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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»--uns dem Schejtan2 ausliefern, was? Kann das nicht eine Falle sein? Weißt du, ob es nicht irgend so ein verfluchter Spanier darauf abgesehen hat, uns mit seinen Kanonenrohren zu begrüßen?«

»Maschallah, das wäre ein Mißbrauch des Seerechts, o Herr! Der Rejs[2] jenes Schiffes müßte jahrhundertelang in der Dschehenna2 braten. Der Prophet sagt, daß Allah kein Mitleid hat mit großen Betrügern. Nur die kleinen sieht er liebevoll an. Nein, Herr, ich glaube nicht, daß die da drüben ohne Not die kostbaren Raketen verschießen würden.«

Abu Hanufa al Dinaweri, der Janitscharenkapitän, konnte seiner bestehenden Zweifel nicht so schnell Herr werden.

»Sie sind Giaur3, und ein Giaur verstößt stündlich gegen die Gebote Allahs. Weshalb sollte er sich gerade auf See nach ihnen richten?«

»Verzeih, o Herr, wenn ich deine Bedenken zu zerstreuen versuche; denn ich bin selbst schon auf Giaur-Schiffen gefahren. Diese Christenhunde haben strenge Gesetze von ihren Königen aufgezwungen bekommen. Wenn sie diese übertreten, so werden sie ihre Berechtigungsscheine los, die sie »Patente« nennen.«

»Rufe mir Abdallah und Ibn Kuteiba, den Steuermann, dem Allah seine Paschamanieren nehmen möge, damit wir gemeinsam beraten. Unsere Freunde würden untröstlich sein, wenn wir nicht wohlbehalten nach Al-Dschesair4 zurückkehrten und reiche Beute für sie brächten.« Abul Mahasin legte seine Hände trichterförmig um den Mund und brüllte aus Leibeskräften die Namen des Steuermannes und des Offiziers in die Nacht. Der Kapitän fuhr sich erschrocken mit dem Finger ins Ohr.

»Verflucht sei dein Organ, du Brüllaffe. Du hast eine Stimme, die Tote aufwecken könnte. Glaubst du, mein Trommelfell ist aus Eisen?«

»Verzeih, o Herr, ich ahnte nicht, daß Allah meiner Stimme eine solche Zerstörungskraft gegeben hat.«

»Allah? Willst du Allah lästern, Elender? Deine Stimme hat dir der Schejtan gegeben! Ich werde dir die Zunge herausschneiden lassen, wenn du mir noch einmal so in die Ohren schreist!« Der erste, der dem Ruf folgte, war Abdallah, ein mittelgroßer, schlanker Araber, dessen schwarze Augen vor List und Tücke funkelten. Er verbeugte sich mit gekreuzten Armen. Der Kapitän betrachtete ihn aus den Augenwinkeln heraus. Vor diesem undurchschaubaren Manne hatte er gewaltigen Respekt. Man wußte nie, woran man mit ihm war. Seine Freundlichkeiten schienen geheuchelt, seine Wutausbrüche unecht. Abdallah lief nicht wie andere Menschen, er schlich.

»Wo bleibt der dreimal verfluchte Steuermann?« brüllte der Kapitän. »Sitzt der Kerl wieder über seinen gelehrten Büchern, um fränkische Teufelsanbetung aus ihnen zu lernen?« »Nein, o Herr, ich bin schon hier«, erscholl da des Vermißten Stimme im Rücken des Kapitäns. Der fuhr erschrocken herum.

»Kannst du nicht von vorne kommen, du tintenklecksiger Hampelmann? Man sollte dich an einem Strick ins Meer lassen, damit du dir die schriftgelehrte Seele aus dem Leibe schwimmst, Esel. — Seht dort hinüber. Glaubt ihr, daß das Schiff in Seenot ist oder uns nur zum Narren halten will?«

Die Blicke der drei folgten dem ausgestreckten Arm des Kapitäns. Gerade in diesem Augenblick stieg wieder eine Rakete empor.

»Wie finden wir heraus, ob man uns eine Falle stellen will oder nicht, ihr weisen Offiziere?« Abdallah kniff die Augen zusammen. Dann lächelte er halb unterwürfig, halb spöttisch. »Ich schließe mich dem Urteil der beiden anderen an.«

Der Kapitän war verblüfft.

