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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Langsam kamen die beiden Trunkenen zu sich.

Noch einmal — Schwapp!

Eberstein fuhr plötzlich wie von einer Tarantel gestochen in die Höhe. Er richtete seine stieren Augen auf Michel. Wie durch einen dunklen Schleier schien er ihn wiederzuerkennen. »Ist er wahnsinnig, Musketier Baum? Ich werde ihn zur Meldung bringen. Diesmal wird er einer strengen Bestrafung nicht entgehen.«

Michel zog die Augen zu einem Schlitz zusammen. War denn der Kerl verrückt?

Er erinnerte sich plötzlich eines alten lateinischen Spruches: ,In vino veritas — Im Wein liegt Wahrheit. So also stand es um die geheimsten Gedanken des leichtsinnigen Grafen!

Michel besann sich nicht lange. Wiederum schwenkte er den Eimer und goß Eberstein den Rest Wasser mitten ins Gesicht.

Da kam dieser vollkommen zu sich.

»Vielleicht nehmt Ihr jetzt Eure fünf Sinne zusammen, Eberstein!« schrie ihn Michel an. »Mittlerweile solltet Ihr eigentlich schon gemerkt haben, daß sich Euer Musketier Baum, den Ihr ja geradezu innig zu lieben scheint, ein wenig gewandelt hat.«

Eberstein blinzelte mit den Augen. Es dauerte eine Weile, bis er den Sinn dieser Worte richtig erfaßte.

Dann lief er rot an und versuchte, sich eine würdige Haltung zu geben.

»Ich verbiete Euch, in einem solchen Ton mit mir zu sprechen, verstanden?« brüllte er nun seinerseits den Silbador an. Der trat dicht an ihn heran.

»Graf«, sagte er eisig, »ich will Euern Dank nicht für die Rettung; aber ich bitte mir Respekt aus, menschlichen Respekt, meine ich, nicht etwa soldatischen. Ihr habt...« Eberstein fiel ihm ins Wort.

»Dank?« rief er mit höhnischem Lachen, »Ihr wollt meinen Dank nicht? Nun, ich habe gar nicht die Absicht gehabt, Euch dankbar zu sein, Ihr unverschämter Deserteur!« Michels Gesicht verzog sich spöttisch. »Ich glaube, wir unterhalten uns später, wenn Ihr völlig nüchtern seid. Ihr habt Euch so maßlos betrunken, daß mich schon Euer Atem anekelt. Geht mir aus dem Wege.«

Eberstein stand so, daß Michel nicht an das Bett konnte, auf dessen Rand Jardin mit schmerzendem Kopf saß. Aber der Graf rührte sich nicht. »Ich denke nicht daran!« schrie er in unbeherrschter Wut.

»Na, dann nicht«, sagte Michel und gab ihm einen Stoß vor die Brust, daß er ein Stück zur Seite taumelte.

Ohne sich weiter um ihn zu kümmern, setzte sich Michel neben den kleinen Jardin auf den Bettrand.

Eberstein blickte sich wild in der Kajüte um. Wahrscheinlich suchte er eine Waffe. Zum Glück fand er keine.

Auf einmal wurde ihm schlecht, und er erbrach sich mitten in der Kabine ohne Rücksicht auf die Anwesenden.

»Hola, pequeno«, sagte Michel zu Alfonso Jardin, »kann man sich wenigstens mit Euch vernünftig unterhalten?«

»Oh--oh--«, stöhnte der, »mein Kopf wird auseinanderplatzen. Oh — oh — nun bin ich dieser scheußlichen Marina auf der »Trueno« entronnen, und jetzt werde ich an Kopfschmerzen sterben. Dios mio, Senor Baum, versenkt meinen Leichnam ins Meer.«

Michel lächelte. Der Kleine tat ihm leid. Wie ein Vater legte er beruhigend seinen Arm um die Schulter des Betrunkenen und tröstete ihn leise.

