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Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
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Sie blickte ihn so forschend an.

»Nein, ich hab's nicht gelesen!« entschlüpfte es ihm vor Angst, sie könnte ihn examinieren.

»Was?« fragte sie lachend. Und er lachte auch ...

»Ich dachte, Sie wollten mich über irgendeinen Roman fragen; ich lese derlei nicht.«

»Sie haben es nicht erraten; ich wollte über Reisebeschreibungen fragen.«

Er blickte sie durchdringend an; ihr ganzes Gesicht außer den Lippen lachte.

Oh, wie sie ist ...! Man muß mit ihr vorsichtig sein ..., dachte Oblomow.

»Was lesen Sie denn?« fragte sie neugierig.

»Ich liebe wirklich die Reisebeschreibungen ...«

»Über Afrika?« fragte sie leise und schelmisch.

Er errötete, da er nicht ohne Grund vermutete, daß sie nicht nur darüber, was er las, sondern auch darüber, wie er es tat, unterrichtet war.

»Sind Sie musikalisch?« fragte sie, um ihn von seiner Verlegenheit zu befreien.

Jetzt kam Stolz heran.

»Ilja! Ich habe Oljga Sjergejewna gesagt, daß du leidenschaftlich Musik liebst und habe sie gebeten, etwas zu singen ... Casta diva ...«

»Warum erzählst du solche Sachen von mir!« antwortete Oblomow, »ich liebe Musik gar nicht leidenschaftlich ...«

»Was sagen Sie dazu?« unterbrach ihn Stolz, »er scheint beleidigt zu sein! Ich stelle ihn als einen anständigen Menschen hin, und er beeilt sich, die Leute diesbezüglich gleich zu enttäuschen!«

»Ich lehne nur die Rolle eines Amateurs ab, das ist eine zweifelhafte und auch schwierige Rolle.«

»Welche Musik gefällt Ihnen denn am meisten?« fragte Oljga.

»Diese Frage ist schwer zu beantworten: jede beliebige! Manchmal höre ich voll Vergnügen von einem verstimmten Leierkasten irgendeine Melodie, die sich in meinem Gedächtnisse festgesetzt hat, ein anderes Mal gehe ich in der Mitte irgendeiner Oper fort; oder Meyerbeer erschüttert mich, manchmal auch ein einfaches Schifferlied: je nachdem ich aufgelegt bin! Manchmal halte ich mir auch, wenn ich Mozart höre, die Ohren zu ...«

»Sie lieben also wahrhaft Musik!«

»Singen Sie doch etwas, Oljga Sjergejewna«, bat Stolz.

»Und wenn Herr Oblomow jetzt so aufgelegt ist, daß er sich die Ohren zuhalten wird?« fragte sie, sich an ihn wendend.

»Jetzt müßte ich irgendein Kompliment sagen«, antwortete Oblomow. »Ich kann das aber nicht, und wenn ich's auch könnte, würde ich es nicht wagen ...«

»Warum denn nicht?«

»Und wenn Sie schlecht singen?« fragte er naiv, »es wäre mir dann peinlich ...«

»Wie gestern mit der Bäckerei ...« entschlüpfte es ihr plötzlich, und sie errötete selbst und hätte viel darum gegeben, es nicht gesagt zu haben. »Verzeihen Sie ...!« sagte sie.

Oblomow hatte das nicht erwartet und wurde verwirrt. »Das ist boshafter Verrat!« sagte er halblaut.

»Nein, vielleicht nur eine kleine Rache, und, bei Gott, keine beabsichtigte, weil Sie für mich nicht einmal ein Kompliment finden konnten.«

»Vielleicht finde ich eins, nachdem ich Ihnen zugehört habe.«

»Wollen Sie, daß ich singe?« fragte sie.

»Nein, er will das«, antwortete Oblomow, auf Stolz hinweisend.

»Und Sie?«

Oblomow schüttelte verneinend den Kopf.

»Ich kann nicht etwas wollen, was ich nicht kenne.«

»Du bist grob, Ilja!« bemerkte Stolz. »Das kommt davon, wenn man zu Hause liegt und die Strümpfe ...«

»Ich bitte dich, Andrej«, unterbrach Oblomow rasch, um ihn nicht ausreden zu lassen, »es würde mich nichts kosten zu sagen: ›Ach, es wird mich sehr freuen, ich werde glücklich sein, Sie singen gewiß ausgezeichnet ...‹« setzte er fort, sich an Oljga wendend, »›das wird mir einen Genuß bereiten‹ und so weiter. Ist das aber notwendig?«

»Sie könnten aber trotzdem wünschen, ich möchte singen ... Wenigstens aus Neugierde!«

»Ich wage es nicht, Sie sind keine Schauspielerin ...«

»Gut, ich werde Ihnen vorsingen«, sagte sie zu Stolz.

