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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Ein leiser, erstickter Laut ließ sie zur Seite blicken. Liss’ Gesicht zuckte, doch sie verkniff sich ein Lachen, und Ista dankte den Göttern dafür.

»Ihr könnt es doch versuchen. Schadet ja nicht, es zu versuchen.« Wieder wippte er unbehaglich vor und zurück.

»Ich fürchte, das nutzt auch nichts.«

»Schadet doch nicht«, wiederholte er verbissen. »Man muss ja was versuchen.«

Gewiss hatte es ihn mehrere Stunden akribischer Vorbereitung gekostet, seinen Herrn für Ista herzurichten. Welche verzweifelte Hoffnung konnte ihn zu solch bizarren Auswüchsen antreiben?

Vielleicht träumt er auch? Der Gedanke schnürte ihr die Luft ab.

Die Erinnerung an den zweiten Kuss des Bastards ließ ihr Gesicht warm werden. Was, wenn es nicht nur ein ruchloser Scherz gewesen war, sondern eine weitere Gabe — eine, die sie weiterleiten sollte? War es ihr vielleicht gegeben, ein derart mildtätiges Wunder der Heilung zu vollbringen? So werden die Heiligen von ihren Göttern in Versuchung geführt. Ihr Herz pochte vor Aufregung. Ein Leben für ein Leben, und durch die Gnade des Bastards ist meine Sünde von mir genommen.

Sie beugte sich vor. Die rasierte Haut an Illvins Kinn spannte sich über den Knochen seines hageren Gesichts. Seine Lippen zeigten eine unbestimmte Farbe; sie waren leicht geöffnet und entblößten bleiche Zähne.

Seine Lippen fühlten sich weder warm noch kalt an, als Ista die ihren darauf drückte …

Sie entließ ihren Atem in den Mund des Mannes und erinnerte sich daran, dass die Zunge als dem Bastard heilig galt — wie der Leib der Mutter, die männlichen Geschlechtsorgane dem Vater, das Herz dem Bruder und das Hirn der Tochter —, weil die Zunge der Quell aller Lügen war, wie die vierfältigen Ungläubigen fälschlich vorbrachten. Ista wagte es, verstohlen die Zähne zu berühren, die kühle Spitze seiner Zunge mit der ihren zu ertasten, so wie der Gott in ihrem Traum in ihren Mund eingedrungen war. Sie breitete die Finger aus, ließ sie über seinem Herzen schweben, wagte aber nicht, ihn zu berühren und nach seinem Verband zu tasten, den er unter der reich verzierten Tunika um die Brust gewickelt trug. Sein Brustkorb hob sich nicht, und er schlug auch nicht plötzlich die Augen auf, deren Farbe sie bereits genau kannte. Er lag unbeweglich da.

Ista schluckte einen enttäuschten Schrei herunter, verbarg ihre Verlegenheit, richtete sich auf und gewann ihre Stimme zurück. »Wie du siehst, hilft es nichts.« Eine närrische Hoffnung und ein närrisches Versagen.

»Hm«, sagte Goram. Seine Augen waren schmal, und er starrte sie an. Auch er blickte enttäuscht drein, aber keinesfalls verzweifelt. »Muss was anderes sein.«

Lasst mich in Ruhe. Das ist zu schmerzhaft.

Liss, die dabeistand und das Schauspiel beobachtete, warf Ista einen Blick stummer Entschuldigung zu. Es schien ein kleiner Vortrag angebracht, später, über die Pflichten einer Zofe, Aufdringliche ebenso von ihrer Dame fern zu halten, wie naive und merkwürdige Personen.

»Aber Ihr seid die, von der er immer geredet hat«, wiederholte Goram hartnäckig. Wie es schien, gewann er seine Dreistigkeit zurück. Oder das Scheitern ihres Kusses hatte seine Ehrfurcht vor ihr gemindert. Schließlich war sie ja nur eine verwitwete Königin, und offensichtlich nicht stark genug, die nahezu Toten mit einem Atemzug ins Leben zurückzuholen. »Nicht so groß, das Haar hängt in wirren Locken am Rücken runter, graue Augen, das Gesicht stets unbewegt — ernst, er sagte, Ihr seid ernst.« Er musterte sie von oben bis unten und nickte kurz, als wäre er zufrieden mit ihrer Ernsthaftigkeit. »Genau die.«

»Wer hat mich so beschrieben?«, wollte Ista aufgebracht wissen.

Goram stieß mit dem Kopf in Richtung des Bettes. »Na, er.«

»Wann?« Istas Stimme klang schärfer, als sie beabsichtigt hatte. Liss zuckte zusammen.