»So schnell stirbt sich's nicht, pequeno. Und im übrigen dürft Ihr sowieso nicht sterben; denn wir brauchen Euch dringend an Deck. Das Schiff muß klargemacht werden. Hört Ihr pequeno, das Schiff.«

Das wirkte. Jardin schüttelte gewaltsam alle trüben Gedanken von sich. Er kniff die Augen ein paarmal zusammen, daß ihm die Kopfhaut weh tat. Dann richtete er sich mühselig auf. »Wie steht es draußen?« fragte er mit ganz vernünftiger Stimme.

»Schlecht, mein Freund, wir können unseren Kurs nicht mehr mit dem Ruder festlegen. Ihr habt es gestern zerschießen lassen. Außerdem sind alle Segel zerfetzt. Wir treiben ohne Ziel durch die Wellen und wissen nicht einmal, wie weit sich inzwischen unser Standort verändert hat. Ihr habt es ja vorgezogen, Euch voll Wein zu gießen, anstatt an Eure Rettung zu denken.« Jardin blickte schuldbewußt zur Erde.

»Ihr habt recht, Senor Baum, ich weiß, ich bin ein verdammter Lump, ein ganz verfluchter Faulpelz. Demonio, und Ihr, dem wir unsere Rettung verdanken, habt nicht einen einzigen Schluck Wein bekommen. Que diablo, welche Schande!«

»Ich bin nicht böse drum, pequeno, sonst wäre es mir wahrscheinlich genauso ergangen wie Euch. Inzwischen wären wir dann auf Grund gelaufen und hätten uns um unsere Zukunft keine Sorgen mehr zu machen brauchen. Sagt, Jardin, wer hat eigentlich den Wein gefunden?« Der Kleine deutete auf sich selbst.

»Ich, Senor, ausgerechnet ich mußte ihn finden. Das heißt, Ojo und Deste waren auch dabei. Aber ich habe es zugelassen, daß man zu trinken anfing.« »Ach, und wer hat angefangen?«

Jardin blickte wütend zu Eberstein hinüber, der totenbleich auf einem Stuhl saß. »Euer deutscher Freund«, sagte er und deutete grimmig auf den Grafen. »Ich habe es ihm anfangs verboten; aber er versteht ja unsere Sprache nicht. Da war nichts zu machen.« »Bueno«, sagte Michel in Gedanken, »da war wirklich nichts zu machen.« Jetzt rappelte sich auch der Kapitän hoch, der noch immer am Fußende des Bettes gelegen hatte. »Valgame Dios, was habe ich für einen Brummschädel«, schimpfte er und erhob sich schwankend. Dann fiel sein Blick auf Michel und den Kleinen. »Vermaledeit, was sitzt Ihr hier herum, Senor Jardin? Habe ich Euch zum Ersten Offizier gemacht, damit Ihr mir beim Schlafen zuseht — — Mutter Gottes«, schlug er sich plötzlich mit der Hand vor den Kopf, »ich hatte ganz vergessen, daß--daß--Verdammt, bin ein schöner Capitan!--Kommt, Senores, wollen sehen,ob wir da oben auf dem abgetakelten Deck nicht wichtiger sind als hier unten. Nehmt Euch zusammen — — laßt niemanden merken, daß wir uns — — hm — — daneben benommen haben.«

Michel stieß innerlich einen Jauchzer aus. Die Aufrichtigkeit des Alten freute ihn. Mochte er ein Piratenkapitän sein, ein Herz hatte er, und er zeigte, daß er auch Herr der Situation sein konnte. Jardin raffte sich auf und eilte mit Michel hinter dem Kapitän her.

Oben sah es jetzt schon anders aus als vor einer halben Stunde. Man hatte alle Segeltuchstücke, die sich noch verwenden ließen, zu einem stattlichen Haufen zusammengetragen.

Der Kapitän griff nach der zuoberst liegenden Leinwand und zog sie auseinander. Dann richtete er seine Blicke auf die Maststümpfe, deren höchster vier Meter maß.

»Habt Ihr Euch schon umgehört, Senor Baum, ob sich unter Euern Landsleuten zufällig ein Zimmermann befindet? Unsere erste Aufgabe muß es sein, das Ruder notdürftig instandzusetzen.

Nur mit den Segeln den Kurs zu halten, ist unmöglich.«

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