Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Doktor Rosenfeld schüttelte entschieden den Kopf.»Er ist nicht mehr und nicht weniger hysterisch als jeder Mann hier an Bord«, sagte sie überzeugt.»Glauben Sie mir, ich habe ein bißchen Erfahrung in solchen Sachen. «Sie lächelte flüchtig, aber Indiana blieb ernst.
«Jeder hat irgendwo seine Grenzen«, sagte er.»Ich frage mich, was auf diesem Berg geschehen ist, das ihm solche Angst macht.«
«Er hat ein paar seiner Männer verloren«, antwortete Doktor Rosenfeld.»Und wurde selbst schwer verletzt.«
Indiana schüttelte abermals den Kopf.»Das allein ist es nicht«, beharrte er.»Sie haben ihn doch gesehen, oder? Er war halb wahnsinnig vor Angst. Und Professor van Hesling hat es völlig um den Verstand gebracht.«
«Van Hesling war wochenlang auf diesem Eisberg«, berichtigte Doktor Rosenfeld.»Vielleicht sogar Monate. Er war mehr tot als lebendig, als Morton ihn fand.«
«Wir sollten aufhören, uns verrückt zu machen, noch ehe wir dort sind«, sagte Indiana entschieden. Plötzlich hatte er eine Idee.
«Ich gehe jetzt hinauf zu Quinn und den Hunden, um ihnen ein bißchen Gesellschaft zu leisten«, meinte er.»Hätten Sie nicht Lust mitzukommen?«
Doktor Rosenfeld zögerte.
«Die Hunde sind friedlich«, sagte Indiana hastig.»Sie tun keinem Menschen etwas. Und Quinn auch nicht.«
Doktor Rosenfeld zögerte noch eine Sekunde, aber dann nickte sie.»Warum eigentlich nicht?«fragte sie.
Sie verließen den Aufenthaltsraum und stiegen die Treppe hinauf. Es war düster wie immer hier oben, und es war noch kälter geworden: Ihr Atem erschien als weißer Dampf vor ihren Gesichtern, und Indianas Fingerspitzen begannen vor Kälte zu kribbeln. Er schauderte — und fühlte sich gleichzeitig ein wenig schuldbewußt. Er war in den letzten beiden Tagen kaum hier herauf gekommen. Er hätte es viel eher tun sollen. Vielleicht wäre ihm dann aufgefallen, wie kalt es hier oben geworden war. Quinn und seine Tiere mußten halb erfroren sein.
Der Gedanke rief ihm wieder Lestrades ausdrücklichen Befehl ins Gedächtnis, daß nicht nur die Tiere, sondern auch Quinn die Reise in den Laderäumen zu verbringen hatten. Und die abfällige Art, in der der Colonel über den Eskimo gesprochen hatte. Und das erfüllte ihn mit einem tiefen Groll gegen den Kommandanten der Dragon.
Das Gefühl irritierte ihn. Er hatte allen Grund, ärgerlich auf Lestra-de zu sein, ja sogar wütend, aber das, was er im Augenblick spürte, das war… beinahe so etwas wie Haß. Etwas, das ihn an den Blick des Matrosen erinnerte, den er unten versehentlich angerempelt hatte.
Vor der Tür von Quinns Unterkunft stand ein Soldat mit Pelzjacke und Handschuhen. Der Mann blickte Doktor Rosenfeld und ihm mißtrauisch entgegen, trat aber wortlos zur Seite, als Indiana eine entsprechende Bewegung machte.
Indiana klopfte — Quinn hatte darauf bestanden, daß er sich mit einem Klopfzeichen meldete, denn er würde niemand anderen als ihn zu seinen Tieren lassen —, und Augenblicke später hörte er, wie sich schwere Schritte der Tür näherten. Ein Schlüssel wurde im Schloß gedreht, und dann schwang die dünne Tür nach innen auf. Quinns mächtige, in einen dicken Pelzmantel gehüllte Gestalt erschien in der Öffnung.
Und eine zweite, sehr viel kleinere und struppige Gestalt, die mit einer blitzschnellen Bewegung zwischen Quinns Beinen durchflitzte und um ein Haar Doktor Rosenfeld von den Füßen gerissen hätte, wäre sie nicht rasch genug zur Seite gesprungen.
«Fenris!«schrie Quinn und setzte dem Hund nach. Das Tier schlug einen blitzschnellen Haken, so daß Quinns zupackende Hände ins Leere griffen, und rannte direkt auf den Soldaten zu.»He!«brüllte der Mann.»Bleib stehen!«Er beugte sich vor, streckte die Hände aus — und zog sie mit einem Schrei wieder zurück, als der Husky mit einem wütenden Knurren nach seinen Fingern schnappte. Sein rechter Handschuh färbte sich rot.
Der Mann keuchte vor Schmerz, taumelte einen Schritt rückwärts und steckte die verwundete Hand unter die Achselhöhle.
