Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:

Der Hypnotiseur
1 ... 57 58 59 60 61 62 63 64 65 ... 124
Перейти на страницу:

Jetzt sinkt die Sonne immer tiefer, ihre schrägen Strahlen funkeln im Eis der Wasserpfützen auf dem Parkplatz der Neurologie. Als er Richtung Haupteingang abbiegt, knirscht unter den Autoreifen der Splitt auf dem Asphalt.

Erik ist natürlich klar, wie unwahrscheinlich es ist, dass Benjamin ausgerechnet dieses verwunschene Schloss gemeint hat, aber völlig ausschließen lässt es sich nicht. Er fährt auf der E 4 nach Norden, während das vergehende Licht die Welt eintrübt. Er kneift die Augen zusammen, um besser sehen zu können. Erst als die Blautöne auftauchen, begreift sein Gehirn, dass es tatsächlich dämmert.

Eine halbe Stunde später nähert er sich dem verwunschenen Schloss. Vier Mal hat er versucht, Kennet zu erreichen, um zu erfahren, ob es ihm gelungen ist, Benjamins Telefonat zu orten, aber er hat sich nicht gemeldet, und Erik hat auch keine Nachricht hinterlassen.

Der Himmel über dem großen See behält einen schwachen Lichtschein, wogegen der Wald vollkommen schwarz ist. Langsam fährt er auf der schmalen Straße in das kleine Dorf hinein, das im Laufe der Jahre am Wasser entstanden ist. Die Scheinwerfer des Wagens schwenken über neu gebaute Häuser, Holzvillen der Jahrhundertwende und kleine Sommerhäuser, blitzen in ein paar Fenstern auf und schweifen über eine Auffahrt mit einem Dreirad. Er bremst und sieht das verwunschene Schloss, das sich hinter einer hohen Hecke vom Himmel abhebt. Er steigt aus dem Wagen und geht zurück, öffnet eine Gartenpforte zu einem Grundstück mit einem großen, freistehenden Haus aus dunklen Backsteinen, tritt auf den Rasen und geht um das Haus herum. Eine Fahnenstange wird von ihrer Leine gepeitscht. Erik steigt über den Zaun zum nächsten Grundstück und kommt an einem Schwimmbecken vorbei, das von einer knarrenden Plastikplane bedeckt ist. Die große Fensterpartie des flachen Hauses am See ist schwarz. Die Steinplatten sind von dunklen Blättern bedeckt. Erik geht schneller, erkennt die Villa schemenhaft auf der anderen Seite einer Fichtenhecke und zwängt sich durch diese hindurch.

Dieses Grundstück ist besser vor fremden Blicken geschützt als die anderen, denkt er.

Auf der Straße fährt ein Auto vorbei, und während das Scheinwerferlicht ein paar Bäume in Licht taucht, denkt Erik an Aidas seltsames Foto. Das gelbe Gras und die Sträucher. Er nähert sich dem großen Holzhaus, und es sieht aus, als würde in einem der Zimmer blaues Feuer brennen.

Das verwunschene Schloss hat hohe Sprossenfenster mit reliefartigen Fensterrahmen, die wie gehäkelte Spitze aussehen. Die Aussicht auf den See muss großartig sein, überlegt Erik. Ein höherer, sechseckiger Turmanbau an einem der Gebäudeflügel und zwei verglaste Erker mit Turmdächern lassen das Haus aussehen wie ein hölzernes Miniaturschloss. Die Wandlatten liegen eigentlich waagerecht, aber die Linie wird von vorgetäuschten Paneelen durchbrochen, wodurch das Ganze mehrdimensional wirkt. Die Tür ist von Holzschnitzereien umrahmt: hölzerne Säulen und ein hübsches, spitz zulaufendes Dach.

Als Erik das Fenster erreicht, sieht er, dass das blaue Licht von einem Fernsehapparat stammt. Jemand schaut Eiskunstlauf. Die Kameras verfolgen seitliche Bewegungen, kreiselnde Sprünge und schnelle Schlittschuhschritte. Blaues Licht huscht über die Zimmerwände. Auf der Couch sitzt ein dicker Mann in einer grauen Trainingshose. Er schiebt seine Brille hoch und lehnt sich zurück. Er scheint allein zu sein. Es steht nur eine Tasse auf dem Tisch. Erik versucht, in das angrenzende Zimmer zu sehen, wo hinter dem Glas leise etwas raschelt. Erik geht zum nächsten Fenster und blickt in ein Schlafzimmer mit einem ungemachten Bett und einer geschlossenen Tür. Neben einem Wasserglas auf einem Nachttisch liegen zerknüllte Taschentücher. An der Wand hängt eine Karte von Australien. Es tropft aufs Fensterblech. Erik folgt der Hauswand zum nächsten Fenster. Die Vorhänge sind zugezogen. Man kann zwischen ihnen nicht hindurchsehen, aber wieder hört er das eigentümliche Rascheln, in das sich eine Art Klackern mischt.

