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Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:

Der Hypnotiseur
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Draußen ist es kalt und windig, es sind ein paar Grad unter null. Der Dezembermorgen ist von Taubheit, Schläfrigkeit, Friedhofsstimmung erfüllt. Ein Hund schleift seine Leine hinter sich her und läuft durch die Pfützen.

Als sie zur Galerie kommt, begegnet ihr Ylvas Blick durch die Glastür. Norén ist nirgendwo zu sehen, aber an der Wand liegt auf der Erde eine zu einem Napoleonhut gefaltete Zeitung. Grünliches Licht schimmert auf einer Reihe der Bilder, die Shulman gemalt hat. Glänzende, aquariumgrüne Ölgemälde. Sie tritt ein, und Ylva eilt zu ihr und umarmt sie. Simone fällt auf, dass Ylva vergessen hat, sich die Haare schwarz zu färben, im schnurgeraden Mittelscheitel ahnt man den grauen Haaransatz. Ihr Gesicht ist dagegen glatt und sorgsam geschminkt, der Mund dunkelrot wie eh und je. Sie trägt einen grauen Hosenrockanzug über einer schwarzweiß gestreiften Strumpfhose und klobigen braunen Schuhen.

»Wie schön alles wird«, sagt Simone und sieht sich um. »Du hast toll gearbeitet.«

»Danke«, flüstert Ylva.

Simone geht zu den Gemälden.

»So habe ich sie noch nie gesehen, ich meine, so wie sie gedacht sind«, sagt sie. »Bisher habe ich sie immer nur einzeln gesehen.«

Sie tritt noch einen Schritt näher.

»Es ist, als würden sie zur Seite fließen.«

Sie geht in den zweiten Raum. Dort stehen die Steinblöcke mit Shulmans Höhlenmalereien auf Holzständern.

»Er will Petroleumlampen haben«, sagt Ylva. »Ich habe ihm gesagt, dass das nicht geht, die Leute wollen sehen, was sie kaufen.«

»Nein, das wollen sie nicht.«

Ylva lacht.

»Dann bekommt Shulman seinen Willen?«

»Ja«, antwortet Simone. »Er bekommt, was er will.«

»Das könntest du ihm eigentlich selbst sagen.«

»Wie bitte?«, fragt Simone.

»Er ist im Büro.«

»Shulman?«

»Er meinte, er müsse ein paar Telefonate führen.«

Simone schaut zum Büro hinüber, und Ylva räuspert sich:

»Ich gehe mir mal was für die Mittagspause kaufen …«

»Jetzt schon?«

»Ich dachte nur«, erwidert Ylva mit gesenktem Blick.

»Geh ruhig«, sagt Simone.

Simone ist so traurig und besorgt, dass sie stehen bleiben und die Tränen wegwischen muss, die ihr die Wangen hinablaufen, ehe sie an die Tür klopft und eintritt. Shulman sitzt auf dem Bürostuhl hinter dem Schreibtisch und lutscht an einem Bleistift.

»Wie geht es dir?«, fragt er.

»Nicht so gut.«

»Verständlich.«

Es wird still zwischen ihnen. Sie senkt den Kopf. Sie wird von dem Gefühl übermannt, wehrlos zu sein, zu zerbrechlichster Materie abgeschliffen worden zu sein. Ihre Lippen zucken, als sie herausplatzt:

»Benjamin lebt. Wir wissen nicht, wo er ist oder wer ihn entführt hat, aber er lebt.«

»Das sind gute Neuigkeiten«, sagt Shulman gedämpft.

»Verdammt«, flüstert sie, dreht sich um und streicht sich mit zitternder Hand die Tränen aus dem Gesicht.

Shulman berührt zärtlich ihre Haare. Sie entzieht sich seiner Berührung, ohne zu wissen warum. Im Grunde will sie, dass er weitermacht. Seine Hand fällt herab. Sie sehen sich an. Er trägt seinen schwarzen weichen Anzug, auf dem Jackettkragen liegt eine Kapuze.

»Du hast deine Ninjakluft an«, sagt sie und verzieht unfreiwillig den Mund.

»Shinobi, das richtige Wort für Ninja, hat zwei Bedeutungen«, erwidert er. »Es bedeutet ›verborgene Person‹, aber auch ›einer, der erduldet‹.«

»Erduldet?«

»Die vielleicht schwerste Kunst, die es gibt.«

»Alleine geht das nicht, jedenfalls bei mir nicht.«

»Niemand ist allein.«

»Ich ertrage das nicht«, flüstert Simone. »Ich gehe langsam kaputt, muss aufhören zu grübeln, kann nirgendwohin. Ich denke und denke immer nur. Wenn doch nur etwas passieren würde, ich könnte mir selbst gegen den Kopf schlagen oder mit dir ins Bett gehen, nur um diese Panik in mir abzuschütteln …«

Sie verstummt abrupt.

»Das …«, versucht sie zu sagen. »Das klang jetzt völlig … Entschuldige bitte, Sim.«

»Und wofür entscheidest du dich? Mit mir ins Bett zu gehen oder dich zu schlagen?«, fragt er lächelnd.