»Sie haben ja noch gar nicht geurteilt.«

Abdallah nickte, neigte den Kopf leicht nach vorn, winkelte die Hände an wie ein türkischer Straßenhändler, wenn er ein Geschäft wittert, und meinte:

»Wie könnte ich Unwürdiger mir ein Urteil erlauben, bevor die Herren, deren Alter gesegnet sein möge und deren Familien Allah dauerndes Glück schenke, ihrer Meinung Ausdruck verliehen haben!«

Abul Mahasin machte ein dummes Gesicht. Er konnte das gewundene Geschwätz Abdallahs nicht leiden, weil er keinen Sinn hineinzubringen vermochte. Abul Mahasin war ein recht schwerfälliger Araber, dem diplomatische Winkelzüge völlig abgingen, weil er nicht in der Lage war, ein fein gesponnenes Gewebe voller Spitzfindigkeiten zu durchschauen. Anders stand es mit Ibn Kuteiba. Er lächelte.

»Ich glaube, es wäre am besten, o Herr, wir warten den Morgen ab. Laß alle Segel bereitmachen, damit wir sie in wenigen Minuten setzen können. Ist es so, wie dein scharfer Verstand zu denken beliebt, dann gehen wir mit vollen Segeln vor den Wind. Sind die Menschen dort drüben aber tatsächlich in Seenot, nun, so können wir handeln, wie es unsere Aufgabe ist. Unsere Kanoniere können schießen. Wahrscheinlich werden sie auch treffen, wenn Gefahr naht.«

Der Kapitän sah seinen Steuermann lange an. Er konnte ihn zwar nicht sonderlich leiden, weil er zu gebildet war, ließ sich aber gern von seinem ideenreichen Kopf beraten. Deshalb fragte er jetzt die beiden ändern:

»Glaubt ihr, daß Ibn Kuteiba recht hat?«

»Allah hat ihm einen Verstand gegeben, der scharf ist wie ein Messer«, pries Abul Mahasin den Ratschlag des Steuermanns; »ich bin gegen ihn wie eine langsame Schildkröte. Und deshalb schließe ich mich seiner Meinung an.«

»Eine ziemlich fette Schildkröte«, spottete der Kapitän. »Aber du magst recht haben, Ibn Kuteiba. Dein Gedanke ist so gut, daß er von mir sein könnte. Wir wollen danach handeln.« Abdallah neigte leicht den Kopf, lächelte und schwieg.

»Laß alles vorbereiten, Abul Mahasin. Hole die Männer aus dem Schiff. Sie mögen die Segel bereitmachen. Allah wird uns bald die Sonne heraufschicken.«

Mahasin verneigte sich, wandte sich ab und schritt gravitätisch zur Kommandobrücke. Dort nahm er ein Sprachrohr an den Mund, und dann tönte seine Stimme wie Donner über das Deck. »Aufstehen, ihr Hunde! Wälzt euch aus den Betten, ihr fetten Schakale! Kommt an Deck, Halunken! Beeilt euch, ihr Lieben! Macht die Segel klar, meine Treuen! Was, ihr wollt nicht, ihr Wildschweine, ihr unreinen Säue? Der Schejtan soll euch holen! Ich lasse euch morgen Schweinefleisch kochen, wenn es nicht schneller geht! Denkt an eure ruhmreichen Vorfahren, meine lieben Söhne! Macht die Taue los, ihr Braven, ihr Fleißigen! Allah segne euch! Wollt ihr euch wohl beeilen, ihr Hundesöhne, deren Mütter in der Dschehenna braten mögen!« In dieser Tonart ging es noch eine ganze Weile fort. Aber die Araber sind nun einmal zum Arbeiten denkbar ungeeignet. Der Eifer, mit dem sie an Land auf den Märkten um einen Becher Oliven- oder Tomatenmark feilschen, war hier keineswegs wiederzuerkennen. Ihr Offizier mochte noch so schimpfen und schmeicheln, sie ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Es war ihnen gleichgültig, ob sie Engel oder Teufel genannt wurden. Nur nicht überarbeiten! Das Tauende war immer noch eher zu ertragen als die einfachste Beschäftigung, die womöglich in Arbeit ausarten konnte.

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