Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich prustete.
»Darüber solltest du keine Witze machen! Wie konnte er das wagen! Und was meint er überhaupt damit – ich weiß, was in Ardsmuir geschehen ist, und das sind doch – ich meine, das sind doch zweifellos ehrenvolle Narben, und alle, die dabei waren, haben es gewusst!«
»Aye, vielleicht«, sagte er, und jeder Hauch von Gelächter verschwand. »Dieses Mal. Aber als sie mich dort hingestellt haben, konnte auch jeder sehen, dass ich schon einmal ausgepeitscht worden war, aye? Und bis jetzt hat mich noch keiner der Männer auf diese Narben angesprochen. Bis heute.«
Das nahm mir den Wind aus den Segeln.
Einen Mann auszupeitschen, war nicht nur brutal; es war zudem ein Akt der Schande – der ihn über die Schmerzen hinaus dauerhaft entstellen sollte, die Vergangenheit eines Kriminellen genauso deutlich herausposaunen sollte wie ein Brandzeichen auf der Wange oder ein verstümmeltes Ohr. Und Jamie hätte sich natürlich eher die Zunge herausreißen lassen, als irgendjemandem den Grund für diese Narben preiszugeben, selbst wenn das bedeutete, alle Welt in dem Glauben zu lassen, dass er für ein Verbrechen ausgepeitscht worden war.
Ich war so daran gewöhnt, dass Jamie in der Gegenwart anderer stets sein Hemd anbehielt, dass ich noch nie auf den Gedanken gekommen war, dass die Männer aus Ardsmuir natürlich von den Narben auf seinem Rücken wussten. Und doch hielt er sie bedeckt, und jeder tat so, als existierten sie nicht – bis auf Tom Christie.
»Hmpf«, sagte ich. »Nun ja … trotzdem soll der Mann zur Hölle fahren. Warum sagt er so etwas?«
Jamie lachte kurz auf.
»Weil es ihm nicht gepasst hat, dass ich ihn schwitzen gesehen habe. Er wollte sich seine Selbstachtung zurückholen, nehme ich an.«
»Hmpf«, sagte ich noch einmal und verschränkte die Arme vor der Brust. »Wo wir gerade davon reden – warum hast du das getan? Wenn du doch wusstest, dass er kein Blut sehen kann und dergleichen, ich meine, warum hast du danebengestanden und ihn so beobachtet?«
»Weil ich wusste, dass er dann keinen Mucks tun oder in Ohnmacht fallen würde«, erwiderte er. »Er hätte eher ertragen, dass du ihm rotglühende Nadeln in die Augen stichst, als unter meinen Augen loszuwimmern.«
»Oh, das ist dir also aufgefallen?«
»Natürlich, Sassenach. Was meinst du denn, warum ich da war? Nicht, dass ich deine Kunstfertigkeit nicht zu schätzen weiß, aber dir beim Nähen von Wunden zuzusehen, ist nicht besonders gut für meine Verdauung.« Er warf einen kurzen Blick auf das beiseitegelegte blutige Tuch und zog eine Grimasse. »Meinst du, der Kaffee ist kalt geworden?«
»Ich wärme ihn wieder auf.« Ich schob die saubere Schere wieder in ihr Futteral, dann sterilisierte ich die Nadel, die ich benutzt hatte, zog einen frischen Seidenfaden hindurch und stellte sie in ihr Glas mit Alkohol – wobei ich immer noch versuchte, mir einen Reim auf alles zu machen.
Ich stellte alles wieder in den Schrank, dann wandte ich mich zu Jamie um.
»Du hast doch keine Angst vor Tom Christie, oder?«, wollte ich wissen.
Er blinzelte erstaunt, dann lachte er.
»Himmel, nein. Wie kommst du denn darauf, Sassenach?«
»Nun … die Art, wie ihr beide euch manchmal aufführt. Wie die wilden Hammel, die die Köpfe gegeneinanderstoßen, um zu sehen, wer der Stärkere ist.«
»Oh, das.« Er tat die Frage mit einer Geste ab. »Mein Schädel ist viel dicker als Toms, und das weiß er genau. Aber er hat genauso wenig vor, aufzugeben und mir wie ein Lämmchen zu folgen.«
»Oh? Aber was hast du denn dann vor? Du hast ihn doch nicht nur gequält, um zu beweisen, dass du es kannst, oder?«
»Nein«, sagte er und lächelte mich schwach an. »Ein Mann, der so stur ist, dass er acht Jahre lang nur Englisch mit eingefleischten Highlandern spricht, ist auch stur genug, die nächsten acht Jahre an meiner Seite zu kämpfen; das glaube ich zumindest. Es wäre allerdings gut, wenn er sich selbst dessen ebenso sicher wäre.«
Ich holte tief Luft und seufzte kopfschüttelnd.
