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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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Sie schaute ihn an wie damals, als sie noch klein waren und die Kinder beim Spielen das Getreide zertrampelt oder sonst etwas angestellt hatten, und er dann als Sohn des Farmers, der einzige Weiße unter ihnen, beim Farmer ein gutes Wort für sie einlegen musste. Sie weckte das schlafende Gesicht, indem sie es sanft mit dem Finger an der Backe kraulte, und ganz langsam öffneten sich die kleinen Augen, sahen nichts, schliefen noch, erwachten und wurden größer, blickten sie an, graue Augen mit gelben Flecken, ganz wie seine nussbraunen Augen.

Einen Moment lang war sein Gesicht verzerrt vor Wut und Selbstmitleid, kämpfte er mit den Tränen. Sie brachte es nicht fertig, die Hand nach ihm auszustrecken. Er sagte:

«Du bist noch nicht damit in der Nähe des Hauses gewesen?« Sie schüttelte den Kopf.

«Wirklich nicht?« Wieder schüttelte sie den Kopf.

«Nimm es nicht mit nach draußen. Bleib damit hier im Haus. Kannst du es denn nicht irgendwohin bringen. Du musst es jemandem geben …« Sie ging mit ihm zur Tür.

Er sagte:»Ich werde sehen, was ich mache. Ich weiß es noch nicht. «Und dann sagte er:»Ich könnte mich umbringen.« Ihre Augen begannen zu glänzen, füllten sich mit Tränen. Einen Augenblick lang überkam sie beide ein Gefühl wie damals, als sie zusammen unten am Flussbett waren.

Er ging hinaus.

Zwei Tage später, als sein Vater und seine Mutter den Tag über weggefahren waren, tauchte er wieder auf. Die Frauen waren auf den Feldern beim Unkrautjäten, eine Gelegenheitsarbeit, der sie den Sommer über nachgingen; nur die ganz Alten blieben zurück, sie hockten vor den Hütten auf dem Boden, in der prallen Sonne, umgeben von Fliegen. Thebedi bat ihn nicht herein. Dem Kind ging es nicht gut; es litt an Durchfall. Er fragte, wo seine Nahrung sei. Sie sagte:»Es bekommt die Milch von mir. «Er ging in Njabulos Haus hinein, wo das Kind lag; sie folgte ihm nicht, blieb vor der Hütte stehen und schaute, ohne es recht wahrzunehmen, einem alten Weib zu, das wirr im Kopf war und mit sich selbst sprach und mit den Hühnern, die keine Notiz von ihm nahmen.

Sie glaubte, ein leises Grunzen aus der Hütte zu vernehmen, wie es kleine Kinder von sich geben, wenn sie satt sind oder tief schlafen. Wie lange es dauerte, wusste sie nicht, doch nach einer Weile kam er wieder heraus und stapfte davon, ganz wie sein Vater, und verschwand in Richtung des Farmhauses.

In dieser Nacht wurde das Baby nicht gefüttert, und obwohl sie Njabulo immer wieder versicherte, es schliefe, sah er am nächsten Morgen, dass es tot war. Er tröstete sie mit Worten, streichelte sie. Sie weinte nicht, saß nur da und starrte zur Tür. Ihre Hände waren kalt wie tote Hühnerkrallen, als er sie berührte.

Njabulo begrub das Baby dort, wo auch die Farmarbeiter immer bestattet wurden, auf dem Platz draußen im Feld, den der Farmer ihnen überlassen hatte. Einige der Grabhügel waren ohne jede Markierung der Witterung überlassen, andere hatte man mit Steinen bedeckt, und bei manchen lagen umgestürzte Holzkreuze. Er wollte ein Kreuz machen, doch bevor er damit fertig war, kam die Polizei, öffnete das Grab und nahm das tote Baby mit: Jemand — einer der Farmarbeiter? Ihre Frauen? — hatte gemeldet, dass das Baby fast weiß war, kräftig und gesund, und dass es nach einem Besuch des jungen Farmers ganz plötzlich gestorben war. Die pathologische Untersuchung wies auf Darmverletzungen hin, die nicht unbedingt auf eine natürliche Todesursache schließen ließen.

Zum ersten Mal fuhr Thebedi in die Stadt, in der Paulus zur Schule gegangen war, um ihre Aussage bei der Voruntersuchung zu machen, mit der die Mordanklage gegen ihn vorbereitet wurde. Sie weinte hysterisch im Zeugenstand, sagte ja, ja (die goldenen Ohrreifen pendelten hin und her), sie habe gesehen, wie der Angeklagte eine Flüssigkeit in den Mund des Babys geschüttet habe. Sie sagte, er habe ihr gedroht, sie zu erschießen, wenn sie jemandem davon erzählte.

Über ein Jahr verging, bis in der gleichen Stadt das Gerichtsverfahren eröffnet wurde. Als sie den Gerichtssaal betrat, hatte sie ein neugeborenes Baby auf dem Rücken.

Sie trug goldene Ohrreifen; sie gab sich gefasst, sagte, dass sie nicht gesehen habe, was der weiße Mann im Hause tat.

