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Электронная книга - «Erniedrigte und Beleidigte». Краткое содержание книги:

Erniedrigte und Beleidigte
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»Wirklich genial!« bemerkte der Fürst.

»Du spottest immer. Aber ich habe von dir nie etwas Derartiges zu hören bekommen und ebensowenig von unsrer ganzen sogenannten guten Gesellschaft. Bei euch sucht man so etwas vielmehr zu verstecken; alles sucht man niederzuhalten, damit alle Leute die gleiche Statur haben; selbst die Nasen sollen von gleicher Länge und Gestalt sein − als ob das möglich wäre! Als ob das nicht tausendmal unmöglicher wäre als das, wovon wir reden und was wir vorhaben! Und dabei nennt man uns Utopisten! Du hättest nur hören sollen, was sie gestern zu mir sagten...«

»Aber worüber redet ihr denn nun eigentlich, und was habt ihr vor? Erzähle doch, Aljoscha; bis jetzt verstehe ich noch nichts davon«, sagte Natascha.

»Wir reden überhaupt von allem, was zum Fortschritt und zur Humanität und zur Liebe führt; alles das erörtern wir anhand der neuzeitlichen Fragen. Wir reden von der Publizität, von den beginnenden Reformen, von der Liebe zur Menschheit, von den führenden Geistern; wir kritisieren sie, wir lesen ihre Schriften. Aber die Hauptsache ist: wir haben einander das Wort darauf gegeben, unter uns vollständig aufrichtig zu sein und einander alles über uns selbst offen und ohne falsche Scham zu sagen. Nur Offenheit und Aufrichtigkeit können das Ziel erreichen. Darauf dringt Besmygin ganz besonders. Ich habe Katja davon erzählt, und sie ist durchaus der Ansicht Besmygins. Und darum haben wir alle unter Besmygins Leitung uns das Wort darauf gegeben, unser ganzes Leben hindurch offen und ehrlich zu handeln und, was man auch von uns sagen und wie man auch über uns urteilen mag, uns durch nichts beirren zu lassen, uns unseres Enthusiasmus, unserer Bestrebungen, unserer Fehler nicht zu schämen, sondern geradeaus unseren Weg zu gehen. Wenn du willst, daß man dich achte, so achte zuerst und vor allen Dingen dich selbst; nur dadurch, nur durch Selbstachtung, zwingst du auch andere, dich zu achten. Das sagt Besmygin, und Katja stimmt ihm vollständig bei. Überhaupt sprechen wir jetzt viel von unseren Anschauungen und haben beschlossen, es soll sich jeder für sich allein mit Selbsterkenntnis beschäftigen, und dann sollen alle zusammen sich wechselseitig belehren...«

»Was für ein heilloser Unsinn!« rief der Fürst beunruhigt. »Und wer ist dieser Besmygin? Nein, das darf man nicht so weitergehen lassen!«

»Was darf man nicht so weitergehen lassen?« fiel Aljoscha ein. »Höre, Vater, warum setze ich jetzt das alles in deiner Gegenwart auseinander? Weil ich wünsche und hoffe, auch dich für unseren Verein zu gewinnen. Ich habe es dort auch schon versprochen, dich hinzubringen. Du lachst; nun, das habe ich vorher gewußt, daß du lachen würdest! Aber höre! Du bist gut, du bist edel; du wirst mich verstehen. Du kennst ja diese Menschen nicht; du hast sie noch nie gesehen, sie nicht selbst gehört. Gesetzt auch, du habest von alledem schon gehört, denn du hast ja alles studiert und bist furchtbar gelehrt: aber sie selbst hast du noch nicht gehört, du bist noch nicht bei ihnen gewesen; wie kannst du also über sie ein richtiges Urteil haben? Du bildest dir nur ein, daß du sie kennst. Nein, komm zu ihnen hin, höre sie, und dann − und dann verbürge ich mich dafür, daß du einer der Unsrigen werden wirst! Und die Hauptsache ist: ich will alle Mittel anwenden, um dich vom Verderben in deinem Gesellschaftskreis zu retten, an dem du so hängst, und dich von deinen Anschauungen abzubringen.«

Der Fürst hatte Aljoschas pathetische Rede schweigend und mit einem spöttischen Lächeln angehört; sein Gesicht hatte einen boshaften Ausdruck getragen. Natascha hatte ihn mit unverhohlenem Widerwillen beobachtet. Er hatte dies gesehen, aber getan, als bemerke er es nicht. Aber als Aljoscha geendet hatte, brach der Fürst plötzlich in ein Gelächter aus. Er ließ sich sogar gegen die Lehne des Stuhles zurücksinken, als ob er nicht imstande wäre, sich zu halten. Aber dieses Lachen war entschieden gekünstelt. Es war nur zu deutlich, daß er einzig und allein in der Absicht lachte, seinen Sohn möglichst zu kränken und zu demütigen. Aljoscha fühlte sich wirklich beleidigt; sein ganzes Gesicht drückte tiefen Schmerz aus. Aber er wartete geduldig, bis die Heiterkeit seines Vaters aufhörte.

