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Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:

Der Hypnotiseur
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Im gelben Licht der Autobahn wählt er Joonas Nummer. Nach fünf Klingelzeichen unterbricht er die Verbindung und versucht es mit der Handynummer.

»Ja, hier ist Joona«, meldet sich der Kommissar geistesabwesend.

»Hallo, hier spricht Erik. Ihr habt Josef Ek noch nicht gefunden?«

»Nein«, seufzt Joona.

»Er scheint ganz eigenen Verhaltensmustern zu folgen.«

»Ich habe es schon einmal gesagt und werde nicht müde, es zu wiederholen, Erik. Du solltest Polizeischutz akzeptieren.«

»Ich habe andere Prioritäten.«

»Ich weiß.

Es wird still.

»Benjamin hat sich nicht wieder gemeldet?«, fragt Joona mit seiner melancholischen Stimme.

»Nein.«

Erik hört eine Stimme im Hintergrund, vielleicht aus einem Fernseher.

»Kennet wollte das Gespräch orten lassen, aber er …«

»Davon habe ich gehört, aber das kann dauern«, sagt Joona. »Man muss einen Techniker zur exakten Basisstation schicken.«

»Aber dann wissen wir wenigstens, um welche Station es geht.«

»Ich glaube, das kann der Techniker schnell herausfinden«, antwortet Joona.

»Könntest du die Basisstation ermitteln lassen?«

Es wird kurz still. Dann hört er Joonas neutrale Stimme:

»Warum redest du nicht mit Kennet?«

»Ich kann ihn nicht erreichen.«

»Ich kümmere mich darum, aber erwarte dir nicht zu viel davon.«

»Wie meinst du das?«

»Wahrscheinlich handelt es sich um irgendeine Basisstation in Stockholm, und dann hilft uns das erst weiter, wenn ein Techniker die Position präziser ermittelt hat.«

Erik hört ihn irgendetwas tun, es klingt, als würde er einen Deckel von einem Glasbehälter abschrauben.

»Ich mache meiner Mutter einen grünen Tee«, sagt Joona kurz.

Ein Wasserhahn rauscht und wird abgedreht.

Erik hält für eine Sekunde die Luft an. Er weiß, dass Josef Eks Flucht für Joona das Wichtigste ist, er weiß, dass Benjamins Fall für die Polizei nichts Besonderes ist, ein Jugendlicher, der aus seinem Elternhaus verschwindet, ist meilenweit von der Arbeit enfernt, der ein Kommissar der Landskriminalpolizei üblicherweise nachgeht. Aber er muss Joona einfach fragen, kann es nicht lassen.

»Joona«, sagt Erik. »Ich möchte, dass du Benjamins Fall übernimmst, mir ist das unheimlich wichtig, ich hätte dann das Gefühl …«

Er verstummt, seine Kiefer schmerzen. Ohne es zu merken, hat er sie ganz fest aufeinandergepresst.

»Wir wissen doch beide«, fährt Erik fort, »dass hier nicht einfach ein Jugendlicher verschwunden ist. Jemand hat Simone und Benjamin ein Betäubungsmittel injiziert, das man in der Chirurgie verwendet. Ich weiß, dass die Suche nach Josef Ek für dich Priorität hat, und mir ist auch bewusst, dass Benjamin nicht mehr dein Fall ist, weil es keine Verbindung zu Josef gibt, aber vielleicht ist etwas viel Schlimmeres passiert …«

Er verstummt und ist zu aufgewühlt, um weitersprechen zu können.

»Ich habe dir doch von Benjamins Krankheit erzählt«, zwingt er sich zu sagen. »In zwei Tagen ist sein Blut nicht mehr durch das Faktorpräparat geschützt, das bei der Gerinnung hilft. Und in einer Woche werden seine Blutgefäße so strapaziert sein, dass er unter Umständen gelähmt wird. Es könnte sich ein Blutgerinnsel im Gehirn bilden oder zu einer Blutung in der Lunge kommen, wenn er hustet.«

»Wir müssen ihn finden«, sagt Joona.

»Kannst du mir helfen?«

Eriks flehentliche Bitte hängt schutzlos in der Luft, aber das spielt keine Rolle. Er fällt nur zu gerne auf die Knie und bittet Joona um seine Hilfe. Die Hand, die das Handy hält, ist vom Schweiß ganz nass und glatt.

»Ich kann nicht einfach hingehen und die Ermittlungen von der Stockholmer Polizei übernehmen«, erklärt Joona.

»Der zuständige Beamte heißt Fredrik Stensund, er macht einen sympathischen Endruck, aber er wird sein gemütliches Büro nicht verlassen.«

»Die wissen schon, was sie tun.«

»Lüg mich nicht an«, sagt Erik leise.

