Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Nimmt Lord Arhys heute nichts zu sich?«, fragte Ista, als sie ihren Platz zur Rechten der Gräfin einnahm. Oder sonst irgendwann? »Ich nehme an, sein Wechselfieber bereitet Euch Sorgen.«
»Nicht annähernd so große Sorgen wie seine militärischen Verpflichtungen«, erwiderte Lady Cattilara mit einem Seufzer. »Er ist mit einigen seiner Männer zu einer Patrouille entlang der Nordgrenze aufgebrochen. Bis zu seiner Rückkehr muss ich mit der Angst leben. Wann immer er ausreitet, leide ich Todesqualen vor Sorge um ihn, obwohl ich mir nichts anmerken lasse. Doch sollte ihm jemals etwas passieren … Ich glaube, ich würde verrückt.« Sie nahm einen Schluck Wein und hielt den Becher grüßend zu Ista hoch. »Ihr werdet das verstehen, da bin ich sicher. Ich wünschte, ich könnte ihn ständig an meiner Seite halten.«
»Sind seine großartigen Fertigkeiten im Kampf nicht Teil seiner Anziehungskraft?« Die zugegeben erschreckend war. »Fesselt ihn, und Ihr löscht vielleicht gerade das aus, was Ihr an ihm bewundert — in dem Versuch, es zu bewahren.«
»O nein«, stellte Lady Cattilara fest. Sie stritt den Einwand zwar ab, antwortete aber nicht darauf, wie Ista bemerkte. »Ich halte ihn dazu an, mir jeden Tag zu schreiben, wenn er unterwegs ist. Wenn er es einmal vergäße, wäre ich ziemlich wütend auf ihn.« Ihre Mundwinkel hoben sich, und ein Lachen lag in ihren Augen. »Zumindest für eine ganze Stunde! Aber er vergisst es nicht. Wie auch immer, vor Einbruch der Dunkelheit sollte er zurück sein. Ich werde vom Nordturm aus nach ihm Ausschau halten. Und wenn ich dann sein Pferd sehe, wird mein Herz nicht mehr schwer sein, sondern tausend Mal in der Minute schlagen!« Ihr Gesicht wurde weich vor Vorfreude.
Ista nahm einen großen Bissen Brot.
Das Essen war köstlich. Wenigstens versuchten Lady Cattilara oder ihr Koch nicht, die übertriebene Üppigkeit höfischer Bankette in Cardegoss nachzuahmen — oder schlimmer noch, was sie sich unter diesen Üppigkeiten vorstellten. Stattdessen wurde einfache, frische Kost aufgetragen. Allerdings schien es heute Abend mehr Süßigkeiten zu geben — was Ista jedoch nicht tadeln konnte und Liss sichtlich genoss. Sie nahm eine beneidenswerte Portion zu sich. Doch in dieser Gesellschaft war Liss sehr still; es schien, als hätte das Mädchen allzu viel Ehrfurcht vor ihrer Umgebung. Oder der Tratsch, mit dem die anderen sich die Zeit vertrieben, langweilte sie ebenso sehr wie Ista, die viel lieber Liss’ Geschichten gehört hätte.
Nachdem sie den Damen entkommen und in den gepflasterten Innenhof zurückgekehrt waren, erkundigte Ista sich nach dem Grund für Liss’ Schüchternheit.
»Nun«, erwiderte das Mädchen. »Ich denke, es liegt an dem Kleid. Ich fühlte mich neben all diesen hochwohlgeborenen Frauen wie ein Trampel. Ich weiß gar nicht, wie sie all diese Stoffmassen bewältigen. Ich jedenfalls werde irgendwann bestimmt darüber stolpern und dabei irgendwas zerreißen.«
»Lass uns ein wenig den Säulengang entlanggehen, damit ich meinen Wundschorf dehnen kann, wie die Akolythin mir geraten hat. Du kannst derweil ein bisschen üben, deine Seidenkleider zu schwenken, damit du mir an diesem Hof keine Schande bereitest. Erzähl mir dabei von deinem Ritt.«
Ista humpelte langsam den Kreuzgang entlang, genoss die Kühle und Stille und überschüttete Liss mit Fragen zu Einzelheiten ihrer Reise, doch Liss’ Stimme war ein so willkommener Klang, dass es letztendlich kaum eine Rolle spielte, worüber sie sprach. Von ihrem eigenen Ritt hatte Ista sehr viel weniger zu berichten. Sie konnte gut darauf verzichten, von den jokonischen Pferden zu erzählen, die sie als Strafe empfunden hatte, oder von den grün schillernden Fliegen, die sich um das vergossene Blut gesammelt hatten.
