus dem Nichts auf das Schiff einstürmten. Indiana hörte Schreie, das Klirren von Glas, spürte, wie er durch einen gewaltigen Schlag von den Beinen gerissen wurde, und taumelte gegen die Wand. Eine Gestalt prallte gegen ihn, und er griff instinktiv zu und hielt sie mit aller Kraft fest, ehe er bemerkte, daß es Doktor Rosenfeld war.
Die Dragon tanzte wild auf und ab, begann sich wie ein überdimensionaler Kreisel zu drehen und kämpfte mit heulenden Rotoren gegen den Sturm, an. Lestrade schrie seinen Männern Befehle zu, die diese zwar ausführten, die aber wirkungslos blieben, und das Bocken und Schütteln des Schiffes wurde immer schlimmer. Ein unheimliches düsteres Mahlen und Knirschen lief jetzt unentwegt durch den Rumpf. Vor Indianas geistigem Auge stieg die entsetzliche Vision von zerborstenen Stahlträgern und zerrissenen Gaskammern auf. Das Schiff zitterte wie ein waidwundes Tier, legte sich abermals auf die Seite, richtete sich wieder auf und begann zu schaukeln. Eines der Fenster zerbrach klirrend, und eisige Luft und nadelspitze Regentropfen schlugen in ihre Gesichter.
«Raus hier!«brüllte Lestrade.»Verlassen Sie das Steuerhaus! Alle!«
Indiana versuchte es, aber es war gar nicht so einfach, zumal er Doktor Rosenfeld und dann auch noch Bates mit sich schleifen mußte. Auf der schmalen Treppe nach oben verlor er beinahe das Gleichgewicht und prallte so hart gegen das Metallgeländer, daß er glaubte, seine Rippen knacken zu hören. Aber irgendwie schafften sie es, sich bis in den Aufenthaltsraum hochzukämpfen, ehe eine neuerliche Sturmbö die Dragon traf und sie allesamt von den Füßen riß.
Browning überschlug sich und landete mit einem gellenden Schrei in einem Durcheinander zerborstener Tische und Stühle, und auch Indiana stürzte schwer zu Boden, wobei er Doktor Rosenfeld mit sich riß und sich im letzten Moment so herumdrehte, daß er mit seinem Körper die ärgste Wucht des Sturzes abfing.
Als er es wagte, die Augen wieder zu öffnen und den Kopf zu heben, glaubte er, direkt in die Hölle zu sehen.
Rings um die Dragon herrschte absolute Finsternis. Eine schwarze, brodelnde Dunkelheit, die das Luftschiff völlig eingeschlossen hatte und in der es unentwegt grellweiß und — blau aufblitzte. Taubeneigro-ße Hagelkörner prasselten wie Maschinengewehrfeuer gegen die Hülle und die Scheiben, und das Geräusch des Regens war zu einem unablässigen düsteren Grollen geworden, wie das Rauschen eines Wasserfalls, unter den die Dragon geraten war. In das Ächzen und Stöhnen des Rumpfes hatte sich ein neuer Laut gemischt: ein unheimliches, fast rhythmisches Knirschen und Knacken, als zerbrächen ringsherum Balken und Bindungen.
Mühsam arbeitete sich Indiana auf die Füße und zog Doktor Rosenfeld mit sich in die Höhe.»Kommen Sie!«brüllte er über das Kreischen der entfesselten Naturgewalten hinweg.»Nach oben!«
Doktor Rosenfelds Antwort ging im Heulen des Sturms unter, und er wartete ihre Reaktion auch gar nicht ab, sondern zerrte sie einfach hinter sich her. Gestalten tauchten vor ihnen auf. Ein Matrose versuchte, Indiana festzuhalten, ein anderer schrie ihm etwas zu, das er nicht verstand; einen Moment lang sah er Erikson, der mit schreckensbleichem Gesicht in der Tür zu seiner Kabine stand und sich mit beiden Händen am Rahmen festklammerte. Sie hatten den Aufenthaltsraum durchquert, und Indiana stieß Doktor Rosenfeld grob vor sich durch die Tür. Bevor er ihr folgte, blieb er noch einmal stehen und warf einen Blick zurück.
Eine halbe Sekunde später wünschte er sich, es nicht getan zu haben. Er hatte sich eingebildet, es könnte nicht mehr schlimmer werden, aber das stimmte nicht.
Es wurde schlimmer.
Außerhalb des Schiffs herrschte noch immer eine ägyptische Finsternis, aber in der Dunkelheit war… irgend etwas. Etwas Gewaltiges, Großes, das sich rasend schnell auf die Dragon zu bewegte, sie treffen und schlichtweg zermalmen mußte.