Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Sie ist ein boshaftes, spöttisches Geschöpf! dachte er, unwillkürlich jede ihrer Bewegungen bewundernd.
»Sie wollen, daß es mir leicht und frei zumute sei und daß ich mich nicht langweile?« wiederholte er.
»Ja«, antwortete sie, ihn wie gestern, aber mit einem noch erhöhteren Ausdruck der Neugierde und Güte anblickend.
»Dann dürfen Sie mich erstens nicht so anblicken wie jetzt und neulich ...«
Die Neugierde in ihren Augen verdoppelte sich.
»Ja, gerade bei diesem Blick wird es mir sehr unbehaglich ... Wo ist mein Hut?«
»Warum wird es Ihnen denn unbehaglich?« fragte sie sanft, und ihr Blick verlor den Ausdruck von Neugierde. Er wurde nur gütig und freundlich.
»Ich weiß nicht; aber mir scheint, daß Sie mir mit diesem Blick alles das entlocken, was ich die anderen und besonders Sie nicht wissen lassen will ...«
»Warum denn? Sie sind Andrej Iwanowitschs Freund, und er ist mein Freund, folglich ...«
»Folglich ist kein Grund vorhanden, daß Sie alles erfahren, was Andrej Iwanowitsch von mir weiß«, beendete er ihren Satz.
»Es ist kein Grund vorhanden, wohl aber eine Möglichkeit ...«
»Dank der Aufrichtigkeit meines Freundes; er hat mir damit einen schlechten Dienst erwiesen!«
»Haben Sie denn Geheimnisse?« fragte sie. »Vielleicht haben Sie etwas verbrochen«, fügte sie hinzu, indem sie lachend von ihm fortrückte.
»Vielleicht!« antwortete er seufzend.
»Ja, das ist ein großes Verbrechen«, sagte sie schüchtern und leise, »verschiedene Strümpfe anzuziehen ...«
Oblomow griff nach seinem Hut.
»Ich halte es nicht länger aus!« sagte er. »Und Sie wollen, ich soll mich behaglich fühlen? Ich werde Andrej nicht mehr lieben ... Er hat Ihnen auch das erzählt?«
»Er hat mich heute dadurch so zum Lachen gebracht!« fügte Oljga hinzu. »Er macht mich immer lachen. Verzeihen Sie, ich werde nicht mehr so sprechen, und ich werde mich bestreben, Sie anders anzublicken ...«
Sie machte eine ernsthaft-schelmische Miene.
»Das alles ist aber noch erstens«, fuhr sie fort, »nun, jetzt schaue ich Sie ja nicht mehr wie gestern an, Sie müssen sich also frei und behaglich fühlen. Jetzt kommt das ›Zweitens‹, was muß ich also noch tun, damit Sie sich nicht langweilen?«
Er blickte ihr in die graublauen, freundlichen Augen.
»Jetzt sehen Sie selbst mich so merkwürdig an«, sagte sie.
Er blickte sie tatsächlich gleichsam nicht mit den Augen, sondern wie ein Magnetiseur mit seinem ganzen Willen an; er tat es aber unwillkürlich, ohne die Kraft zu haben, nicht hinzublicken. Mein Gott, wie hübsch sie ist! Daß es so etwas auf der Welt gibt! dachte er, sie beinahe mit erschrockenen Augen betrachtend. Dieses Weiß, diese Augen, wo es dunkel wie in einem Abgrund ist und wo zugleich etwas leuchtet, gewiß die Seele! Das Lächeln kann wie ein Buch gelesen werden, dabei sieht man auch diese Zähne, und dann dieser ganze Kopf ... wie zart ruht er auf den Schultern, er scheint sich wie eine Blume zu wiegen und zu duften ... Ja, ich entlocke ihr etwas, dachte er, etwas von ihr geht in mich über. Hier am Herzen beginnt es zu wogen und zu stürmen ... Ich fühle hier etwas Neues, das, wie mir scheint, nicht da war ... Mein Gott, was für ein Glück ist es, sie anzuschauen! Man vermag kaum zu atmen! ...
Diese Gedanken flogen wie ein Wirbel dahin, und er blickte sie immer an, wie man in eine endlose Ferne, in einen bodenlosen Abgrund blickt, voll Selbstvergessen und Wonne.
»Aber so hören Sie doch auf, Herr Oblomow, wie sehen Sie selbst mich jetzt an!« sagte sie, den Kopf verlegen abwendend; doch die Neugier gewann die Oberhand, und sie riß ihren Blick von seinem Gesicht nicht los.
Er hörte nichts.
Er blickte sie wirklich ununterbrochen an und verstand ihre Worte nicht; er untersuchte schweigend, was in ihm vorging; er berührte seinen Kopf - auch dort war etwas in Aufruhr und stürmte im Wirbel dahin. Er hatte keine Zeit, die Gedanken aufzufangen; sie flatterten wie ein Vogelzug vorüber, und im Herzen, an der linken Seite, schien ihm etwas wehzutun.