Er geht weiter, umrundet den sechseckigen Turmanbau und blickt als Nächstes in ein Esszimmer. Dunkle Möbel stehen auf einem glänzenden Holzfußboden. Irgendetwas sagt Erik, dass sie nur selten benutzt werden. Vor einer Vitrine liegt ein schwarzer Gegenstand auf dem Fußboden. Ein Gitarrenkoffer, denkt er und hört ein Rascheln. Erik lehnt sich zum Glas vor, schirmt die Spiegelung des grauen Himmels mit seinen Händen ab und sieht einen großen Hund auf sich zulaufen. Er kracht gegen das Fenster, richtet sich an der Scheibe auf und bellt. Erik schreckt zurück, stolpert über einen Blumentopf, eilt um das Haus herum und wartet mit pochendem Herzen.

Der Hund verstummt nach einer Weile, und die Außenbeleuchtung wird eingeschaltet und dann wieder gelöscht.

Erik fragt sich, was er hier eigentlich zu suchen hat, er fühlt sich schrecklich allein, weiß nicht, was er tun soll, erkennt, dass er ebenso gut wieder zu seinem Zimmer im Karolinska-Krankenhaus zurückfahren kann, und macht sich auf den Weg zur Vorderseite des verwunschenen Schlosses.

Als er um das Haus herumkommt, sieht er im Licht einer Lampe über dem Hauseingang einen Menschen. Auf der Treppe steht der dicke Mann in einer Daunenjacke. Als er Erik erblickt, wird sein Gesicht ängstlich. Wahrscheinlich hat er mit einem Reh oder mit Kindern gerechnet, die ihm einen Streich spielen wollten.

»Hallo«, sagt Erik.

»Das ist ein Privatgrundstück«, ruft der Mann mit gellender Stimme.

Hinter der geschlossenen Haustür bellt der Hund. Erik nähert sich und entdeckt, dass in der Auffahrt ein gelber Sportwagen steht. Er hat nur zwei Sitzplätze, und sein Kofferraum ist ganz offensichtlich viel zu klein, um einen Menschen aufnehmen zu können.

»Ist das Ihr Porsche?«, fragt Erik.

»Ja, allerdings.«

»Haben Sie noch mehr Autos?«

»Warum wollen Sie das wissen?«

»Mein Sohn ist verschwunden«, antwortet Erik ernst.

»Ich habe keine anderen Autos«, sagt der Mann. »Okay?«

Erik notiert sich das Kennzeichen.

»Könnten Sie jetzt bitte gehen?«

»Ja«, antwortet Erik und geht zu den Toren.

Auf der Straße bleibt er eine Weile im Dunkeln stehen und betrachtet die Villa, ehe er zu seinem Auto zurückkehrt. Er holt die kleine Holzschachtel mit dem Papagei und dem Eingeborenen heraus, kippt ein paar kleine Pillen in seinen Handteller, zählt sie mit dem Daumen ab und wirft sie sich in den Mund.

Nach kurzem Zögern wählt er Simones Nummer und hört die Klingeltöne. Er überlegt, dass sie sicher bei Kennet ist und Brote mit Salami und Gewürzgurken isst. Die Töne schlagen langgezogene Löcher in die Dunkelheit. Erik stellt sich die dunkle Wohnung in der Luntmakargatan vor, den Flur mit Mänteln und Jacken, den Kerzenleuchter an der Wand, die Küche mit dem schmalen langen Eichentisch, die Stühle. Die Post liegt auf der Türmatte, ein Stapel aus Zeitungen, Rechnungen und Reklame. Als der Anrufbeantworter anspringt, hinterlässt er keine Nachricht, unterbricht die Verbindung, dreht den Schlüssel im Zündschloss, wendet und fährt nach Stockholm zurück.

Es gibt niemanden, zu dem ich fahren kann, denkt er und erkennt die Ironie, die darin liegt. Er, der viele Jahre mit Forschungen zu Gruppendynamik und kollektiver Psychotherapie verbracht hat, ist plötzlich isoliert und einsam. Es gibt niemanden, an den er sich wenden kann, mit dem er in diesem Moment gerne sprechen würde. Dabei ist es die Kraft des Kollektiven gewesen, die ihn in seinem Beruf angetrieben hat. Er hat versucht zu verstehen, warum es Menschen, die Kriege überlebt haben, wesentlich leichter fällt, ihre Traumata zu verarbeiten, als Menschen, die alleine Opfer eines Übergriffs geworden sind. Er wollte wissen, woran es lag, dass die Wunden der Einzelnen in einer Gruppe von Leuten, die gefoltert worden sind, leichter verheilen als bei Menschen, die allein sind. Was in der Gemeinschaft lindert unseren Schmerz, hatte er sich gefragt. Geht es darum, sich im anderen zu spiegeln oder Gefühle zu kanalisieren, um eine Normalisierung oder Solidarität?

1 ... 57 58 59 60 61 62 63 64 65 ... 124
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)