Aufzeichnungen aus einem toten Hause
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Aufzeichnungen aus einem toten Hause». Краткое содержание книги:
»Mein Freund,« sagt er, »was soll ich denn mit dir anfangen? Nicht ich strafe dich, sondern das Gesetz!«
»Euer Wohlgeboren, alles liegt in Ihrer Gewalt, haben Sie Erbarmen!«
»Du glaubst wohl, ich hätte kein Mitleid mit dir? Du glaubst, es sei mir ein Vergnügen, zu sehen, wie man dich schlägt? Ich bin doch auch ein Mensch! Was glaubst du: bin ich ein Mensch oder nicht?«
»Man weiß es ja, Euer Wohlgeboren, man weiß es ja: Sie sind unser Vater, und wir sind die Kinder. Seien Sie mir wie ein Vater!« schreit der Arrestant, der schon zu hoffen beginnt.
»Aber urteile doch selbst, mein Freund! Du bist doch vernünftig genug, um darüber zu urteilen: ich weiß selbst, daß ich aus Menschlichkeit dich, den Sünder, nachsichtig und barmherzig behandeln muß.«
»Euer Wohlgeboren sprechen die reinste Wahrheit!«
»Ja, ich muß dich mit Mitleid anschauen, wie sündig du auch seist. Aber hier hast du nicht mit mir zu tun, sondern mit dem Gesetz! Bedenk es doch! Ich diene ja Gott und dem Vaterlande; ich nehme doch eine schwere Sünde auf mich, wenn ich das Gesetz umgehe, bedenk es doch!«
»Euer Wohlgeboren!«
»Aber was soll ich machen! Deinetwillen will ich es doch tun! Ich weiß, daß ich sündige, aber es sei... Ich will diesmal mit dir Mitleid haben und dich mild bestrafen. Aber was, wenn ich damit dich selbst schädige? Wenn ich mit dir Mitleid habe und dich mild bestrafe, so wirst du dir sagen, daß es auch das nächste Mal ebenso sein wird, wirst wieder ein Verbrechen begehen, – was dann? Die Verantwortung ruht dann doch auf meiner Seele...«
»Euer Wohlgeboren! Jeden Freund und jeden Feind werde ich davor warnen! Ich schwöre es wie vor dem Throne des himmlischen Schöpfers...«
»Ist schon gut, ist schon gut! Willst du mir aber schwören, daß du dich in Zukunft gut aufführen wirst?«
»Der Herr möge mich mit seinem Donner treffen, möge ich auf dieser Welt...«
»Schwöre nicht, es ist Sünde. Ich will einfach deinem Wort glauben. Gibst du mir dein Wort?«
»Euer Wohlgeboren!!!«
»Also höre: ich begnadige dich nur deiner Waisentränen wegen. Du bist doch eine Waise?«
»Ich bin eine Waise, Euer Wohlgeboren, bin einsam auf der Welt, habe weder Vater noch Mutter...«
»Nun, also deiner Waisentränen wegen; aber paß auf, es ist das letzte Mal... Führt ihn!« fügt er mit einer so milden Stimme hinzu, daß der Arrestant gar nicht weiß, mit welchen Gebeten er für diesen Wohltäter zu Gott beten soll.
Die grausame Prozession hat sich aber schon in Bewegung gesetzt, man führt ihn durch die Gasse; die Trommel dröhnt, die ersten Stöcke schwirren durch die Luft...