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Электронная книга - «Erniedrigte und Beleidigte». Краткое содержание книги:

Erniedrigte und Beleidigte
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Ich weiß nicht, ob Nelly alles verstand, was ich zu ihr sagte. Ich befand mich in heftiger Aufregung, sowohl infolge der Erzählung als auch infolge der soeben durchgemachten Krankheit; aber ich eilte zu Natascha. Es war schon spät, zwischen acht und neun, als ich zu ihrem Haus gelangte.

Schon auf der Straße, am Tor des Hauses, in welchem Natascha wohnte, bemerkte ich eine Equipage, und es schien mir, daß es die des Fürsten sei. Der Eingang zu Nataschas Wohnung war vom Hof aus. Kaum hatte ich angefangen, die Stufen hinaufzusteigen, als ich vor mir, eine Treppe höher, einen Menschen hörte, der offenbar mit der Örtlichkeit unbekannt war und sich vorsichtig tastend hinaufarbeitete. Ich sagte mir, es müsse der Fürst sein, wurde aber alsbald wieder an dieser Meinung irre. Der Unbekannte schimpfte und fluchte beim Hinaufsteigen laut über diese Passage, und zwar in um so kräftigeren, energischeren Ausdrücken, je höher er kam. Gewiß, die Treppe war eng, schmutzig, steil, nirgends beleuchtet; aber solche Schimpfworte, wie sie beim dritten Stockwerk anfingen, hätte ich dem Fürsten nie zuschreiben können: der hinaufsteigende Herr schimpfte wie ein Droschkenkutscher. Aber nach dem dritten Stockwerk wurde es wenigstens hell; denn an Nataschas Tür im vierten Stock brannte ein kleines Lämpchen. Unmittelbar an der Tür holte ich meinen Unbekannten ein, und wie groß war mein Erstaunen, als ich in ihm wirklich den Fürsten erkannte! Es schien ihm sehr unangenehm zu sein, daß er so unerwartet mit mir zusammentraf. Im ersten Augenblick erkannte er mich nicht; aber dann veränderte sich auf einmal sein Gesicht. Sein ursprünglich zorniger, feindseliger Blick wurde auf einmal höflich und heiter, und mit dem Ausdruck außerordentlicher Freude streckte er mir beide Hände hin.

»Ah, Sie sind es! Ich wollte eben auf die Knie fallen und Gott um Rettung meines Lebens bitten. Haben Sie gehört, wie ich geschimpft habe?«

Und er lachte in der gutmütigsten Art. Aber plötzlich nahm sein Gesicht einen ernsten, bekümmerten Ausdruck an.

»Wie hat Aljoscha nur Natalja Nikolajewna in einer solchen Wohnung unterbringen können!« sagte er, den Kopf hin und her wiegend. »Diese sogenannten Kleinigkeiten charakterisieren den Menschen. Ich bin um ihn recht besorgt. Er ist ein guter Mensch und hat ein edles Herz; aber da haben Sie gleich ein Pröbchen: er liebt sinnlos und bringt diejenige, die er liebt, in einem so elenden Quartier unter! Ich habe sogar gehört, daß manchmal kein Brot dagewesen ist«, fügte er flüsternd hinzu, während er den Klingelgriff suchte. »Mir wird angst und bange, wenn ich an seine Zukunft denke und namentlich an Anna Nikolajewnas Zukunft, wenn sie seine Frau sein wird...«

Er hatte sich im Vornamen geirrt und es nicht gemerkt, da er sich offenbar darüber ärgerte, daß er den Klingelzug nicht fand. Aber ein Klingelzug war überhaupt nicht da. Ich rüttelte ein wenig an der Türklinke, und Mawra öffnete uns sofort und empfing uns geschäftig. In der Küche, die von dem winzigen Vorzimmer nur durch eine hölzerne Halbwand abgeteilt war, waren durch die offenstehende Tür mancherlei Vorbereitungen zu bemerken; alles war mit besonderer Sauberkeit abgewischt und gereinigt; im Herd brannte Feuer; auf dem Tisch stand etwas neues Geschirr. Es war deutlich, daß wir erwartet worden waren. Mawra nahm uns eifrig die Überzieher ab.

»Ist Aljoscha hier?« fragte ich sie.

»Er ist nicht hier gewesen«, flüsterte sie mir geheimnisvoll zu.

Wir gingen zu Natascha hinein. In ihrem Zimmer waren keine besonderen Vorbereitungen sichtbar; alles war wie gewöhnlich. Übrigens war bei ihr immer alles so sauber und nett, daß nicht erst besonders aufgeräumt zu werden brauchte. Natascha empfing uns an der Tür stehend. Ich erschrak über die krankhafte Magerkeit und außerordentliche Blässe ihres Gesichtes, obgleich für einen Augenblick eine Röte auf ihren totenbleichen Wangen aufflammte. Ihre Augen waren fieberhaft. Schweigend streckte sie dem Fürsten eilig die Hand hin, in sichtlicher Beängstigung und Verwirrung. Mich sah sie überhaupt nicht an. Ich stand da und wartete schweigend.

