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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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»Da!«, sagte der Telchine. Ehrfürchtig hob er die Waffe und mein Blut erstarrte zu Eis.

Es war eine Sense – mit einer fast zwei Meter langen Klinge, die wie eine Mondsichel geformt war, und einem hölzernen, mit Leder umwickelten Griff. Die Klinge funkelte in zwei verschiedenen Farben – Stahl und Bronze. Es war die Waffe des Kronos, mit der er seinen Vater Uranos zerstückelt hatte, ehe die Götter sie ihm weggenommen und ihrerseits Kronos zerstückelt hatten, um ihn dann in den Tartarus zu werfen. Jetzt war die Waffe neu geschmiedet worden.

»Wir müssen sie mit Blut weihen«, sagte der Telchine. »Dann wirst du, Halbblut, sie präsentieren, wenn der Herr erwacht.«

Ich rannte auf die Festung zu und mein Puls hämmerte in meinen Ohren. Ich wollte nichts weniger, als diesem entsetzlichen schwarzen Mausoleum zu nahe zu kommen, aber ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich musste verhindern, dass Kronos sich erhob. Und das hier war vielleicht meine einzige Chance.

Ich rannte durch einen dunklen Vorraum und erreichte die Haupthalle. Der Boden glänzte wie ein Klavier – pures Schwarz und doch voller Licht. Schwarze Marmorstatuen standen an den Wänden. Ich erkannte die Gesichter nicht, aber ich wusste, dass es Abbilder der Titanen waren, die vor den Göttern geherrscht hatten. Am Ende des Saals, zwischen zwei bronzenen Kohlenbecken, erhob sich ein Podium. Und auf dem Podium stand der goldene Sarkophag.

Im Saal war es still, nur das Knistern der Feuer war zu hören. Kein Luke. Keine Wachen. Nichts.

Es war fast zu einfach, aber ich ging trotzdem auf das Podium zu.

Der Sarkophag sah genauso aus wie in meiner Erinnerung – an die drei Meter lang, viel zu groß für einen Menschen. Er war verziert mit kunstvoll geschnitzten Szenen von Tod und Zerstörung, Bildern von Göttern, die von Kampfwagen überfahren wurden, von Tempeln und berühmten Wahrzeichen, die zerstört und verbrannt wurden. Der ganze Sarg strahlte eine extreme Kälte aus, als ob ich eine Tiefkühltruhe betrat. Mein Atem verwandelte sich in Dampf.

Ich zog Springflut und fand ein wenig Trost in dem vertrauten Gewicht des Schwertes in meiner Hand.

Wann immer ich mich bisher Kronos genähert hatte, hatte ich in Gedanken seine schreckliche Stimme gehört. Warum schwieg er jetzt? Er war in tausend Stücke zerhackt worden, und das mit seiner eigenen Sense. Was würde ich vorfinden, wenn ich diesen Deckel öffnete? Wie hatten sie einen neuen Körper für ihn erschaffen können?

Ich hatte keine Antworten. Ich wusste nur, dass er kurz vor der Auferstehung stand und dass ich ihn bezwingen musste, ehe er seine Sense an sich bringen konnte. Ich musste eine Möglichkeit finden, ihn aufzuhalten.

Ich stand vor dem Sarg. Der Deckel war noch kunstvoller verziert als die Seiten – mit Szenen von Gemetzel und Macht. In der Mitte stand eine Inschrift in Buchstaben, die noch älter waren als die griechischen, in einer magischen Sprache. Ich konnte sie nicht lesen, aber ich wusste, was dort stand: KRONOS, HERR DER ZEIT.

Ich berührte den Deckel. Meine Fingerspitzen wurden blau. Raureif sammelte sich auf meinem Schwert.

Dann hörte ich hinter mir Geräusche – Stimmen, die näher kamen. Jetzt oder nie. Ich schob den goldenen Deckel zurück und er fiel mit lautem Poltern auf den Boden.

Ich hob das Schwert, bereit zuzuschlagen. Aber als ich in den Sarg blickte, begriff ich nicht gleich, was ich dort sah. Sterbliche Beine in einer grauen Hose. Ein weißes T-Shirt, Hände auf dem Bauch gefaltet. Ein Stück seiner Brust fehlte – dort, wo sein Herz hätte sitzen müssen, war ein sauberes schwarzes Loch von der Größe einer Schusswunde. Seine Augen waren geschlossen, die Haut blass. Blonde Haare … und eine Narbe, die sich an der Seite seines Gesichts entlangzog.

Der Körper in dem Sarg gehörte Luke.

Ich hätte ihn an Ort und Stelle erstechen sollen. Ich hätte Springfluts Spitze mit aller Kraft in seinen Leib rammen sollen.