»Ich denke nicht, dass ich den Fall übernehmen kann«, sagt Joona mit Nachdruck. »Das lässt sich nicht ändern. Aber ich werde versuchen, dir zu helfen. Du musst dir in aller Ruhe überlegen, wer Benjamin entführt haben könnte. Es könnte jemand sein, dem du ins Auge gefallen bist, als du in den Schlagzeilen warst. Aber es könnte auch jemand sein, den du kennst. Wenn du keinen Tatverdächtigen hast, dann hast du auch keinen Fall, du stehst mit leeren Händen da. Du musst nachdenken, dein Leben durchforsten, immer und immer wieder, alle deine Bekannten, Simones und Benjamins Freundeskreis. Geh alle Nachbarn, Verwandten, Patienten, Konkurrenten, Freunde durch. Gibt es jemanden, der dir mal gedroht hat? Der Benjamin bedroht hat? Versuch dich zu erinnern. Die Tat kann spontan oder auch seit vielen Jahren geplant gewesen sein. Denk gut nach, Erik, und melde dich dann bei mir.«

Erik öffnet den Mund, um Joona noch einmal zu bitten, den Fall zu übernehmen, aber ehe er etwas sagen kann, klickt es an seinem Ohr. Er sitzt im Auto und starrt mit brennenden Augen auf das rauschende Band der Autobahn.

34.

Die Nacht zum fünfzehnten Dezember

In Eriks Übernachtungszimmer ist es kalt und dunkel. Erik streift seine Schuhe ab, und als er seinen Mantel aufhängt, steigt ihm aus dem Stoff der Geruch feuchter Pflanzen in die Nase. Fröstelnd setzt er auf seiner Kochplatte Wasser auf, macht sich eine Tasse Tee, nimmt zwei starke Beruhigungstabletten und setzt sich an den Schreibtisch. Außer der Arbeitslampe auf dem Tisch brennt kein Licht. Er blickt in die kompakte Dunkelheit des Fensters, in der er sich als vagen Schatten neben dem Spiegelbild des Lichtkegels sieht. Wer hasst mich, denkt er. Wer beneidet mich, wer will mich bestrafen, mir alles wegnehmen, mein Leben zerstören, wer will mich vernichten?

Erik steht vom Schreibtisch auf, macht das große Licht an, geht auf und ab, bleibt stehen, streckt sich nach dem Telefon und kippt dabei einen Plastikbecher mit Wasser auf dem Tisch um. Ohne seine Gedanken sammeln zu können, wählt er Simones Handynummer, hinterlässt eine kurze Nachricht auf ihrer Mailbox, dass er sich gerne noch einmal an Benjamins Computer setzen würde, und verstummt, ist unfähig, noch etwas anderes zu sagen.

»Entschuldige«, murmelt er und wirft das Handy auf den Tisch.

Der Aufzug rumort im Flur, er hört die Türen klingeln und aufgleiten, gefolgt vom Geräusch eines Menschen, der ein quietschendes Krankenhausbett an seiner Tür vorbeischiebt.

Die Tabletten wirken, und er spürt die Ruhe in sich aufsteigen wie heiße Milch, eine Erinnerung, eine Bewegung in seinem Inneren, ein Sog im Magen, der den ganzen Körper erfasst. Als fiele man aus großer Höhe, zunächst durch kühle und klare Luft und dann in warmes und sauerstoffreiches Wasser.

»Jetzt komm schon«, sagt er zu sich selbst.

Jemand hat Benjamin entführt und mir das angetan, irgendwo in meinem Gedächtnis muss sich dazu ein Fenster öffnen lassen, denkt er.

»Ich werde dich finden«, flüstert er.

Erik betrachtet die aufgeweichten Seiten der Ärztezeitung. Auf einem Foto lehnt sich die neue Chefin des Karolinska-Instituts über einen Schreibtisch. Ihr Gesicht ist vom Wasser ausgefranst und dunkel. Als Erik die Zeitung weglegen will, merkt er, dass sie am Tisch festklebt. Der Anzeigenteil auf der Rückseite bleibt haften, halb abgerissene Buchstaben über eine Global Health Conference. Er setzt sich und beginnt, die Papierreste mit dem Daumennagel abzukratzen, hält jedoch plötzlich inne und mustert die Buchstabenkombination: e v A.

Aus seiner Erinnerung rollt langsam eine Welle voller Lichtreflexe und Spiegelungen heran und danach das gestochen scharfe Bild einer Frau, die sich weigert, etwas zurückzugeben, was sie gestohlen hat. Er weiß, dass sie Eva heißt. Ihr Mund ist angespannt, und auf den schmalen Lippen sieht man Geifer. Sie schreit ihn mit gekränkter Wut an: Du bist es doch, der hier nimmt! Du nimmst und nimmst und nimmst! Was zum Teufel würdest du sagen, wenn ich dir Dinge wegnehmen würde? Was meinst du, wie du dich dann fühlst? Sie verbirgt ihr Gesicht in den Händen, sagt, dass sie ihn hasst, und wiederholt diese Worte immer wieder, vielleicht hundert Mal, ehe sie sich beruhigt. Ihre Wangen sind weiß, ihre Augen gerötet, sie sieht ihn verständnislos und erschöpft an. Er erinnert sich an sie, ihm wird klar, dass er sich sehr gut an sie erinnert.

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