Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:

Der Hypnotiseur
1 ... 56 57 58 59 60 61 62 63 64 ... 124
Перейти на страницу:

Mit gespitzten Lippen schlürft Kennet einen Schluck Kaffee. Er bricht ein Stück von seinem Luciateilchen ab und stopft es sich schnell in den Mund.

»Und wo liegt das Meer?«

»In der Nähe des Freihafens«, antwortet Kennet kauend, »auf einer Landzunge, die Loudden genannt wird.«

»Kann ich mitkommen?«

»Bist du startklar?«

»In zehn Minuten.«

»Ich werde den Wagen holen, er steht am Krankenhaus.«

»Ruf mich an, wenn du hier bist, dann komme ich herunter.«

»Okay, tschüss.«

Er nimmt den Becher und den Rest seines Teilchens mit und verlässt das Geschäft. Die Luft ist trocken und sehr kalt. Ein paar Schulkinder gehen Hand in Hand. Ein Fahrradfahrer überquert die Kreuzung zwischen den Autos. Kennet bleibt an einer Fußgängerampel stehen und drückt auf den Knopf. Er hat das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben, etwas Entscheidendes gesehen zu haben, ohne es deuten zu können. Er trinkt durch die Öffnung im Plastikdeckel ein wenig Kaffee und betrachtet eine Frau, die auf der anderen Straßenseite mit einem zitternden Hund an der Leine wartet. Ein Lastwagen fährt dicht vor Kennet vorbei, und der Erdboden bebt unter seinem Gewicht. Er hört ein kicherndes Lachen und denkt noch kurz, dass es gekünstelt klingt, ehe ihm jemand einen festen Stoß in den Rücken versetzt. Er stolpert ein paar Schritte auf die Straße hinaus, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, dreht sich um und sieht ein zehnjähriges Mädchen, das ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrt. Sie muss mich gestoßen haben, schießt es ihm durch den Kopf, hier ist sonst niemand. Im selben Moment hört er die Bremsen eines Autos kreischen und spürt, wie ihn etwas mit unglaublicher Wucht erfasst. Ein riesiger Vorschlaghammer schlägt seine Beine weg. Es knirscht kurz im Nacken, und im nächsten Moment ist sein Körper nur noch weich und fern und im freien Fall und in plötzlicher Dunkelheit.

33.

Montagnachmittag, der vierzehnte Dezember

Erik Maria Bark sitzt am Schreibtisch seines Arbeitszimmers. Durch das Fenster zum menschenleeren Innenhof des Krankenhauses fällt bleiches Licht herein. In einer Plastikverpackung mit Deckel liegen die Reste eines Salats. Neben der Tischlampe mit ihrem rosa Schirm steht eine Zweiliterflasche Coca-Cola. Er betrachtet den Ausdruck des Fotos, das Aida Benjamin geschickt hat: In der nächtlichen Dunkelheit formt das gleißende Blitzlicht einen hell erleuchteten Raum aus wildwüchsigem Gras, ­einer Hecke und der Rückseite eines Zauns. Obwohl er so nahe herangeht, wie es nur geht, erschließt sich ihm nicht, was das Bild eigentlich zeigen will, was sein Objekt ist. Er hält sich die Aufnahme dicht vor die Augen und versucht zu verstehen, ob etwas in dem Laubkorb aus Plastik liegt.

Erik überlegt, Simone anzurufen und sie zu bitten, ihm den genauen Wortlaut der Mail vorzulesen, damit er exakt weiß, was Aida Benjamin geschrieben hat und wie Benjamins Antwort lautete, sagt sich dann jedoch, dass er es Simone ersparen sollte, mit ihm zu reden. Er begreift nicht, wie er so boshaft sein konnte, ihr gegenüber zu behaupten, dass er ein Verhältnis mit Daniella hat. Vielleicht hat er es nur getan, weil er sich danach sehnt, dass sie ihm verzeiht, und weil sie immer so schnell bereit ist, ihm zu misstrauen.

Plötzlich hört er in Gedanken wieder Benjamins Stimme bei seinem Anruf aus dem Kofferraum und wie er versucht hat, erwachsen zu sein, nicht ängstlich zu klingen. Erik nimmt eine rosa Kapsel Citodon aus seiner hölzernen Schatulle und schluckt sie mit kaltem Kaffee. Seine Hand zittert so stark, dass er Mühe hat, die Tasse wieder auf der Untertasse abzustellen.

Eingesperrt in der Dunkelheit eines Kofferraums muss Benjamin sich schrecklich gefürchtet haben, denkt Erik. Er wollte meine Stimme hören, wusste nichts, nicht, wer ihn entführt hat oder wohin er unterwegs war.

Wie lange mag Kennet brauchen, um das Gespräch orten zu lassen? Erik ärgert sich darüber, dass er diese Aufgabe abgegeben hat, sagt sich aber, wenn sein Schwiegervater Benjamin finden kann, ist alles andere bedeutungslos.

