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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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Ich ging durch den Garten, das Dorfsträßchen hinauf und in den Garten vor Brendas Cottage. Ich musste mich seitlich um das Haus herumtasten, weil nirgends Licht brannte. Doch das Küchenlicht war an und die hintere Tür nicht abgesperrt. Ich klopfte und trat einfach ein, ohne abzuwarten, dass mich jemand dazu aufforderte. In voller Abendmontur, mit Glitzerpulli, vergoldeter Halskette und langem Rock stand Brenda da und kochte sich ihr einsames Abendessen. Und plötzlich, zum allerersten Mal, als es schon nicht mehr darauf ankam, empfand ich Mitleid mit ihr. Da stand sie nun — eine attraktive, reiche, talentierte Frau mit dem Ruf einer Verführerin, und in Wirklichkeit hatte sie genauso wenig Menschen, die sie wirklich gern hatten, wie die alte Peggy Daley. Da stand sie, wie für eine Party herausgeputzt, in der Küche eines Cottage hinterm Mond und wärmte sich Spaghetti aus der Dose auf.

Sie drehte sich um und musterte mich furchtsam, aber wahrscheinlich nur, weil sie immer Angst hatte, wenn wir allein waren, ich würde ihr zu nahe kommen wollen.

«Du solltest doch im Bett bleiben!«, sagte sie, und dann:

«Wieso hast du denn diese Sachen an?« Ich gab ihr keine Antwort. Ich stach ihr wieder und wieder in die Brust. Sie ließ keinen Laut hören, nur ein leises ersticktes Stöhnen, brach zusammen und sank zu Boden. Obwohl ich schon gewusst hatte, wie es sich abspielen würde, es ja erhofft hatte, war der Schock doch groß, und da mir sowieso schon schummrig und komisch gewesen war, hätte ich mich am liebsten auch hingeworfen, die Augen zugemacht und geschlafen. Das war aber ausgeschlossen. Ich schaltete den Herd aus, vergewisserte mich, dass kein Blut auf meinen Hosen und Schuhen klebte, obwohl der Regenmantel voll damit war, und stolperte nach draußen, nicht ohne hinter mir das Licht auszuschalten.

Ich weiß nicht, wie ich den Weg zurück fand, so dunkel war es, und inzwischen war mir auch sehr schwindlig, und ich hatte heftiges Herzklopfen. Ich besaß noch genug Geistesgegenwart, den Regenmantel und die Handschuhe auszuziehen und beides in unseren Verbrennungsofen im Garten zu stecken. Am nächsten Morgen würde ich meine ganze Kraft zusammennehmen und die Sachen verbrennen müssen, bevor Brendas Leiche gefunden wurde. Das Messer wusch ich ab und legte es zurück in die Schublade.

Ich war gerade fünf Minuten im Bett, als Laura zurückkam. Sie war nicht einmal eine halbe Stunde weg gewesen. Ich drehte mich herum und schaffte es, mich aufzustützen und sie zu fragen, wieso sie schon so bald wieder da sei. Sie wirkte seltsam aufgeregt, fand ich.

«Was ist denn los?«, murmelte ich.»Hast du dir um mich Sorgen gemacht?« «Nein«, sagte sie,»nein. «Sie kam aber nicht näher oder legte mir die Hand auf die Stirn.»Es war bloß — lsabel Goldsmith sagte mir etwas — da habe ich mich aufgeregt – ich … Es hat keinen Zweck, jetzt darüber zu reden, wo du so krank bist. «In einem scharfen Tonfall, den ich bei ihr noch nie gehört hatte, sagte sie:»Kann ich dir irgendwas bringen?« «Ich will einfach bloß schlafen«, sagte ich.

«Ich schlafe dann im Gästezimmer. Gute Nacht.« Das war zwar recht vernünftig, doch hatten wir während unserer ganzen Ehe noch nie getrennt geschlafen, und sie konnte ja wohl kaum befürchten, dass sie sich bei mir ansteckte, schließlich hatte sie die Grippe gerade selbst überstanden. Ich war jedoch nicht imstande, mir darüber Gedanken zu machen, und verfiel in einen unruhigen Fieberschlaf voller Albträume. Einen dieser Träume weiß ich noch. Es ging darum, dass Laura selbst Brendas Leiche fand, eine nicht gerade abwegige Möglichkeit.

Sie fand sie allerdings nicht. Brendas Putzfrau fand sie.

Ich wusste, was passiert sein musste, weil ich von meinem Fenster aus das Polizeiauto heranfahren sah. Ungefähr eine Stunde später kam Laura herein, um mir zu sagen, was sie von Jack Williamson erfahren hatte.

«Es war bestimmt der gleiche Mann, der Peggy umgebracht hat«, sagte sie.

