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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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»Manche erholen sich aber, nicht wahr?«

»Ich nehme an, wenn sie sich erholen, tun sie das … früher. Die meisten, die auf diese Weise niedergestreckt werden, leben danach nicht mehr lange, es sei denn, ihnen wird eine außergewöhnlich gute Pflege zuteil. Es ist ein hässlicher und langsamer Tod. Besser schnell sterben, von einem Augenblick auf den anderen.«

»Wenn Goram für Lord Illvin nur halb so gut sorgt wie für seine Pferde, erklärt es das vielleicht.«

Ista bemerkte, dass der kleinwüchsige Mann aus dem Gemach an der Ecke gekommen war und sich hinter das Geländer gehockt hatte, von wo er die Frauen beobachtete. Nach einiger Zeit erhob er sich wieder, stieg die Treppe hinab und überquerte den Hof. Als er näher kam, verkürzten sich seine Schritte; er zog den Kopf ein wie eine Schildkröte, und seine eine Hand fasste die andere.

Ein Stück entfernt blieb er stehen, beugte die Knie und senkte den Kopf — erst in Istas Richtung, dann zu Liss, dann wieder zu Ista, als müsse er sich noch einmal vergewissern. Seine Augen besaßen die Farbe von mattem Stahl. Er starrte unter seinen buschigen Brauen hervor, ohne zu blinzeln.

»Ja«, sagte er schließlich und starrte zu Boden. »Sie ist die, wovon er immer geredet hat. Ja.« Er schürzte die Lippen, und sein Blick richtete sich plötzlich auf Liss. »Hast du sie gefragt?«

Liss lächelte schief. »Grüß dich, Goram. Ich war gerade dabei.«

Er schlang die Arme um den Oberkörper und wippte vor und zurück. »Dann frag sie.«

Liss neigte den Kopf. »Warum fragst du sie nicht selbst? Sie beißt nicht.«

»‘b ‘n ‘t«, nuschelte er und starrte wieder auf seine gestiefelten Füße. »Du.«

Liss zuckte in amüsierter Verwirrung mit den Schultern und wandte sich Ista zu. »Majestät, Goram wünscht, dass Ihr hinaufkommt und Euch seinen Herrn anseht.«

Ista lehnte sich zurück und schwieg für einen langen Atemzug. »Warum?«, fragte sie dann.

Goram blickte zu ihr auf, dann wieder hinunter auf seine Füße. »Ihr seid die, von der er immer geredet hat.«

Nach einem weiteren langen Moment sagte Ista: »Gewiss würde kein Mann sich wünschen, dass er von Fremden auf seinem Krankenlager begafft wird.«

»Das ist schon in Ordnung«, behauptete Goram. Er blinzelte; dann starrte er sie wieder unverwandt an.

Liss hatte Lachfältchen um die Augen. Hinter vorgehaltener Hand flüsterte sie Ista ins Ohr: »In den Ställen war er redseliger. Ich glaube, Ihr macht ihm Angst.«

Ista dachte, dass sie glattzüngiger Überredungskunst wohl widerstehen könnte. Doch in diesem seltsamen Knäuel fand sie kein Ende, um sich daraus zu befreien. Eindringliche Blicke, eine unbeholfene Zunge, ein stiller Druck der Erwartung … sie konnte einen Gott verfluchen, aber nicht den Knecht.

Sie blickte im Hof umher. Es war weder Mitternacht noch Mittag; es gab nichts, das mit ihren Träumen übereinstimmte. In ihren Träumen waren weder Goram noch Liss zugegen gewesen, und es war die falsche Tageszeit … vielleicht war es sicher. Und mildtätig. Sie atmete tief durch.

»Nun gut, Liss. Wollen wir unsere Pilgerfahrt wieder aufleben lassen und uns eine weitere Ruine ansehen?«

Liss half ihr auf; Neugier spiegelte sich auf ihrem Gesicht. Bei ihr untergehakt, erklomm Ista langsam die Treppe. Goram sah besorgt zu. Seine Lippen bewegten sich, als würde er in Gedanken jeden ihrer Schritte antreiben.

Die Frauen folgten dem Knecht bis zum Ende der Galerie. Er öffnete die Tür, trat zurück und verbeugte sich wieder. Ista zögerte, dann folgte sie Liss ins Innere.

