Die Familie ohne Namen
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:
»Mein liebster, liebster Vater!« rief Clary niedersinkend.
Sie hatte seine Hand gefaßt und fühlte einen leichten Druck den ihrigen erwidern.
Dann nahm Johann das Wort und sagte:
»Es wäre recht nöthig, einen Arzt hierher zu holen; doch wo wollen wir einen finden und an wen uns in dem von den Königlichen besetzten Lande wenden?. Nach Montreal?. Ja, das böte noch den einzigen Ausweg. Nennen Sie mir den Arzt, zu dem Sie dort besonderes Vertrauen haben, und ich werde nach Montreal gehen.
- Nach Montreal?. fiel Bridget ein.
- Es muß sein, Mutter! Herrn de Vaudreuil's Leben gilt mehr als das meinige!
- O, für Dich fürchte ich ja nichts, Johann. Auf dem Wege nach Montreal kannst Du aber beobachtet werden, und wenn dann der Verdacht aufstiege, daß Herr de Vaudreuil hier ist, so wäre er verloren.
- Verloren! murmelte Clary.
- Er ist es nicht weniger, wenn er keine sachverständige Hilfe bekommt, antwortete Johann.
- Ist seine Verwundung eine tödtliche, meinte Bridget, so wird ihn leider Niemand heilen. Ist sie es nicht, so wird Gott geben, daß wir, seine Tochter und ich, ihn retten. Seine Wunde rührt von einem Säbelhiebe her, der nur die Fleischtheile trennte. Herr de Vaudreuil ist gewiß nur durch den Blutverlust geschwächt. Es wird, hoffe ich, genügen, die Wunde bedeckt zu halten und Compressen mit kaltem Wasser aufzulegen, um eine Vernarbung herbeizuführen, die wir schon nach und nach erzielen werden. Glaube mir, mein Sohn, Herr de Vaudreuil ist hier in verhältnißmäßiger Sicherheit, und, soweit irgend ausführbar, ist es nothwendig, daß Niemand von seinem Versteck etwas erfährt.«
Bridget sprach mit einer so lebendigen Ueberzeugung, daß diese als erste Wirkung in Clary wieder einen schwachen Hoffnungsstrahl wachrief. Vor Allem galt es entschieden, Niemand in das geschlossene Haus einzuführen. Das Leben Johanns ohne Namen hing davon ab, und nicht minder das des Herrn de Vaudreuil, denn wenn etwas von Beiden verlautete, konnte wohl Johann durch die Wälder der Grafschaft entfliehen und die amerikanische Grenze erreichen, nicht aber der aus Bett gefesselte Kranke.
Uebrigens schien der Zustand des Verwundeten das Vertrauen, welches Bridget in dessen Tochter erweckt hatte, vom ersten Tage an zu rechtfertigen. Seit die Blutung gestillt war, blieb Herr de Vaudreuil, wenn auch immer sehr schwach, doch im Besitze des Bewußtseins. Was ihm vor Allem Noth that, war Ruhe des Gemüthes - diese fand er aber jetzt, da seine Tochter bei ihm weilte, neben der Ruhe des Körpers, und es schien, als ob ihm diese im geschlossenen Hause gesichert wäre.
In der That sollten die Soldaten Whiterall's nicht zögern, St. Charles zu verlassen, um die Grafschaft zu durchstreifen, und der Flecken sollte dann von ihrer Gegenwart befreit sein.
Bridget richtete sich nun ein, um ihren Gästen in der beschränkten Wohnung mehr Bequemlichkeit zu bieten. Herr de Vaudreuil nahm das für Joann und Johann bestimmte Zimmer ein, wenn diese eine Nacht im geschlossenen Hause zubrachten. Das andere Zimmer, das Bridgets, wurde Clary eingeräumt. Beide wachten abwechselnd am Bett des Kranken.
Was Johann angeht, so brauchte man sich weder um diesen noch um seinen Bruder Sorge zu machen für den Fall, daß in Folge der letzten Ereignisse der Abbe Joann zufällig bei seiner Mutter zum Besuche eintreffen sollte; für diese Beiden genügte im Nothfalle ein Winkel des geschlossenen Hauses.
In Johanns Absicht lag es übrigens gar nicht, in St. Charles länger zu verweilen. So bald er sich über den Zustand des Herrn de Vaudreuil beruhigt, und mit diesem die von ihm vorausgesehenen Ereignisse und den weiteren Verlauf ihrer Bestrebungen besprochen, wollte er sich aufs neue seiner Aufgabe widmen. Die Niederlage bei St. Charles konnte ja noch nicht die völlige Vernichtung der Patrioten herbeigeführt haben; ja, Johann ohne Namen glaubte sie schon zur Wiedervergeltung mit sich fortreißen zu können.
