Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Du schreibst immer solche starke Mittel vor!« bemerkte Oblomow traurig. »Bin ich denn der einzige? Schau nur: Michailow, Pjetrow, Ssemjonow, Stjepanow ... Es ist nicht zu zählen - es ist eine Legion!«
Stolz stand noch unter dem Eindrucke dieser Beichte und schwieg. Dann seufzte er.
»Ja, es ist viel Wasser ins Meer geflossen!« sagte er. »Ich werde dich so nicht zurücklassen, ich werde dich von hier fortführen, zuerst ins Ausland, und dann ins Dorf. Du wirst ein wenig abnehmen, wirst deinen Spleen verlieren, und dann finden wir für dich eine Beschäftigung ...«
»Ja, wir wollen irgendwohin fahren!« rief Oblomow aus.
»Morgen werden wir ein Gesuch um einen ausländischen Paß für dich einreichen und werden dann unsere Reisevorbereitungen treffen ... Ich werde nicht davon ablassen, Ilja, hörst du?«
»Bei dir ist alles morgen!« entgegnete Oblomow, der aus den Wolken zu fallen schien.
»Du möchtest das, was heute getan werden kann, nicht auf morgen verschieben? Hast du solche Eile! Heute ist es zu spät«, fügte Stolz hinzu, »aber in vierzehn Tagen werden wir schon weit sein ...«
»Aber Bruder, schon in vierzehn Tagen, habe doch ein Einsehen, so plötzlich! ...« sagte Oblomow. »Laß mir Zeit, mir das zu überlegen und mich vorzubereiten ... Man muß sich doch irgendeinen Tarantaß aussuchen ... Vielleicht in drei Monaten.«
»Von was für einem Tarantaß fabelst du da? Wir fahren im Postwagen zur Grenze hin, oder auf dem Dampfschiffe bis Lübeck, wie es bequemer sein wird, und dann fährt an vielen Orten die Eisenbahn.«
»Und die Wohnung, Sachar und Oblomowka? Ich muß doch erst alles ordnen«, verteidigte sich Oblomow.
»Oblomowerei, Oblomowerei!« sagte Stolz lachend, nahm die Kerze, wünschte gute Nacht und ging schlafen. »Jetzt oder nie! - Denke dran!« fügte er hinzu, indem er sich zu Oblomow umwandte und die Tür hinter sich schloß.
Fünftes Kapitel
»Jetzt oder nie!« Diese drohenden Worte erstanden vor Oblomow, sowie er des Morgens erwachte. Er stand auf, schritt dreimal durch das Zimmer und blickte in den Salon hinein. Stolz saß da und schrieb. »Sachar!« rief er, es folgte aber kein Sprung vom Ofen. Sachar kam nicht. Stolz hatte ihn auf die Post geschickt. Oblomow trat an seinen verstaubten Tisch heran, setzte sich, ergriff eine Feder und steckte sie ins Tintenfaß, es war aber keine Tinte darin, dann suchte er nach Papier, es gab aber keines. Er sann nach und begann mechanisch mit dem Finger auf dem Staube zu malen; als er dann nachsah, was er geschrieben hatte, sah er: »Oblomowerei«. Er wischte das Aufgeschriebene schnell mit dem Ärmel ab. Er hatte dieses Wort in der Nacht im Traume gesehen, es stand mit Feuer an den Wänden geschrieben, wie auf Belsazars Fest. Dann kam Sachar, und als er Oblomow nicht auf dem Sofa liegen sah, blickte er ihn mit trüben Augen an, darüber verwundert, daß er schon auf war. In diesem stumpfen, erstaunten Blicke stand: »Oblomowerei!« Ein einziges Wort, dachte Ilja Iljitsch, und wieviel Gift ist darin enthalten! ...
Sachar nahm wie gewöhnlich den Kamm, die Bürste und das Handtuch und wollte den Herrn frisieren.
»Geh zum Teufel!« sagte Oblomow zornig und schlug die Bürste Sachar aus der Hand, dann ließ Sachar auch den Kamm zu Boden fallen.
»Legen Sie sich wieder hin?« fragte Sachar, »ich werde Ihnen das Bett richten.«
»Bringe mir Tinte und Papier«, antwortete Oblomow.
