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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Michel fragte die Leute. Es meldete sich einer, der früher einmal in einer Tischlerwerkstatt in Kassel gearbeitet hatte. Als er aber vernahm, was man von ihm erwartete, kratzte er sich hinter den Ohren und meinte verlegen:

»Ja, ihr Herren, ob ich das zustande bringe, weiß ich nicht. Ich kann einen Tisch machen, und zur Not bringe ich auch einen Schrank fertig, aber ein Ruderblatt...?«

»Das nützt nichts, Mann, Ihr müßt rangehen«, drang Michel in ihn. »Wenn wir das Schiff nicht wenigstens bei ruhiger See steuern können, dann sind wir rettungslos verloren. — Senor Jardin«, wandte er sich an den Kleinen, »wollt Ihr nicht einmal nach dem Ruder sehen?«

Jardin warf statt einer Antwort die Kleider ab, band sich das Ende eines Stricks um den Leib und sprang vom Heck ins Wasser. Tauchend stellte er fest, was es mit dem Ruderschaden auf sich hatte.

Ja, sein Kanonier hatte gut getroffen. Außer der Stange war keine Spur von Holz mehr zu sehen. Das Ruderblatt war wie weggefegt.

Er ließ sich wieder an Deck ziehen und berichtete in seiner lebhaften Art, was er gesehen hatte. »Maldito«, fluchte der Kapitän, »so ist nicht einmal ein kleines Ansatzstück an der runden Stange geblieben, sagt Ihr?« »Nicht ein Fetzen Holz«, bestätigte Jardin.

Der Kapitän wandte sich an den Schreiner und ließ ihm durch Michel sagen, wie man ein Steuer anfertige. Der Alte beschrieb das so genau, daß es ein Kapitän auf der Marineschule des Königs von England nicht besser gekonnt hätte.

Das nützte nun allerdings unserem ehemaligen Zimmermann recht wenig; denn ihm fehlten die einfachsten Materialien. Dennoch ging er guten Muts an die Arbeit. Es ist ja bekannt, daß die Deutschen aus einem alten Lattenzaun — wenn es sein muß — eine Holzvilla herstellen können. Der Zimmermann wußte sich tatsächlich zu helfen. Er stieg in den Schiffsrumpf hinab und besichtigte die Kajüten der Offiziere. Dann riß er kurz entschlossen die Eichentäfelung von einer der Zwischenwände und ließ sie von ein paar Kameraden nach oben bringen. Mit den primitivsten Werkzeugen ging er an die Arbeit. Eine Spitzhacke und ein Stumpfbeil waren alles, was er hatte auftreiben können. Als die ändern sahen, daß aus der Eichenholztäfelung tatsächlich ein Ruder zu werden schien, griffen einige von ihnen zu. Und siehe da, jeder, der mitmachte, entpuppte sich allmählich als ein ebenso guter Zimmermann wie der, dem man zuerst den Auftrag gegeben hatte.

Der Kapitän war nicht wenig verwundert. Zweifelnd wandte er sich an Michel.

»Sagt, Senor Baum, warum haben sich die Zimmerleute vorhin nicht gemeldet, als wir nach ihnen fragten? Erst war keiner da, jetzt sind es plötzlich fünf! Das verstehe ich nicht. Wo es doch um unser aller Rettung geht!«

Michel lachte.

»Ich verstehe Eure Empörung, Capitan. Doch ich kann sie nicht teilen. Denn ich bin fest davon überzeugt, daß nicht einer von diesen geschickten Burschen das Tischlerhandwerk gelernt hat. Sie haben einfach zugesehen, und nun machen sie es ihrem Vorarbeiter nach. Glaubt mir, wäre ein gelernter Zimmermann unter uns gewesen, so hätte er sich sofort gemeldet. Dazu kenne ich meine Landsleute zu gut.«