Der 26. verlief in Ruhe. Bridget konnte sogar, ohne Verdacht zu erwecken, das geschlossene Haus verlassen, um die nöthigsten Lebensbedürfnisse und ein labendes Getränk für den Kranken einzukaufen. Seit stattgefundener Räumung der Stadt hatten sich auch verschiedene Häuser wieder aufgethan. Doch welche Zerstörung, welche Ruinen, vorzüglich im oberen, von der Feuersbrust ergriffenen Stadttheile nach der Seite des Lagers zu, wo die Vertheidiger sich wahrhaft heldenmüthig geschlagen hatten! Etwa Hundert von den Patrioten hatten bei jenem entsetzlichen Kampfe ihr Blut vergossen und die meisten derselben waren entweder todt oder doch tödtlich verletzt. Außerdem waren gegen vierzig Gefangene gemacht worden. Es war ein Jammer mit anzusehen, wie die zügellose Soldateska, welche deren Befehlshaber vergeblich zu zügeln sachte, mit den Aermsten umging.
Zum Glück - diese Nachricht brachte Bridget nach dem geschlossenen Hause mit - rüstete sich die Colonne zum Abmarsch.
Im Laufe dieses Tages fand Herr de Vaudreuil, dessen Zustand sich in keiner Weise verschlimmerte, einige Standen erquickender Ruhe und Schlaf. Jetzt vernahm man von ihm keine Delirien und nicht jene unzusammenhängenden Worte mehr, mit welchen er früher nach seiner Tochter verlangte.
Er wußte es vollständig, daß Clary an seiner Seite und geschützt war gegen alle Gefahren, welche ihr mit der Rückkehr der Loyalisten nach St. Denis gedroht hätten.
Während er schlief, konnte Johann dem jungen Mädchen die Ereignisse der jüngsten Zeit ausführlich schildern. Sie erfuhr nun Alles »was sich seit dem Aufbruche ihres Vaters aus dem Hause des Richters Froment zugetragen hatte, um sich seinen Waffenbrüdern in St. Charles anzuschließen; wie die Patrioten bis zum letzten Mann gekämpft; unter welchen Umständen endlich Herr de Vaudreuil aus dem Gewühle fort und nach dem geschlossenen Hause geschafft worden war.
Clary lauschte bangen Herzens und mit feurigen Augen seiner Erzählung. Es schien ihr, als ob jenes Mißgeschick Johann und sie selbst am meisten anging. Beide empfanden ja, wie eng sie aneinander gefesselt waren.
Wiederholt erhob sich Johann tief erregt, da er vor sich selbst erschrak und die Vertraulichkeit meiden wollte, welche die unglückliche Lage noch gefährlicher als sonst erscheinen ließ. Nach den wenigen Tagen des Zusammenseins mit Clary in der Villa Montcalm hatte er darauf gerechnet, bei den sich vorbereitenden Ereignissen wieder ganz von seiner Aufgabe in Anspruch genommen zu werden. Gerade diese Ereignisse aber waren es, welche das junge Mädchen in das Haus seiner Mutter geführt hatten, während er gleichzeitig gezwungen war, ebenda Schutz zu suchen.
Bridget hatte die Natur der Gefühle ihres Sohnes bald genug erkannt und sie erschrak darüber nicht weniger als Johann selbst. Er!. Der Sohn des Simon Morgaz!. Die energische Frau ließ von ihrer Angst jedoch nichts merken, so schwere Leiden sie in der kommenden Zeit auch voraussah.
Am nächsten Tage wurde Herr de Vaudreuil von dem Abzuge der Truppen Whiterall's unterrichtet. Da er sich weniger schwach fühlte, wollte er Johann über die nächsten Folgen der Niederlage bei St. Charles fragen, vorzüglich um zu erfahren, was aus seinen Genossen, aus Vincent Hodge, Farran, Clerc, Sebastian Gramont, dem Farmer Harcher und dessen fünf Söhnen, die Alle an jenem unseligen 25. so muthig gekämpft hatten, nachher geworden sei.
Bridget, Clary und Johann hatten sich neben das Bett des Herrn de Vaudreuil gesetzt.
Auf den von ihm ausgesprochenen Wunsch antwortete Johann mit der Bitte, sich nicht durch zu viele Fragen anzustrengen:
»Ich werde Ihnen mittheilen, was ich von Ihren Freunden weiß, sagte er. Nachdem sie bis zur letzten Stunde gekämpft, wurden sie schließlich nur durch die Uebermacht niedergedrückt. Einer meiner braven Gefährten aus Chipogan, der arme Remy Harcher, fiel schon bei Beginn des Gefechts, ohne daß ich ihm zu Hilfe, eilen konnte. Später mußten Michel und Jacques in Folge erhaltener Verwundungen den Kampfplatz verlassen und wurden von ihrem Vater und den beiden anderen Brüdern fortgetragen. Ich weiß nicht, wohin sie entflohen sind, als jeder Widerstand unmöglich geworden war, hoffe jedoch, daß sie die amerikanische Grenze erreicht haben. Der Abgeordnete Gramont fiel in Gefangenschaft, dürfte sich also in einem Gefängnisse Montreals befinden, und wir wissen, welches Los die Richter Lord Gosford's ihm bestimmt haben werden. Die Herren Farran und Clerc haben wahrscheinlich der Verfolgung der königlichen Reiterei entgehen können, doch ist mir unbekannt, ob sie noch heil und gesund sind. Von Vincent Hodge vermag ich nicht zu sagen.