Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Am Vorabend der Abreise schwoll ihm die Lippe an. »Mich hat eine Fliege gebissen, ich kann doch mit einer solchen Lippe nicht auf die See gehen!« - sagte er und begann auf das nächste Schiff zu warten. Es ist schon August, Stolz ist längst in Paris, schreibt ihm wütende Briefe, erhält aber keine Antwort.
Warum denn? Vielleicht ist die Tinte im Tintenfaß eingetrocknet und es gibt kein Papier? Oder vielleicht, weil im Stil von Oblomow welcher und daß oft aufeinanderstoßen, oder, endlich, hat sich Ilja Iljitsch bei dem drohenden Ruf »jetzt oder nie« zu dem letzteren entschlossen, hat die Hände unter dem Kopf verschränkt, und Sachar versucht es vergeblich, ihn aufzuwecken?
Nein, sein Tintenfaß ist voll Tinte, auf dem Tisch liegen Briefe, Papier, sogar mit einem Wappen und mit seiner Handschrift bedeckt.
Wenn er einige Seiten schrieb, setzte er niemals zweimal welcher, seine Gedanken drückten sich frei und stellenweise ausdrucksvoll und beredt aus, wie in alten Tagen, da er mit Stolz von einem Leben der Arbeit und von Reisen träumte, seine Hefte mit Prosa und Gedichten füllte und über den Dichtern weinte.
Er steht um sieben Uhr auf, liest, trägt seine Bücher irgendwohin. Auf seinem Gesicht ist weder Schläfrigkeit noch Langeweile zu sehen. Es hat sogar Farbe bekommen, die Augen leuchten und drücken etwas wie Kühnheit, jedenfalls aber Selbstbewußtsein aus. Man sieht ihn nicht im Schlafrock; Tarantjew hat ihn mit den anderen Sachen zur Gevatterin hintransportiert. Oblomow sitzt bei einem Buch oder schreibt in einem Mantel, den er zu Hause trägt; um den Hals ist eine leichte Krawatte gewunden; der Hemdkragen schaut hervor und glänzt wie Schnee. Er geht in einem ausgezeichnet sitzenden Rock und einem eleganten Hut aus ... Er ist fröhlich und singt ... Was bedeutet das ...? Er sitzt am Fenster seiner Landwohnung (er lebt auf dem Lande, ein paar Werst von der Stadt entfernt), neben ihm liegt ein Blumenstrauß. Er schreibt eilig etwas fertig, blickt dabei fortwährend durch das Gebüsch auf den Gartenweg hin und schreibt wieder eilig weiter. Plötzlich knistert auf dem Gartenweg der Kies unter leichten Schritten; Oblomow wirft die Feder fort, erfaßt die Blumen und läuft ans Fenster. »Sind Sie es, Oljga Sjergejewna? Gleich, gleich!« sagte er, ergreift den Hut und die Gerte, eilt zur Gartentür hin, reicht einer schönen Frau den Arm und verschwindet mit ihr im Wald, im Schatten der riesenhaften Tannen ... Sachar kommt aus einer Ecke heraus, schaut ihm nach, schließt das Zimmer zu und geht in die Küche.
»Er ist fort!« sagte er zu Anissja.
»Wird er zu Mittag essen?«
»Wer weiß?« antwortete Sachar schläfrig.
Sachar ist noch immer derselbe; er hat denselben großen Backenbart, ein unrasiertes Kinn, dieselbe graue Weste und das Loch im Rock, aber er ist mit Anissja verheiratet, entweder infolge des Bruches mit seiner Gevatterin oder nach dem Prinzip, daß jeder Mensch heiraten muß; er hat geheiratet, hat sich aber trotz des Sprichwortes nicht verändert.
Stolz hatte Oblomow mit Oljga und mit ihrer Tante bekanntgemacht. Als Stolz Oblomow zum erstenmal bei Oljgas Tante einführte, waren dort Gäste. Oblomow war es wie gewöhnlich bange und unbehaglich zumute. Es wäre angenehm, die Handschuhe auszuziehen, dachte er, im Zimmer ist es ja warm. Wie ungewohnt mir jetzt alles ist ...! Stolz setzte sich zu Oljga, die allein unter der Lampe in der Nähe des Teetisches saß, sich mit dem Rücken in den Sessel zurücklehnte und wenig darauf achtete, was um sie vorging. Stolzens Kommen hatte sie sehr erfreut; wenn ihre Augen auch nicht aufleuchteten und ihre Wangen nicht aufflammten, verbreitete sich doch ein gleichmäßiger, ruhiger Schein über ihr ganzes Gesicht und darauf erschien ein Lächeln. Sie nannte ihn ihren Freund, liebte ihn, weil er sie immer lachen machte und ihr die Langeweile vertrieb, fürchtete sich aber auch ein wenig, weil sie sich ihm gegenüber zu sehr als Kind fühlte. Wenn in ihr eine Frage, ein Zweifel aufstieg, entschloß sie sich nicht gleich, es ihm anzuvertrauen; er hatte ihr gegenüber einen zu großen Vorsprung erreicht, stand zu hoch über ihr, so daß ihre Eitelkeit manchmal unter dem Bewußtsein ihrer Unreife und des Unterschiedes zwischen ihrem Verstande und ihrem Alter litt. Stolz bewunderte sie auch ganz uneigennützig, als ein wunderbares Geschöpf mit einer duftenden Frische des Geistes und der Gefühle. Sie war in seinen Augen nur ein entzückendes Kind, das zu großen Hoffnungen berechtigte. Stolz unterhielt sich mit ihr aber lieber und öfter als mit anderen Frauen, weil sie, wenn auch unbewußt, einen einfachen, natürlichen