Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
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Das war leichter beschlossen als getan. Was mich beflügelte und bestärkte, war das Bewusstsein, dass ich in den Augen der anderen kein Motiv hätte. Unsere Nachbarn fanden es wunderbar menschenfreundlich und tolerant von uns, dass wir uns überhaupt mit Brenda abgaben. Ich beschloss, ausgesprochen nett zu ihr zu sein anstatt einfach bloß unverbindlich locker, und nach Neujahr machte ich es mir zur Gewohnheit, auf meinem Rückweg von der Post oder vom Dorflädchen bei Brenda vorbeizuschauen, und wenn ich von der Arbeit kam und Laura zu Hause allein antraf, fragte ich, wo denn Brenda sei, oder schlug vor, sie unverzüglich anzurufen und zum Abendessen oder auf einen Drink einzuladen. Laura war höchst zufrieden.
«Ich hatte immer das Gefühl, du könntest Brenda nicht recht leiden, Liebling«, sagte sie.»Ich habe mir deswegen ziemliche Vorwürfe gemacht. Es ist schön, dass du allmählich siehst, wie nett sie im Grunde ist.« Was ich jedoch eigentlich zu sehen begann, war eine Möglichkeit, sie umzubringen und ungestraft davonzukommen, denn es geschah etwas, was sie mir gewissermaßen in die Hände spielte. In einem abgelegenen Cottage am Dorfrand lebte eine ältere, unverheiratete Frau namens Peggy Daley, und in der letzten Januarwoche brach jemand in ihr Cottage ein und erstach Peggy mit ihrem eigenen Küchenmesser. Die Polizei hielt es anscheinend für das Werk eines Psychopathen, denn es war nichts gestohlen oder beschädigt worden. Als sich abzuzeichnen begann, dass man den Mörder wohl nicht finden würde, überlegte ich, wie ich Brenda auf die gleiche Weise umbringen könnte, damit es aussah, als wäre der Mord vom gleichen Täter ausgeführt worden. Während ich noch dabei war, diesen Plan auszuarbeiten, erkrankte Laura an einer Grippe, die sie sich bei Mary Williamson eingehandelt hatte.
Natürlich kam Brenda, um sie zu pflegen, kochte mir das Essen und machte das Haus sauber. Weil alle glaubten, Peggy Daleys Mörder treibe sich noch im Dorf herum, begleitete ich Brenda abends nach Hause, obwohl ihr Cottage bloß ein paar Meter weiter oben an der Dorfstraße oder dem schmalen Fußweg lag, der am unteren Ende unseres Gartens verlief. Dort war es stockfinster, da wir uns alle heftig gegen die Installation einer Straßenbeleuchtung gewehrt hatten. Belustigt und mit einer gewissen Ironie bemerkte ich, wie Brenda zusammenzuckte und zurückwich, wenn ich sie bei diesen Gelegenheiten zwang, meinen Arm zu nehmen. Ich legte immer Wert darauf, mit ihr ins Haus hineinzugehen und sämtliche Lichter einzuschalten. Als es Laura allmählich besser ging und sie abends bloß schlafen wollte, ging ich manchmal etwas früher zu Brenda, trank noch ein Gläschen mit ihr und gab ihr einmal beim Abschied einen freundschaftlichen KUSS auf der Türschwelle, um eventuell zusehenden Nachbarn zu zeigen, was für gute Freunde wir waren und wie sehr ich Brendas liebevolle Betreuung meiner kranken Frau zu schätzen wusste.
Dann bekam ich selbst Grippe. Dieser Umstand schien meine Pläne zunächst zu durchkreuzen, denn einen allzu langen Aufschub konnte ich mir nicht leisten. Die Leute fingen schon an, sich weniger vor unserem marodierenden Mörder zu hüten, und kehrten zu ihrer alten Gewohnheit zurück, ihre Hintertüren unverschlossen zu lassen. Doch dann kam mir eine Idee, wie ich meine Krankheit in einen Vorteil verwandeln konnte. An jenem Montag, als ich bereits seit drei Tagen ans Bett gefesselt war und Brenda, dieser Krankenpflegeengel, mich fast genauso bemutterte, wie meine eigene Frau es tat, meinte Laura, sie würde an dem Abend nicht wie ausgemacht zu den Goldsmiths hinübergehen. Lieber wolle sie am Mittwoch gehen, falls es mir bis dahin besser ginge, denn sie hatte vor, lsabel beim Zuschneiden eines Kleides zu helfen. Nun hätte Brenda natürlich anbieten können, an ihrer Stelle bei mir zu bleiben, und ich glaube, Laura war etwas überrascht, dass sie es nicht tat. Ich aber kannte den Grund und lachte mir ins Fäustchen. Einerseits fand Brenda nichts dabei, umherzustolzieren und uns Geschichten über all die Männer aufzutischen, die sie schon gepflegt hatte, etwas ganz anderes aber war es, sich mit einem nicht sonderlich kranken Mann in dessen Schlafzimmer aufzuhalten.