»Ilja, bereite ein Kompliment vor.«

Unterdessen war der Abend angebrochen. Man zündete die Lampe an, die wie ein Mond durch das mit Efeu umwundene Gitterwerk schimmerte. Das Dunkel verbarg die Umrisse von Oljgas Gesicht und von ihrer Gestalt und warf gleichsam einen Florschleier über sie; ihr Gesicht war im Schatten, man hörte nur ihre weiche, aber starke Stimme, mit dem nervösen Zittern des Gefühls. Sie sang viele Arien und Lieder, nach den Angaben von Stolz; in den einen drückte sich Leiden, mit der unklaren Vorahnung von Glück, in den andern Freude, mit einem Keim von Traurigkeit, aus. Die Worte, die Töne, diese reine, starke Mädchenstimme machte das Herz schlagen, die Nerven beben, die Augen funkeln und von Tränen überströmen. Man wollte in einem und demselben Augenblick sterben, nach diesen Tönen nicht mehr erwachen, und zugleich dürstete das Herz nach Leben ... Oblomow flammte auf, ermattete, hielt mit Mühe die Tränen zurück und erstickte mit noch größerer Mühe den freudigen Schrei, der sich von seiner Seele loslösen wollte. Er hatte schon lange nicht mehr eine solche Frische und Kraft in sich gefühlt, die aus der Tiefe seiner Seele aufzusteigen schienen und zu einer Heldentat bereit waren. Er würde in diesem Augenblick sogar ins Ausland reisen, wenn er sich nur hinsetzen und abzufahren brauchte.

Zum Schlusse sang sie Casta diva. Das Entzücken, die wie Blitze im Kopfe aufleuchtenden Gedanken, das Beben, das wie Nadeln durch seinen Körper rieselte - das alles hatte Oblomow geradezu vernichtet; er war am Ende seiner Kräfte.

»Sind Sie heute mit mir zufrieden?« wandte sich Oljga plötzlich an Stolz, nachdem sie zu singen aufgehört hatte.

»Fragen Sie Oblomow, was er wohl sagen wird?« antwortete Stolz.

»Ach!« rang es sich aus seiner Brust los. Er faßte Oljga bei der Hand, ließ sie aber gleich wieder los und wurde sehr verlegen.

»Verzeihen Sie ...« murmelte er.

»Hören Sie?« sagte Stolz zu ihr. »Sag einmal aufrichtig, Ilja, wie lange ist dir das nicht mehr passiert?«

»Das hätte heute früh passieren können, wenn ein verstimmter Leierkasten vor dem Fenster gespielt hätte ...« bemerkte Oljga gütig und so sanft, daß sie den Sarkasmus des Stachels beraubte.

Er blickte sie vorwurfsvoll an.

»Er hat noch immer Doppelfenster; er hört nicht, was draußen vorgeht«, fügte Stolz hinzu.

Oblomow wandte jetzt seinen vorwurfsvollen Blick Stolz zu.

Stolz ergriff Oljgas Hand.

»Ich weiß nicht, aus welchem Grunde Sie heute so gesungen haben, wie noch nie, Oljga Sjergejewna, wenigstens habe ich Sie schon lange nicht so singen gehört. Das ist mein Kompliment!« sagte er, ihr jeden einzelnen Finger küssend.

Stolz verabschiedete sich. Oblomow wollte auch aufbrechen, aber Stolz und Oljga hielten ihn zurück.

»Ich habe noch zu tun«, bemerkte Stolz, »und du willst ja nur deswegen nach Hause fahren, um liegen zu können ... es ist noch früh ...«

»Andrej, Andrej!« sagte Oblomow mit flehender Stimme. »Nein, ich kann heute nicht dableiben, ich gehe!« fügte er hinzu und ging.

Er schlief die ganze Nacht nicht. Traurig und sinnend ging er im Zimmer auf und ab; beim Morgengrauen verließ er das Haus, ging an die Newa und durch die Straßen, und Gott weiß, was er dabei fühlte und woran er dachte ...

Nach drei Tagen war er wieder dort, und des Abends, als die übrigen Gäste sich an die Kartentische setzten, befand er sich mit Oljga zu zweit am Klavier. Die Tante hatte Kopfschmerzen, sie saß mit dem Riechfläschchen in ihrem Zimmer.

»Ich werde Ihnen die Sammlung von Zeichnungen zeigen, die Andrej Iwanowitsch mir aus Odessa mitgebracht hat«, sagte Oljga. »Hat er sie Ihnen nicht gezeigt?«

»Mir scheint, Sie bemühen sich, die Pflichten der Hausfrau zu erfüllen und mich zu unterhalten?« fragte Oblomow. »Das ist ganz überflüssig.«

»Warum ist es denn überflüssig? Ich will, daß Sie sich nicht langweilen, daß Sie sich hier wie zu Hause fühlen, daß es Ihnen leicht, frei und behaglich zumute ist, damit Sie nicht fortgehen ... um zu liegen.«

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