»Keins von beiden«, beeilt sie sich zu antworten.

Dann wird ihr bewusst, wie das geklungen haben muss, und sie versucht es abzumildern:

»Ich meine nicht, ich würde gerne …«

Sie verstummt erneut und spürt ihr Herz schneller pochen.

»Was denn?«, fragt er.

Sie sieht ihm in die Augen.

»Ich bin im Moment nicht ich selbst. Deshalb benehme ich mich so«, sagt sie nur. »Ich komme mir schrecklich dumm vor, das kannst du mir glauben.«

Sie senkt den Blick, merkt, dass ihr Gesicht rot anläuft, und räuspert sich leise:

»Ich muss …«

»Warte«, sagt er und holt ein durchsichtiges Glasgefäß aus seiner Tasche.

Insekten, die wie dicke dunkle Schmetterlinge aussehen, krabbeln darin. Es klappert in dem Glas, das beschlagen zu sein scheint.

»Sim?«

»Ich wollte dir nur etwas Fantastisches zeigen.«

Er hält das Glasgefäß vor ihr hoch. Sie betrachtet die braunen Körper, das Pulver ihrer Flügel, das an den Glaswänden haftet, die Überreste der Puppen. Die Schmetterlinge pressen ihre hufartigen Beine gegen das Glas, ihre Rüssel fahren fieberhaft über die Flügel und Fühler der anderen.

»Als Kind fand ich sie immer schön«, sagt sie. »Aber das war, bevor ich sie wirklich gesehen habe.«

»Sie sind nicht schön, sie sind grausam«, lächelt Shulman und wird ernst. »Ich glaube, es liegt an der Metamorphose.«

Sie berührt das Glas und streift dabei seine Hände.

»Der Grund für die Grausamkeit ist die Verwandlung?«

»Vielleicht«, antwortet er.

Sie mustern einander und sind nicht mehr auf das Gespräch konzentriert.

»Katastrophen verändern uns«, sagt sie zögernd.

Er streichelt ihre Hände.

»So muss es sein.«

»Aber ich will nicht grausam werden«, flüstert sie.

Sie stehen ganz eng zusammen. Shulman stellt das Glas vorsichtig auf den Tisch.

»Du …«, sagt er, lehnt sich vor und küsst sie, nur ganz kurz, auf den Mund.

Sie hat weiche Knie. Seine samtige Stimme und die Wärme seines Körpers. Der Geruch des weichen Jacketts, ein Hauch von Schlaf und Bettlaken, von feinen Kräutern. Als seine Hand über ihre Wange und um ihren Hals streicht, hat sie das Gefühl, die wunderbare Samtigkeit einer Liebkosung völlig vergessen zu haben. Shulman sieht sie mit lächelnden Augen an. Sie denkt nicht mehr daran, aus der Galerie fortzulaufen. Sie weiß, dass es vielleicht nur ein Weg ist, für einen kurzen Moment die Angst zu verdrängen, die in ihrer Brust hämmert, aber dann ist es eben so, sagt sie sich. Sie will nur, dass dies noch etwas weitergeht, sie will nur das Schreckliche vergessen dürfen. Seine Lippen nähern sich ihren, und diesmal erwidert sie seinen Kuss. Ihr Atem geht immer schneller, und sie spürt seine Hände auf ihrem Rücken, im Kreuz, auf den Hüften. Die Gefühle schlagen über ihr zusammen, in ihrem Schoß brennt es: eine plötzliche und blinde Sehnsucht, ihn in sich aufzunehmen. Sie bekommt Angst vor der Stärke ihres Triebs, weicht zurück und hofft, dass er nicht sieht, wie erregt sie ist. Sie streicht sich über den Mund und räuspert sich, während er sich abwendet und hastig seine Kleidung zu ordnen versucht.

»Es könnte jemand kommen«, sagt sie vorsichtig.

»Was sollen wir tun?«, fragt Shulman, und sie hört ein Zittern in seiner Stimme.

Wortlos macht sie einen Schritt auf ihn zu und küsst ihn erneut. Sie denkt nicht mehr, sie tastet nach seiner Haut unter den Kleidern und spürt seine warmen Hände auf ihrem Körper. Er streichelt ihre Lenden, seine Hände schieben sich unter ihre Kleider, zu ihrem Slip, und als er spürt, wie feucht sie ist, stöhnt er und presst seinen harten Penis gegen ihr Schambein. Sie will, dass sie hier und jetzt miteinander schlafen, stehend an die Wand gelehnt, an den Schreibtisch, auf dem Fußboden, als wäre alles andere vollkommen bedeutungslos, wenn es nur die Panik für ein paar Minuten vertreibt. Ihr Herz rast, und ihre Beine zittern. Sie zieht ihn zur Wand, und als er ihr Bein anhebt, um in sie einzudringen, flüstert sie ihm zu, es zu tun, sich zu beeilen. Im selben Moment hören sie das Klingeln der Türglocke. Jemand betritt die Galerie. Der Parkettboden knarrt, und sie lassen einander los.

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