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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Och, es ist nicht schlimm. Schade nur; ich hätte gern ihre Gesichter gesehen, wenn sie sehen, was du getan hast.«

Sie prustete kurz, und sein Bein zuckte unter ihrem warmen Atem.

»Ihre Gesichter waren auch so nicht übel.« Sie klang ein wenig trostlos. »Und es wäre in diesem Moment doch eine ziemliche Ernüchterung gewesen.«

»Nun, da hast du recht«, räumte er ein. »Aber wir zeigen es ihnen morgen, wenn damit zu rechnen ist, dass sie es auch zu schätzen wissen.«

Sie seufzte und küsste erneut sein Knie.

»Ich habe es nicht so gemeint«, sagte sie eine Sekunde später. »Anzudeuten, dass es deine Schuld ist.«

»Aye, das hast du«, sagte er leise, ohne seine Liebkosungen zu unterbrechen. »Ist schon gut. Wahrscheinlich hast du ja recht.« Sehr wahrscheinlich sogar. Er redete sich nicht ein, dass es nicht weh getan hatte, es zu hören, doch er gestattete sich keine Wut; das würde keinem von ihnen helfen.

»Das weißt du doch gar nicht.« Sie richtete sich plötzlich auf und ragte wie ein Obelisk vor dem blassen Rechteck des Fensters auf. Sie schwang ein Bein zielsicher über seinen hingestreckten Körper und ließ sich neben ihn gleiten. »Es könnte genauso an mir liegen. Oder an uns beiden. Vielleicht ist es einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt.«

Als Antwort legte er den Arm um sie und zog sie an sich.

»Ganz gleich, was der Grund ist, wir werden uns gegenseitig keine Vorwürfe machen, aye?« Sie stimmte ihm mit einem leisen Geräusch zu. Schön und gut; es war aber nicht zu verhindern, dass er sich selbst Vorwürfe machte.

Die Tatsachen lagen auf der Hand; sie war nach einer Nacht mit Jemmy schwanger geworden – ob von ihm oder Stephen Bonnet, wusste niemand, aber ein Mal hatte gereicht. Wohingegen sie es seit mehreren Monaten versuchten, und Jem sah mehr und mehr nach einem Einzelkind aus. Vielleicht war der Funke bei ihm erloschen, wie Mrs. Bug und ihre Klatschbasen vermuteten.

Wer ist dein Papa?, hallte es ihm spöttisch durch den Kopf – mit irischem Akzent.

Er hustete heftig und legte sich wieder zurück, entschlossen, über diese Kleinigkeit nicht nachzugrübeln.

»Nun, mir tut es auch leid«, sagte er und wechselte das Thema. »Vielleicht hast du ja recht, und ich benehme mich wirklich so, als wäre es mir lieber, wenn du kochst und putzt, als mit deinem Chemiebaukasten herumzuexperimentieren.«

»Das wäre es ja auch«, sagte sie ohne Bitterkeit.

»Das Nicht-Kochen stört mich weniger als die Tatsache, dass du alles in Brand setzt.«

»Nun, dann wird dir das nächste Projekt gefallen«, sagte sie und liebkoste seine Schulter. »Es hat fast nur mit Wasser zu tun …«

»Oh … gut«, sagte er, obwohl er den Argwohn in seiner Stimme selbst hören konnte. »Fast?«

»Oh, ein paar Erdarbeiten sind noch dabei.«

»Nichts Brennbares?«

»Nur Holz. Ein bisschen. Keine große Sache.«

Sie fuhr langsam mit den Fingern über seine Brust. Er fing ihre Hand und küsste sie auf die Fingerspitzen; sie waren glatt, aber hart, Schwielen von der ständigen Spinnarbeit, mit der sie dafür sorgte, dass sie etwas zum Anziehen hatten.

»Wem ein tugendsam Weib beschert ist«, zitierte er. »Sie macht sich selbst Decken; feine Leinwand, und Purpur ist ihr Kleid.«

»Ich hätte liebend gern eine Pflanzenfarbe, mit der man richtiges Purpur hinbekommt«, sagte sie sehnsüchtig. »Ich vermisse die kräftigen Farben. Kannst du dich noch an das Kleid erinnern, das ich bei der Mondlandungsparty anhatte? Das schwarze, mit den knallrosa und hellgrünen Streifen?«

»Das war ziemlich unvergesslich, ja.« Im Stillen fand er, dass ihr die gedämpften Farben des selbstgesponnenen Tuchs viel besser standen; in ihren Röcken in Rost und Braun und Oberteilen in Grau und Grün sah sie aus wie eine wunderschöne exotische Flechte.