Als sie an einer Säule vorübergingen, streckte Liss die Hand aus und strich mit den Fingern über die filigranen Steinmetzarbeiten. »Es sieht aus wie steingewordener Brokat. Porifors ist eine viel schönere Burg, als ich erwartet hatte. Ist Lord Arhys dy Lutez tatsächlich so ein großer Schwertkämpfer, wie die Gräfin geprahlt hat?«
»Ja. Er erschlug vier von den Feinden, die versucht hatten, mit mir davonzureiten. Zwei weitere sind entkommen.« Sie hatte die beiden nicht vergessen. Im Rückblick war Ista beinahe froh darüber, dass der sprachkundige Offizier unter den Entkommenen war. Sie hatte mit ihm geredet, von Auge zu Auge, und konnte ihn nicht mehr nur als bloße Zahl sehen, die in den namenlosen Reihen der Gefallenen verschwand. Vielleicht war dies eine weibliche Schwäche — so wie die Weigerung, ein Tier zu essen, dem man einen Namen gegeben hatte und das man als Haustier betrachtete.
»Ist es wahr, dass Ihr bei Euer Rückkehr ins Lager auf dem Sattelbaum des Grafen geritten seid?«
»Ja«, sagte Ista knapp.
Liss riss vor Begeisterung die Augen auf. »Wie romantisch! Zu schade, dass er schon verheiratet ist, nicht wahr? Ist er wirklich so gut aussehend, wie seine Frau offensichtlich annimmt?«
»Das kann ich nicht sagen«, murmelte Ista, tat dann aber widerstrebend der Gerechtigkeit genüge und fügte hinzu: »Jedenfalls ist er ziemlich attraktiv.«
»Wundervoll, wenn einem so ein Herr zu Füßen liegt! Ich jedenfalls bin froh, dass Ihr nach all diesen Ereignissen an solch einen Ort gekommen seid.«
»Zu Füßen liegt« trifft es nicht ganz, dachte Ista, sagte aber: »Ich habe nicht vor, hier länger zu verweilen.«
Liss hob die Brauen. »Die Akolythin der Mutter meinte, Ihr könnt noch nicht weit reiten.«
»Ich sollte es wohl nicht. Zumindest wäre es nicht bequem. Aber ich könnte, falls nötig.« Ista folgte Liss’ bewunderndem Blick über den Hof, der so spät am Tag im Schatten lag, und versuchte, den Grund für ihr Unbehagen zu finden — einen Grund, der nichts mit schlechten Träumen zu tun hatte, sondern einen erklärbaren, vernünftigen Grund für eine Frau, die nicht im Mindesten verrückt war. Sie rieb sich die juckende Stelle auf der Stirn. »Wir sind hier zu nahe an Jokona. Ich weiß nicht, welche Bündnisse zu gegenseitiger Hilfeleistung es derzeit zwischen Jokona und Borasnen gibt, aber jeder weiß, dass der Hafen von Visping die Beute ist, auf die meine königliche Tochter ein Auge geworfen hat. Was für den Herbst geplant ist, wird nicht bloß ein Überfall an der Grenze sein. Außerdem gab es hier in diesem Frühjahr einen schrecklichen Vorfall, der die Beziehungen zum Fürsten von Jokona bestimmt nicht verbessert hat.« Ista blickte nicht zu dem Raum an der Ecke der Galerie hin.
»Meint Ihr Porifors Rittmeister, der von diesem jokonischen Höfling niedergestochen wurde? Goram hat mir davon erzählt, als wir dieses fette Palominopferd abgerieben haben. Ein seltsamer Bursche. Ich glaube, er ist nicht ganz richtig im Kopf. Aber er versteht etwas von Pferden.« Sie bemerkte, dass Istas Humpeln schlimmer wurde. »Setzt Euch, Majestät, und ruht ein wenig aus.« Sie führte Ista zu einer Bank, die an einem Ende des Hofes im Schatten lag, und sorgte mit einer Aura entschlossener Achtsamkeit dafür, dass Ista sich niederließ.
Nach einem Augenblick des Schweigens warf sie Ista einen Seitenblick zu. »Wie ich schon sagte — ein seltsamer alter Kauz, dieser Goram. Er wollte wissen, ob eine Königin von höherem Rang ist als eine Prinzessin. Weil ja die Prinzessin die Tochter eines Fürsten ist, Ihr aber nur die Tochter eines Herzogs seid. Und die Witwe von König Orico, Sara, ist zudem noch eine neuere Königinwitwe als Ihr. Ich habe ihm gesagt, dass ein Herzog von Chalion jeden roknarischen Fürsten aufwiegt, und dass Ihr außerdem die Mutter der Königin von ganz Chalion-Ibra seid, und das ist sonst niemand.«
Ista rang sich ein Lächeln ab. »Er trifft nicht häufig auf Königinnen, nehme ich an. Haben deine Antworten ihn beruhigt?«
Liss zuckte mit den Schultern. »Sieht so aus.« Ihr Stirnrunzeln vertiefte sich. »Ist es nicht seltsam, dass ein Mann so betäubt daliegt, und das für Monate?«
Jetzt war es an Ista, mit den Schultern zu zucken. »Schlaganfälle, Schädelbruch, ein gebrochenes Genick … Ertrinken … manchmal geschieht es.«