Aber ich war zu verblüfft. Ich begriff das alles nicht. Sosehr ich Luke auch hasste, sooft er mich auch verraten hatte, ich begriff einfach nicht, warum er in diesem Sarg lag und warum er so ungeheuer tot aussah.

Dann waren die Stimmen der Telchinen genau hinter mir.

»Was ist passiert?«, kreischte einer der Dämonen, als er den Deckel sah. Ich stolperte vom Podium, vergaß, dass ich unsichtbar war, und versteckte mich hinter einer Säule.

»Vorsichtig!«, mahnte der andere Dämon. »Vielleicht bewegt er sich schon. Wir müssen die Gaben jetzt präsentieren. Unverzüglich!«

Die beiden Telchinen schlurften vorwärts, knieten nieder und hielten die auf dem Tuch liegende Sense hoch.

»Hoher Herr«, sagte der eine. »Euer Machtsymbol ist wiederhergestellt worden.«

Stille. Im Sarg geschah nichts.

»Du Trottel«, murmelte der andere Telchine, »er braucht zuerst das Halbblut.«

Ethan trat zurück. »He, was soll das heißen, dass er mich braucht?«

»Sei nicht feige!«, zischte der erste Telchine. »Er verlangt nicht deinen Tod. Nur deine Treue. Schwöre ihm deine Dienste. Sage dich von den Göttern los. Das ist alles.«

»Nein!«, schrie ich. Es war eine Dummheit, aber ich stürzte hervor und riss mir die Mütze vom Kopf. »Ethan, tu das nicht!«

»Eindringling!« Die Telchinen entblößten ihre Seehundszähne. »Der Meister wird sich bald um dich kümmern. Beeil dich, Junge!«

»Ethan«, flehte ich. »Hör nicht auf sie. Hilf mir, es zu zerstören.«

Ethan drehte sich zu mir um, seine Augenklappe verschwamm mit den Schatten auf seinem Gesicht. In seiner Miene sah ich so etwas wie Mitleid. »Ich habe dir doch gesagt, du sollst mich nicht verschonen, Percy. Auge um Auge. Hast du diese Redensart nie gehört? Ich habe schmerzlich lernen müssen, was das bedeutet – als ich entdeckt habe, wer mein göttlicher Elternteil ist. Ich bin das Kind der Nemesis, der Rachegöttin. Und das hier ist meine Bestimmung.«

Er wandte sich zum Podium. »Ich sage mich von den Göttern los. Was haben sie je für mich getan? Ich will ihre Vernichtung. Ich werde Kronos dienen.«

Das Gebäude grollte. Eine kleine blaue Flamme hob sich zu Ethan Nakamuras Füßen aus dem Boden, schwebte zum Sarg und fing an zu schimmern, wie eine Wolke aus purer Energie. Dann ließ sie sich in den Sarkophag sinken.

Luke fuhr hoch. Seine Augen öffneten sich und sie waren nicht mehr blau: Sie waren golden, von derselben Farbe wie der Sarg. Das Loch in seiner Brust war verschwunden. Er war unversehrt. Er sprang mühelos aus dem Sarg, und wo seine Füße den Boden berührten, gefror der Marmor zu eisigen Kratern.

Er schaute Ethan und die Telchinen mit diesen entsetzlichen goldenen Augen an, als sei er ein neugeborenes Baby, das nicht so recht wusste, was es da sah. Dann erblickte er mich und ein Lächeln des Wiedererkennens spielte um seinen Mund.

»Dieser Körper ist gut vorbereitet worden.« Seine Stimme ritzte meine Haut wie eine Rasierklinge. Es war Lukes Stimme und auch wieder nicht. Unter dieser Stimme lag ein anderer, entsetzlicherer Klang – uralt und kalt, wie Metall, das über Fels schrappt. »Meinst du nicht auch, Percy Jackson?«

Ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nicht antworten.

Kronos warf den Kopf in den Nacken und lachte. Die Narbe auf seiner Wange kräuselte sich.

»Luke hat dich gefürchtet«, sagte die Stimme des Titanen. »Seine Eifersucht und sein Hass waren mächtige Werkzeuge. Der Hass hat ihn gehorsam bleiben lassen. Dafür danke ich dir.«

Ethan brach vor Angst zusammen. Er schlug die Hände vors Gesicht. Die Telchinen zitterten und hoben die Sense hoch.

Endlich konnte ich mich zusammenreißen. Ich griff das Ding an, das früher Luke gewesen war, zielte mitten auf seine Brust, aber seine Haut lenkte den Hieb ab, als sei sie aus reinem Stahl geschmiedet. Er musterte mich voller Belustigung. Dann machte er eine Handbewegung und ich wurde durch den Saal geschleudert.

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