»Vater«, begann er traurig, »warum lachst du denn über mich? Ich habe offen und ehrlich zu dir gesprochen. Wenn ich deiner Meinung nach Dummheiten gesagt habe, so belehre mich, aber lache mich nicht aus! Und worüber lachst du? Über das, was mir jetzt heilig und edel erscheint? Nun, mag ich auch irren, mag das auch alles unrichtig und fehlerhaft sein, mag ich auch ein Dummkopf sein, wie du mich manchmal genannt hast: aber wenn ich auch irre, so tue ich es mit aller Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit; ich habe den Adel meiner Seele nicht eingebüßt. Ich begeistere mich für hohe Ideen. Mögen sie auch irrig sein, so ist doch ihre Grundlage heilig. Ich habe dir ja gesagt, daß du und alle Angehörigen deines Kreises mir noch nichts Derartiges gesagt haben, was mich angezogen hätte und mir als Richtschnur hätte dienen können. Widerlege diese Ideen, sage mir etwas Besseres, und ich werde dir folgen; aber lache nicht über mich; denn das kränkt mich sehr.«

Aljoscha hatte das mit edlem Anstand und mit einer Art von ernster Würde gesagt. Natascha war seinen Worten mit Teilnahme gefolgt. Der Fürst hatte seinem Sohn ganz erstaunt zugehört und änderte nun sogleich seinen Ton.

»Ich wollte dich ganz und gar nicht kränken, lieber Sohn«, antwortete er; »ich bedaure dich vielmehr. Du bereitest dich zu einem Schritt im Leben vor, bei dem es an der Zeit wäre, das leichtsinnige, knabenhafte Wesen abzulegen. Das ist meine Meinung. Ich mußte unwillkürlich lachen und habe dich durchaus nicht kränken wollen.«

»Warum schien es mir dann aber so?« fuhr Aljoscha mit dem Ausdruck tiefen Schmerzes fort. »Warum scheint es mir schon lange, daß du gegen mich eine feindliche Stellung einnimmst, mich mit kaltem Spott behandelst und nicht so, wie ein Vater seinen Sohn behandeln sollte? Warum scheint es mir, daß ich, wenn ich an deiner Stelle wäre, meinen Sohn nicht in so kränkender Weise auslachen würde, wie du es jetzt mit mir tust? Höre: sprechen wir uns doch jetzt gleich ein für allemal aufrichtig aus, so daß keinerlei Mißverständnisse mehr zurückbleiben! Und... ich will die volle Wahrheit sagen: als ich hier eintrat, schien es mir, daß auch hier ein Mißverständnis stattgefunden hatte; ich hatte erwartet, euch in anderer Stimmung hier zusammen zu finden. Ist es so oder nicht? Wenn es so ist, ist es dann nicht besser, daß ein jeder seine Empfindungen frei ausspricht? Wieviel Schaden kann durch Aufrichtigkeit verhütet werden!«

»Sprich nur, sprich nur, Aljoscha!« erwiderte der Fürst. »Was du uns da vorschlägst, ist sehr verständig. Vielleicht hätten wir das von vornherein tun sollen«, fügte er mit einem Blick auf Natascha hinzu.

»Sei also nicht böse über meine vollständige Offenherzigkeit!« begann Aljoscha. »Du wünschst sie selbst, verlangst sie selbst. So höre denn! Du hast deine Einwilligung zu meiner Heirat mit Natascha gegeben; du hast uns dieses Glück gewährt und zu diesem Zweck dich selbst überwunden. Du bist großmütig gewesen, und wir alle haben dein edles Verhalten gebührend gewürdigt. Aber warum deutest du mir denn jetzt fortwährend mit einer Art von Schadenfreude an, daß ich noch ein lächerlicher Knabe und für die Stellung eines Ehemannes ungeeignet sei? Ja noch mehr: du legst es darauf an, mich zu verhöhnen, mich zu demütigen, mich sogar in Nataschas Augen zu verunglimpfen. Es ist dir immer eine große Freude, wenn du mich von einer komischen Seite zeigen kannst; das habe ich nicht erst jetzt bemerkt, sondern schon lange. Als ob du es besonders darauf abgesehen hättest, uns zu beweisen, daß unsere Ehe lächerlich und absurd sei und wir nicht zueinander paßten. Gerade als ob du selbst nicht daran glaubtest, daß das zustande kommen werde, was du doch selbst für uns in Aussicht genommen hast; als ob du das alles nur für einen Scherz, für einen amüsanten Einfall, für ein komisches Vaudeville hieltest... Ich schließe das ja nicht nur aus deinen heutigen Worten. Gleich an jenem Abend, am Dienstag, als ich von hier zu dir zurückkehrte, hörte ich aus deinem Mund einige merkwürdige Ausdrücke, die mich verwunderten und geradezu kränkten. Auch als du am Mittwoch abreistest, machtest du einige Anspielungen auf unsere jetzige Lage und sprachst auch von Natascha, zwar nicht in beleidigender Weise, nein, aber doch so, wie ich es aus deinem Mund lieber nicht gehört hätte, gar zu leichtfertig, lieblos, respektlos. Es ist schwer, das darzulegen; aber der Ton war nicht mißverständlich; mein Herz vernahm ihn. Sage mir doch, daß ich mich irre! Belehre mich eines Besseren, beruhige mich und... und auch sie; denn du hast auch sie gekränkt. Das merkte ich beim ersten Blick, als ich hier eintrat...«

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