12

Das Gemach war heller, als sie es aus ihrer Vision in Erinnerung hatte. Die Fensterläden an der gegenüberliegenden Wand standen offen und gaben den Blick auf den blauen Himmel dahinter frei, was den Raum luftig und freundlich wirken ließ. Es roch nicht wie in einem Krankenzimmer. Es gab keine Bündel intensiv duftender Kräuter, die von den Dachsparren hingen und es doch nicht schafften, den unterschwelligen Geruch nach Fäkalien, Erbrochenem, Schweiß und Verzweiflung zu übertünchen. Hier waren bloß kühle Luft, der Geruch nach Bohnerwachs und ein schwaches, nicht unangenehmes männliches Aroma. Alles andere als unangenehm.

Ista zwang sich, zum Bett zu blicken, und stand wie angewurzelt.

Das Bett war gemacht. Er lag auf der Tagesdecke — nicht wie ein Mann auf seinem Krankenlager, sondern wie einer, der sich für einen Augenblick hingelegt hatte, um an einem anstrengenden Tag kurz zu ruhen. Oder wie ein Leichnam, der in seiner besten Kleidung für die Beerdigung aufgebahrt lag. Er war groß und schlank, wie in ihren Träumen, war aber gänzlich anders gekleidet: kein Patient oder Schläfer, sondern ein Höfling. Er trug eine braune Tunika, bestickt mit rankenden Blättern; passende Hosen steckten in polierten Stiefeln. Ein kastanienbrauner Mantel lag ausgebreitet unter und neben ihm, und auf dessen sorgsam angeordneten Falten lag ein Schwert in einer Scheide. Der mit Einlegearbeiten verzierte Griff befand sich unter den kraftlosen Fingern des Kranken. An einem der Finger funkelte ein Siegelring.

Sein Haar war aus der hohen Stirn zurückgekämmt und zu Schnüren geflochten, die von den Schläfen aus über den Kopf liefen. Der dunkle, mattierte Schopf endete in einem Zopf, der über die rechte Schulter gelegt war und auf der Brust ruhte. Das Ende des Zopfes war hinter der kastanienbraunen Schnur glatt ausgebürstet. Der Kranke war frisch rasiert. Der Duft von Lavendelwasser stieg Ista in die Nase.

Sie bemerkte, dass Goram sie mit schmerzhafter Eindringlichkeit musterte. Seine Finger spannten sich, während seine Hände einander fest umschlossen hielten.

Diese stille Anmut musste sein Werk sein. Was war die Gestalt auf dem Bett für ein Mann gewesen, dass ihm eine solche Hingabe von einem Lakaien zuteil wurde — jetzt, wo er so offensichtlich jede Macht verloren hatte, zu bestrafen oder zu belohnen?

»Bei den fünf Göttern«, stieß Liss hervor. »Er ist tot

Goram schnüffelte. »Nein, ist er nicht. Er fault nicht.«

»Aber er atmet nicht!«

»Doch. Mit dem Spiegel kannst du’s sehen. Schau.« Er schlich sich um das Bett und hob einen kleinen Handspiegel von einer daneben stehenden Truhe auf. Dann warf er dem Mädchen unter seinen buschigen Augenbrauen einen ärgerlichen Blick zu, und hielt den Spiegel unter Lord Illvins Nasenlöcher. »Siehst du?«

Liss beugte sich näher über die reglose Gestalt und warf einen misstrauischen Blick hinunter. »Das ist dein Daumenabdruck.«

»Ist es nicht!«

»Nun … meinetwegen …« Liss richtete sich auf und wich mit einer abgehackten Bewegung zurück, als wollte sie Ista auffordern, an ihre Stelle neben das Bett zu treten und sich selbst ein Urteil zu bilden.

Unter Gorams sehnsüchtigen Blick kam Ista näher und dachte darüber nach, was sie dem grauhaarigen Burschen sagen könnte. »Du sorgst gut für ihn. Es ist tragisch, dass Ser dy Arbanos auf diese Weise niedergestreckt wurde.«

»Ja«, sagte er, schluckte und fügte hinzu: »Also … dann macht, Herrin.«

»Was?«

»Küsst ihn.«

Für einen Augenblick biss sie die Zähne so fest zusammen, dass sie ein Stechen im Kiefer spürte. Doch auf Gorams zerfurchtem, angespanntem Gesicht war kein versteckter Schalk zu erkennen, kein Hinweis auf irgendeinen Streich.

»Ich kann dir nicht ganz folgen.«

Goram biss sich auf die Lippe. »Eine Prinzessin hat ihn hergebracht, deshalb könnt Ihr ihn vielleicht wieder wecken, denn Ihr seid ja Königin …« Nach kurzem Zögern fügte er hinzu: »Königinwitwe.«

Es war ihm todernst, erkannte Ista mit Bestürzung. So sanft sie konnte sagte sie: »Goram, das sind Kindermärchen. Aber wir sind keine Kinder mehr, den Göttern sei’s geklagt.«

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