Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Die Klappe war nicht verriegelt. Wäre er mit seinem ganzen Körpergewicht draufgetreten, wäre er vermutlich einfach in die Tiefe gestürzt…
Hastig ließ er sich auf die Knie sinken, löste seine Peitsche vom Gürtel und wickelte sich das Ende um den linken Arm. Dann reichte er den Griff an Quinn weiter.»Festhalten!«befahl er knapp.
Quinn gehorchte, und auch der Soldat machte keine Einwände mehr, sondern sah ihn nur verstört an, als er sich behutsam vorbeugte und die gespreizten Finger der Rechten auf die Klappe legte.
Es war genauso, wie er vermutet hatte: Die Klappe war geschlossen, aber nicht verriegelt. Er mußte sich nicht einmal besonders anstrengen, um die eine Hälfte ganz herunterzudrücken.
Eiskalter Wind schlug ihm ins Gesicht, und obwohl er sich mit beiden Knien auf sicherem Boden befand und sich noch dazu an der Peitsche festhielt, schwindelte ihm im ersten Moment. Unter ihm lag nichts als das Meer, scheinbar Meilen entfernt.
«Was… tun Sie da?«fragte der Soldat nervös.
Indiana antwortete nicht, sondern beugte sich weiter vor.
Und was er sah, überraschte ihn nicht einmal mehr — aber es ließ ihn trotzdem erstaunt die Augen aufreißen.
Jemand war hier gewesen. Jemand, den sie offensichtlich gestört und der in aller Hast geflohen war, auf einem Weg, der selbst Indiana Jones einen eisigen Schauer über den Rücken laufen ließ: Unter der Dragon, nur nachlässig an der Klappe und ein paar durch den Rumpf getriebenen Drähten befestigt, baumelte eine Strickleiter. Der Eindringling mußte sich wie ein Trapezkünstler daran entlanggehangelt haben…
«Verdammt, was ist los?«fragte der Soldat hinter ihm.
Indiana richtete sich auf und sah ihn an.»Jemand war hier«, sagte er.»Unmittelbar vor uns. Wir haben ihn nur knapp verpaßt.«
«Quatsch!«meinte der Soldat überzeugt.»Wie sollte er wohl hier hereingekommen sein?«
Indiana trat einen Schritt von der Klappe zurück und machte eine einladende Handbewegung.»Sehen Sie selbst nach.«
Der Mann zögerte. Er wurde bleich und trat sogar im ersten Moment einen weiteren Schritt zurück — aber dann schürzte er trotzig die Lippen, legte sein Gewehr auf den Boden und griff nach der Peitschenschnur, die Quinn ihm hinhielt.
Er war noch bleicher, als er sich nach ein paar Augenblicken wieder aufrichtete und Indiana anstarrte.»Das ist… unglaublich«, murmelte er.»Ich sehe es, aber ich… ich glaube es einfach nicht.«
«Tun Sie es besser«, sagte Indiana grimmig.»Und bis Sie sich dazu durchgerungen haben, gehen Sie vielleicht hinunter und holen Lestrade. Ich glaube, das hier dürfte ihn interessieren.«
Der Mann verließ den Frachtraum so schnell, daß es schon einer Flucht ähnelte. Indiana und Quinn schlossen mit vereinten Kräften die Klappe im Boden wieder, und diesmal überzeugte Indiana sich davon, daß sie auch wirklich verriegelt war. Erst dann wagte er, aufzuatmen und sich wieder zu Dr. Rosenfeld herumzudrehen.»Was… was, um Gottes willen, ist das?«fragte sie verstört.
«Ich glaube«, sagte er,»das ist der Grand, warum niemand hier heraufdurfte. Der wirkliche Grund unserer Reise. Erinnern Sie sich noch, was Bates über die Dragon erzählte? Daß sie ein Versuchsschiff gewesen sei? Ein Prototyp, der niemals in Serie gegangen ist?«
«Sicher«, erwiderte Doktor Rosenfeld.»Und?«
«Jetzt wissen Sie auch, warum«, sagte Indiana.»Die Dragon ist kein Forschungsschiff. Das ist sie niemals gewesen. Sie ist ein Bomber. «Er deutete anklagend mit der Hand auf die riesigen Zylinder in dem Metallgestell hinter ihnen.»Das da sind Torpedos!«
Es dauerte nur wenige Minuten, bis Lestrade kam. Und er war nicht allein: In seiner Begleitung befanden sich Dr. Browning, Morton und auch Bates. Und vier bewaffnete Soldaten, die wie durch Zufall einen perfekten Halbkreis um Indiana, Dr. Rosenfeld und den Eskimo bildeten.