»Schauen Sie mich doch nicht so seltsam an«, sagte sie, »auch ich fühle mich unbehaglich ... Mir scheint, auch Sie wollen meiner Seele etwas entlocken ...«
»Was kann ich Ihnen entlocken?« fragte er mechanisch.
»Auch ich habe angefangene und nicht beendete Pläne«, antwortete sie.
Er kam bei dieser Andeutung auf seinen unvollendeten Plan zur Besinnung.
»Seltsam!« bemerkte er. »Sie sind boshaft, Sie haben aber einen gütigen Blick. Man sagt mit Recht, daß man den Frauen nicht glauben darf; sie lügen absichtlich mit der Zunge und unabsichtlich mit dem Blick, dem Lächeln, dem Erröten, sogar mit den Ohnmachten ...«
Sie ließ diesen Eindruck sich nicht verstärken, nahm ihm leise den Hut fort und setzte sich auf den Sessel hin.
»Nein, nein, ich tu's nicht mehr!« sagte sie lebhaft. »Ach! verzeihen Sie, ich habe eine solche unausstehliche Zunge! Aber das ist bei Gott keine Spöttelei!« sagte sie fast singend, und in dem Satze zitterte ein wahrhaftes Gefühl.
Oblomow beruhigte sich.
»Dieser Andrej!« sagte er vorwurfsvoll.
»Nun, sagen Sie, was ich zweitens tun soll, damit Sie sich nicht langweilen?« fragte sie.
»Singen Sie!« sagte er.
»Das ist das von mir erwartete Kompliment!« rief sie freudig errötend aus. »Wissen Sie«, fuhr sie dann lebhaft fort, »wenn Ihnen vorgestern nach meinem Gesang nicht dieses ›Ach!‹ entschlüpft wäre, könnte ich, wie mir scheint, die ganze Nacht nicht schlafen und würde vielleicht weinen.«
»Warum?« fragte Oblomow erstaunt.
Sie sann nach.
»Ich weiß selbst nicht«, sagte sie dann.
»Sie sind ehrgeizig; wohl deshalb.«
»Ja, natürlich deshalb«, sagte sie, nachdenklich die Tasten mit einer Hand berührend. »Der Ehrgeiz ist ja überall und in großem Maße zu finden. Andrej Iwanowitsch sagt, daß er fast die einzige treibende Kraft ist, die den Willen beherrscht. Sie haben wohl keinen Ehrgeiz, darum ...«
Sie sprach nicht zu Ende.
»Was denn?« fragte er.
»Nein, nichts!« suchte sie zu vertuschen. »Ich liebe Andrej Iwanowitsch«, sprach sie weiter, »nicht weil er mich lachen macht - manchmal weine ich, wenn er mit mir spricht - und nicht weil er mich liebt, sondern ich glaube, weil ... er mich mehr als die anderen liebt. Sehen Sie, wieweit der Ehrgeiz reicht!«
»Sie lieben Andrej?« fragte Oblomow sie und versenkte seinen gespannten, prüfenden Blick in ihre Augen.
»Ja, gewiß, wenn er mich mehr als die anderen liebt, tu ich's um so mehr!« antwortete sie ernst.
Oblomow blickte sie schweigend an und begegnete ihrem einfachen, schweigenden Blick.
»Er liebt auch Anna Wassiljewna und Sinaida Michailowna, aber nicht so«, fuhr sie fort, »er wird mit ihnen nicht zwei Stunden lang sitzen, wird sich nicht die Mühe geben, sie zum Lachen zu bringen und ihnen etwas Intimes zu erzählen; er spricht mit ihnen von Geschäften, vom Theater, von den Neuigkeiten, und mit mir spricht er wie mit einer Schwester ... nein, wie mit einer Tochter«, fügte sie eilig hinzu; »manchmal schilt er sogar, wenn ich etwas nicht sofort verstehe oder nicht gehorche oder mit ihm nicht einverstanden bin. Die anderen schilt er aber nicht, und mir scheint, ich liebe ihn dafür noch mehr. Der Ehrgeiz!« sagte sie dann sinnend, »ich weiß gar nicht, wie er jetzt in meinen Gesang hineingeraten ist? Man sagt mir darüber schon lange viel Schönes, und Sie wollten mir gar nicht zuhören, man hat Sie fast dazu gezwungen. Und wenn Sie dann fortgegangen wären, ohne mir ein Wort zu sagen, wenn ich in Ihrem Gesichte nichts gelesen hätte ... würde ich, scheint mir, krank geworden sein ... ja, gewiß, das ist Ehrgeiz!« schloß sie mit Bestimmtheit.