Es ging mir schon besser. Alles klappte gut.»Mein armer Liebling«, sagte ich,»dir muss schrecklich zumute sein, ihr wart ja so eng befreundet.« Sie sagte nichts. Sie zog mein Laken glatt und ging aus dem Zimmer. Ich wusste, dass ich aufstehen und den Inhalt des Ofens im Garten verbrennen musste, konnte aber nicht. Ich streckte meine Füße heraus und wollte den Boden berühren, doch mir war, als käme mir der Boden entgegen und würde mich zurückwerfen. Allzu große Sorgen machte ich mir allerdings nicht. Die Polizei würde denken, was Laura auch dachte, was bestimmt alle dachten.

Nachmittags kamen sie dann, ein Chief Inspector und ein Sergeant. Laura brachte sie in unser Schlafzimmer herauf, und sie sprachen mit uns beiden zusammen. Der Chief Inspector sagte, er habe gehört, wir seien mit der Toten eng befreundet gewesen, und wollte wissen, wann wir sie zum letzten Mal gesehen hatten und was wir am vorigen Abend gemacht hätten. Dann fragte er, ob wir eine Ahnung hätten, wer sie umgebracht haben könnte.

«Dieser Wahnsinnige natürlich, der die andere Frau ermordet hat«, sagte Laura.

«Ich sehe schon, Sie lesen keine Zeitung«, sagte er.

Normalerweise taten wir das. Ich las im Büro gewöhnlich eine Morgenzeitung und brachte eine Abendzeitung mit nach Hause. Doch ich war ja krank zu Hause gewesen. Wie sich herausstellte, war am Morgen des Vortags ein Mann wegen Mordes an Peggy Daley festgenommen worden. Vor Schreck zuckte ich zusammen, und sicher wurde ich auch blass. Den Polizisten schien es aber nicht aufzufallen. Sie dankten uns für unsere Mithilfe, entschuldigten sich für die Störung am Krankenbett und gingen. Als sie weg waren, fragte ich Laura, was lsabel denn zu ihr gesagt hatte, was sie am Abend zuvor so aufgeregt hatte. Sie kam zu mir herüber und legte die Arme um mich.

«Das ist jetzt egal«, sagte sie.»Die arme Brenda ist tot, auf eine schreckliche Art zu Tode gekommen, aber — hm, das klingt jetzt bestimmt sehr böse, aber — es tut mir nicht Leid. Schau mich nicht so an, Liebling. Ich liebe dich, und ich weiß, dass du mich liebst, und nun müssen wir sie vergessen und wieder so sein wie immer. Du weißt, was ich meine.« Das tat ich nicht, war jedoch froh, denn — was auch immer los gewesen war, es war vorbei. Ich hatte schon genug um die Ohren, auch ohne diese Kälte zwischen mir und meiner Frau. Obwohl Laura in jener Nacht neben mir lag, konnte ich wegen der Sachen im Verbrennungsofen kaum schlafen. Am nächsten Morgen bemühte ich mich nach Kräften, so zu tun, als ginge es mir schon viel besser.

Ich zog mich an und verkündete, Lauras Vorhaltungen zum Trotz, ich ginge in den Garten. Die Polizei war schon dort. Sie durchsuchte alle unsere Gärten und grub den von Brenda sogar um.

An dem Tag und auch an den darauf folgenden ließen sie mich in Ruhe, kamen aber einmal ins Haus, um Laura allein zu befragen. Als ich wissen wollte, was sie gesagt hätten, winkte sie bloß ab. Sie dachte vermutlich, es ginge mir noch nicht so gut, dass ich erfahren sollte, sie hätten sich nach meinen Aktivitäten und meinem Verhältnis zu Brenda erkundigt.

«Bloß eine Menge Routinefragen, Liebling«, sagte sie, doch ich war sicher, dass sie sich um mich ängstigte, und eine Barriere aus ihrer Angst um mich und meiner Angst um mich selbst erhob sich zwischen uns. Es scheint unglaublich, aber an jenem Sonntag sprachen wir kaum miteinander, und wenn wir es taten, wurde Brendas Name nicht erwähnt. Abends saßen wir schweigend da, ich hatte den Arm um Laura gelegt, ihr Kopf lag an meiner Schulter, und wir warteten, warteten …

Am Morgen kam die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl. Laura wurde ins Wohnzimmer gebeten, ich sollte im Arbeitszimmer warten. Da wusste ich, dass es nur noch eine Frage der Zeit war. Sie würden das Messer finden und natürlich Brendas Blut darauf entdecken. Ich hatte mich so krank gefühlt, als ich es sauber machte, dass ich mich nun nicht mehr erinnern konnte, ob ich es abgeschrubbt oder nur unter fließendem Wasser gespült hatte.

Nach langer Zeit kam der Chief Inspector allein herein.

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