Goram öffnete die Hände. »Immer wenn er aufwacht.«

»Wacht er denn auf? Ich dachte … Lady Cattilara gab mir zu verstehen, dass er nie mehr aus seiner Ohnmacht erwacht ist, seit er niedergestochen wurde.«

»Ah, Lady Catti«, sagte Goram und schnaubte. Ista war nicht sicher, ob es ein Kommentar sein sollte oder nur ein Naseputzen. »Aber er bleibt nicht wach, wisst Ihr? Er kommt fast jeden Tag kurz zu sich, so gegen Mittag. Wir versuchen dann immer, so viel Essen wie möglich in ihn reinzustopfen, solange er schlucken kann, ohne zu ersticken. Aber es reicht nicht. Er schwindet dahin, Ihr könnt’s ja sehen. Lady Catti hatte den schlauen Einfall, ihm Ziegenmilch zu geben, durch einem kleinen Lederschlauch. Das hilft ein bisschen, aber nicht genug. Er ist schon viel zu dünn. Mit jedem Tag wird er schwächer.«

»Ist er bei Sinnen, wenn er wach wird?«

Goram zuckte die Schultern. »Na ja …«

Das war keine ermutigende Antwort. Aber wenn er überhaupt aufwachte, warum nicht jetzt, durch ihren Kuss, oder irgendwann sonst? Warum nur dann, wenn sein Bruder in diesem reglosen Schlaf lag … ihr Geist schreckte vor diesem Gedanken zurück. Goram fügte hinzu: »Manchmal spricht er vor sich hin. Manche würden sagen, er redet wirr.«

Liss sagte: »Das ist unheimlich, findet Ihr nicht auch? Irgendwelche roknarische Hexerei?«

Ista zuckte bei der Vorstellung zusammen. Diese Frage wollte ich nicht stellen. Ich wollte nicht einmal darauf aufmerksam machen. Ich möchte mit dem Unheimlichen nichts zu tun haben. »Hexerei ist in den Fürstentümern und auf den Inseln nicht erlaubt.« Nicht nur aus theologischen Gründen; auch in Chalion wurde es nicht gerade gefördert. Und doch, wenn jemand die Gelegenheit erhielt und hinreichend verzweifelt war, oder verworfen, oder überheblich … Ein ungebundener Dämon konnte einen Menschen des vierfältigen Glaubens genauso in Versuchung führen wie einen Quintarier. Vielleicht sogar noch mehr, weil ein Mensch vierfaltigen Glaubens, der sich einen Dämon zugezogen hatte, gefährliche Anschuldigungen götterlästerlicher Sünde riskierte, wenn er um die Hilfe der Kirche ersuchte.

Goram zuckte wieder mit den Schultern. »Lady Catti meint, da war ein Gift an dem Dolch von den Roknari, weil die Wunde nicht richtig heilen will. Ich hab auch schon Gift gebraucht, für die Ratten in den Ställen, aber nie hab ich eins gesehen, das so eine Wirkung hatte.«

Liss kniff die Augenbrauen zusammen und musterte die reglose Gestalt. »Steht Ihr schon lange in seinen Diensten?«

»Drei Jahre schon.«

»Als Knecht?«

»Als Stallknecht, als Unteroffizier, als Bote, als Mädchen für alles, was immer. Jetzt als Pfleger. Den andern ist’s zu unheimlich. Die trauen sich nicht, ihn anzufassen. Bin der Einzige, der’s richtig macht.«

Sie neigte den Kopf zur Seite. Ihre gerunzelte Stirn glättete sich nicht. »Warum hast du sein Haar auf roknarische Weise gerichtet? Obwohl es ihm steht, wie ich zugeben muss.«

»Er ging da rüber. Als Kundschafter vom Grafen. Er fiel da nicht auf, weil er die Sprache kannte — die Mutter von seinem Vater war Roknari, obwohl sie gelernt hat, zu den Fünfen zu beten. Das hat er mir mal erzählt.«

Draußen waren Schritte zu hören, und Goram blickte ängstlich auf. Die Tür öffnete sich. Lady Cattilaras scharfe Stimme erklang: »Goram, was machst du denn da? Ich habe Stimmen gehört … oh. Ich bitte um Entschuldigung, Majestät.«

Ista drehte sich um und verschränkte die Arme. Lady Cattilara machte einen Knicks, obwohl sie einen raschen, mürrischen Blick auf den Knecht warf. Über dem feinen Kleid, mit dem sie zum Abendessen erschienen war, trug sie jetzt eine Schürze, und hinter ihr kam eine Magd herein, die einen Krug mit Deckel bei sich trug. Als ihr Blick auf die höfischen Gewänder des Patienten fiel, weiteten sich ihre Augen. Sie stieß die Luft durch die Nase aus, ein erbostes Schnauben.

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