»Wollt Ihr mich beschwindeln, Senor Baum?«

»Nein, nein, bestimmt nicht. Was ich sagte, war im Ernst gemeint.«

Der alte Porquez nahm seine Mütze ab, kratzte sich den grauen Schädel und schüttelte den Kopf. »Bei Gott, kann man den Leuten vielleicht gar das Segeln beibringen?« »Ganz gewiß — warum auch nicht? Wenn wir ein bißchen Glück und vor allem Zeit haben, könnt Ihr sicherlich aus diesen Landratten eine zuverlässige Schiffsbesatzung machen.« Michel sollte recht behalten. Der alte Porquez geriet aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nie im Leben hatte er so anstellige Burschen gesehen. Am Abend bereits, noch vor Sonnenuntergang, hing das Ruderblatt an der Ruderstange. Es war stabil und gehorchte dem leisesten Druck des zum Glück unbeschädigt gebliebenen Steuerrades.

Was an Segeln verfügbar war, hatte man an den Masten festgemacht, so daß der Südwestwind Widerstand fand und das Schiff durch das schäumende Wasser trieb.

Der Kapitän hatte nicht genug Zeit, sich um das Leben und Treiben an Bord zu kümmern. Seine Hauptsorge mußte der Berechnung des Kurses gelten. Seit die Soldaten Ruder und Segel notdürftig hergerichtet hatten, war die »Quebec« noch keine 30 Meilen gelaufen.

»Wie steht's, Capitan«, wollte Michel wissen, der von der Mannschaft stillschweigend als Führer anerkannt wurde und vom Schiff nicht wegzudenken war, da er als einziger die Verständigung zwischen den Spaniern und den Deutschen aufrecht erhalten konnte.

Der Kapitän brummelte etwas in seinen weißen Bart.

»Schlecht, Senor Baum; die verdammte Südwestbrise treibt uns fortgesetzt nach Nordost. Es ist das erstemal in meinem Leben, daß ich in diesen Breiten eine derartige Luftströmung erlebe.

Dabei befinden wir uns mitten in den Roßbreiten. Wenn der verflixte Wind nicht umschlägt, kommen wir immer weiter in den offenen Atlantik hinaus.« »Können wir nicht versuchen, an Land zu kreuzen?«

»Zum Teufel, mit diesen Segeln? Wie stellt Ihr Euch das vor? Wir müssen froh sein, daß der Wind überhaupt faßt. Sonst blieben wir ewig auf der Stelle liegen.«

Michel schwieg eine Weile. Ernste Falten bildeten sich auf seiner Stirn.

»Das heißt also, daß wir wieder dorthin segeln, woher wir gekommen sind?«

»Nicht ganz. Wenn der Wind lange genug von Südwest bläst, werden wir irgendwo an der marokkanischen Küste landen. Vielleicht gelingt es uns, Casablanca anzulaufen — vielleicht sogar Tanger.«

»Und wovon leben wir in diesen Wochen? Die Lebensmittelvorräte reichen höchstens noch für vierzehn Tage. Vom Trinkwasser will ich gar nicht erst reden. Was meint Ihr, wie lange wir brauchen, wenn wir nach Afrika segeln müssen?«

»Fragt mich nicht, Senor, es ist eine unnütze Frage; denn das kann bei einer solchen Takelage, wie wir sie haben, nur der liebe Gott voraussagen.« »Nicht gerade ein Trost.«

Senor Porquez zuckte die Achseln. Die Frage blieb offen.

Der Wind blies ständig und stetig aus der gleichen Richtung. Es bestand auch nicht die leiseste Hoffnung, daß er sich drehen könnte. Zudem war man nun bereits zwölf Tage unterwegs und befand sich auf 30 Grad westlicher Länge, etwa auf dem Wendekreis des Krebses, war also kaum nach Norden, sondern immer nach Osten gesegelt.

»Wenn das so weitergeht, landen wir nicht in Casablanca, sondern an der Goldküste«, schimpfte Jardin vor sich hin.

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