Paulus Eysendyck sagte aus, dass er zwar die Hütte aufgesucht, jedoch nicht das Kind vergiftet habe.

Die Verteidigung bestritt nicht, dass zwischen dem Angeklagten und dem Mädchen ein Liebesverhältnis bestanden hatte, oder dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen war, warf aber ein, dass es keinen Beweis dafür gab, dass der Angeklagte der Vater des Kindes sei.

Der Richter teilte dem Angeklagten mit, dass ein schwerer Verdacht gegen ihn vorläge, aber dass es nicht genügend Beweise dafür gäbe, dass er das Verbrechen begangen habe. Die Aussage des Mädchens konnte das Gericht nicht anerkennen, denn es war offensichtlich, dass sie entweder in der Verhandlung oder bei der Voruntersuchung einen Meineid geleistet hatte. Das Gericht kam zu der Überlegung, dass sie womöglich als Komplizin zu betrachten war; doch auch hierfür gab es nicht genügend Beweise.

Der Richter lobte das ehrenhafte Verhalten des Ehemannes (der mit der braungelb karierten Golfmütze im Gerichtssaal saß, die er nur sonntags trug), der seine Frau nicht verstoßen habe und» von seinem kargen Einkommen sogar Kleidung kaufte für das unglückliche Kind«.

Das Urteil für den Angeklagten lautete» nicht schuldig«.

Der junge weiße Mann wies die Glückwünsche der Presse und des Publikums zurück und verließ den Gerichtssaal, wobei er zum Schütze vor den Fotografen den Regenmantel seiner Mutter vors Gesicht hielt. Sein Vater sagte vor der Presse:»Ich werde versuchen, so gut ich kann weiterzumachen, um meinen Ruf hier im Distrikt zu behalten.« Die Sonntagszeitungen, die jede ihren Namen wieder anders schrieben, zitierten das schwarze Mädchen — mit Foto — in ihrer eigenen Sprache:»Es war eine Sache aus unserer Kindheit, wir sehen uns heute nicht mehr.«

(Deutsch von Walter Hartmann)

Die Ironie des Hasses

von RUTH RENDELL

Wenn in fünfzig oder hundert Jahren Listen der besten Schriftsteller und Schriftstellerinnen unserer Zeit erstellt werden, und zwar ungeachtet des Genres, in dem sie schreiben, könnte Ruth Rendell (*1930), obwohl sie sich im Laufe ihrer Karriere mit Kriminalliteratur identifiziert hat, darauf einen hohen Rang einnehmen. Sie wurde als Ruth Barbara Grasemann in London geboren, als Tochter eines Lehrerehepaars, das seinen schöpferischen Ausgleich in der Malerei fand. Nachdem sie die Schule mit achtzehn verlassen hatte, schlug sie statt eines Universitätsstudiums eine kurze Laufbahn als Zeitungsreporterin in Essex ein. Nach der Heirat mit ihrem Berufskollegen Donald Rendell und der Geburt eines Sohnes gab sie den Journalismus auf, um sich ganz der Mutterschaft und dem Selbststudium durch extensive Lektüre zu widmen.

Rendells erster Roman mit dem Titel From Doom with Death (1964; dt. Alles Liebe vom Tod), in dem sie mit Reg Wexford und Mike Burden ihr ungleiches Polizistenpaar einführte, ist solide und traditionell und beschwört mit dem fintenreichen Plot fast unausweichlich den Vergleich mit Agatha Christie herauf. Die Regeln des Fair Play behielt Rendell bei, während ihre Romane an psychologischer und thematischer Dichte gewannen. Ihr zweiter Roman, Tb Fear a Painted Devil (1965; dt. Der Tod fällt aus dem Rahmen), gehört nicht zur Wexford-Serie, und nun wechseln sich die bei der Leserschaft höchst beliebten Wexford-Burden-Bücher mit oft düster gefärbten Kriminalromanen ab, die bei der Kritik sogar noch größeres Lob ernteten. In Mystery and Suspense Writers, einer 1998 erschienen Publikation der Scribner Writers Series, beschreibt B.J.Rahn diese nicht zur Wexford-Reihe gehörenden Bücher als» im Bewusstsein der Hauptfigur, ob nun Schurke oder Opfer, verwurzelt, deren Gefühle von Entfremdung, Angst, Hass und Furcht der Leser unmittelbar miterlebt«. Rendell, die von ihrem Vater Ruth und von ihrer Mutter Barbara gerufen wurde, benutzt beide Namen und schreibt mittlerweile auch unter beiden, nachdem sie mit A Dark-Adapted Eye (1986; dt. Die im Dunkeln sieht man doch) das Pseudonym Barbara Vine angenommen hatte. Die Vine-Romane, schreibt Rahn,»ergründen die Tiefen der menschlichen Psyche eher in der Art von Henry James als von Patricia Highsmith oder Alfred Hitchcock … Diese Romane zeichnen sich durch die subtile Manipulation der Erzählperspektive und komplexe Muster aus, die oft verblüffende ironische Überraschungen hervorbringen«.

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