Erik legt die Hand auf den Hörer. Er muss die Polizei anrufen und sie antreiben. Er muss hören, ob sie vorankommen, ob sie das Gespräch schon orten konnten, ob sie einen Verdächtigen haben. Als er anruft und sein Anliegen erläutert, wird er zunächst falsch verbunden und muss noch einmal anrufen. Er hofft, mit Joona Linna sprechen zu können, wird jedoch mit einem Polizeimeister namens Fredrik Stensund verbunden. Der Beamte bestätigt, dass er die Ermittlungen zu Benjamin Barks Verschwinden leitet. Der Polizeimeister ist sehr verständnisvoll und erklärt, er habe selbst Kinder im Teenageralter:

»Wenn sie ausgehen, macht man sich die ganze Zeit Sorgen, obwohl man weiß, dass man sie ziehen lassen muss, aber …«

»Benjamin ist nicht in der Disco«, sagt Erik mit Nachdruck.

»Nein, es liegen in der Tat gewisse Informationen vor, die dagegen sprechen, dass …«

»Er ist gekidnappt worden«, unterbricht Erik ihn.

»Ich verstehe, wie Sie sich fühlen müssen, aber …«

»Für Sie hat die Suche nach Benjamin nicht oberste Priorität«, ergänzt Erik.

Es wird still, und der Polizeimeister atmet mehrmals tief durch, ehe er erneut das Wort ergreift:

»Ich nehme ernst, was Sie sagen, und kann Ihnen versichern, dass wir alles tun, was in unserer Macht steht.«

»Dann orten Sie das Telefonat«, sagt Erik.

»Wir sind dabei«, erwidert Stensund in einem förmlicheren Ton.

»Bitte«, sagt Erik abschließend ganz schwach.

Er bleibt mit dem Hörer in der Hand sitzen. Sie müssen das Gespräch zurückverfolgen, denkt er. Wir müssen einen Ort bekommen, einen Kreis auf einer Landkarte, eine Richtung, es ist der einzige Hinweis, den wir haben. Ansonsten hat Benjamin nur erzählt, dass er eine Stimme gehört hat.

Wie unter einer Decke, denkt Erik, ist sich aber nicht sicher, ob er sich richtig erinnert. Hat Benjamin wirklich gesagt, dass er eine Stimme gehört hat, eine dumpfe Stimme? Vielleicht war es auch nur ein Murmeln, ein Laut, der an eine Stimme erinnerte, keine Worte, keine Bedeutungen. Erik streicht sich über den Mund, betrachtet die Fotografie und fragt sich, ob in dem hohen Gras etwas liegt, kann aber nichts sehen. Als er sich zurücklehnt und die Augen schließt, bleibt das Bild auf seiner Netzhaut zurück: Die Hecke und der braune Zaun blitzen rosa auf, und der gelbgrüne Hügel ist dunkelblau und driftet langsam ab. Wie ein Stück Stoff vor einem Nachthimmel, denkt Erik und erinnert sich im selben Moment, dass Benjamin etwas über ein Haus, ein verwunschenes Schloss gesagt hat.

Er öffnet die Augen und steht auf. Die gedämpfte Stimme hat etwas über ein verwunschenes Schloss gesagt. Damit könnte vielleicht auch eine dieser halb verfallenen Holzvillen gemeint sein. Er erinnert sich an eine, die er einmal nördlich von Stockholm, in der Nähe von Rosersberg gesehen hat. Er denkt blitzschnelclass="underline" Eds kyrka, Runby, durch die Allee, über die Anhöhe, an der alternativen Kommune vorbei, zum Mälarsee hinunter. Bevor man zu der Schiffssetzung bei Runsa borg kommt, liegt das Gebäude auf der linken Seite, Richtung Wasser. Eine Art komprimiertes Gutshaus aus Holz, mit Türmchen, Terrassen und einer Menge verschnörkelter Holzschnitzereien. Erik verlässt sein Zimmer, eilt im Laufschritt den Flur hinunter, versucht, sich den Ausflug zu vergegenwärtigen, und erinnert sich, dass Benjamin mit ihm im Auto saß. Sie hatten sich die Schiffssetzung angesehen, eines der größten Wikingergräber Schwedens, hatten mitten in der Ellipse aus großen Findlingen im Gras gestanden. Es war Spätsommer und sehr warm gewesen. Erik entsinnt sich der stehenden Luft und der Schmetterlinge über dem Kies auf dem Parkplatz, als sie sich in das heiße Auto setzten und mit herabgekurbelten Fenstern zurückfuhren. Im Aufzug fällt Erik ein, dass er nach ein paar Kilometern am Straßenrand gehalten, auf die Holzvilla gezeigt und Benjamin scherzhaft gefragt hatte, ob er sich vorstellen könnte, dort zu wohnen.

»Wo meinst du?«

»Na, in dem verwunschenen Schloss dort«, hatte er gesagt, weiß aber nicht mehr, wie Benjamins Antwort lautete.

1 ... 56 57 58 59 60 61 62 63 64 ... 124
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)