Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L». Краткое содержание книги:
Dann fiel mir noch etwas anderes auf. Der Boden der Höhle war nass und matschig durch das von den Stalaktiten tropfende Wasser. Darin sah ich riesige Fußstapfen wie die von Tyson, und kleinere – Ziegenhufe –, und sie führten nach links.
»Wir müssen ihnen folgen«, sagte ich. »Sie sind da langgegangen. Und es kann noch nicht lange her sein.«
»Was ist mit Camp Half-Blood?«, fragte Nico. »Wir haben keine Zeit.«
»Wir müssen sie finden«, beharrte auch Annabeth. »Sie sind unsere Freunde.«
Sie hob Grovers zertrampelte Mütze auf und rannte los.
Ich folgte ihr und rechnete mit dem Schlimmsten. Der Tunnel war unheimlich. Er wand sich in seltsamen Kurven nach unten und war schleimig vor Feuchtigkeit. Eigentlich rutschten und schlitterten wir eher, als dass wir gingen.
Endlich kamen wir unten an und standen in einer riesigen Höhle mit gewaltigen Stalagmiten. Durch die Mitte der Höhle strömte ein unterirdischer Fluss, und am Ufer saß Tyson und wiegte Grover in seinem Schoß. Grovers Augen waren geschlossen. Er bewegte sich nicht.
»Tyson!«, schrie ich.
»Percy! Schnell!«
Wir rannten zu den beiden hinüber. Grover war nicht tot, den Göttern sei Dank, aber er zitterte am ganzen Körper, als wäre er kurz vor dem Erfrieren.
»Was ist passiert?«, fragte ich.
»Ach, so vieles«, murmelte Tyson. »Große Schlange. Große Hunde. Männer mit Schwertern. Aber dann … dann kamen wir hierher. Grover war aufgeregt. Er rannte. Dann waren wir in diesem Raum und er fiel. Einfach so.«
»Hat er etwas gesagt?«, fragte ich.
»Er hat gesagt, wir sind in der Nähe. Dann ist er mit dem Kopf auf den Steinen aufgeschlagen.«
Ich kniete mich neben Grover. Ich hatte nur einmal erlebt, dass Grover das Bewusstsein verloren hatte, in New Mexico, als er die Nähe Pans gespürt hatte.
Ich ließ das Licht meiner Taschenlampe durch die Höhle wandern. Am anderen Ende sah ich einen Durchgang zu einer weiteren Höhle, zwischen riesigen Kristallsäulen, die funkelten wie Diamanten. Und hinter diesem Durchgang …
»Grover«, sagte ich. »Aufwachen.«
»Uhhhhh.«
Annabeth kniete sich neben ihn und spritzte ihm eiskaltes Flusswasser ins Gesicht.
»Splurg!« Seine Augenlider flatterten. »Percy? Annabeth? Wo …«
»Schon gut«, sagte ich. »Du warst ohnmächtig. Die Nähe war zu viel für dich.«
»Ich … ich erinnere mich. Pan.«
»Ja«, sagte ich. »Hinter diesem Eingang ist etwas sehr Mächtiges.«
Ich machte in aller Eile eine Vorstellungsrunde, da Tyson und Grover Rachel ja noch nie begegnet waren. Tyson sagte Rachel, sie sei hübsch, worauf Annabeths Nasenlöcher sich weiteten, als ob sie Feuer speien wollte.
»Wie auch immer«, sagte ich. »Komm jetzt, Grover. Stütz dich auf mich.«
Annabeth und ich halfen ihm beim Aufstehen und gemeinsam wateten wir durch den unterirdischen Fluss. Die Strömung war stark und das Wasser reichte uns bis zum Bauch. Ich zwang mich in Gedanken dazu, trocken zu bleiben, was eine brauchbare Fähigkeit ist, aber den anderen half das natürlich nicht. Und selbst ich konnte die Kälte trotzdem noch spüren, es war, wie durch eine Schneewehe zu stapfen.
»Ich glaube, wir sind in den Carlsbad-Höhlen«, sagte Annabeth mit klappernden Zähnen. »Vielleicht in einem nicht erforschten Teil.«
»Woher weißt du das?«
»Carlsbad liegt in New Mexico«, sagte sie. »Das würde die Sache im vorigen Winter erklären.«
Ich nickte. Grover hatte einen Schwindelanfall erlitten, als wir in New Mexico unterwegs gewesen waren. Dort hatte er sich der Kraft des Pan am nächsten gefühlt.
Wir stiegen aus dem Fluss und gingen weiter. Als die Kristallpfeiler größer wurden, begann ich, die Macht zu spüren, die aus der nächsten Höhle strömte. Ich hatte die Anwesenheit von Göttern schon häufiger erlebt, aber das hier war etwas anderes. Meine Haut prickelte vor Lebensenergie. Meine Müdigkeit verflog, als ob ich in Ruhe ausgeschlafen hätte. Ich spürte, wie ich stärker wurde, wie eine Pflanze in einem Zeitraffervideo. Und der Duft, der aus dem nächsten Raum strömte, hatte nichts mehr mit der feuchten muffigen Höhle zu tun. Es roch nach Blumen und Bäumen und warmem Sommertag.