»Ich verstehe euch Männer nicht.«
Da musste er tief in seiner Brust glucksen.
»Doch, das tust du, Sassenach, Du wünschst dir nur, du tätest es nicht.«
Das Sprechzimmer war wieder ordentlich, bereit für die Notfälle, die der morgige Tag bringen mochte. Jamie griff nach der Lampe, doch ich gebot ihm Einhalt und legte ihm die Hand auf den Arm.
»Du hast mir Aufrichtigkeit versprochen«, sagte ich. »Aber bist du dir ganz sicher, dass du dir selbst gegenüber ganz aufrichtig bist? Dass du Tom Christie nicht nur deshalb geködert hast, weil er dich herausfordert?«
Er blieb stehen, seine Augen klar und unverstellt, ein paar Zentimeter von den meinen entfernt. Er hob eine Hand und legte sie an meine Wange, seine Handfläche warm an meiner Haut.
»Es gibt nur zwei Menschen auf der Welt, die ich nie belügen würde, Sassenach«, sagte er leise. »Der eine bist du. Und der andere bin ich.«
Er küsste mich sanft auf die Stirn, dann beugte er sich an mir vorbei und blies die Lampe aus.
»Natürlich«, kam seine Stimme aus der Dunkelheit, und ich sah seinen Umriss vor dem schwach erleuchteten Rechteck der Tür aufragen, als er sich jetzt aufrichtete, »natürlich ist es möglich, dass ich mich manchmal täusche. Aber mit Absicht würde ich das ganz bestimmt nicht tun.«
Roger bewegte sich ein Stück und stöhnte.
»Ich glaube, du hast mir das Bein gebrochen.«
»Gar nicht«, sagte seine Frau, die jetzt ruhiger war, aber immer noch für jedes Streitgespräch zu haben war. »Aber ich kann es für dich küssen, wenn du möchtest.«
»Das wäre schön.«
Die Maisstrohmatratze raschelte ohrenbetäubend, als sie die Lage so wechselte, dass sie diese Behandlung vornehmen konnte, und schließlich saß Brianna nackt auf seiner Brust und präsentierte ihm einen Anblick, der ihn wünschen ließ, sie hätten sich die Zeit gelassen, die Kerze anzuzünden.
Sie küsste ihm tatsächlich die Schienbeine, und das kitzelte. Unter den gegebenen Umständen war er jedoch gern bereit, das zu ertragen. Er streckte beide Hände nach ihr aus. Ohne Licht musste Blindenschrift reichen.
»Als ich ungefähr vierzehn war«, sagte er verträumt, »hatte ein Geschäft in Inverness eine sehr gewagte Schaufensterdekoration – gewagt für damals, meine ich –, eine weibliche Schaufensterpuppe, die nur Unterwäsche trug.«
»Mm?«
»Aye, rosa Hüfthalter, Strumpfbänder, alles, und ein passender Büstenhalter. Alle Welt war schockiert. Es wurden Protestkomitees gegründet, und sämtliche Geistlichen in der Stadt bekamen Telefonanrufe. Am nächsten Tag haben sie die Puppe herausgenommen, aber in der Zwischenzeit war die gesamte männliche Bevölkerung von Inverness an diesem Fenster vorbeigegangen, krampfhaft um beiläufige Mienen bemüht. Bis jetzt hatte ich gedacht, das wäre das Erotischste, was ich je gesehen habe.«
Sie hielt einen Moment mit ihrer Tätigkeit inne, und da sie sich nicht mehr bewegte, hatte er den Eindruck, dass sie sich nach ihm umsah.
»Roger«, sagte sie nachdenklich. »Ich glaube, du bist pervers.«
»Ja, aber ein Perverser, der nachts sehr gut sehen kann.«
Das brachte sie zum Lachen – genau das, worauf er aus gewesen war, seit es ihm endlich gelungen war, sie so weit zu bringen, dass sie keinen Schaum mehr vor dem Mund hatte –, und er richtete sich ein wenig auf und hauchte rechts und links einen Kuss auf den Gegenstand seiner Zuneigung, bevor er zufrieden wieder in sein Kissen sank.
Sie küsste sein Knie, dann legte sie den Kopf auf sein Bein und ließ die Wange an seinem Oberschenkel ruhen, so dass sich ihr Haar über seine Beine breitete, kühl und weich wie eine Wolke aus Silberfäden.
»Es tut mir leid«, sagte sie kurz darauf leise.
Er tat es mit einem Geräusch ab und fuhr ihr beruhigend mit der Hand über die Hüfte.