Lestrade ließ Indiana gar nicht erst zu Wort kommen, sondern brüllte sofort los:»Wer, zum Teufel, hat Ihnen erlaubt, in diesen Teil des Schiffes zu gehen?!«
«Niemand«, antwortete Indiana,»aber — «
Lestrade hörte nicht zu, sondern fuhr mit einer wütenden Bewegung den Posten an, der vor Quinns Tür gestanden hatte:»Und Sie, Leutnant, machen sich auf ein Kriegsgerichtsverfahren gefaßt! Sie hatten strengsten Befehl, niemanden hier hereinzulassen!«
«Das hat er auch nicht«, sagte Indiana ruhig.
Im ersten Moment glaubte er fast, daß Lestrade auch jetzt nicht auf seine Worte reagieren würde, aber dann drehte sich der Colonel langsam um und funkelte ihn an. Sein Gesicht war nicht nur zornig, der Ausdruck darauf war beinahe haßerfüllt.
«Ich habe die Tür geöffnet«, stellte Indiana fest.»Gegen seinen Willen übrigens.«
«Dann hätte er Sie daran hindern müssen!«
«Und wie?«fragte Indiana mit einem süffisanten Lächeln.»Sollte er Quinn, Dr. Rosenfeld und mich vielleicht erschießen?«
«Was, zum Teufel, hatten Sie überhaupt hier zu suchen?«schnappte Lestrade.
«Gar nichts«, erwiderte Dr. Rosenfeld.»Wir wollten Dr. Jones’ Freund und den Hunden einen Besuch abstatten. Aber eines der Tiere ist entwischt und fing an, an der Tür zu kratzen und zu bellen. «Sie deutete auf Fenris, der sich neben Quinns Füßen niedergelassen hatte und Lestrade und die ihn begleitenden Soldaten mißtrauisch musterte.
«Sie sollten froh sein, daß der Hund so wachsam war«, sagte Indiana, bevor Lestrade abermals lospoltern konnte.»Jemand war hier drinnen. Und ohne das Tier hätten wir es niemals bemerkt.«
«Das ist völlig ausgeschlossen!«behauptete Lestrade.»Es sei denn, und damit wandte er sich wieder an den Wachsoldaten, der unter seinem Blick zusammenfuhr wie ein geprügelter Hund,»Sie sind nicht die einzigen, die diese Schlafmütze da vorbeigelassen hat.«
«Der Mann hat sich nichts zuschulden kommen lassen«, beharrte Indiana. Der Posten warf ihm einen raschen dankbaren Blick zu, der Lestrade übrigens keineswegs entging, und Indiana beeilte sich zu erklären, auf welchem Wege der unbekannte Eindringling in den Torpedoraum hinein- und auch wieder herausgekommen war. Lestrade hörte ihm schweigend zu, aber der Ausdruck, der sich dabei auf seinem Gesicht ausbreitete, machte sehr deutlich, was er von Indianas Ausführungen hielt.
«Das ist ausgeschlossen!«behauptete er, als Indiana zu Ende berichtet hatte.»Was Sie da erzählen, ist völlig unmöglich.«
«Vielleicht aber auch nicht«, mischte Browning sich ein. Lestrade warf ihm einen wütenden Blick zu, aber der Regierungsbeauftragte fuhr unbeirrt fort:»Ein wirklich geschickter Mann könnte es schaffen. Voraussetzung wäre allerdings, daß er Nerven wie Drahtseile hat.«
«Ja«, grollte Lestrade.»Oder fliegen kann!«
«Was ist los mit Ihnen, Colonel?«fragte Indiana.»Haben Sie Angst davor zuzugeben, daß sich ein Verräter an Bord befindet? Oder wollen Sie nur nicht eingestehen, daß Sie sich geirrt haben, was die beiden Deutschen angeht?«
«Wie meinen Sie das?«zischte Lestrade.
Indiana lächelte abfällig.»Nun, Major von Ludolf und Loben sitzen ja wohl offensichtlich immer noch in ihrer Kabine. Sie können es kaum gewesen sein.«
«Und für meine Mannschaft lege ich die Hand ins Feuer«, sagte Lestrade wütend.»Für jeden einzelnen Mann.«
«Tja, dann bleibt ja nur noch eine Möglichkeit übrig«, grinste Indiana spöttisch.»Dann muß es wohl einer von uns gewesen sein. Oder wir haben einen blinden Passagier an Bord.«
«Was bedeutet das alles hier überhaupt?«fragte Dr. Rosenfeld, ehe Lestrade antworten und damit wahrscheinlich vollends einen Streit vom Zaun brechen konnte.
Lestrades Kopf ruckte mit einer zornigen Bewegung herum. Seine Augen blitzten, als er die dunkelhaarige Neurologin anstarrte.»Das geht Sie überhaupt nichts an!«