«Du verdammtes Mistvieh!«kreischte er, holte aus und versetzte dem Husky einen wuchtigen Fußtritt in die Flanke, der das Tier mit einem schrillen Jaulen gegen die Wand prallen ließ. Wütend riß der Soldat seine Waffe von der Schulter und stieß sie nach vorne, um das Tier mit dem aufgepflanzten Bajonett aufzuspießen.
Er kam nicht dazu, die Bewegung zu Ende zu führen, denn plötzlich war Quinn über ihm, riß ihm mit der Linken das Gewehr aus der Hand und packte ihn mit der rechten Hand an der Brust, um ihn wie ein Kind in die Höhe zu heben. Der Soldat brüllte vor Wut und Schmerz, strampelte mit den Beinen und schlug mit beiden Fäusten nach Quinns Gesicht. Er traf, aber der schwarzhaarige Riese schien die Hiebe nicht einmal zu spüren. Er schüttelte den Soldaten wie einen nassen Hund, ließ ihn plötzlich fallen und ballte die Faust, als der Mann vor ihm zusammenbrach.
«Quinn!«
Indianas Schrei ließ den Eskimo erstarren. Einen Moment lang stand er noch reglos und drohend über den Soldaten gebeugt da, dann trat er zurück, entspannte sich und fuhr mit einer blitzartigen Bewegung herum, um sich um seinen Hund zu kümmern.
Indiana kniete neben dem Soldaten nieder und streckte die Hände aus.»Alles in Ordnung mit Ihnen?«fragte er.
Die Reaktion des Soldaten fiel anders aus, als er erwartet hatte: Der Mann richtete sich mit einer blitzartigen Bewegung wieder auf, schlug Indianas hilfreich ausgestreckte Hände zur Seite und funkelte ihn zornig an. Dann verzog er das Gesicht, hob die rechte Hand und versuchte, mit den Zähnen den Handschuh herunterzuzerren.
«Warten Sie«, rief Doktor Rosenfeld.»Ich helfe Ihnen.«
Tatsächlich protestierte der Mann nicht mehr, als dann Doktor Rosenfeld neben ihm in die Hocke ging, behutsam seine Hand nahm und mit spitzen Fingern den Handschuh herunterzog. Indiana registrierte erleichtert, daß er nicht so schlimm verletzt war, wie es im ersten Moment den Anschein gehabt hatte. Der dicke Pelzhandschuh hatte das Schlimmste verhütet. Die Hand blutete zwar heftig, aber es war nur eine Fleischwunde. Er überlegte, ob der Mann überhaupt wußte, welches Glück er gehabt hatte. Quinns Huskys waren ausgesucht starke Tiere. Und Fenris, das Leittier des Rudels, konnte einem Mann normalerweise mühelos die Hand abbeißen.
«Das sieht schlimmer aus, als es ist«, murmelte Doktor Rosenfeld beruhigend.»Aber die Wunde muß verbunden werden. Warten Sie — ich hole etwas.«
Der Soldat starrte erst sie, dann länger und sehr viel wütender Indiana Jones und den Eskimo an und riß seine Hand schließlich mit einem Ruck wieder an sich.»Das ist alles eure Schuld!«sagte er.»Sie und dieser… Wilde mit seinen Bestien!«
Indiana warf Quinn einen raschen besorgten Blick zu. Aber wenn der Eskimo die Worte überhaupt gehört hatte, reagierte er jedenfalls nicht darauf. Er kniete neben seinem Hund, hatte ihn wie ein krankes Kind in die Arme genommen und streichelte ihm beruhigend den Kopf. Auch das Tier schien nicht wirklich verletzt, soweit Indiana das beurteilen konnte — und doch… Irgend etwas stimmte nicht mit ihm. Fenris’ Lefzen waren gehoben und das ehrfurchtgebietende Gebiß drohend gebleckt. Seine Flanken zitterten vor Erregung, und aus seinem Maul troff Speichel.
«Was ist mit ihm?«fragte Indiana.
«Ich weiß es nicht«, antwortete Quinn. Er warf einen weiteren zornigen Blick auf den Soldaten, aber auch er schien zu spüren, daß Fenris nicht nur wegen des Fußtritts so zitterte. Der Hund war vorher schon erregt gewesen, und überhaupt: Indiana konnte sich nicht erinnern, daß einer der Huskys in der ganzen Zeit, die sie jetzt an Bord waren, auch nur einmal versucht hätte davonzulaufen.
«Kann es sein, daß er irgend etwas wittert?«fragte er.
Quinn zuckte nur mit den Schultern und fuhr fort, den Hund zu streicheln und ihm beruhigende Worte ins Ohr zu flüstern, und Indiana wandte sich an den Soldaten, der sich mittlerweile wieder aufgerichtet hatte.