Um mir ein Alibi zu verschaffen, musste ich also ziemlich krank wirken, aber nicht so krank, dass Laura deswegen zu Hause blieb. Am Mittwochmorgen fühlte ich mich schon bedeutend besser. Dr. Lawson schaute auf dem Rückweg von seinen Hausbesuchen nachmittags vorbei und verkündete nach ausführlicher Untersuchung, dass ich immer noch Schleim auf der Brust habe. Während er sich im Badezimmer die Hände wusch und mit seinem Stethoskop hantierte, hielt ich das Fieberthermometer, das er mir in den Mund gesteckt hatte, an den Heizkörper am Kopfende des Bettes. Es funktionierte besser als erhofft, eigentlich fast zu gut. Das Quecksilber schnellte auf vierzig Grad hoch, und ich tat noch ein Übriges, indem ich mit schwacher Stimme behauptete, mir sei schwindlig und ich hätte abwechselnd Schweißausbrüche und Schüttelfrost.
«Behalten Sie ihn im Bett«, sagte Dr. Lawson,»und geben Sie ihm genügend Warmes zu trinken. Ich glaube nicht, dass er aufstehen könnte, selbst wenn er wollte.« Mit etwas betretener Miene gestand ich, dass ich es versucht hätte, aber vergeblich, und dass meine Beine sich wie Wackelpudding anfühlten. Sofort meinte Laura, dann würde sie abends nicht aus dem Haus gehen, und ich pries Lawson insgeheim für seine Erwiderung, sie solle doch keinen Unsinn reden. Ich brauchte einfach nur Ruhe, und man solle mich schlafen lassen. Nach einigem Hin und Her, Selbstvorwürfen und dem Versprechen, höchstens zwei Stunden wegzubleiben, ging sie um sieben schließlich aus dem Haus.
Sobald der Wagen davongefahren war, stand ich auf.
Man konnte Brendas Haus von meinem Schlafzimmerfenster aus sehen, und ich stellte fest, dass sie Licht anhatte, aber keine Lampe am Hauseingang brannte. Es war eine dunkle, mond- und sternenlose Nacht. Ich zog Hosen und Pullover über meinen Schlafanzug und ging die Treppe hinunter.
Auf halbem Wege etwa wurde mir klar, dass ich mein Kranksein nicht hätte vorschützen müssen und mir den Trick mit dem Thermometer hätte sparen können. Ich war wirklich krank. Ich zitterte und wankte, immer wieder überströmten mich Schwindelwellen, und ich musste mich Halt suchend am Treppengeländer festklammern. Und das war nicht das Einzige, was schief gegangen war. Ich hatte vorgehabt, nach vollbrachter Tat zu Hause gleich meinen Mantel und die Handschuhe mit Lauras elektrischer Schere zu zerschneiden und die Fetzen im Kaminfeuer in unserem Wohnzimmer zu verbrennen. Doch dann konnte ich die Schere nicht finden, und mir ging auf, dass Laura sie wohl zu ihrer Schneidersitzung mitgenommen hatte.
Schlimmer noch, im Kamin brannte gar kein Feuer.
Unsere Zentralheizung funktionierte sehr gut, und Kaminfeuer machten wir nur zum Vergnügen und weil es so behaglich war. Laura hatte sich nicht die Mühe gemacht, es anzuzünden, während ich oben krank lag. In dem Moment wollte ich fast schon aufgeben. Doch dann sagte ich mir, jetzt oder nie. Solche Umstände und so ein Alibi würden sich nie wieder bieten. Entweder ich bringe sie jetzt um, dachte ich, oder verbringe den Rest meines Lebens in einer verhassten ménage à trois.
Die Regenmäntel und Handschuhe, die wir zur Gartenarbeit benutzten, bewahrten wir in einem Küchenschrank neben der Hintertür auf. Laura hatte nur im Hausflur Licht brennen lassen, und ich hielt es für unklug, weitere Lampen einzuschalten. Im Halbdunkel kramte ich im Schrank nach meinem Regenmantel, fand ihn und zog ihn an. Er kam mir etwas eng vor, weil mein Körper so steif und verschwitzt war, doch gelang es mir, ihn zuzuknöpfen. Dann streifte ich die Handschuhe über, nahm eins unserer Küchenmesser mit und schlüpfte durch die Hintertür hinaus. Es war keine frostige Nacht, aber nasskalt, unwirtlich und feucht.