Grover quiekte vor Erregung. Ich war zu verblüfft, um sprechen zu können. Sogar Nico schien es die Sprache verschlagen zu haben. Wir betraten die Höhle und Rachel sagte: »Boah!«
Die Wände funkelten von Kristallen – rot, grün und blau. In dem seltsamen Licht wuchsen wunderschöne Pflanzen – riesige Orchideen, sternförmige Blumen, Ranken, strotzend von orangefarbenen und lila Beeren, die sich zwischen den Kristallen hindurchstahlen. Der Höhlenboden war bedeckt mit weichem grünen Moos. Über uns wölbte sich die Decke höher als in einer Kathedrale und glitzerte wie ein ganzer Sternenhimmel. In der Mitte der Höhle stand ein römisches Bett aus vergoldetem Holz, geformt wie ein schnörkliges U und voller Seidenkissen. Tiere kauerten um das Bett herum – aber es waren alles Tiere, die nicht am Leben hätten sein dürfen. Ich sah eine Dronte oder einen Dodo oder wie dieser Vogel hieß; eine Art Kreuzung zwischen Wolf und Tiger; ein riesiges Nagetier, das aussah wie ein Riesenmeerschweinchen; und hinter dem Bett pflückte ein zottiges Mammut mit dem Rüssel Beeren.
Auf dem Bett lag ein alter Satyr. Er sah uns an, als wir näher kamen, mit Augen so blau wie der Himmel. Seine lockigen Haare waren weiß, ebenso sein spitzer Bart. Sogar das Ziegenfell an seinen Beinen war grau gesprenkelt. Er hatte riesige Hörner, glänzend braun und geschwungen. Nie im Leben hätte er sie wie Grover unter einer Mütze verstecken können. Um seinen Hals hing eine Sammlung von Rohrflöten.
Grover fiel vor dem Bett auf die Knie. »Hoher Herr Pan!«
Der Gott lächelte gütig, aber seine Augen waren traurig. »Grover, mein lieber, tapferer Satyr. Ich warte schon sehr lange auf dich.«
»Ich … ich habe mich verlaufen«, sagte Grover zu seiner Entschuldigung.
Pan lachte. Es war ein wundervolles Geräusch, wie der erste Windhauch des Frühlings, es füllte die ganze Höhle mit Hoffnung. Der Tigerwolf seufzte und legte den Kopf auf das Knie des Gottes. Der Dodo pickte liebevoll an den Hufen des Gottes herum und produzierte ganz hinten in seinem Schnabel ein seltsames Geräusch. Ich hätte schwören können, dass er summte: »It’s a small world.«
Aber Pan sah trotzdem müde aus. Seine ganze Gestalt schimmerte, als sei er aus Nebel gemacht.
Ich sah, dass die anderen auf die Knie gefallen waren und den Gott ehrfürchtig ansahen. Ich kniete ebenfalls nieder.
»Ihr habt einen summenden Dodo«, sagte ich dämlicherweise.
Die Augen des Gottes funkelten. »Ja, das ist Dede, meine kleine Schauspielerin.«
Dede der Dodo sah beleidigt aus. Sie pickte an Pans Knie herum und summte etwas, das sich wie ein Trauermarsch anhörte.
»Dies ist ein wunderschöner Ort«, sagte Annabeth. »Schöner als jedes Gebäude, das jemals entworfen worden ist.«
»Es freut mich, dass es dir hier gefällt, meine Liebe«, sagte Pan. »Es ist einer der letzten wilden Orte. Mein Reich dort oben ist verschwunden, fürchte ich, bis auf kleine Reste. Winzige Stücke von Leben. Dieser Ort wird ungestört bleiben – für eine kleine Weile noch.«
»Hoher Herr«, sagte Grover. »Bitte, Ihr müsst mit mir zurückkommen. Der Rat der Älteren wird es einfach nicht glauben! Sie werden außer sich vor Freude sein. Ihr könnt die Wildnis retten!«
Pan legte Grover die Hand auf den Kopf und fuhr ihm durch die Locken. »Du bist so jung, Grover. So gut und aufrichtig. Ich habe eine gute Wahl getroffen.«
»Eine Wahl?«, fragte Grover. »Ich – ich verstehe das nicht.«
Pans Bild flackerte und verwandelte sich kurz in Rauch. Das riesige Meerschweinchen jagte mit verängstigtem Quieken unter das Bett und das zottige Mammut grunzte nervös. Dede steckte den Kopf unter den Flügel. Dann sah Pan wieder aus wie zuvor.