Er sann über die Worte »jetzt oder nie« nach. Indem er diesem verzweifelten Ausruf der Vernunft und der Kräfte lauschte, überlegte er und erwog, was für ein Rest des Willens ihm noch übrig geblieben war, wohin er diese ärmlichen Überbleibsel tragen und worauf er sie verwenden sollte. Nach qualvollem Überlegen erfaßte er die Feder, schleppte aus der Ecke ein Buch heraus und wollte im Laufe einer Stunde alles das lesen, schreiben und denken, was er in zehn Jahren nicht gelesen, geschrieben und gedacht hatte. Was sollte er jetzt tun? Vorwärtsschreiten oder stehenbleiben? Diese Oblomower Frage war für ihn tiefer als die von Hamlet. Vorwärtsschreiten heißt den weiten Schlafrock nicht nur von den Schultern, sondern auch von Seele und Verstand abwerfen; das heißt zugleich mit den Wänden auch die Augen von Staub und Spinngewebe reinigen und sehend werden! Wie sollte der erste Schritt gemacht werden? Womit sollte er beginnen? »Das weiß ich nicht, das kann ich nicht ... nein ... das ist nicht wahr, ich weiß und ... Auch Stolz ist hier bei mir; er wird's mir gleich sagen. Und was wird er sagen? Er wird mir sagen, ich soll binnen einer Woche eine genaue Instruktion entwerfen, einer Vertrauensperson übergeben und sie nach dem Gut schicken, ich soll Oblomowka verpfänden, noch Erde hinzukaufen, einen Plan der Bauten hinschicken, die Wohnung vermieten, einen Paß besorgen, auf ein halbes Jahr ins Ausland reisen, dort das überflüssige Fett und die Schwere abwerfen, die Seele durch jene Luft erfrischen, von der ich einst mit dem Freund geträumt hatte, ohne Schlafrock, ohne Sachar und Tarantjew leben, selbst die Strümpfe anziehen und die Schuhe ausziehen, nur in der Nacht schlafen, auf der Eisenbahn und auf Dampfschiffen überallhin reisen, dann ...« Dann soll er sich in Oblomowka niederlassen, wissen, was Saat und Ausdrusch ist, wovon der Bauer arm und reich wird; er soll aufs Feld gehen, zu den Wahlen, in die Fabrik, in die Mühle und zum Hafen fahren. Dabei soll er Zeitungen und Bücher lesen und sich darüber aufregen, warum die Engländer wohl ein Schiff nach dem Osten gesandt haben ... Das würde er sagen! Das heißt vorwärtsschreiten ... Und so sollte es das ganze Leben sein! Lebe wohl, du poetisches Lebensideal! Das ist eine Schmiede, aber kein Leben; hier ist ewiges Feuer, Hitze, Hämmern und Lärmen ... wann soll man leben? Ist es nicht besser stehenzubleiben? Stehenbleiben heißt das Hemd verkehrt anziehen, das Springen von Sachars Füßen von der Ofenbank hören, mit Tarantjew Mittag essen, über alles wenig nachdenken, die Reise nach Afrika nicht zu Ende lesen, in der Wohnung von Tarantjews Gevatterin friedlich altern ... »Jetzt oder nie!« »Sein oder nicht sein!« Oblomow wollte vom Sessel aufstehen, fand aber mit dem Fuß nicht gleich in den Pantoffel hinein und setzte sich wieder hin.
Nach vierzehn Tagen reiste Stolz bereits nach England ab, nachdem er Oblomow das Wort abgenommen hatte, direkt nach Paris zu kommen. Ilja Iljitsch besaß schon einen fertigen Paß, er hatte sich sogar einen Reisemantel bestellt und eine Mütze gekauft. So weit war die Angelegenheit fortgeschritten! Sachar bewies schon tiefsinnig, daß es genüge, ein Paar Stiefel zu bestellen und das alte besohlen zu lassen. Oblomow kaufte sich eine Decke, ein wollenes Leibchen, ein Reisenecessaire, wollte auch einen Sack für Eßwaren kaufen, aber zehn Menschen bestätigten ihm zugleich, daß man ins Ausland keine Eßwaren mitnimmt. Sachar rannte ganz in Schweiß gebadet zu den Handwerkern und in die Läden hin, und obgleich von dem Rest in den Läden viele Zehner und Fünfer in seine Tasche wanderten, verfluchte er doch Andrej Iwanowitsch und alle, die das Reisen erfunden haben. »Was wird er dort allein tun?« sagte er im Laden, »man sagt, daß man dort nur von Frauenzimmern bedient wird. Wie kann ein Frauenzimmer einen Schuh herunterziehen? Und wie wird sie dem Herrn auf die nackten Füße Strümpfe anziehen ...?« Er lächelte sogar, so daß der Backenbart sich auseinanderschob, und schüttelte den Kopf. Oblomow war nicht zu faul aufzuschreiben, was er mitnehmen wollte und was dazulassen war. Tarantjew wurde beauftragt, die Möbel und die anderen Sachen in die Wohnung der Gevatterin in der Wiborgskajastraße hinzuschaffen, alles in den drei Zimmern einzuschließen und bis zur Rückkehr aus dem Ausland zu hüten.
Oblomows Bekannte sagten schon teils mißtrauisch, teils lachend, teils erschrocken: »Er fährt; denken Sie sich, Oblomow rührt sich tatsächlich vom Fleck.«
Aber Oblomow verreiste weder in einem noch in drei Monaten.