Von einem plötzlichen Verlangen ergriffen, sie zu sehen, streckte er die Hand aus und tastete auf dem Tisch neben dem Bett herum. Die kleine Schachtel lag noch genau dort, wohin Brianna sie geworfen hatte, als sie zurückkamen. Sie hatte sie schließlich so konstruiert, dass man sie im Dunklen benutzen konnte; eine Drehung des Deckels gab eines der kleinen, gewachsten Hölzchen preis, und der kleine angerauhte Metallstreifen, der an der Seite klebte, fühlte sich kühl an.

Ein Skritsch, bei dessen schlichter Vertrautheit ihm das Herz aufging, und mit einem Hauch von Schwefelgeruch erschien ein Flämmchen – Zauberei.

»Verschwende sie nicht«, sagte sie, lächelte aber trotz ihres Einwandes, denn der Anblick freute sie noch genauso wie zuvor, als sie ihm zum ersten Mal gezeigt hatte, was sie zuwege gebracht hatte.

Ihr Haar war lose und sauber, frisch gewaschen; es hing ihr schimmernd über die hellen Schultern und lag in Wolken auf seiner Brust, Zimt und Bernstein, rötlich grau und golden, von der Flamme erweckt.

»Sie fürchtet für ihr Haus nicht den Schnee; denn ihr ganzes Haus hat zwiefache Kleider«, sagte er leise. Er legte die freie Hand um sie, wickelte eine Locke um seinen Finger und drehte die dünne Strähne, wie er es bei ihr beobachtet hatte, wenn sie Garn spann.

Ihre Augenlider schlossen sich halb, wie die einer Katze, die sich sonnte, doch das Lächeln verweilte auf ihrem breiten, sanften Mund – diesen Lippen, die erst verletzten, dann heilten. Das Licht glühte auf ihrer Haut und tauchte das winzige Muttermal unter ihrem rechten Ohr in Bronze. Er hätte sie ewig weiter ansehen können, doch das Streichholz war fast heruntergebrannt. Just bevor die Flamme seine Finger berührte, beugte sie sich vor und blies sie aus.

Und in der von Rauch durchzogenen Dunkelheit flüsterte sie ihm zu: »Ihres Mannes Herz darf sich auf sie verlassen, und Nahrung wird ihm nicht mangeln. Sie tut ihm Liebes und kein Leides ihr Leben lang. Na bitte.«

Kapitel 22

Verhext

Tom Christie kam nicht zum Behandlungszimmer zurück, doch er schickte mir seine Tochter Malva, um die Salbe zu holen. Sie war ein dunkelhaariges, schlankes, stilles Mädchen, machte aber einen intelligenten Eindruck. Sie hörte genau zu, als ich sie nach dem Aussehen der Wunde fragte – so weit, so gut, leichte Rötung, aber kein Eiter, keine roten Streifen, die den Arm entlangliefen – und ihr Anweisungen gab, wie sie die Salbe auftragen und den Verband wechseln sollte.

»Nun gut«, sagte ich und gab ihr den Salbentopf. »Sollte er Fieber bekommen, holt mich. Sonst sorgt dafür, dass er in einer Woche zu mir kommt, damit ich die Fäden ziehen kann.«

»Ja, Ma’am, das mache ich.« Doch sie wandte sich nicht zum Gehen, sondern blieb noch und ließ den Blick über die Häufchen trocknender Kräuter auf den Gazerahmen und meine Ausrüstung schweifen.

»Braucht Ihr sonst noch etwas? Oder habt Ihr noch eine Frage?« Sie schien meine Anweisungen wunderbar verstanden zu haben – doch vielleicht wollte sie mich ja noch etwas Persönlicheres fragen. Sie hatte ja schließlich keine Mutter …

»Nun, aye«, sagte sie und wies kopfnickend auf den Tisch. »Ich habe mich nur gefragt – was ist es, das Ihr in Euer schwarzes Buch da schreibt, Ma’am?«

»Das? Oh. Es sind meine medizinischen Notizen und Rezepte für Heilmittel. Seht Ihr?« Ich drehte das Buch auf den Kopf und schlug es so auf, dass sie die Seite sehen konnte, auf der ich eine Skizze von Miss Mousies beschädigten Zähnen angefertigt hatte.

Malvas graue Augen leuchteten vor Neugier, und sie beugte sich vor, um den Eintrag zu lesen, die Hände vorsichtig in ihrem Rücken verschränkt, als fürchtete sie, das Buch aus Versehen zu berühren.

»Keine Sorge«, sagte ich, ein wenig amüsiert über ihre Vorsicht. »Ihr könnt es durchblättern, wenn Ihr möchtet.« Ich schob das Buch in ihre Richtung, und sie trat erschrocken einen Schritt zurück. Sie blickte zu mir auf und runzelte zweifelnd die Stirn, doch als ich ihr zulächelte, holte sie kurz und aufgeregt Luft und streckte die Hand aus, um die Seite zu wenden.

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