»Da bin ich!« begann der Fürst in freundschaftlichem, heiterem Ton. »Erst vor einigen Stunden bin ich zurückgekehrt. Diese ganze Zeit über sind Sie mir nicht aus dem Kopf gekommen« (er küßte ihr zärtlich die Hand); »wieviel, wieviel habe ich an Sie gedacht! Wieviel habe ich Ihnen zu sagen und mitzuteilen!... Nun, jetzt wollen wir uns nach Herzenslust aussprechen! Erstens, mein Leichtfuß, der, wie ich sehe, noch nicht hier ist...« »Erlauben Sie, Fürst«, unterbrach ihn Natascha, verlegen errötend; »ich muß ein paar Worte mit Iwan Petrowitsch sprechen. Komm, Wanja... nur ein paar Worte...«

Sie faßte mich bei der Hand und führte mich hinter den Wandschirm.

»Wanja«, sagte sie flüsternd, indem sie mich in die dunkelste Ecke zog, »verzeihst du mir?«

»Aber ich bitte dich, Natascha, was redest du da!«

»Nein, nein, Wanja, du hast mir ja sehr oft und sehr vieles verziehen; aber jede Geduld hat doch schließlich ein Ende. Du wirst nie aufhören, mich zu lieben, das weiß ich; aber du wirst mich undankbar nennen, und ich war auch gestern und vorgestern gegen dich undankbar, egoistisch, grausam...«

Sie brach plötzlich in Tränen aus und drückte ihr Gesicht an meine Schulter.

»Hör auf, Natascha!« suchte ich sie eilig zu beruhigen. »Ich bin die ganze Nacht über sehr krank gewesen und kann mich auch jetzt kaum auf den Beinen halten; das ist der Grund, weshalb ich weder gestern abend noch heute hergekommen bin; und da denkst du nun, ich sei dir böse! Meine teure Freundin, ich weiß ja doch, was jetzt in deiner Seele vorgeht!«

»Nun gut... also du hast mir verziehen wie immer«, sagte sie; sie lächelte durch ihre Tränen und drückte mir die Hand, so daß es mich schmerzte. »Das übrige nachher! Ich habe dir viel zu sagen, Wanja. Aber jetzt will ich zu ihm...«

»Recht schnell, Natascha; wir haben ihn so plötzlich verlassen...«

»Du wirst sehen, du wirst sehen, was geschehen wird«, flüsterte sie mir hastig zu. »Ich weiß jetzt alles; ich habe alles durchschaut. An allem ist er schuld, er allein. Heute abend wird sich vieles entscheiden. Komm!«

Ich verstand sie nicht, hatte aber zum Fragen keine Zeit mehr. Natascha ging mit heiterem Gesicht auf den Fürsten zu. Er stand immer noch mit dem Hut in der Hand da. Sie entschuldigte sich in munterem Ton bei ihm, nahm ihm den Hut ab, rückte ihm selbst einen Stuhl zurecht, und wir setzten uns alle drei um ihr Tischchen.

»Ich fing an, von meinem Leichtfuß zu reden«, fuhr der Fürst fort; »ich habe ihn nur einen Augenblick gesehen, und zwar auf der Straße, als er in den Wagen stieg, um zur Gräfin Sinaida Fjodorowna zu fahren. Er hatte es furchtbar eilig, und denken Sie: er wollte nach vier Tagen der Trennung nicht einmal mit mir in die Wohnung hinaufkommen! Und ich glaube, Natalja Nikolajewna, ich bin selbst daran schuld, daß er jetzt nicht bei Ihnen ist und ich vor ihm hergekommen bin; ich habe nämlich die Gelegenheit benutzt und, da ich selbst heute nicht bei der Gräfin sein konnte, ihm einen Auftrag mitgegeben. Aber er wird jeden Augenblick erscheinen.«

»Hat er Ihnen bestimmt versprochen, heute herzukommen?« fragte Natascha, den Fürsten mit der harmlosesten Miene anblickend.

»Ach, mein Gott, wie sollte er denn nicht herkommen? Wie können Sie nur so fragen!« rief er, sie erstaunt anblickend. »Übrigens, ich verstehe: Sie sind über ihn aufgebracht. Und in der Tat, es ist dumm von ihm, daß er von allen zuletzt kommt. Aber ich wiederhole: ich bin schuld daran. Seien Sie ihm nicht böse! Er ist leichtsinnig, ein Windhund; ich verteidige ihn nicht; aber gewisse besondere Umstände verlangen, daß er die Besuche im Hause der Gräfin und in einigen anderen Familien jetzt nicht einstellt, sondern im Gegenteil sich dort recht oft zeigt. Nun, und da er wahrscheinlich jetzt nicht von Ihrer Seite weicht und alles andere in der Welt vergessen hat, so werden Sie es vielleicht nicht übelnehmen, wenn ich ihn Ihnen manchmal auf ein paar Stunden, nicht für längere Zeit, durch meine Aufträge entziehe. Ich bin überzeugt, daß er seit jenem Abend noch nicht ein einziges Mal bei der Fürstin K. gewesen ist, und ärgere mich, daß ich vorhin keine Zeit gehabt habe, ihn danach zu fragen!...«

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