Lebensweg verfolgte und dank ihrer glücklichen Natur und ihrer gesunden, ungekünstelten Erziehung selbst in jeder kaum sichtbaren Bewegung der Augen, der Lippen und der Hände nicht von der natürlichen Äußerung der Gedanken, der Gefühle und des Willens abwich. Vielleicht schritt sie mit einer solchen Sicherheit über diesen Weg, weil sie ab und zu andere, noch sicherere Schritte neben sich hörte, diejenigen ihres Freundes, dem sie glaubte, und dem sie ihren Schritt anpaßte. Wie dem auch sein mochte, konnte man doch selten bei einem Mädchen so viel Einfachheit und natürliche Freiheit des Blickes, der Worte und der Handlungen finden. In ihren Augen war nie zu lesen: »Jetzt werde ich ein wenig die Lippe einziehen und nachdenklich werden - das steht mir nicht übel. Ich werde hinblicken, erschrecken und leicht aufschreien, dann laufen alle gleich zu mir hin. Ich setze mich ans Klavier und strecke die Fußspitze ein wenig vor ...« Es war weder Geziertheit noch Koketterie noch Lüge noch Flitterwerk noch etwas Beabsichtigtes an ihr! Darum wurde sie aber auch fast nur von Stolz geschätzt; darum blieb sie mehr als eine Mazurka allein sitzen, ohne ihre Langeweile zu verbergen; darum wurden die liebenswürdigsten jungen Leute bei ihrem Anblick einsilbig, da sie nicht wußten, was und wie sie zu ihr sprechen sollten ... ... Die einen hielten sie für einfältig, für kurzsichtig und oberflächlich, weil ihren Lippen weder weise Sentenzen über das Leben und über die Liebe noch rasche, unerwartete und kühne Repliken noch aus den Büchern geschöpfte oder bei andern aufgeschnappte Urteile über Musik und Literatur entströmten; sie sprach wenig und nur, was ihrer Persönlichkeit entsprang, nichts Glänzendes - und sie wurde von den klugen, schlagfertigen »Kavalieren« gemieden; die nicht Schlagfertigen hielten sie im Gegenteil für zu gescheit und fürchteten sich ein wenig vor ihr. Nur Stolz sprach unaufhörlich mit ihr und machte sie lachen. Sie liebte die Musik, sang aber meistens, wenn sie allein war oder wenn Stolz oder eine Pensionsfreundin zugegen waren; sie sang aber, wie Stolz sagte, besser als jede Sängerin. Sowie Stolz sich neben sie gesetzt hatte, tönte durchs Zimmer ihr Lachen, das so klangvoll, so aufrichtig und ansteckend war, daß jeder, der es hörte, ohne den Grund zu kennen, unfehlbar mitlachen mußte. Aber Stolz machte sie nicht nur lachen, nach einer halben Stunde hörte sie ihm neugierig zu und richtete dann ihre Augen mit verdoppelter Neugier auf Oblomow, der sich vor diesen Blicken am liebsten unter die Erde versteckt hätte.
Was sprechen sie über mich? dachte er, sie unruhig anschielend. Er wollte schon fortgehen, als Oljgas Tante ihn an den Tisch heranrief und ihm den Platz neben sich anwies, wo er dem Kreuzfeuer der Blicke aller Anwesenden ausgesetzt war. Er wandte sich ängstlich nach Stolz um - doch der war nicht mehr da, blickte Oljga an und begegnete ihren auf ihn gerichteten, neugierigen Augen. Sie schaut mich noch immer an! dachte er, verlegen seine Kleider betrachtend. Er wischte sich sogar das Gesicht mit dem Taschentuche ab, da er glaubte, er hätte sich die Nase verschmiert, betastete seine Krawatte, ob sie nicht aufgegangen sei, das geschah ihm manchmal; nein, alles schien ganz in Ordnung zu sein, und sie schaut noch immer! Doch jetzt reichte ihm der Diener eine Tasse Tee und eine Platte mit Bäckerei. Er wollte seine Verlegenheit unterdrücken und ungeniert erscheinen und nahm dabei einen solchen Haufen Zwieback, Biskuits und Kringel, daß das neben ihm sitzende kleine Mädchen auflachte. Die übrigen Anwesenden blickten den Haufen neugierig an. Mein Gott, auch sie sieht her! dachte Oblomow, was fange ich mit diesem Haufen an? Er sah, ohne hinzublicken, daß Oljga sich von ihrem Platz erhoben hatte und in eine andere Ecke trat. Ihm wurde leichter ums Herz. Das kleine Mädchen blickte ihn gespannt an und wartete, was er mit den Bäckereien tun würde. Ich werde sie geschwind aufessen, dachte er und machte sich über die Biskuits her; zum Glück zerschmolzen sie ihm förmlich im Mund. Es blieben nur zwei Stücke Zwieback übrig; er atmete frei auf und entschloß sich hinzuschauen, wo Oljga war. Sie stand neben einer Büste, sich auf das Piedestal stützend, und beobachtete ihn. Sie war wohl deswegen aus ihrer Ecke fortgegangen, um ihn ungestörter anblicken zu können; sie hatte den Vorfall mit den Bäckereien bemerkt. Beim Souper saß sie am andern Tischende, unterhielt sich und schien sich gar nicht mit ihm zu beschäftigen. Sowie sich Oblomow aber ängstlich nach ihr umwandte, in der Hoffnung, sie sehe ihn nicht an, begegnete er ihrem neugierigen, aber zugleich gütigen Blick ...